In dieser Episode ist Nils Bauer, CEO der octo education GmbH, zu Gast. octo liefert die Software hinter Hochschulen und Akademien – rund 15 % der Studierenden in Deutschland werden über die Plattform verwaltet, von der TU Darmstadt bis zur Uni Hamburg. Gemeinsam mit Gastgeber Uve spricht Nils offen darüber, wie er das Unternehmen in den letzten drei Jahren saniert und neu erfunden hat: vom projektgetriebenen Softwarehaus zum Product-First-Anbieter, in dem KI-Agenten über Nacht Software bauen.
Halbzeit 1: Die Strategie-Analyse
Wie wird ein Legacy-Softwarehaus zum skalierenden Plattformanbieter? Die Analyse der Product Principles:
Purpose: Bildungsmacherinnen sollen mehr erreichen. Wenn Verwaltung digital und günstig wird, können sich Bildungseinrichtungen Menschen statt nur KI-Agents leisten – und das Lernen von Mensch zu Mensch bleibt erhalten.
Blue Ocean statt Feature-Wettlauf: Statt Ausschreibungen mit über 900 Anforderungen zu bedienen, baut octo ganze Bildungsstandorte – wie ein Oktopus mit vielen Armen, der Partner- und sogar Konkurrenzsoftware integriert.
Open Innovation: Neue Module wie ein Billing Layer für die komplexe Abrechnung von Bildungsprodukten werden auch für Konkurrenzsysteme geöffnet.
Co-Creation nach Datenpunkten: Kunden senden Signale, daraus entstehen Funktionen, Prozesse und Module, die mit weiteren Kunden verprobt werden – statt Einzelprojekte nach Wunschliste.
Plattform-Architektur als Fundament: „In der dunkelsten Stunde der Sanierung“ investierte octo in eine neue Architektur nach dem Vorbild der deutschen Industrie. Oberflächen und Tenant Management stehen, Teams schrauben ihre Funktionen einfach an: „Wenn du Lego konntest, kannst du auch jetzt Software.“
Agentische KI-Fabrik: KI saniert Legacy-Code, Sprints dauern eine Nacht. Spitzenperformer bauen allein oder zu zweit ganze Lösungen mit Agenten, die sich nachts gegenseitig kontrollieren.
Halbzeit 2: Das Team-Framework
Die Transformation braucht ein Team, das Verantwortung übernimmt. Die Team Principles bei octo:
Eigenverantwortung über den Wertbeitrag: Beim Neustart standen zwei Sätze: Erst mal wieder Spaß haben – und weg vom Spiel „einer gegen 100“. Die Frage „Welchen Wertbeitrag hast du?“ stellen sich die Teams heute gegenseitig, begleitet von regelmäßigen Healthchecks.
Autoritätskritische Teamleads: An die Spitze gehören Menschen, die sich gegen Autoritäten wehren und sagen: „Gib her, ich mach das.“ Individual Contributors leben vor, statt anzuordnen.
Crossfunktionalität ohne Abteilungsgrenzen: Ein junges Führungsteam arbeitet über Academy, Higher Ed, Entwicklung und Product hinweg – bis hin zur Frage, ob es überhaupt getrennte Produkte braucht.
Rollen, die verschwimmen: Product Owner, Architekt, Entwickler und Berater verschmelzen zum „Erfinder“. Selbst Berater übersetzen ihr Wissen künftig in Agenten, die die Software selbst einrichten.
Entrepreneurship beginnt beim Kunden: Unternehmertum startet mit der Begeisterung für zufriedene Kunden und datengetriebenem Softwaredesign.
Agilität neu gemischt: Mit KI werden Pläne um den Faktor 5 bis 20 übertroffen – gleichzeitig verlangen Agenten präzisere Spezifikationen. Führung muss loslassen und ehrlich planen.
Unternehmen bauen ist zum großen Teil Handwerk: Man muss nicht genial sein, sondern diszipliniert an der Sache bleiben.
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