Megawatt & Friends – Energie neu denken Archiv
19 Episoden
36 Minuten
Batteriespeicher entwickeln sich vom Ergänzungsprodukt für die eigene PV-Anlage zu einem eigenständigen wirtschaftlichen Asset. Unternehmen können damit Lastspitzen reduzieren, Netzentgelte optimieren, günstige Strompreise nutzen oder zusätzliche Leistung bereitstellen, wenn der Netzanschluss nicht ausreicht. Für Dr. Nam Truong, Gründer und CEO von STABL Energy, sind Batteriespeicher deshalb das „Schweizer Taschenmesser der Energiewende“. Das Münchner Scale-up setzt auf eine modulare Multilevel-Wechselrichtertechnologie, mit der einzelne Batteriemodule separat angesteuert und bei Bedarf ausgetauscht werden können. Das soll Ausfallsicherheit, Reparierbarkeit und Lebensdauer erhöhen. Neben Second-Life- und sogenannten Second-Chance-Batterien will STABL künftig auch neue Batterien einsetzen und seine Technologie langfristig anderen Speicherherstellern zur Verfügung stellen.
51 Minuten
Mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie verändert sich der Strommarkt grundlegend: Auf negative Preise und günstigen Solarstrom folgen teure Stunden und Preisspitzen. Für Unternehmen kann diese Volatilität vom Risiko zur wirtschaftlichen Chance werden. Vorausgesetzt, sie können ihren Verbrauch flexibilisieren und bekommen die Preissignale des Marktes tatsächlich weitergereicht. Dr.Ing. Serafin von Roon ist Geschäftsführer der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) in München und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Strommarkt und Marktdesign. Im Gespräch mit dem Host Jan Liepold erklärt er, warum dynamische Stromtarife allein noch keinen Mehrwert schaffen: Entscheidend sind flexible Produktionsprozesse, Wärme, Elektromobilität oder Batteriespeicher, verbunden mit Daten, Prognosen und automatisierter Steuerung. Gerade für Industrieunternehmen können dabei auch vorhandene Netzanschlusskapazitäten zu einem wertvollen Asset werden. Von Roon sieht die Energiewende deshalb an einem neuen Punkt: Nach dem starken Ausbau der Erneuerbaren müssen nun Wärme und Verkehr stärker elektrifiziert und die daraus entstehenden Flexibilitäten erschlossen werden. Dafür braucht es intelligente Netze, Digitalisierung und Markt- und Netzsignale, die automatisiert beim Verbraucher ankommen. Unternehmen empfiehlt er, mit einem Transformationsplan zu starten, Erzeugung und Verbrauch gemeinsam zu betrachten und Flexibilität gezielt zu nutzen, um teure Stromstunden zu vermeiden.
42 Minuten
Gebäude sind für viele Unternehmen vor allem eines: die Hülle für Produktion, Maschinen und Arbeitsplätze. Dabei steckt gerade im Gebäudebestand erhebliches Potenzial, Energieverbrauch und Kosten dauerhaft zu reduzieren. Jan Karwatzki, Geschäftsführer des Öko-Zentrums NRW, plädiert deshalb für einen strategischen Blick auf das gesamte Gebäudeportfolio: Verbräuche und Emissionen erfassen, Einsparpotenziale identifizieren und Maßnahmen nach Wirkung und Wirtschaftlichkeit priorisieren. Karwatzki ist Architekt, Energieberater und seit mehr als 20 Jahren beim Öko-Zentrum NRW tätig. Das rund 50-köpfige Architektur- und Ingenieurbüro berät bundesweit Unternehmen und Kommunen beim energieeffizienten und nachhaltigen Bauen und Sanieren und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Nichtwohngebäude. Im Gespräch mit Moderator Jan Liepold erklärt Karwatzki, warum Unternehmen nicht mit Einzelmaßnahmen beginnen sollten, sondern mit einem Portfolio-Screening und einem Sanierungsfahrplan. Nicht jede energetische Verbesserung verlangt dabei sofort neue Fassaden oder Fenster: Auch optimierte Betriebsabläufe, Gebäudeautomation, Energiemonitoring oder eine bessere Steuerung der Wärmeversorgung können relevante Einsparungen ermöglichen. Selbstlernende Systeme und intelligente Gebäudesteuerung können laut Karwatzki allein Einsparungen von rund 10 bis 15 Prozent ermöglichen. Ein weiterer Schwerpunkt sind die neuen gesetzlichen Anforderungen an Nichtwohngebäude und die zunehmende Pflicht zur Gebäudeautomation. Gleichzeitig stehen Unternehmen verschiedene Fördermöglichkeiten zur Verfügung: von der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bis zur Energieeffizienzförderung für Prozesse und Querschnittstechnologien. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeitsrechnung ist dabei auch die Unterscheidung zwischen der eigentlichen energetischen Mehrinvestition und den sogenannten „Sowieso-Kosten“, die etwa beim ohnehin notwendigen Austausch einer Heizung entstehen würden. Außerdem sprechen die beiden darüber, warum ein professionelles Energiemanagement gerade für größere Verbraucher wirtschaftlich interessant ist, welche Rolle Energieberater bei Planung, Förderung und Umsetzung spielen und wie Unternehmen mit gemischten Gebäudeportfolios ihre Investitionen sinnvoll priorisieren. Eine mögliche Lösung sind auch zentrale Gebäudenetze oder Contracting-Modelle, bei denen mehrere Gebäude gemeinsam mit Wärme versorgt werden. Karwatzkis Botschaft an Unternehmen: Nicht auf die perfekte Gelegenheit warten. Technik und Bauleistungen dürften nicht günstiger werden, die Dekarbonisierung des Gebäudebestands wird ohnehin notwendig und Förderprogramme stehen heute zur Verfügung. Deshalb könnte gerade jetzt ein guter Zeitpunkt sein, eine belastbare Gebäudestrategie zu entwickeln und mit den ersten Projekten zu beginnen.
57 Minuten
Vom unbegleiteten Flüchtlingskind zum Gründer einer Unternehmensgruppe mit rund 500 Mitarbeitenden: Amir Roughani hat mit VISPIRON ein Unternehmen aufgebaut, das Digitalisierung, Mobilität und erneuerbare Energien verbindet. Im Gespräch mit Moderator Jan Liepold erklärt er, warum Unternehmen ihre Energieversorgung heute nicht mehr nur als Kostenfaktor, sondern als strategische Aufgabe und unternehmerische Chance begreifen sollten. VISPIRON entwickelt dafür schlüsselfertige Kombikraftwerke aus Photovoltaik, Batteriespeichern, Direktleitungen und Ladeinfrastruktur. Eine eigene Handelsplattform steuert, wann Strom direkt an ein Unternehmen geliefert, gespeichert, an Ladepunkten genutzt oder an der Börse vermarktet wird. So entsteht ein Multi-Use-Modell, das Stromkosten planbarer macht, neue Erlösquellen erschließt und Unternehmen unabhängiger von Preisschwankungen und geopolitischen Risiken werden lässt. Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt der Energiepark für die Jochen Schweizer Arena: Ein Solarpark mit rund 6,3 MWp, ein Batteriespeicher mit 12 MWh und eine Direktleitung ermöglichen nach Roughanis Angaben zeitweise bis zu 90 Prozent Energieautarkie. VISPIRON setzt rund 20 Projekte pro Jahr um – entweder gemeinsam mit den Unternehmen als Investmentpartner oder als Generalunternehmer. Typische Investitionsvolumina liegen zwischen fünf und 15 Millionen Euro, die Amortisationszeit meist zwischen zehn und 13 Jahren. Außerdem sprechen die beiden über das ChargeFarm-Konzept mit dynamischen Ladepreisen nach Sonnenstand, die Projekte bei der O₂ SURFTOWN und der Jochen Schweizer Arena sowie die Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Eigenversorgung: einen hohen Stromverbrauch, geeignete Flächen, ein belastbares Lastprofil und vor allem verfügbare Netzanschlusskapazitäten. Gerade der Netzanschluss ist für Roughani derzeit der größte Engpass der Energiewende. Sein Vorschlag: Netze nicht nur ausbauen, sondern durch realistischere Kapazitätsberechnungen, Smart Meter und intelligente Steuerung besser auslasten. Denn dezentrale Erzeugung stärkt aus seiner Sicht nicht nur Klimaschutz und lokale Wertschöpfung, sondern auch die Energieresilienz. Roughanis Appell an Politik und Wirtschaft: Erneuerbare Energien, Speicher und Elektrifizierung technologieoffen und über Legislaturperioden hinweg konsequent weiterentwickeln. Denn weder günstiger Strom noch unternehmerische Unabhängigkeit haben eine Parteifarbe.
48 Minuten
Der Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und Batteriespeichern nimmt Fahrt auf und zunehmend entscheidet das Stromnetz darüber, wie schnell die Energiewende tatsächlich vorankommt. Dr. Jörg Reichert, Vorsitzender Geschäftsführer von Netze BW, spricht mit Moderator Jan Liepold darüber, warum das Verteilnetz zum zentralen Rückgrat der Transformation wird und welche gewaltige Investitionsaufgabe damit verbunden ist. Mehr als 30 Milliarden Euro will Netze BW bis 2045 in sein Verteilnetz investieren. Allein bis 2030 soll das jährlich investierte Kapital im Stromnetz auf rund eine Milliarde Euro steigen. Denn große Teile der Hochspannungsinfrastruktur müssen erweitert oder neu gebaut werden. Gleichzeitig wächst der Druck durch neue Anschlussbegehren: Einer Spitzenlast von rund sieben Gigawatt stehen bei Netze BW inzwischen Batterieanfragen von deutlich mehr als zehn Gigawatt gegenüber. Für Jörg Reichert reicht deshalb „mehr Kupfer“ allein nicht aus. Bestehende Netze müssen besser ausgelastet, konsequent digitalisiert und Flexibilitäten intelligenter genutzt werden. Flexible Netzanschlussverträge, neue Kriterien für die Priorisierung anschlusswilliger Projekte sowie eine bessere Steuerbarkeit von Erzeugung und Verbrauch können dabei helfen, vorhandene Kapazitäten effizienter zu nutzen und die Kosten der Energiewende zu begrenzen. Außerdem sprechen die beiden darüber, warum das bisherige Windhundprinzip bei Netzanschlüssen an seine Grenzen kommt, welche Rolle Projektreife und Daseinsvorsorge künftig spielen könnten und weshalb ein attraktiver regulatorischer Rahmen entscheidend dafür ist, die Milliardeninvestitionen in die Netze zu finanzieren. Und es geht um die Frage, wie Digitalisierung, Smart Meter und KI dazu beitragen können, ein immer komplexeres Energiesystem sicher zu steuern. Reicherts Zielbild: Die Energiewende muss Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit zusammenbringen und dazu beitragen, industrielle Wertschöpfung in Deutschland zu halten. Denn eine leistungsfähige Energieinfrastruktur ist nicht nur Voraussetzung für die Transformation, sondern ein entscheidender Standortfaktor.
38 Minuten
Batteriespeicher galten lange vor allem als Ergänzung zur Photovoltaikanlage. Für Lucas Jonas, Mitgründer und CEO von Einklang Energy, beginnt ihre eigentliche Bedeutung für die künftige Stromversorgung von Unternehmen aber gerade jetzt. Im Gespräch mit dem Moderator Jan Liepold erklärt er, warum Batteriespeicher für mittelständische Unternehmen zunehmend zum strategischen Instrument der Energiebeschaffung werden. Und zwar unabhängig davon, ob bereits eine PV-Anlage vorhanden ist. Gemeinsam mit dem intelligenten Energiemanagement von Einklang und den dynamischen Stromtarifen von Energiepartnern wie meistro können Unternehmen ihre Stromkosten aktiv optimieren. Statt einen einzelnen Anwendungsfall zu bedienen, kombiniert das System Eigenverbrauchsoptimierung, dynamische Strompreise und Flexibilitätsvermarktung zu einer wirtschaftlich optimierten Gesamtlösung. Das Ziel: Strom genau dann beziehen, speichern oder vermarkten, wenn es den größten wirtschaftlichen Vorteil bringt.
44 Minuten
In dieser Folge von Megawatt & Friends, dem Podcast von meistro, spricht Jan Liepold mit Jochen Schwill, Gründer und CEO von SpotmyEnergy sowie Mitgründer von Next Kraftwerke, über die nächste Ausbaustufe der Energiewende: die intelligente Vernetzung von Photovoltaik, Batteriespeichern, Wärmepumpen und Elektroautos. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum Smart Meter weit mehr sind als digitale Stromzähler und weshalb sie die Voraussetzung dafür sind, Millionen dezentraler Energieanlagen zu einem virtuellen Kraftwerk zusammenzuführen. Jochen erläutert, warum in deutschen Haushalten bereits heute enorme Flexibilitätspotenziale schlummern und wie dynamische Stromtarife, intelligente Energiemanagementsysteme und automatisierte Steuerung dafür sorgen können, Strom genau dann zu nutzen oder zu speichern, wenn er besonders günstig und klimafreundlich verfügbar ist. Dabei wird deutlich: Die Energiewende entscheidet sich künftig nicht allein beim Ausbau erneuerbarer Energien, sondern vor allem daran, wie intelligent Erzeugung, Speicherung und Verbrauch miteinander vernetzt werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist der stockende Smart-Meter-Rollout in Deutschland. Jochen erklärt, warum wettbewerbliche Messstellenbetreiber den Ausbau deutlich beschleunigen können, welche regulatorischen Hürden heute noch bestehen und weshalb die Digitalisierung der Energiewende nur gelingt, wenn Technik, Handwerk und Energiewirtschaft enger zusammenarbeiten. Außerdem sprechen Jochen und Jan über virtuelle Kraftwerke, die Zukunft einer vollelektrischen Gesellschaft, die Rolle von Heimspeichern und Elektroautos als Flexibilitätsressourcen sowie darüber, warum die günstigste Batterie häufig bereits im Keller oder in der Garage steht.
38 Minuten
In dieser Folge von Megawatt & Friends, dem Podcast von meistro, spricht Jan Liepold am ersten Tag von Europas größter Fachmesse für Batterien und Energiespeichersysteme Electrical Energy Storage (EES) mit Georg Gallmetzer, einem der Gründer und Geschäftsführer des Großspeicherentwicklers und -betreibers ECO STOR, über die strategische Rolle von Batteriegroßspeichern für die Energiewende und darüber, warum Speicher inzwischen zu einer kritischen Infrastruktur geworden sind. Im Mittelpunkt steht die sogenannte Speicherlücke, also die fehlende Fähigkeit des Energiesystems, Strom aus Wind und Sonne genau dann bereitzustellen, wenn er gebraucht wird. Ausgangspunkt des Gesprächs sind einige der größten Batteriespeicherprojekte Deutschlands. Georg erläutert, warum ECO STOR heute Speicher im dreistelligen Megawattbereich entwickelt, weshalb mit Förderstedt derzeit Deutschlands größtes finanziertes Batteriespeicherprojekt unter der Führug von Eco Stor entsteht und wie private Investoren, Banken und neue Vermarktungsmodelle den Speicherhochlauf ermöglichen. Dabei wird deutlich: Die Speicherwende ist nicht nur eine technologische, sondern vor allem eine unternehmerische Herausforderung.
52 Minuten
In dieser Folge von Megawatt & Friends spricht Jan Liepold mit Stefan Rößler, dem Technischem Leiter der Therme Bad Wörishofen, über die Frage, wie ein energieintensiver Freizeitbetrieb seine Energieversorgung neu denken kann und warum daraus eines der spannendsten Energieprojekte im deutschen Mittelstand entstanden ist. Ausgangspunkt des Gesprächs ist eine beeindruckende Zahl: Die Therme Bad Wörishofen benötigt jährlich rund 19 Gigawattstunden Energie. Statt diese Abhängigkeit einfach hinzunehmen, hat das Unternehmen begonnen, seine Energieversorgung schrittweise umzubauen. Heute erzeugt eine 1,34-MW-PV-Anlage auf überdachten Parkflächen gemeinsam mit Batteriespeichern einen Großteil des benötigten Stroms. An guten Tagen produziert die Anlage sogar mehr Energie, als die Therme selbst verbraucht. Im Gespräch wird deutlich, dass die eigentliche Innovation nicht in den Solarmodulen oder Batteriespeichern liegt. Sie besteht darin, Energieversorgung als Teil der unternehmerischen Resilienz zu verstehen. Denn wer Strom und Wärme zunehmend selbst erzeugen kann, ist weniger abhängig von Krisen, Preissprüngen und externen Versorgungsrisiken. Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist die praktische Umsetzung. Stefan Rößler berichtet offen über Genehmigungsverfahren, Netzanschlüsse, Speicherstrategien und die Bedeutung starker Partner. Gleichzeitig zeigt er auf, warum Batteriespeicher, intelligente Steuerungssysteme und künftig auch Großwärmepumpen zentrale Bausteine einer wettbewerbsfähigen Energieversorgung werden könnten.
44 Minuten
In dieser Folge von Megawatt & Friends spricht Jan Liepold mit Prof. Dr. Henrik te Heesen vom Umweltcampus Birkenfeld der Hochschule Trier über den aktuellen Stand der Energiewende. Die gute Nachricht des Physikers: Deutschland ist technologisch oft weiter ist, als die öffentliche Debatte vermuten lässt. Und: Die Energiewende scheitert nicht an der Physik. Die Technologien sind vorhanden, die Richtung ist klar und viele Lösungen funktionieren bereits heute im Markt. Die eigentlichen Herausforderungen liegen inzwischen in Bürokratie, Infrastruktur, fehlender Digitalisierung und mangelnder Geschwindigkeit bei der Umsetzung. Gemeinsam analysieren Jan und Prof. te Heesen die drei großen Baustellen der Transformation: Strom, Wärme und Verkehr. Während der Ausbau von Photovoltaik und Windenergie sichtbar Fahrt aufgenommen hat, bleibt insbesondere die Wärmewende eine enorme Herausforderung. Ein besonderer Fokus der Folge liegt auf Batteriespeichern, intelligenten Netzen und der Rolle von Unternehmen. Prof. te Heesen erklärt anschaulich, warum große Batteriespeicher künftig eine Schlüsselrolle für stabile Strompreise und Netzstabilität spielen werden und weshalb Unternehmen enorme Chancen haben, durch intelligente Lastverschiebung, PV-Anlagen, Ladeinfrastruktur und Energiemanagement Kosten zu senken und Wettbewerbsvorteile aufzubauen. Dabei wird deutlich: Energie entwickelt sich zunehmend vom reinen Kostenfaktor zum strategischen Geschäftsfeld. Unternehmen, die ihre Prozesse flexibilisieren und dynamische Strompreise intelligent nutzen, können nicht nur ihre Energiekosten reduzieren, sondern aktiv zur Stabilisierung des Energiesystems beitragen. Darüber hinaus geht es um die Rolle von KI, Smart Metern und datenbasiertem Energiemanagement. Te Heesen plädiert für mehr Pragmatismus, schnellere Genehmigungsverfahren und einen neuen Innovationsgeist. Statt ständig über Risiken zu sprechen, müsse Deutschland wieder stärker ins Machen kommen. Zum Abschluss wirft die Folge einen Blick auf die nächste Generation von Fachkräften für die Energiewende. Trotz rückläufiger Studierendenzahlen in technischen Fächern sieht te Heesen große Chancen: Junge Menschen, die Technik, Wirtschaft und KI zusammendenken, könnten zu entscheidenden Treibern der Transformation werden.
1 Stunde 1 Minute
In dieser Folge von Megawatt & Friends spricht Jan Liepold mit Heimo Ecker-Eckhofen, Initiator und Geschäftsführer des Projekts Sonnenspeicher Süd, über eines der ambitioniertesten Wärmeprojekte Europas. In einem ehemaligen Basaltsteinbruch südlich von Graz soll ein gigantischer saisonaler Wärmespeicher entstehen, gespeist durch Solarthermie, Großwärmepumpen und Biomasse. Ziel: Bis zu einem Drittel der Grazer Fernwärme klimafreundlich bereitzustellen. Im Zentrum des Gesprächs steht eine oft unterschätzte Erkenntnis der Energiewende: Stromspeicher stehen aktuell im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung, Wärmespeicher dagegen kaum. Dabei entscheidet gerade im urbanen Raum die Wärmeversorgung darüber, ob Dekarbonisierung gelingt. Heimo erklärt anschaulich, wie der geplante riesige Wasserspeicher in einem Basaltsteinbruch funktioniert, warum große Volumina physikalische Vorteile haben und weshalb gespeicherte Sommerwärme im Winter zum strategischen Wärmeversorgungsfaktor werden kann. Besonders spannend ist die Verbindung aus Vision und Pragmatismus. Der Steinbruch existiert bereits, ebenso die Nähe zur Fernwärmeinfrastruktur von Graz. Genau daraus entstand die Idee, bestehende Landschaftsnutzung mit neuer Energieinfrastruktur intelligent zu verbinden. Statt auf der grünen Wiese zu bauen, wird vorhandene Industriefläche transformiert. Dait ist das Projekt ein Beispiel dafür, wie Kreislaufdenken auch im Energiesystem funktionieren kann. Im Interview wird auch deutlich, wie komplex solche Projekte in der Realität sind. Genehmigungen, Flächenwidmung, Förderlogik, Finanzierung und politische Prozesse kosten oft mehr Zeit als die Technik selbst. Heimo beschreibt offen, wie viel Beharrlichkeit notwendig ist, um Großprojekte in Europa umzusetzen und warum unternehmerischer Mut dabei oft wichtiger ist als perfekte Rahmenbedingungen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die wirtschaftliche Perspektive. Das Projektvolumen liegt im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Dennoch argumentiert Heimo klar: Wer langfristig stabile, regionale und fossilfreie Wärme liefern will, muss heute in Infrastruktur investieren, statt morgen dauerhaft hohe Importkosten zu bezahlen. Wärmespeicher seien kein Luxus, sondern eine Versicherung gegen Energiekrisen und volatile Märkte. Darüber hinaus erzählt Heimo von seinem persönlichen Weg: vom biologisch geführten Landwirtschaftsbetrieb über die dort entwickelte Kiesabbaufläche, zu kleinen Wasserkraftwerken und schwimmende Photovoltaik bis hin zum wohl größten Projekt seiner Laufbahn. Seine Geschichte zeigt, dass Energiewende oft nicht in Konzernzentralen beginnt, sondern bei Unternehmern, die Chancen erkennen, Verantwortung übernehmen und beharrlich handeln. Die Folge ist ein spannender Blick auf die Wärmewende im großen Maßstab: technisch fundiert, wirtschaftlich relevant und menschlich nahbar. Wer verstehen will, warum Europas Energiezukunft nicht nur aus Batterien, sondern auch aus smart genutzten Wärmespeichern bestehen könnte, sollte diese Folge hören.
38 Minuten
In dieser Folge von Megawatt & Friends spricht Jan Liepold mit Dr. Niklas Panten, Gründer und CEO von etalytics, über die Rolle von Künstlicher Intelligenz im Energiemanagement von Unternehmen und warum dort enormes Effizienzpotenzial bislang ungenutzt bleibt. Ausgangspunkt ist eine zentrale Beobachtung: In vielen Unternehmen sind die relevanten Energiedaten längst vorhanden, doch sie werden nicht systematisch genutzt. Genau hier setzt etalytics an. Mit KI-gestützten Modellen analysiert und optimiert das Unternehmen komplexe Energiesysteme in Echtzeit und hebt so Effizienzpotenziale von oft 20 bis 50 Prozent. Im Gespräch wird deutlich, dass der entscheidende Hebel nicht in der Optimierung einzelner Komponenten liegt, sondern im ganzheitlichen Verständnis des Gesamtsystems. Ähnlich wie ein Orchester nur im Zusammenspiel harmonisch klingt, entfalten auch Energiesysteme ihr volles Potenzial erst durch intelligente Koordination aller Elemente: von Kälte- und Wärmeerzeugung über Lüftung bis hin zur Eigenerzeugung. Niklas erklärt, warum klassische Regelungstechnik hier an ihre Grenzen stößt und wie KI hilft, hochkomplexe, nichtlineare Systeme dynamisch zu steuern. Gleichzeitig wird klar: Die Herausforderung ist nicht nur technologisch, sondern auch organisatorisch und kulturell. Vertrauen in neue Systeme, der Umgang mit kritischer Infrastruktur und lange Entscheidungsprozesse bremsen vielerorts die Umsetzung. Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist die Frage, wie sich Energieeffizienz und Flexibilität miteinander verbinden lassen, etwa durch prädiktive Steuerung, Lastverschiebung oder die Nutzung von Eigenerzeugung. Dabei zeigt sich: KI kann nicht nur Kosten senken, sondern auch einen erheblichen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten. Mit Blick in die Zukunft diskutieren Niklas und Jan, wie KI das Energiesystem insgesamt verändern wird. Als Möglichmacher für ein zunehmend dezentrales, volatiles und komplexes Energiesystem, aber auch als neuer Treiber von Energiebedarf durch wachsende Rechenkapazitäten. Die Vision von etalytics i diesem zukünftigen B2B-Energieumfeld: eine Art „SAP für Energiesysteme“ und eine Plattform, die Planung, Betrieb und Optimierung integriert und Energiemanagement zu einer strategischen Kernfunktion in Unternehmen macht.
49 Minuten
In dieser Folge von Megawatt & Friends spricht Jan Liepold mit Ludwig Karg, einem der Pioniere der Smart-Grid-Entwicklung und langjährigen Vordenker der Energiewende, über die Frage, warum wir beim Umbau unseres Energiesystems oft langsamer vorankommen als technologisch möglich wäre. Ausgangspunkt ist eine zentrale Erkenntnis aus den frühen deutschen E-Energy-Projekten und dem aktuellen EU-Projekt Clean Energy Transition Partnership (CETP), die B.A.U.M. Consult wissenschaftlich begleitet: Die Energiewende ist weit mehr als der Ausbau von Wind- und Solaranlagen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Erzeugung, Verbrauch, Netzen und intelligenter Steuerung. Doch obwohl viele dieser Konzepte seit über 15 Jahren bekannt sind, bleibt die Umsetzung hinter den Möglichkeiten zurück. Warum? Weil die eigentliche Herausforderung weniger technisch ist, sondern systemisch und zunehmend auch psychologisch. Im Gespräch geht es um die Rolle von Digitalisierung und Smart Grids, die Grenzen zentraler Steuerung und die Notwendigkeit, das Energiesystem stärker dezentral zu denken. Ludwig Karg beschreibt, warum Flexibilität nicht im großen System organisiert werden kann, sondern in kleineren, regionalen Einheiten, sogenannten „Zellen“. Dieses Denken knüpft an das sogenannte holare Modell an, das auf den Schriftsteller und Systemtheoretiker Arthur Koestler zurückgeht: komplexe Systeme bestehen aus autonomen, zugleich eingebetteten Einheiten („Holonen“), die sich flexibel zu größeren Strukturen verbinden und wieder auflösen können. Genau diese Logik überträgt Karg auf das Energiesystem der Zukunft. Ein zentrales Element dabei: Energy Communities. Also lokale Zusammenschlüsse von Akteuren, die Energie gemeinschaftlich erzeugen, nutzen und steuern. Denn erst in diesen kleineren Einheiten entsteht Verständnis, Akzeptanz und die Bereitschaft, aktiv mitzuwirken. Gleichzeitig wird deutlich: Die Energiewende ist auch ein gesellschaftliches Aushandlungsprojekt. Mehr Resilienz bedeutet mehr Investitionen. Mehr Flexibilität bedeutet Verzicht an anderer Stelle. Und genau hier liegt das Spannungsfeld: Wir brauchen Veränderung, aber die Kostenverteilungsfrage ist noch immer ungeklärt.
38 Minuten
In dieser Folge von Megawatt & Friends spricht Jan Liepold mit Elias Aruna, Gründer und CEO von Scale Energy, über Batteriespeicher als zentralen Baustein der Energiewende und über eine bislang wenig genutzte Ressource im Stromsystem: bestehende Netzanschlüsse bei Industrieunternehmen und Solarparks. Scale Energy entwickelt sogenannte co-located Batteriespeicher, die direkt an bereits vorhandene Netzanschlusspunkte angebunden werden. Die Idee dahinter: Viele industrielle Netzanschlüsse oder PV-Parks sind nur einen Teil der Zeit voll ausgelastet. Diese freien Kapazitäten lassen sich nutzen, um Speicher zu integrieren und zusätzliche Flexibilität für das Stromsystem bereitzustellen. Außerdem geht es um die größere Perspektive der Energiewende: Warum Speicher für ein System mit viel Wind- und Solarenergie unverzichtbar sind, welche regulatorischen Hürden es beim Netzzugang gibt und warum gerade dezentrale Speicher an bestehenden Netzanschlüssen eine wichtige Rolle für ein flexibles und wirtschaftliches Energiesystem spielen könnten.
40 Minuten
In dieser Folge von Megawatt & Friends sprechen wir mit Olaf Weddermann, Prokurist der AG Reederei Norden-Frisia, und Projektmanagerin Mareike Pommer über Energieautarkie in einem hochkomplexen Mobilitätsunternehmen. Die traditionsreiche Inselreederei transportiert jährlich Millionen Passagiere nach Norderney und Juist und baut parallel eines der ambitioniertesten integrierten Energiekonzepte im deutschen Verkehrssektor auf. Im Mittelpunkt stehen ein überdachter Ladepark mit Photovoltaik, ein eigenes Energie- und Lastmanagementsystem, virtuelle Bilanzkreise sowie die Direktvermarktung des selbst erzeugten Stroms. Besonderes Highlight: die Frisia E1, die erste vollelektrische Katamaran-Fähre unter deutscher Flagge, die seit letztem Jahr emissionsfrei durch das Wattenmeer fährt. Das Gespräch dreht sich um unternehmerische Motive hinter der Energiewende, um Speicher als strategisches Steuerungsinstrument, um atypische Netznutzung und regulatorische Hürden und um die Frage, wie viel Energieunabhängigkeit ein mittelständisches Unternehmen realistisch erreichen kann. Deutlich wird: Hier geht es nicht um Symbolpolitik, sondern um Wirtschaftlichkeit, Resilienz und langfristige Planungssicherheit.