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BackstageClassical Archiv

124 Episoden
49 Minuten
Mehr Vielfalt in den Programmen, gezielter KI-Einsatz im Marketing und neue Ausbildungsmodelle: Beim Podcast „Takt und taktlos“ haben Branchenvertreter am Rande des Deutschen Orchestertages zentrale Zukunftsfragen des Musikbetriebs diskutiert. Marlene Brüggen, Leiterin der künstlerischen Planung beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin (DSO), zog eine positive Bilanz der Initiative „Kein Konzert ohne Komponistin“. Trotz teils heftiger Kritik in sozialen Netzwerken habe das Orchester die höchste Auslastung seiner Geschichte erreicht. Repräsentation sei jedoch nur ein erster Schritt, betonte Brüggen. Projekte wie „Composing While Black“ und die kommende Saison unter dem Motto „Ach Mensch“ zielten auf eine stärkere intersektionale Vielfalt und gesellschaftliche Reflexion. Anselm Rose, Geschäftsführer der Rundfunk-Orchester und -Chöre Berlin (ROC), sieht in der Digitalisierung eine strategische Notwendigkeit. Derzeit entwickle man ein KI-gestütztes System zur gezielteren Ticketvermarktung. Mithilfe von „Taste Clustern“ sollen neue Publikumsschichten erschlossen werden, die über klassische Abonnements kaum erreichbar sind. Die künstlerische Entscheidungshoheit bleibe jedoch ausdrücklich beim Menschen. Andrea Tober, Rektorin der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, verwies auf einen Wandel in den Berufsvorstellungen junger Musiker. Starre Orchesterstellen verlören an Attraktivität, während flexible „Patchwork“-Karrieren an Bedeutung gewännen. Ausbildungsinstitutionen müssten darauf reagieren und Exzellenz neu definieren – über technische Perfektion hinaus. Einigkeit bestand darin, dass programmatische Öffnung, datenbasiertes Marketing und flexiblere Strukturen entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Musikbetriebs sind.
31 Minuten
Mit einer Badehose fing alles an: Axel Brüggemann erinnert sich in einer Sonderausgabe des BackstageClassical-Podcasts an eine ungewöhnliche Begegnung mit dem Komponisten Hans Werner Henze. Anlass ist der 100. Geburtstag des Musikers am 1. Juli. Das Treffen fand auf Henzes Anwesen im italienischen Marino bei Rom statt, gegenüber der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo. Brüggemann, damals noch am Beginn seiner journalistischen Laufbahn, wurde am Morgen seines Interviewtermins von einem Anruf geweckt. »Henze hier! Herr Brüggemann, haben Sie eine Badehose mit?«, habe der Komponist gefragt. Als Brüggemann verneinte, erklärte Henze ihm, dass man auch ohne Badebekleidung bei ihm schwimmen könne. Wenig später ließ er den Journalisten von einem Chauffeur abholen. Während des eintägigen Gesprächs hat Henze mit Sommerhut am Pool gesessen, während ihm sein Freund Fausto die Füße massierte. Das Feature basiert auf Originalaufnahmen dieser Begegnung und zeichnet ein vielschichtiges Porträt des Komponisten. Henze spricht darin über seine bewusst unkonventionelle Position in der Musikwelt. Den strengen Dogmen der Darmstädter Schule oder den ästhetischen Vorgaben in Donaueschingen habe er sich stets entzogen. Stattdessen betonte er seine »lebendige und permanente Beziehung zu der Kunst der vergangenen Jahrhunderte« und bekannte sich offen zu Vorbildern wie Mozart und Bach.
24 Minuten
Neil Barry Moss nennt sich selbst gern »Opernfreak«. Er wurde in Südafrika geboren, musikalisch in Italien sozialisiert, und Deutschland wurde für ihn zum Kulturschock: »Mit den manchmal radikalen Inszenierungen in Hannover oder Berlin hat sich für mich eine vollkommen neue Perspektive geöffnet«, sagt er im Podcast von BackstageClassical. Seither ist Theater für Moss immer auch Raum unendlicher Möglichkeiten und Freiheiten. Ein Gespräch über die Rolle von Stadttheatern, die Inszenierung von »Brünnhilde brennt«, über Punkbands – und über Tattoos.
34 Minuten
Es geht hoch her dieses mal zwischen Hannah und Axel. Ihre Debatte kreist besonders um das Provokationspotenzial von Florentina Holzinger. Schockiert sie? Will sie überhaupt schockieren? Warum regen sich alle auf? Axel kritisiert Holzingers Ästhetik, die durch Nacktheit, Blut und religiöse Motive geprägt ist, als redundant und langweilig. Hannah verteidigt Holzingers feministischen und emanzipatorischen Ansatz. Es gehe darum, den weiblichen Körper sowie nicht-normschöne Körper dem »Male Gaze« zu entziehen. Ist Axel nur ein bequemer »performativer Gähner«? Ein weiteres Thema: Der Hierarchische-Konflikt zwischen Generalmusikdirektoren (und Intendanten. Wird die künstlerisch-musikalische Arbeit durch administrative Aufgaben entwertet? Eine Debatte auch für Salzburg: Wie wäre es hier in Zukunft mit fluiden Führungsstrukturen und Verantwortung, die auf mehreren Schultern verteilen wird? Und dann geht es noch um die Eindrücke der beiden Hosts vom Deutschen Orchestertag – und um die Idee eines »Tutti-Fonds« – ein solidarisches Modell zur gegenseitigen Unterstützung der Orchester bei Mittelkürzungen. Für Hannah eine notwendige »Bandenbildung«, für Axel eine »Vollkaskomentalität«. Es geht hoch her.
25 Minuten
Die Dirigentin Marie Jacquot sieht die klassische Musikbranche in einem tiefgreifenden Wandel und warnt davor, dass die Kunst sich dem Markt anpasst. Im BackstageClassical-Podcast spricht die künftige Chefdirigentin des WDR Sinfonieorchesters über strukturelle Zwänge, veränderte Prioritäten und ihren eigenen künstlerischen Anspruch. [Hier den Newsletter von BackstageClassical abonnieren](https://backstageclassical.com/newsletter-anmeldung/) Weitere News auf www.BackstageClassical.com Helft uns [durch Eure Spende](https://www.paypal.com/donate?hosted_button_id=BAFVVJUKP986J): Oder besucht [unseren Shop](https://backstageclassical.com/shop/#!/)
25 Minuten
Es sind ungewohnte Bilder: Ein junger Mann joggt durch Berlin, stemmt Gewichte oder steht im Bad – und spricht dabei mit ansteckender Begeisterung über Opern von Mozart, Puccini oder Bellini. Bert Heldt, bekannt als „Opera Bert“, erreicht auf TikTok und Instagram ein Publikum, das mit klassischer Musik oft wenig Berührung hat. Innerhalb kurzer Zeit ist er zu einer der auffälligsten Stimmen einer neuen, digitalen Opernvermittlung geworden – und stellt damit auch die Frage, wie viel Nähe die Hochkultur heute verträgt. Ein Podcast von BackstageClassical.
49 Minuten
Hannah Schmidt und Axel Brüggemann über die aktuellen Themen der Klassik: Wie gerechtfertigt sind staatliche Zuschüsse von über 250 Euro bei Operntickets? Wie geht es weiter bei den Salzburger Festspielen? Und was versprechen die neuen Spielzeithefte? Warum Hannah unbedingt nach Mainz will und Axel nach Dresden. Ja, und was machen die anderen Häuser? Und dann gibt es da noch eine Frage, die Hannah zur Weißglut bringt: Warum ist Wolfram Weimer eigentlich noch immer Kulturstaatsminister? [Hier den Newsletter von BackstageClassical abonnieren](https://backstageclassical.com/newsletter-anmeldung/) Weitere News auf www.BackstageClassical.com Helft uns [durch Eure Spende](https://www.paypal.com/donate?hosted_button_id=BAFVVJUKP986J): Oder besucht [unseren Shop](https://backstageclassical.com/shop/#!/)
30 Minuten
Die Wiener Geigenbauerin Julia Pasch fordert eine neue Haltung im Instrumentenbau und will sich bewusst vom bloßen Kopieren alter Modelle lösen. Statt im Schatten des 18. Jahrhunderts zu verharren, versteht Pasch ihr Handwerk als lebendige Kunst der Gegenwart. In ihrem Atelier entstehen Instrumente, die zunehmend auch in großen Orchestern gegen die ehrwürdigen Altmeister bestehen. Pasch verbindet traditionelle Arbeitstechniken mit modernen Analysemethoden und nutzt digitale Vermessung, Austausch und Klangforschung, um die besten Eigenschaften verschiedener historischer Schulen zu vereinen – etwa die Strahlkraft einer Stradivari mit der Wärme eines Montagnana-Cellos. Innovation statt Stillstand lautet ihr Credo.
52 Minuten
Eine Hymne der Streitkultur: Die Wiener Philharmoniker verteidigen in einem ausführlichen Podcast-Gespräch mit BackstageClassical ihren Kurs gegen Kritik und betonen ihre politische wie künstlerische Eigenständigkeit. Die Vorstände Daniel Froschauer und Michael Bladerer verweisen dabei auf die demokratische Selbstverwaltung des traditionsreichen Klangkörpers und dessen spezifisches Klangideal. [Hier den Newsletter von BackstageClassical abonnieren](https://backstageclassical.com/newsletter-anmeldung/) Weitere News auf www.BackstageClassical.com Helft uns [durch Eure Spende](https://www.paypal.com/donate?hosted_button_id=BAFVVJUKP986J): Oder besucht [unseren Shop](https://backstageclassical.com/shop/#!/)
31 Minuten
Die deutsche Opernlandschaft ringt nach neuen Modellen für die Zukunft. Während einige Häuser Rekordauslastungen melden, kämpfen andere mit maroder Bausubstanz, schrumpfenden Budgets und Legitimationskrisen. Führende Intendanten wie Viktor Schoner, Tobias Kratzer, Matthias Schulz oder Serge Dorny und Stefan Herheim debattieren im Podcast von BackstageClassical die Neuausrichtung des Genres – weg von der Von der »Bedeutungsbesoffenheit« hin zu mehr gesellschaftlicher Relevanz. Die Bayerische Staatsoper in München verzeichnet unter Serge Dorny eine Auslastung von 99 Prozent. Im Kontrast dazu zwingen leere Stadtkassen in Berlin und Leipzig zu Einschnitten. Tarifsteigerungen und explodierende Energiekosten verschärfen die Lage und werfen die Frage auf, wozu die Gesellschaft in digitalen Krisenzeiten noch opulente Opernmaschinerien brauche. Matthias Schulz, ehemals Intendant der Berliner Staatsoper, nun am Opernhaus Zürich, denkt, dass alte Selbstverständlichkeiten vorbei sind. »Die Budgets der Häuser stehen sehr unter Druck«, sagte er, man müsse »sehr handfest erklären, warum es uns braucht« und dürfe nicht »bedeutungsbesoffen« agieren. Während in Berlin grundsätzlich debattiert würde, herrsche in Zürich noch ein »extrem hoher Konsens« über kulturelle Ankerpunkte. Milliardengrab oder Standortfaktor?
Viele Nachkriegsbauten zerfallen; in Stuttgart wird die Sanierung auf zwei Milliarden Euro kalkuliert. Intendant Viktor Schoner verteidigt das: »Über Schloss Neuschwanstein diskutiert ja auch keiner, ob man das renovieren oder erhalten soll.« Die Oper sei ein Standortfaktor für Talente bei Bosch, Mercedes oder Allianz und ein »Identifikationsort in der Downtown-Situation einer bürgerlichen Stadt«. Vom „Krawalltheater“ zur Umarmung
Tobias Kratzer, Intendant der Hamburgischen Staatsoper, denkt Oper ganzheitlich – von Garderobe bis Pausensnack. »In dem Moment, wo ich jetzt vom Regisseur zum Intendanten gewechselt bin, denke ich diese Aspekte adäquat mit«, sagte er. »Die Zeiten des Krawalls um des Krawalls willen sind vorbei«; das Publikum suche »Umarmung, Trost und das Menschliche«. Schoner betont Provokantes wie Sancta von Florentina Holzinger: »Wir müssen raus aus unserer Bubble und gleichzeitig für Qualität und [...] L’art pour l’art kämpfen«. Strukturelle Fesseln
Stefan Herheim am Theater an der Wien kritisiert starre Abläufe: Das System ersticke die Kunst. Er fordert Leidenschaft und künstlerisches Handeln sowie eine »größere demokratische Idee für Oper als gemeinsames Projekt«. Nachwuchs und Marketing
Aviel Cahn, designierter Intendant der Deutschen Oper Berlin, sieht Bildungspflichten: »Früher gab es Lehrer und Schulen, die das von selber konnten. Heute müssen wir das für die Schulen machen.« Mehr Marketing sei nötig: »Man muss auch viel mehr ins Marketing investieren, in die Kommunikation als früher.« Zukunftsvision
Serge Dorny und Schulz setzen auf Ensembles mit Stars wie Jonas Kaufmann als Identifikationsfiguren. Die Häuser müssen sich als regionale Diskussionsorte behaupten. Der Vorhang zur Zukunft der Oper sei erst aufgegangen, hieß es. [Hier den Newsletter von BackstageClassical abonnieren](https://backstageclassical.com/newsletter-anmeldung/) Weitere News auf www.BackstageClassical.com Helft uns [durch Eure Spende](https://www.paypal.com/donate?hosted_button_id=BAFVVJUKP986J): Oder besucht [unseren Shop](https://backstageclassical.com/shop/#!/)
30 Minuten
Die Feuilletonredakteurin der Salzburger Nachrichten, Hedwig Kainberger, sieht die Salzburger Festspiele in einer tiefgreifenden Führungskrise. Im Podcast von BackstageClassical spricht sie von einem »massiven, drastischen und tiefgehenden Streit« zwischen Intendant Markus Hinterhäuser und dem Kuratorium. Der Konflikt markiere einen »tiefen Vertrauensbruch« im Innersten des Festivals. Auslöser sei nicht eine einzelne Personalentscheidung, sondern eine grundsätzliche Zerrüttung der Arbeitsbasis. Die Nominierung der früheren Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann zur Schauspielleiterin sei lediglich »der letzte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat«. Das Kuratorium werfe Hinterhäuser mangelnde Verständigung und fehlende Loyalität vor. Kainberger zufolge entwickelt sich der Streit inzwischen auch zu einer juristischen Auseinandersetzung. Im Zentrum steht eine Vertragsklausel, die für die geplante dritte Amtszeit des Intendanten ab 2026 ein »Wohlverhalten« gegenüber dem Präsidium und Dritten fordert. »Das Kuratorium sagt, der Intendant erfüllt nicht die Bedingung des Wohlverhaltens«, erklärt sie. Hinterhäuser trage als Arbeitgeber Verantwortung für mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und habe zugleich eine Loyalitätspflicht gegenüber dem Eigentümer der Festspiele. Kritisch bewertet Kainberger zudem das Verhalten beider Seiten in der Kommunikation. »Weder das Kuratorium noch der Intendant sind sehr offen in der Kommunikation«, sagt sie. Viele Vorwürfe beruhten auf Gerüchten, eine unabhängige Klärung sei erschwert, da Hinterhäuser seit Wochen schweigt und das Kuratorium keine Details nennt, um »keine Schmutzwäsche zu waschen«. Für die entscheidende Sitzung des Kuratoriums am 20. März erwartet Kainberger keine Wende. Sie spricht sich für einen klaren Schnitt aus: »Ich glaube, dass die beiden sich zu beider Seite Schmerzlinderung am 21. März trennen sollten.« Trotz der aktuellen Spannungen zeigt sich Kainberger optimistisch, dass die Institution selbst nicht gefährdet ist: »Am 21. März werden nicht die Salzburger Festspiele in der Salzach versinken«, sagt sie. [Hier den Newsletter von BackstageClassical abonnieren](https://backstageclassical.com/newsletter-anmeldung/) Weitere News auf www.BackstageClassical.com Helft uns [durch Eure Spende](https://www.paypal.com/donate?hosted_button_id=BAFVVJUKP986J): Oder besucht [unseren Shop](https://backstageclassical.com/shop/#!/)
40 Minuten
In der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Takt und Taktlos“ debattieren die Musikjournalisten Hanna Schmidt und Axel Brügemann über die zunehmende Spannung zwischen Kunst und politischer Realität. Im Zentrum der Diskussion stehen das kommende Lucerne Festival, provokante Bühneninszenierungen sowie die schwindende Unabhängigkeit des Kulturjournalismus. Für Aufsehen sorgt die Entscheidung des neuen Intendanten des Lucerne Festivals, Sebastian Nordmann, seine erste Saison unter das Motto „American Dreams“ zu stellen. Die Podcaster kritisieren diese Wahl angesichts der politischen Lage in den USA unter Donald Trump als „naiv“ und potenziell nostalgisches „Wokewashing“. Besonders die Aussage Nordmanns, das Thema nicht politisch diskutieren zu wollen, stößt auf Unverständnis. Angesichts katastrophaler Bedingungen für die freie Kunst in den USA sei ein unpolitischer Umgang mit dem „amerikanischen Traum“ eine „sozialdarwinistische Lüge“. Die Debatte beleuchtet zudem, wie die Realität die Kunst einholt. In Hamburg feierte die Oper „Monsters Paradise“ von Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek Premiere, die einen Trump-ähnlichen Herrscher als „Riesenbaby“ karikiert. Während Schmidt darin eine Kunst sieht, die sich bereits in die Dystopie ergeben hat, diskutiert Brügemann über die Plakativität solcher Werke. Noch drastischer verlief die Premiere des Stücks „Katharina oder von der Schönheit Faschisten zu töten“ am Schauspielhaus Bochum. Dort kam es zu Tumulten und Handgreiflichkeiten, als Zuschauer versuchten, einen Schauspieler, der einen 15-minütigen Faschisten-Monolog hielt, von der Bühne zu zerren. Die Podcaster werten dies als Zeichen einer Gesellschaft, in der die Grenze zwischen künstlerischer Rolle und Realität verschwimmt, da das Bedürfnis nach antifaschistischem Widerstand im Alltag kaum noch Ventile finde. Stille der Hochkultur und Krise des Journalismus Brügemann kritisiert zudem die „Vakuumstille“ vieler Klassikstars gegenüber autoritären Entwicklungen. Während Rockgrößen wie Bruce Springsteen politisch Stellung bezögen, herrsche in der Hochkultur oft eine Art „innere Emigration“ vor. Parallel dazu wird die Prekarität des Klassikjournalismus thematisiert. Es gebe eine problematische Vermischung von unabhängiger Berichterstattung und bezahlter PR-Arbeit, da viele Journalisten mittlerweile direkt auf der Gehaltsliste großer Häuser oder Festivals stünden. Trotz der Abwanderung des Diskurses in soziale Nischen und PR-getriebene Formate zeigen sich die Autoren vorsichtig optimistisch, dass der kritische Diskurs in der „Nische“ überleben wird. [Hier den Newsletter von BackstageClassical abonnieren](https://backstageclassical.com/newsletter-anmeldung/) Weitere News auf www.BackstageClassical.com Helft uns [durch Eure Spende](https://www.paypal.com/donate?hosted_button_id=BAFVVJUKP986J): Oder besucht [unseren Shop](https://backstageclassical.com/shop/#!/)
47 Minuten
Muss das Bild des Dirigenten Herbert von Karajan als Profiteur und überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus revidiert werden? Im aktuellen Podcast von BackstageClassical stellt der Historiker Michael Wolffsohn sein neues Buch Genie und Gewissen vor, in dem er Karajans Vergangenheit auf Basis neuer Archivfunde neu bewertet. Wolffsohn kommt zu dem Schluss, dass Karajan zwar ein »Formal-Nazi«, aber kein Gesinnungstäter gewesen sei. [Hier den Newsletter von BackstageClassical abonnieren](https://backstageclassical.com/newsletter-anmeldung/) Weitere News auf www.BackstageClassical.com Helft uns [durch Eure Spende](https://www.paypal.com/donate?hosted_button_id=BAFVVJUKP986J): Oder besucht [unseren Shop](https://backstageclassical.com/shop/#!/)
30 Minuten
Der deutsche Dirigent Alexander Liebreich wird neuer Chefdirigent in Taipeh, in einer Stadt, die angesichts der Spannungen mit China politisch im Fokus steht. Im Podcast-Gespräch mit BackstageClassical äußert sich Liebreich kritisch zur deutschen Kultur- und Bildungspolitik sowie zur internationalen Lage im Musikbetrieb. Liebreich bemängelt den geringen Stellenwert der Musikvermittlung in Deutschland. Im deutschen Bildungssystem fehle ein »Selbstverständnis« für klassische Kultur, sagt er. Während Musikunterricht in Ländern wie Polen oder in Asien selbstverständlich sei, fällt er hierzulande häufig aus. Als Beispiel nennt Liebreich ein Münchner Gymnasium, an dem Musik zugunsten von Mathematik gekürzt wird. Die geplante Einführung einer neuen Musikpädagogik-Kategorie beim Opus Klassik begrüßt er grundsätzlich, warnt aber vor oberflächlichem »Vermittlungsbranding«. Zur Situation bei den Salzburger Festspielen, wo Intendant Markus Hinterhäuser zuletzt in die Kritik geriet, vermutet Liebreich Kommunikationsprobleme. Nach langer Zeit in Führungspositionen bestehe die Gefahr, Entscheidungen nicht mehr ausreichend zu erläutern. Nach seinen Erfahrungen ist eine Amtszeit von sieben bis acht Jahren oft eine kritische Grenze im Kulturbetrieb. Mit Blick auf seine neue Aufgabe in Taiwan zeigt sich Liebreich optimistisch. Taipeh sei ein moderner Kulturstandort mit jungem Publikum und ehrgeizigen Projekten wie der geplanten neuen Concert Hall, die 2028 fertiggestellt werden soll. Zugleich spricht er über die unterschiedlichen kulturellen Rollen Chinas und Russlands: Während Auftritte russischer Künstler in Europa derzeit politisch heikel sind, treten westliche Spitzenorchester in China weiterhin selbstverständlich auf. Auftritte in Russland lehnt Liebreich derzeit ab, um keine falschen Signale zu senden. [Hier den Newsletter von BackstageClassical abonnieren](https://backstageclassical.com/newsletter-anmeldung/) Weitere News auf www.BackstageClassical.com Helft uns [durch Eure Spende](https://www.paypal.com/donate?hosted_button_id=BAFVVJUKP986J): Oder besucht [unseren Shop](https://backstageclassical.com/shop/#!/)
30 Minuten
Die israelische Sopranistin Chen Reiss äußert sich im Podcast von BackstageClassical besorgt über die weltpolitische Lage und die zunehmende Politisierung der Kultur. In dem Gespräch mit Axel Brüggemann zieht sie eine klare Trennung zwischen ihrer persönlichen politischen Haltung und der Verantwortung von Künstlern, hebt Deutschland als sicheren Zufluchtsort hervor und kritisiert den Trend zu Konzertabsagen aus politischen Gründen. Blick auf die Situation von Juden in Europa
Reiss bezeichnet die aktuelle Ära als eine »absolut schreckliche Zeit«, die sich für sie »wie das Ende der Welt« anfühlt. Als Jüdin ist sie durch die Holocaust-Erzählungen ihrer Großeltern noch immer traumatisiert; die Geschichte ist für sie durch Dokumente über in Auschwitz ermordete Verwandte sehr real. Mit Blick auf die Gegenwart betont sie jedoch: »Deutschland ist heutzutage der sicherste Ort für Juden.« Scharfe Kritik übt Reiss an internationalen Institutionen wie der UN und der BBC, die ihrer Ansicht nach die jüdische Identität der Opfer des Holocaust verschleiern. Wenn die BBC lediglich von sechs Millionen Menschen spricht, ohne zu erwähnen, dass es sich um Juden handelt, sei man »einen Schritt davon entfernt zu leugnen, dass Juden im Holocaust ermordet wurden«. Reaktion auf die Israel-Absage von Zubin Mehta
Zur Entscheidung des Dirigenten Zubin Mehta, aufgrund der israelischen Politik gegenüber Gaza vorerst nicht nach Israel zurückzukehren, zeigt sich Reiss zwiegespalten. Sie betont ihre Bewunderung für Mehta, erklärt jedoch, dass sie selbst Benjamin Netanjahu nicht gewählt hat und dessen Politik nicht unterstützt. Dennoch hinterfragt sie die Wirkung solcher Boykotte: »Wen bestrafen wir eigentlich?« Politische Führer würden sich nicht dafür interessieren, ob ein klassischer Musiker auftritt oder nicht. Leidtragende seien das Publikum und die Orchestermusiker. Reiss äußert den Wunsch, dass Mehta nach Israel zurückkehrt, da er der Öffentlichkeit »so viele Jahre Trost gespendet« hat: »Bitte, bitte, Zubin komm zurück, wir brauchen Dich!« Blick auf Donald Trump und die USA
In Bezug auf die USA und die Sorge vor einer politischen Vereinnahmung von Kulturinstitutionen durch Donald Trump zeigt Reiss Verständnis für Künstler wie Philip Glass, die ihre Werke von bestimmten Bühnen zurückziehen. Sie warnt davor, dass die Politik »jeden Winkel des kulturellen Lebens dominiert«. Dennoch will sie weiterhin in Amerika auftreten, um »das Licht zu bringen« und Solidarität mit jenen zu zeigen, die sich der Politik widersetzen. »Ich stehe dafür ein, nicht auf Bühnen von Institutionen aufzutreten, deren Werte nicht mit den eigenen übereinstimmen«, so Reiss. Sie verweist dabei auf ein eigenes Beispiel aus Gent, wo sie einen Auftritt absagt, nachdem die dortigen Institutionen ankündigen, israelische Künstler nur unter der Bedingung einer Distanzierung vom Netanjahu-Regime auftreten zu lassen. [Hier den Newsletter von BackstageClassical abonnieren](https://backstageclassical.com/newsletter-anmeldung/) Weitere News auf www.BackstageClassical.com Helft uns [durch Eure Spende](https://www.paypal.com/donate?hosted_button_id=BAFVVJUKP986J): Oder besucht [unseren Shop](https://backstageclassical.com/shop/#!/)