Österreich - die ganze Geschichte Archiv
127 Episoden
28 Minuten
Es ist der gravierendste Eingriff in Österreichs Natur in den letzten zehntausend Jahren, was die Mönche und Baumeister im Hochmittelalter vollbringen: In kurzer Zeit verdreifacht sich Österreichs Bevölkerung, Städte, Klöster und Straßen sowie die Flächenlandwirtschaft verdrängen die wilde Natur. Der Fortschritt damals ist nur auf Kosten der Natur möglich. Die Kulturlandschaft, die wir heute sehen, ist im Wesentlichen das Erbe dieser Zeit. Auch die dauerhafte Verschmutzung der Natur, etwa rund um Bergbaugebiete, sowie die ersten Bestrebungen, die Natur zu schützen, stammen aus dieser Epoche. Mit dem Umwelthistoriker Johannes Preiser-Kapeller bespricht Mariella Gittler die Geschichte der heimischen Natur.
32 Minuten
: Das Mittelalter war geprägt von Warm- und von Kaltphasen, die das Leben der Menschen maßgeblich beeinflussten. Fielen ungewöhnliche Hitzeperioden und der Vermehrungszyklus der Heuschrecken zusammen, machten sich die Insektenschwärme von Nordafrika nach Mitteleuropa auf und fraßen hier alles weg. Ein historisch belegter Heuschrecken-Schwarm war zwanzig Kilometer lang. Ebenso setzten Kälte und Nässe der Landwirtschaft und den Menschen zu. Rationale Erklärungen für diese Klimaphänomene, die etwa von erhöhter Sonnenfleckenaktivität und stärkerem Vulkanismus ausgelöst wurden, gab es wenige. Manche verbanden kosmische Konstellationen mit seismischen Aktivitäten und Krankheitsausbrüchen wie der Pest. Der Klimahistoriker Johannes Preiser-Kapeller erzählt im Gespräch mit Mariella Gittler die spannendsten Geschichten aus unserer Klimahistorie.
33 Minuten
Sich gesund zu erhalten, das war im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit bei weitem nicht so einfach wie heute. Nicht Schnupfen und Grippe plagten die Menschen damals, sondern die Pest. Sie bringt jene Maßnahmen erstmals nach Österreich, die bis heute die Grundlage des modernen Pandemiemanagements sind, wie Quarantäne, Social Distancing etc. Und sie wird nach und nach zur Krankheit der Armen, weil die Reichen das Weite suchen auf ihren Landschlössern, während die Seuche in der Stadt wütet. Verschwörungstheorien machen die Armen, die die Leichen wegräumen und die Häuser niederbrennen müssen, verantwortlich für die Pestausbrüche. So führt diese Krankheit zu schweren gesellschaftlichen Verwerfungen.
30 Minuten
Hat die Kartoffel den Lauf der Geschichte beeinflusst? Fest steht, dass die kalorienreiche Knolle aus Amerika das Delta schließt, das sich zwischen einem starken Bevölkerungswachstum und einem nicht nachkommenden landwirtschaftlichen Ertrag geöffnet hat. So wird die Kartoffel zu einer Art Gamechanger, der vielen Menschen das Überleben sichert, die andernfalls wohl verhungert wären. Lange fremdelte man mit dieser Frucht, die Pfarrer predigten ihren Einsatz von den Kanzeln. Auch andere Importe veränderten die Ernährungs- und damit auch die Lebensweise der Menschen. Ein Podcast mit Mariella Gittler und Professor Erich Landsteiner.
28 Minuten
Zucker ist heute in jeder Extrawurst drinnen, als billiger Geschmacksverstärker. Doch in der frühen Neuzeit und auch noch lange danach war er ein kostbares Gut, das sich nur die Reichen leisten konnten. Die allerdings feierten regelrechte Zuckerorgien mit Zuckerskulpturen, die sie bei ihren Festen aufstellten. Auch beim Gebäck schied sich die Welt in Reich und Arm – in der Stadt stellten die Bäcker das helle Weizengebäck her, die sogenannte Kaisersemmel, und draußen am Land entstand das billige Roggenbrot, das dann für die ärmeren Schichten in die Stadt gebracht wurde. Wein war weit davon entfernt, das heutige Genussgetränk zu sein. Er hatte im Mittelalter nur halb so viel Alkoholgehalt wie heute und war das Standardgetränk und auch zum Kochen, wegen der schlechten Wasserqualität. Der Weinviertler Wein kostete im 17. Jahrhundert in Wien nur ein Fünftel dessen, was man für einen Klosterneuburger oder Badener Wein zahlte – dort wurden Europas teuerste Weine hergestellt.
27 Minuten
Ernährung hat für die Menschen im Lauf der Geschichte immer verschiedene Bedeutungen gehabt. Heute eine Zeitgeist- und Lifestyle-Sache, früher lange Zeit ein elementares Bedürfnis, um zu überleben. Wie haben sich die Generationen vor uns ernährt? Welchen Kalorienbedarf hatten sie? Und was unterschied die Küche der Reichen von jener der Masse? Der Wiener Wirtschaftshistoriker Erich Landsteiner führt im Gespräch mit ORF III Moderatorin Mariella Gittler in die Geschichte unserer Nahrung.