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11 Minuten
Der Satz "Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig" steht heute in unzähligen Filmvor- und -abspannen, seinen Ursprung kennt kaum jemand. Er geht zurück auf die Ermordung Rasputins 1916 durch Fürst Felix Jussupow und auf einen Hollywoodfilm von 1932, der die Tat erzählte, mit echten Namen für Rasputin und die Zarenfamilie, aber erfundenen für die Täter. Weil MGM im Vorspann dennoch behauptete, die lebenden Figuren seien real, erkannte jeder sofort Jussupows Frau Irina in der Filmfigur Natascha, die darin von Rasputin vergewaltigt wird. Irina verklagte das mächtigste Studio Hollywoods wegen Verleumdung in London und gewann, ein Urteil, das MGM Millionen kostete und bis heute jeden Film prägt, der sich an wahre Ereignisse anlehnt. Selbst die Coen-Brüder spielten Jahrzehnte später mit genau diesem Trick, als sie "Fargo" als wahre Geschichte ausgaben, obwohl sie komplett erfunden war.
11 Minuten
Der zweite Teil der Irland-Trilogie führt von einem gebrochenen Versprechen zur größten Katastrophe der irischen Geschichte: Ab 1845 vernichtete die Kartoffelfäule die Existenzgrundlage von Millionen, während London Hilfsprogramme aus Kostengründen zurückfuhr, eine bis heute umstrittene Entscheidung, deren Bewertung zwischen Politikversagen und bewusster Vernichtungspolitik in der Forschung nach wie vor diskutiert wird. Rund eine Million Menschen starben, über eine weitere Million wanderte auf sogenannten Sargschiffen aus. Aus dieser Wunde erwuchs über Jahrzehnte politischer Widerstand, von Parnells Homerule-Bewegung über den gescheiterten Osteraufstand 1916 in Dublin, bei dem Rebellen kurzzeitig zentrale Gebäude besetzten und die Republik ausriefen. Militärisch war der Aufstand ein vollständiger Fehlschlag, doch die anschließenden Hinrichtungen der Anführer verwandelten eine belächelte Splittergruppe binnen eines Jahres in eine Massenbewegung, ein Wendepunkt, der direkt in den irischen Unabhängigkeitskrieg führte.
10 Minuten
1966 sprach der erste Chatbot der Geschichte mit Menschen, ohne ein einziges Wort davon zu verstehen: ELIZA, geschrieben vom MIT-Informatiker Joseph Weizenbaum, simulierte per simplem Schlüsselwort-Trick eine Therapeutin nach dem Vorbild des Psychologen Carl Rogers. Der Effekt überraschte selbst ihren Schöpfer: Seine eigene Sekretärin, die genau wusste, dass nur ein Programm lief, bat ihn eines Tages, das Zimmer zu verlassen, um allein mit ELIZA zu sprechen. Aus dieser Beobachtung wurde ein bis heute gültiger Begriff, der ELIZA-Effekt, unsere Neigung, Verstand dort zu sehen, wo keiner ist. Weizenbaums Originalcode galt jahrzehntelang als verschollen, bis Forschende ihn 2021 im MIT-Archiv wiederfanden und Anfang 2025 auf einem originalgetreu nachgebauten Rechner erneut zum Laufen brachten. Ein Blick von den frühesten Maschinenträumen über den Turing-Test bis zu den Sprachmodellen von heute.

ELIZA zum Ausprobieren (die wiederbelebte Originalversion):

https://sites.google.com/view/elizagen-org/blog/eliza-reanimated

Das ist die Projektseite von "Team ELIZA" mit Hintergrund zur Restaurierung und dem Zugang zur laufenden Original-ELIZA.

Das PARRY-Doctor-Gespräch von 1972/73:

https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc439
12 Minuten
Der erste Teil einer dreiteiligen Geschichte Irlands führt von den Wikingern, die ab dem 9. Jahrhundert Dublin gründeten, über die normannische Landnahme 1169 und Heinrich VIII., der sich 1541 zum König von Irland erklärte, bis zur gescheiterten Reformation und der systematischen Ansiedlung protestantischer Siedler ab den 1550er-Jahren. Die Gewalt eskalierte auf beiden Seiten: 1641 wurden tausende protestantische Siedler in Ulster getötet, acht Jahre später landete Oliver Cromwell mit äußerster Härte in Irland, sein Feldzug kostete schätzungsweise ein Fünftel der irischen Bevölkerung das Leben. Nach dem Sieg Wilhelms von Oranien 1690 am Fluss Boyne festigte sich eine protestantische Vorherrschaft, unter der Katholiken jahrzehntelang von Wahlrecht, Landbesitz und Bildung ausgeschlossen blieben. Der gescheiterte Aufstand von 1798 und ein gebrochenes Versprechen der Gleichstellung führten schließlich 1800 zur Auflösung des irischen Parlaments und zur Union mit Großbritannien.
10 Minuten
Sechsundzwanzig Buchstaben, eine feste Reihenfolge, auswendig gelernt seit der Kindheit, und bis heute kann niemand sicher erklären, warum sie ausgerechnet so lautet. Das Alphabet entstand vor rund 3.800 Jahren, vermutlich als semitischsprachige Arbeiter in ägyptischen Bergwerken Hieroglyphen für die Anfangslaute ihrer eigenen Wörter nutzten, aus dem Bild eines Hauses (bayt) wurde so das Beth, aus einem Ochsenkopf das Aleph. Über Phönizier, Griechen und Etrusker gelangte dieses System zu den Römern und zu uns, nur die ursprüngliche Buchstabenreihenfolge selbst bleibt bis heute ein Rätsel. Noch überraschender ist, wie lange es dauerte, bis Menschen diese Ordnung tatsächlich zum systematischen Sortieren nutzten, vom griechischen Gelehrten Kallimachos über das erste vollständige alphabetische Nachschlagewerk 1286 bis zum ersten englischen Wörterbuch 1604. Heute verliert das Alphabet als Zugang zu Wissen an Bedeutung, Suchmaschinen und Sprachassistenten machen das Buchstabieren zunehmend überflüssig.
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Über diesen Podcast

Wer hat den Countdown erfunden, warum fressen Hasen gar keine Karotten, und wieso ist Islands berühmteste Attraktion ein Abwasserbecken? In "Geschichte 10 Minuten" erzählen Alexander und David jede Woche eine überraschende Geschichte aus Geschichte, Kultur, Technik und Alltag. Kurz, unterhaltsam und gut recherchiert, in rund zehn Minuten. Zum Zuhören für alle, die neugierig sind und gern etwas erfahren, das sie noch nicht wussten.
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