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Episoden

7 Minuten
Zahnschmerz fühlt sich an, als würde etwas im Zahn nagen, und genau diese Beobachtung führte Kulturen auf der ganzen Welt, die nie voneinander wussten, zur selben falschen Erklärung: dem Zahnwurm. Die älteste erhaltene Spur ist eine babylonische Tontafel aus Nippur, rund 1800 vor Christus, doch fast identische Vorstellungen finden sich in Ägypten, Indien, China, bei den Azteken und Maya. Selbst Hildegard von Bingen und der mittelalterliche Chirurg Guy de Chauliac glaubten noch an das Tier im Zahn. Erst der französische Zahnarzt Pierre Fauchard widerlegte den Mythos 1728 unter dem Mikroskop und gilt seither als Begründer der modernen Zahnmedizin. Ganz verschwunden ist der Zahnwurm nie: 1949 kehrte er in einem norwegischen Kinderbuch zurück, als Karius und Baktus, diesmal wissenschaftlich ziemlich treffend.





Titelbild: Zahnwurm, Abbildung aus einem zahnärztlichen Lehrbuch des 18. Jahrhunderts aus dem Osmanischen Reich
11 Minuten
Modeinfluencerinnen gab es lange vor Instagram, Frauen, die ihr eigenes Bild bewusst inszenierten und damit ganze Epochen prägten. Königin Alexandra von Dänemark trug wegen einer Narbe hohe Halsketten und machte damit den Choker zum Modeklassiker, während ihr leichtes Hinken zur nachgeahmten Modeerscheinung wurde. Die Comtesse de Castiglione ließ sich über vier Jahrzehnte in immer neuen Rollen fotografieren und gilt heute als Pionierin der Selbstinszenierung durch die Kamera. Weitere Stilfiguren wie die Erbin Daisy Fellowes, die Muse Élisabeth Greffulhe, die als Vorbild für eine Figur bei Marcel Proust diente, und die exzentrische Marchesa Luisa Casati prägten Mode weit über ihre Zeit hinaus. Den Abschluss bildet eine Wienerin: Emilie Flöge, Gustav Klimts langjährige Weggefährtin, befreite mit ihrem korsettfreien Reformkleid Frauen buchstäblich aus dem Panzer ihrer Kleidung.
8 Minuten
In den 1920er-Jahren galt Radioaktivität als Gesundheitswunder, und ein Getränk namens Radithor versprach neue Energie: reines Radium, gelöst in destilliertem Wasser. Erfunden hatte es William Bailey, ein Harvard-Abbrecher, der sich als Arzt ausgab und einen frei erfundenen Doktortitel der Universität Wien führte. Sein prominentester Kunde, der Golfmeister und Industriellensohn Eben Byers, trank über Jahre mehr als tausend Flaschen, bis ihm die Zähne ausfielen und der Kiefer zerfiel. Als Byers 1932 an einer Strahlenvergiftung starb, wurde er in einem bleiummantelten Sarg beigesetzt, damit die Strahlung nicht entweichen konnte. Bailey wurde nie verurteilt und trank angeblich bis zuletzt selbst radioaktives Wasser. Erst der Fall Byers führte dazu, dass die US-Behörden solche Mittel überhaupt verbieten durften.





Foto: Sam LaRussa from United States of America, CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons
12 Minuten
Eine weiße Linie gilt als eine der wirksamsten und zugleich unauffälligsten Sicherheitserfindungen der Straße. Ihre Mittellinie soll Edward Hines 1911 in Detroit ersonnen haben, während die Ärztin June McCarroll wenige Jahre später in Kalifornien selbst zum Pinsel griff, nachdem ein Lkw sie von der Fahrbahn gedrängt hatte. Dass Markierungen auch nachts leuchten, verdanken sie winzigen Glasperlen, die das Scheinwerferlicht direkt zum Fahrer zurückwerfen, ein Prinzip namens Retroreflexion. In England kam der Straßenbauer Percy Shaw auf eine verwandte Idee, als seine Scheinwerfer im Nebel die Augen einer Katze erfassten, und erfand daraus das Katzenauge. In Österreich waren die Leitlinien lange gelb und wurden erst 1996 auf Weiß umgestellt, und selbst der Name Zebrastreifen soll auf eine Hamburger Werbeaktion für bremsbereite Autofahrer zurückgehen.
11 Minuten
Die Blaue Lagune ist die meistbesuchte Attraktion Islands: milchig blaues Wasser mitten im schwarzen Lavafeld. Was kaum jemand weiß: Sie ist keine Naturschönheit, sondern entstand aus Versehen. Nach der Ölkrise setzte Island auf Erdwärme und baute das Geothermalkraftwerk Svartsengi. Das heiße Salzwasser aus der Tiefe sollte im porösen Lavaboden versickern, doch die Kieselsäure darin dichtete das Gestein ab, und es bildete sich ein leuchtend blauer See. Erst hielten alle das dampfende Becken neben dem Kraftwerk für giftig. Bis ein Mann mit Schuppenflechte darin badete und merkte, dass seine Haut besser wurde. Diese Folge erzählt, wie aus einem Abwasserbecken Islands größte Marke wurde, und warum die Lagune heute von Vulkanausbrüchen bedroht ist.
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Über diesen Podcast

Wer hat den Countdown erfunden, warum fressen Hasen gar keine Karotten, und wieso ist Islands berühmteste Attraktion ein Abwasserbecken? In "Geschichte 10 Minuten" erzählen Alexander und David jede Woche eine überraschende Geschichte aus Geschichte, Kultur, Technik und Alltag. Kurz, unterhaltsam und gut recherchiert, in rund zehn Minuten. Zum Zuhören für alle, die neugierig sind und gern etwas erfahren, das sie noch nicht wussten.

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