Weiterdenken Archiv
48 Episoden
1 Stunde 10 Minuten
Michelangelo soll gesagt haben, er habe den Engel im Marmor gesehen und so lange gemeißelt, bis er ihn befreit hatte. Ob der Satz wirklich von ihm stammt, ist offen; das Bild passt trotzdem. Die eigene Figur entsteht weniger durch das, was man hinzufügt, als durch das, was man wegschlägt. Genau darum geht es beim Jobcrafting. In dieser Folge spreche ich mit Dr. Nico Rose. Er ist Wirtschaftspsychologe, eine der bekanntesten Stimmen der Positiven Psychologie im deutschsprachigen Raum, Autor von „Arbeit besser machen“ und nach eigener Bezeichnung „Sinnput-Geber“. Wir fragen, wie Menschen ihren Job von innen heraus umbauen können, ohne zu kündigen und ohne auf die nächste Umstrukturierung zu warten. Amy Wrzesniewski und Jane Dutton haben das Phänomen 2001 beschrieben: Menschen gestalten ihre Arbeit über ihre Aufgaben, über ihre Beziehungen und über die Bedeutung, die sie ihrer Tätigkeit geben. Oft geschieht das still und ohne offizielle Erlaubnis. Darum geht es: Sinn: Woran erkenne ich, dass meine Arbeit für mich Bedeutung hat, auch wenn die Stellenbeschreibung etwas anderes sagt? Stärken: Warum lohnt es sich mehr, Aufgaben um die eigenen Stärken herum zu bauen, als ständig an den Schwächen zu arbeiten? Energie: Welche Tätigkeiten laden auf, welche ziehen Kraft ab? Und wie wird aus dieser Beobachtung eine konkrete Veränderung? KI als Meißel: Wenn Maschinen ganze Aufgabenblöcke übernehmen, stellt sich die Frage neu: Was bleibt übrig, und was davon will ich behalten? Personal und Führung: Was können HR und Führungskräfte tun, damit Jobcrafting Teil der Organisationsgestaltung wird? Für wen: Für alle, die spüren, dass ihr Job nicht mehr ganz passt, aber nicht gleich alles hinwerfen wollen. Und für Personalerinnen und Personaler, die Stellen weniger als feste Form verstehen wollen, sondern als Rohling, den Menschen bearbeiten. Weitergedacht: KI nimmt uns gerade viele Aufgaben ab; das ist ein Meißel, den wir uns nicht ausgesucht haben. Die Frage ist, ob wir zusehen, was dabei abfällt, oder selbst entscheiden, welche Figur entstehen soll. Sinn kommt dabei selten als fertiger Input von außen. Wir müssen ihn uns selbst herausmeißeln.
1 Stunde 29 Minuten
Unser Gehirn ist modern und konservativ zugleich. Wir wollen unsere kleine Welt bewahren und sind doch manchmal neugierig auf Neues. Doch wie funktioniert Veränderung im Kopf genau? Svenja Hofert im Gespräch mit dem Neurowissenschaftler Dr. Dr. Damir del Monte über das, was im Kopf passiert, wenn sich etwas ändern soll, und populäre Neuro-Mythen.
1 Stunde 4 Minuten
Das “innere Kind” steht stellvertretend für ein größeres Muster im Geschäft mit der Psyche. Dieses erfasst längst nicht mehr nur die Coachingbranche, sondern auch Therapie. Gefährlich wird es, wenn solche Konzepte am Ende mehr schaden als nutzen. Ein Gespräch zum Weiterdenken mit der Ärztin und Psychotherapeutin Dr. Diana Pflichthofer. Hörenswert für alle, die Psychologie in Unternehmen bringen - und interessierte Laien.
19 Minuten
Ein Teamleiter, Anfang 40, sagt von sich selbst: Ich bin ADHSler. Beiläufig, fast wie eine Selbstverständlichkeit. Seine Führungskraft weiß nicht mehr, was sie noch fordern darf; das Etikett steht im Raum, und mit ihm das Ende des Nachdenkens. In dieser ersten Solo-Episode geht es um eine Beobachtung, die Svenja Hofert zunehmend in Workshops, Coachings und Gesprächen mit Führungskräften macht: Diagnosen wie ADHS erklären immer öfter alles - und verstehen dabei wenig. Nicht weil ADHS nicht real wäre, sondern weil hinter denselben Symptomen sehr viel verschiedenes stecken kann: komplexes Trauma, Hochbegabung, Introversion, Postkonventionalität. Und weil ein Begriff, der Identität wird, aufhört, eine Frage zu sein. Svenja führt durch drei Fallen, die Coaches, Beraterinnen, HR-Fachkräfte und Führungskräfte kennen sollten; sie stellt ein praktisches Dreiebenen-Modell vor, das verhindert, zu früh in die falsche Schublade zu greifen; und sie gibt zwei Fragen mit, die im nächsten Gespräch mehr öffnen als jede Diagnose. Für alle, die professionell mit Menschen arbeiten - und merken, dass in ihrem Umfeld plötzlich irgendwie jeder ein Etikett trägt.
53 Minuten
Mit Daniel Dubbel, der als Manager über viele Jahre Teil einer agilen Transformation war, blicke ich zurück auf die Learnings für Führung im Wandel. Was würde er heute anders machen? Wir sprechen über das, was bei der Transformation wirklich zählt: nicht die Modelle, sondern die Entscheidungen dahinter. Er sagt, Weiterbildung sollte verpflichtend sein. Denn Führung ist nicht nur Veränderung, sie braucht auch Veränderung.
1 Stunde 4 Minuten
Hat KI eine Persönlichkeit? Hat sie sogar meine Persönlichkeit oder eine komplementäre, die mich also ausgleicht? All das sei möglich, sagt mein heutiger Gesprächspartner Dr. Martin Puppatz, der dazu forscht und Instrumente für die Praxis von Unternehmen entwickelt.
1 Stunde 27 Minuten
Wie zeigt sich Narzissmus im Führungs- und Businesskontext? Im Podcast sprechen die Narzissmusforscher Pablo Hagemeyer und Ramzi Fatfouta mit Svenja Hofert über Narzissmus in Führungsrollen. Im Mittelpunkt stehen zwei Perspektiven, die sich ergänzen: Hagemeyer nähert sich dem Thema tiefenpsychologisch, mit klinischer Erfahrung und unter Einbezug eines jungianischen Verständnisses von Narzissmus. Fatfouta bringt die Sicht der empirischen Persönlichkeitspsychologie ein und ordnet Narzissmus entlang aktueller Forschung ein. Die Folge beleuchtet, wie sich unterschiedliche Formen von Narzissmus in Führung zeigen, wo sie funktional sein können und wann sie für Organisationen problematisch werden.
1 Stunde 27 Minuten
Die aktuellen Umbrüche in der Arbeitswelt fordern einen neuen Blick auf die Interpretation dessen, was wir als Stärken bewerten. Denn Veränderung, nicht selten verbunden mit Kreativität und Neudenken, wird oft von ganz anderen Menschen getrieben als jenen, die die klassische Karriereleiter hochgewandert sind. Es ist also auch ein Führungsthema. Dieser Hypothese auf der Spur spricht Svenja Hofert mit Prof. Dr. André Frank Zimpel über Stärken, die erst in den letzten Jahren mehr und mehr m Fokus liegen. Es geht um Neurodiversität und Neurodivergenz. Tangiert werden Synästhesien, Autismus, ADHS, Hochintellifenz und die Frage, warum gesellschaftliche Bewertungen viele Stärken unsichtbar machen – oder sogar als Schwäche interpretieren.
1 Stunde 7 Minuten
Was passiert derzeit auf dem Arbeitsmarkt? Immer mehr Menschen erleben, dass auch langjährige Kolleg:innen und Freund:innen ihren Job verlieren. Führungskräfte mit Jahrzehnten Erfahrung stehen plötzlich vor Neuorientierung. In dieser Folge spricht Svenja Hofert mit Attila Khan, einem Karriereberater und Arbeitsmarktexperten, dessen Unternehmen Top-Führungskräfte in Übergangsphasen begleitet. Er ist nah an den Entwicklungen und schildert, was sich tatsächlich verändert – jenseits medialer Schlagzeilen.
35 Minuten
Achtsamkeit soll alles heilen. Doch Achtsamkeit hat auch Nebenwirkungen. Es ist keineswegs so, dass sie Menschen automatisch empathischer macht - sie kann auch die Distanz erhöhen. Dann sind einem Dinge vielleicht nicht mehr so wichtig. Svenja Hofert sprach mit dem Wissenschaftler Dr. Simon Schindler, der selbst zu dem Thema geforscht hat. Es geht um eine differenzierte und differenzierte Betrachtung der Achtsamkeit und eine wichtige Unterscheidung zwischen Achtsamkeit als Eigenschaft, als Zustand und Methode.
1 Stunde 7 Minuten
Der Ausgangspunkt dieses Expertengesprächs ist eine Prophezeihung. 1995 sagte der Zukunftsforscher Jeremy Rifkin etwas voraus, das nun für uns alle spürbar Realität wird. Etwa bei Bayer: Dort können sich die Mitarbeitenden über eine AI-gestützte Skill-Plattform jetzt selbst ihre nächsten Projekte suchen - und sich ihren Job so zusammenbauen. Es tut sich viel, denn es gibt keine Wahlmöglichkeit mehr, zu deutlich sind die aktuellen Umbrüche. Darüber sprechen die Arbeitsmarktexperten Svenja Hofert und Marcus Albers.
57 Minuten
Die Zukunft des Coachings ist in Gefahr. Unseriöse Anbieter und intransparente Angebote schädigen den Ruf einer Profession und Branche. Im 2. Teil des zweistündigen Podcasts sprechen Svenja Hofert und Dr. Christopher Rauen über Sinn und Unsinn von Regulierung. Außerdem erhalten Sie Tipps, wie Sie gute Coachs erkennen.
58 Minuten
Die Zukunft des Coachings ist in Gefahr. Unseriöse Anbieter und intransparente Angebote schädigen den Ruf einer Profession und Branche. Im 1. Teil des zweistündigen Podcasts sprechen Svenja Hofert und Dr. Christopher Rauen über den Standort "Coaching". Christopher Rauen ist Mitgründer einer der ältesten Coachingverbände, Entwickler eines neuen Coaching-Manifests und heute Ehrenvorsitzender des DBVC e.V.
1 Stunde 19 Minuten
In diesem Podcast spricht Svenja Hofert mit Dr. Dirk Eilert über die neueste Emotionsforschung und aktuelle Erkentnisse. Im Mittelpunkt steht die Diskussion um die Frage, wer Recht hat: Paul Ekman oder Lisa Feldman-Barett? Ein Deep Dive in die Emotionsforschung mit Dr. Dirk Eilert Sind Emotionen im Gesicht ablesbar – universell und überall gleich? Oder sind Gefühle vielmehr individuell konstruiert, wie Lisa Feldman Barrett betont? Zwischen diesen beiden Polen – den „universellen Grundgefühlen“ nach Paul Ekman und der „konstruierten Emotion“ nach Lisa Feldman-Barett – ringen aktuell viele Disziplinen um die Deutungshoheit. Was, wenn beide Sichtweisen etwas Wahres enthalten? Dr. Dirk Eilert und Svenja Hofert gehen dieser wichtigen Frage der aktuellen Emotionsforschung nach. Sie sprechen über den Stand der Forschung, warum die Diskussion so wichtig ist – und welche praktischen Konsequenzen sie für Psychologie, Medizin und unser tägliches Miteinander hat.
52 Minuten
Dramatische Kurven, Signalfarben und beschnittene Achsen: Allein die Optik erzugt Narrative, ohne zwingend den Befund zu tragen. Svenja Hofert spricht in diesem Podcast mit der Psychologin und Data Scientistin Prof. Dr. Maria Douneva. Was zeigen die Daten tatsächlich, wo liegen Fallstricke in Darstellung und Deutung, und wie können wir uns vor vorschnellen Urteilen schützen?