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Sterben & Trauern Archiv

41 Episoden
55 Minuten
Im Februar ist Hadija Haruna-Oelkers Vater gestorben. Sein Bild steht in ihrem Zimmer, jeden Morgen begrüßt sie ihn, und das innere Gespräch mit ihm hat nicht aufgehört. Die Journalistin, Autorin und Moderatorin verbindet in dieser Folge zwei Formen von Trauer, die selten zusammen besprochen werden: die private um einen geliebten Menschen und die politische um Menschen, die das öffentliche Erinnern gern übergeht.

Hadija erzählt von ihren ghanaischen und unterfränkischen Wurzeln, von Fragen, die sie ihren Großeltern nicht mehr stellen kann, und von dem Moment mit 16, als ihr das Buch „Farbe bekennen“ zeigte, dass es Schwarze deutsche Geschichte gibt, auch wenn sie kaum erzählt wird. Mit Lea und Michael spricht sie über den Kampf der Angehörigen von Hanau, die Namen der Ermordeten zu nennen und nicht den des Täters. Zur Erinnerung: Am 19. Februar 2020 erschoss ein 43-jähriger Deutscher in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven. Wer Namen kennt und wiederholt, holt Menschen aus der Anonymität und gibt ihnen ein Gesicht und eine Geschichte.

Es geht um das gut gemeinte Schweigen in Familien, das Unverarbeitetes an die nächste Generation weitergibt. Es geht um ihr Kind, mit dem sie ganz selbstverständlich über den Opa spricht, und um ein Erinnern, das nicht beim Ritual am Jahrestag stehen bleibt, sondern Verantwortung für heute übernimmt. Für Hadija heißt das: „Wenn ich mit den Toten fühle, dann gehe ich mit den Lebenden heute.“

Wer einem trauernden Menschen begegnet, muss den Namen des Verstorbenen nicht meiden. Hadijas Rat dazu: „Hab keine Angst, darüber zu reden. Es wird dir guttun und bedeutet auch, zu heilen und nicht allein zu sein.“

Hadija Haruna-Oelker hostet mit Max Czollek den Podcast „Trauer und Turnschuh“. Gemeinsam haben die beiden das Buch „Alles auf Anfang“ geschrieben.

Mutmacher konkret

Am Ende der Folge ordnet die Psychologin Dr. Nele Stadtbäumer den Mutmacher „Trag die Namen weiter“ ein und zeigt, was man im Alltag konkret tun kann. Nele ist Mitgründerin von grievy, der digitalen Trauerbegleitung. Ihr Buch „Shades of Grief – Dein Trauer-Guide durch die vielfältige Gefühlswelt des Abschiednehmens“ ist im EMF Verlag erschienen.

Über Sterben & Trauern

In „Sterben & Trauern“ sprechen Lea Reinhard und ihr Vater Michael Reinhard mit Menschen über Abschied, Tod und Trauer und darüber, was das für unser Leben bedeutet. Die dritte Staffel „Trau dich, hinzusehen“ stellt zehn Mutmacher-Impulse für ein bewusstes Leben mit dem Tod vor. Nicht der Tod ist unser Thema. Das Leben ist es.

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Bücher (Verlag Herder)

„Sterben ungeschminkt“ (mit Prof. Dr. Ernst Engelke)

„Mit der Trauer weiterleben“

Neu ab Januar 2027: „weil heute zählt“

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53 Minuten
Carolina Baldin war Anfang dreißig, als ihr Leben in ein Davor und ein Danach zerfiel. Am 7. September 2023 starb ihr Mann Jacek bei einem Motorradunfall – an einem warmen Spätsommertag, an dem er nur noch einmal die Saison ausnutzen wollte. Von einem Nachmittag auf den anderen wurde sie zur Witwe und Alleinerziehenden, die gemeinsame Tochter nicht einmal zwei Jahre alt. Fast dreizehn Jahre waren die beiden ein Paar, fünf davon verheiratet – „er war nicht nur mein Mann, sondern mein bester Freund”.

Carolina nimmt uns mit in die Zeit danach – in den Moment, als sie durch eine Pressemeldung im Netz erfuhr, dass ein 36-jähriger Motorradfahrer noch an der Unfallstelle gestorben war, und begriff, dass es Jacek war. Sie spricht über den Schock und die Wut der ersten Zeit, über das quälende „Warum”, das anfangs alles beherrschte, und über ihre Entscheidung, an diesem Tod nicht zu zerbrechen – auch ihrer Tochter zuliebe. Was ihr geholfen hat: professionelle Begleitung, kleine Rituale wie die Kerze, die jeden Tag brennt, und die Erinnerungen, die Jacek für seine Tochter lebendig halten.

Unser Mutmacher dieser Folge heißt „Suche kein Warum, sondern ein Wofür“. Carolina glaubt nicht an „Alles hat seinen Sinn“ und an keinen Zwangsoptimismus – für sie ergibt ein Tod niemals Sinn. Und trotzdem hat sie einen Weg gefunden, weiterzuleben: nicht, indem sie nach einem Grund sucht, sondern indem sie dem Danach eine Richtung gibt. Aus dem „Warum ist das passiert?“ wurde ein „Wofür bin ich noch hier?“. Heute teilt sie ihre Trauer offen, begleitet andere Trauernde und findet klare Worte für das, was viele sprachlos macht.

Ein Gespräch über den plötzlichen Verlust, über die Liebe, die bleibt, und über die Frage, was trägt, wenn das Leben von einer Minute auf die andere ein anderes ist.

Neu in dieser Staffel: „Mutmacher konkret”

Am Ende jeder Folge holen wir das große Thema herunter in den Alltag. Die Psychologin Dr. Nele Stadtbäumer ordnet den jeweiligen Mutmacher-Impuls ein und gibt konkrete Tipps für dein eigenes Leben – klar, warm und praktisch. Nele ist promovierte Psychologin, Trauerbegleiterin und Gründerin von grievy, einem digitalen Begleiter für Trauernde. Am 7. Oktober ist ihr Buch „Shades of Grief” (Edition Michael Fischer / EMF Verlag), in dem sie den vielen Facetten der Trauer nachgeht – einfühlsam und fern von richtig oder falsch.

Über „Sterben & Trauern”

„Sterben & Trauern“ ist kein Podcast über den Tod. Es ist ein Podcast über das Leben. Lea und Michael Reinhard, Tochter und Vater, beide Journalisten, sprechen mit Menschen, die dem Tod begegnet sind – und fragen, was ihre Erfahrungen uns über das Leben verraten. Ohne Pathos, ohne schnelle Lösungen, ohne Floskeln.

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50 Minuten
Susen Tiedtke war eine der besten deutschen Weitspringerinnen – Medaillengewinnerin bei Weltmeisterschaften, Olympiateilnehmerin. Eine Frau, die gelernt hat zu funktionieren, durchzuhalten, zu kämpfen. Doch in diesem Gespräch ist sie aus einem anderen Grund bei uns: Vor gut einem Jahr ist ihr Sohn Max gestorben, mit 17 Jahren, völlig ohne Vorzeichen. Eine unentdeckte Herzerkrankung, keine Warnzeichen.

Susen nimmt uns mit in die Zeit danach – in den Moment, als aus der Spitzensportlerin, die immer ein Ziel vor Augen hatte, ein Mensch wurde, der sich fragte, was überhaupt noch Sinn ergibt. Sie spricht offen über die Schuldgefühle, die bleiben, obwohl es nichts zu erkennen gab. Über die Sinnfrage, die sich auftut, wenn man sein Kind verliert. Und über das, was ihr geholfen hat, weiterzumachen: der Austausch mit anderen betroffenen Eltern, aus dem sogar eine Freundschaft wurde, und ihre eigene Überzeugung, durch eine frühere Nahtoderfahrung, dass die Verbindung zu Max nicht abgerissen ist.

Unser Mutmacher dieser Folge heißt „Gib deiner Angst Worte". Susen hat sich entschieden, nicht zu schweigen, sondern öffentlich über ihren Verlust zu sprechen – vor Kameras, mit Tränen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Sie erzählt, warum ihr das Reden mehr hilft als das Schweigen, warum sich so viele Menschen aus Hilflosigkeit zurückziehen, wenn es um den Tod geht, und warum sie trotzdem nie aufgehört hat, klare Worte zu finden. Ihr Antrieb: Vielleicht hört jemand zu, dem es ähnlich geht – und merkt, dass es einen Weg gibt, weiterzuleben.

Ein Gespräch über den größten Verlust, den ein Mensch erleben kann, über den Mut, der Angst Worte zu geben, und über die Frage, was trägt, wenn nichts mehr selbstverständlich ist.

Dieses Gespräch berührt auch Gedanken, nicht mehr weiterleben zu wollen. Wenn dich das Thema belastet, bist du nicht allein: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111.

Neu in dieser Staffel: „Mutmacher konkret"

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54 Minuten
Tamara Brenner arbeitet als Pflegefachkraft im Bremer Hospiz Brücke. Mit 21 verliert sie ihren Vater – mitten in der Ausbildung zur Krankenpflegerin und doch vollkommen unvorbereitet. Nach über zwölf Jahren in der Unfallchirurgie, einem Ort der Geschwindigkeit und des Funktionierens, findet sie über eine Sinnkrise und viel Mut schließlich ins Hospiz. Als sie zum ersten Mal vor der alten Villa steht und die Tür aufgeht, geht für sie, wie sie sagt, die Sonne auf.

Im Gespräch erzählt Tamara, wie im Hospiz eine andere Form der Pflege entsteht. Eine, in der nicht das Symptom zuerst zählt, sondern die Frage, die ein Arzt bei ihrer ersten Visite einem Gast stellte: „Was möchten Sie mir erzählen?" Kein Pulk am Bett, keine Vorgabe, worum es zu gehen hat – nur der Mensch und das, was ihn bewegt. Tamara saß daneben und hatte Tränen in den Augen.

Sie räumt mit dem Bild vom dunklen, stillen Sterbeort auf. Ihr Hospiz ist hell und lebendig: Es gibt Lachen, gutes Essen, Nähe und manchmal erstaunlich viel Leichtigkeit. Einmal im Monat backt eine Ehrenamtliche Brot und stellt einen Ventilator auf, damit der Duft durchs ganze Haus zieht – und fragt die Gäste nach ihren Kindheitserinnerungen an Brot. Die Schwere verschwindet nicht, aber sie ist nicht das Einzige.

Tamara spricht darüber, warum echtes Dasein mehr hilft als jeder gut gemeinte Spruch. Warum das Wertvollste manchmal darin besteht, gemeinsam zu schweigen. Wie sie offen bleibt, ohne an den Schicksalen zu zerbrechen – „geteiltes Leid ist halbes Leid". Und warum ausgerechnet der Moment, vor dem sie am meisten Angst hatte, der letzte Dienst am Verstorbenen, heute zu den wertvollsten ihres Berufs gehört: als eine Frau im Hochzeitskleid Abschied nahm.

Ein Gespräch über echten Trost, über Ehrfurcht statt Angst und darüber, wie viel man im Hospiz für das Leben lernen kann.

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57 Minuten
Eric Wrede hat ein bemerkenswertes Leben hinter sich. Er hat Germanistik und Geschichte studiert, war DJ in Berlin und Musikmanager bei einer großen Plattenfirma – Westernhagen, Selig und Polarkreis 18 gehörten zu seinen Künstlern. Dann hat er einen radikalen Schnitt gemacht und ist Bestatter geworden. Heute führt er in Berlin mit seinem Team das Bestattungshaus „lebensnah" und begleitet Jahr für Jahr Hunderte Familien.

Aus dieser Erfahrung heraus sagt Eric etwas, das den Blick auf die ganze Vorsorge verändert. Er sagt: Nimm mal die Überschrift „Tod" weg. Reden wir stattdessen über Liebe, über Beziehung. Der Satz „Ich habe Angst, dass meine Oma stirbt" müsse eigentlich heißen: Ich liebe meine Oma und möchte sie nicht verlieren. Und daraus wird bei ihm ein ganz einfacher, berührender Rat: Sag ihr lieber, dass du sie liebst.

Für Eric ist Vorsorge im Kern kein Behördenthema und kein Aktenordner, sondern eine Frage der Beziehung. Es geht darum, den Menschen, die man liebt, die Last abzunehmen, bevor der Ernstfall kommt. Im Gespräch erzählt er, warum wir uns damit trotzdem so schwer tun, warum viele ein schlechtes Gewissen haben, überhaupt beim Bestatter anzurufen, und wie man ein solches Gespräch beginnt, ohne gleich mit dem Tod ins Haus zu fallen. Und er teilt eine überraschende Erkenntnis: dass Hinterbliebene sich später nie an den schönen Sarg erinnern, sondern an etwas ganz anderes.

Ein Gespräch über die Liebe hinter der Vorsorge – und darüber, wie man den Menschen, die bleiben, eine Last von den Schultern nimmt.

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1 Stunde 1 Minute
Chris Paul ist eine der Pionierinnen der Trauerbegleitung in Deutschland. Sie begleitet Trauernde, bildet Trauerbegleiterinnen aus und hat zahlreiche Bücher geschrieben. Doch sie kam nicht über die Theorie zu diesem Thema, sondern über einen eigenen, harten Verlust: 1985 nahm sich ihre damalige Partnerin das Leben. Chris war 22 – und jahrzehntelang lag über ihrer Trauer vor allem eines: die Schuld. Was habe ich falsch gemacht, wo habe ich versagt? Erst nach und nach, über eine Erzählung, erste Workshops und schließlich ein neues Studium, wurde daraus ihre Lebensaufgabe.

Im Gespräch stellt Chris Paul einen verbreiteten Ratschlag auf den Kopf. Fast jeder Trauernde hört ihn irgendwann: Du musst jetzt loslassen. Chris Paul sagt: Nein! Wir müssen nicht loslassen – wir dürfen verbunden bleiben. Der Tod beendet die Beziehung nicht, er verwandelt sie. Sie erzählt von den Zeichen, die ihr ihre Verstorbenen schicken – ein Schmetterling, ein Rotkehlchen – und warum sich niemand für solche Momente schämen sollte.

Für uns hat Versöhnung zwei Seiten, über die wir mit Chris gesprochen haben: die Versöhnung mit den Verstorbenen, also das Verbunden-Bleiben. Und die Versöhnung mit der eigenen Schuld – jenen quälenden Gedanken, man hätte etwas sehen oder verhindern müssen. Chris Paul weiß aus eigener Erfahrung, dass Schuldgefühle sogar einen Sinn haben können, und wie man dennoch Frieden schließt: mit den Toten und mit sich selbst.

Neu in dieser Staffel: „Mutmacher konkret". Am Ende jeder Folge ordnet die Psychologin Dr. Nele Stadtbäumer den Mutmacher-Impuls ein und gibt konkrete Tipps für den Alltag. Nele ist Trauerbegleiterin und Gründerin von grievy. Am 7. Oktober erscheint ihr Buch „Shades of Grief" (EMF Verlag).

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Ein Hinweis: In dieser Folge geht es auch um Suizid. Wenn dich das Thema belastet, wende dich an die Telefonseelsorge – rund um die Uhr, kostenlos und anonym: 0800 111 0 111.

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48 Minuten
Katrin Seyfert ist Journalistin und schreibt unter einem Pseudonym. Sechs Jahre lang hat sie ihren Mann Marc begleitet, der mit Anfang fünfzig die Diagnose Alzheimer bekam – ein Arzt, ein Vater von drei Kindern, mitten im Leben. Im September 2022 ist er gestorben. In ihrem Buch „Lückenleben. Mein Mann, der Alzheimer, die Konventionen und ich" erzählt sie von dieser Zeit: schonungslos offen, klar und mit einem Humor, der trägt.

Mit der Diagnose zerbrach die Illusion, das Leben sei planbar. Katrin erzählt, wie es begann – mit Notizzetteln überall im Haus: „Fußballtraining 16 Uhr", „Brot kaufen" - bis zu dem Tag, an dem Marc ihren Geburtstag vergaß. Sie spricht über die prämortale Trauer, das Trauern um einen Menschen, der noch lebt. Über den Satz, der ihre Lage auf den Punkt bringt: Aus der Ehe auf Augenhöhe sei ein Versorgungsmodell geworden. Und über die überraschende Erkenntnis, dass die Diagnose für Marc auch eine Erleichterung war – weil er die Fassade nicht mehr halten musste.

Was diese Folge besonders macht: Katrin überhöht den Mutmacher nicht. Sie widerspricht sogar dem verbreiteten Glauben, dass man nach so einer Erfahrung automatisch im Hier und Jetzt lebt und das Wichtige nie wieder aufschiebt. Und sie erzählt, dass Marc das wirklich Wichtige selbst geregelt hat – den Heimplatz, die Bankkarte –, sodass es keine großen Reiseträume brauchte, weil sie einander hatten. Ein Gespräch über den Verlust auf Raten, über gute Nachbarn und schräge Gesangsabende, über das Schnitzen ihres Mannes und den Familiensatz „Papa hätte es so gewollt".

Katrins Buch

Katrin Seyfert: „Lückenleben. Mein Mann, der Alzheimer, die Konventionen und ich" (DVA). Ein SPIEGEL-Bestseller – offen, klug und überraschend komisch.

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50 Minuten
Julia Stumpf ist 29 Jahre alt und hat etwas getan, wovon viele nur reden: Sie hat ihr Leben umgebaut. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einem Studium der Wirtschaftspsychologie schien ihr Weg vorgezeichnet – Personalberatung, Karriere, das Bekannte. Heute begleitet sie sterbende Menschen und sitzt im Vorstand des Würzburger Hospizvereins.

Auslöser war ein Moment im Jahr 2022. Julia kam als Ersthelferin zu einem Verkehrsunfall; die verunglückte Frau war gerade 25 Jahre alt, kaum jünger als sie selbst. Auf einmal war da die Erkenntnis: Das Leben kann auch in meinem Alter schnell vorbei sein. Julia beschreibt diesen Moment als ein Aufwachen. Sie sagt, oft habe man zwei Optionen und entscheide sich immer wieder für den gleichen Weg – einfach, weil er bequem ist. Nach dem Unfall hat sie sich gefragt: Ist mein Leben so, wie ich es mir wünsche, wenn es morgen zu Ende wäre? Sie hat aufgeräumt mit dem, was offen war, den Menschen gesagt, was sie ihr bedeuten, die Reisen gemacht, die sie sich vorgenommen hatte – und schließlich den Beruf gewechselt.

Im Gespräch erzählt Julia, wie ein Flyer des Hospizvereins im Briefkasten den nächsten Schritt anstieß, wie sie ihre erste Begleitung erlebte und warum es dabei vor allem ums Aushalten geht, nicht um großes Wissen. Und sie teilt eine überraschende Erkenntnis: Bei ihren Begegnungen mit Sterbenden geht es meistens gar nicht um den Tod – sondern um das Leben. Ein Gespräch über den Mut, den bequemen Weg zu verlassen, und darüber, was wirklich zählt, wenn man die Zeit nicht mehr für selbstverständlich hält.

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55 Minuten
Nadja Seipel ist Mutter, Ehefrau, Tierliebhaberin – und palliative Patientin. 2015 bekam sie die Diagnose Brustkrebs, überstand Behandlungen und Operationen und schöpfte Hoffnung. 2021 kam die zweite Diagnose: Der Krebs war zurück, hatte gestreut, war nicht mehr heilbar. Die Ärzte sprachen von wenigen Monaten, die sie noch zu leben habe. Aus diesen Monaten sind bis heute Jahre geworden.

Dieses Gespräch hat Lea gemeinsam mit Meike Schmid aus dem Team von „Sterben & Trauern" geführt. Nadja nimmt die beiden mit in den Moment der zweiten Diagnose – ein älterer Professor, der ihr mit feuchten Augen sagte, dass er selbst in Pension geht, weil er so viele Rückkehrerinnen nicht mehr ertragen könne. Und sie erzählt, was seither anders ist. Wie vieles, das früher wichtig schien – das Auto, das Haus, die Handtasche –, in den Hintergrund gerückt ist. Und wie das Eigentliche in den Vordergrund trat: die Familie, die Freunde, die Zeit.

Nadja ist nach der Diagnose 600 Kilometer gepilgert, um sich über ihr Leben klar zu werden. Sie hat sich mit ihrer Familie einen Camper gekauft, statt lange zu sparen. Sie schenkt ihrer Mutter Städtereisen – jetzt, nicht irgendwann. Und sie macht unzählige Fotos, damit sie eines Tages, wie sie sagt, auf ihrer letzten Liege in diesen Erinnerungen sein kann und nicht im Schmerz. Für ihre Tochter, die sie kaum anders kennt als mit der Erkrankung, will sie ein Vorbild sein: dass man auch mit einer schweren Diagnose das Leben genießen kann. Ein Gespräch über die Endlichkeit, die Hoffnung – und darüber, was bleibt, wenn man das Wichtige nicht mehr aufschiebt.

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Johanna Klug ist Anfang dreißig und tut, was die meisten ein Leben lang meiden: Sie sucht die Nähe zu sterbenden Menschen. Aufgewachsen ist sie mit einem klaren Karriereweg vor Augen – sie studierte Medienmanagement in Würzburg und ging danach in die Niederlande, nach Groningen. Und dort, mitten im Studium, kam ein Impuls, den sie selbst als magnetisch beschreibt: Sie wusste plötzlich, dass sie Sterbende begleiten will. Obwohl in ihrer Familie und ihrem Umfeld niemand gestorben war. Obwohl nichts in ihrem Leben darauf hindeutete.

Sie ist diesem Ruf gefolgt. Johanna hat in Hospizen und auf Palliativstationen gearbeitet – in Deutschland, aber auch in Südafrika, wo der Tod selbstverständlicher zum Alltag gehört. Sie hat viele Menschen bis zuletzt begleitet, hat gelernt, auch dort Zugang zu finden, wo andere sich abwenden. Über all das hat sie ein bemerkenswertes Buch geschrieben: „Mehr vom Leben. Was uns die Begegnung mit dem Tod über das Leben lehrt" (Kösel-Verlag).

Im Gespräch sagt Johanna einen Satz, der viele erst einmal stutzen lässt: Die Beschäftigung mit dem Tod mache sie glücklicher. Für sie ist das kein Widerspruch, sondern der Kern ihrer Erfahrung. Sie erzählt von Südafrika, wo Menschen trotz weniger Möglichkeiten eine tiefe Erdung ausstrahlten. Und von dem, was am Sterbebett wirklich zählt: nie die materiellen Dinge, immer die Beziehungen – zu anderen und zu sich selbst.

Es ist ein Gespräch darüber geworden, warum der Blick auf die eigene Endlichkeit das Leben nicht verdunkelt, sondern heller macht. Nicht düsterer, sondern klarer. Nicht ängstlicher, sondern freier.

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48 Minuten
Burkhard Hose ist katholischer Hochschulpfarrer in Würzburg, Autor mehrerer Bücher und eine streitbare Stimme, wenn es um ehrliche Sprache in Kirche und Gesellschaft geht. Er engagiert sich in der Initiative „Out in Church" und hält nichts von frommen Floskeln – gerade dann nicht, wenn es ums Sterben geht.

Warum fällt es uns so schwer, den Tod beim Namen zu nennen? Burkhard Hose beginnt ganz persönlich – mit einer engen Freundin, die er bis zuletzt begleitet hat und mit der offen über das Sterben zu sprechen möglich war. Er erzählt von Angehörigen, die am Krankenbett jede klare Formulierung vermeiden, während die Sterbenden selbst die Dinge längst benennen. Und er macht eine überraschende Beobachtung: Nicht die jungen Menschen tun sich schwer mit klaren Worten – oft sind es ausgerechnet die Profis, die sich hinter Ritualen und Formeln verstecken. Ein Gespräch darüber, warum ehrliche Worte mehr trösten als schöne, und warum gerade der Glaube klare Sprache braucht.

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1 Stunde 7 Minuten
Henning Scherf, Jahrgang 1938, war von 1995 bis 2005 Bürgermeister von Bremen und über Jahrzehnte eine der markantesten Stimmen der deutschen Sozialdemokratie. Bekannt wurde er weit über die Politik hinaus: als jemand, der offen über das Alter und das Sterben spricht, der seit fast vierzig Jahren in einer Wohngemeinschaft lebt und in Büchern wie „Das letzte Tabu" für einen ehrlichen Umgang mit dem Lebensende wirbt.

Was zählt am Ende eines langen Lebens? Henning Scherfist heute 87 Jahre alt. Im vergangenen Dezember ist Luise gestorben, seine Frau. Das Paar war über sechzig Jahre zusammen. Luise hat leidenschaftlich Klavier gespielt. An ihrem Flügel im Wohnzimmer haben wir mit Henning Scherf gesprochen.

Henning erzählt, wie ihn schon als Jugendlicher der Tod seiner Großmutter geprägt hat, die er im Arm hielt, als sie sagte: die schönste Zeit ihres Lebens sei mit den Kindern gewesen. Er erzählt, warum er sein Alter nicht dem Heim und der Anonymität überlassen wollte, sondern seit 1987 in einer Wohngemeinschaft lebt – lange bevor jemand das Wort Mehrgenerationen-WG kannte. Und er spricht darüber, was ihm heute nicht mehr wichtig ist: öffentlicher Erfolg, Resonanz, recht zu behalten. Ein Gespräch über die Liebe, das Loslassen und die Frage, was bleibt.

Neu in dieser Staffel: „Mutmacher konkret"

Am Ende jeder Folge holen wir künftig idas große Thema herunter in den Alltag. Die Psychologin Dr. Nele Stadtbäumer ordnet den jeweiligen Mutmacher-Impuls ein und gibt konkrete Tipps für dein eigenes Leben – klar, warm und praktisch. Nele ist promovierte Psychologin, Trauerbegleiterin und Gründerin von grievy, einem digitalen Begleiter für Trauernde. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters hat sie ihre Erfahrung und ihr Fachwissen zusammengebracht. Am 7. Oktober erscheint ihr Buch „Shades of Grief" (Edition Michael Fischer / EMF Verlag), in dem sie den vielen Facetten der Trauer nachgeht – einfühlsam und fern von richtig oder falsch.

Über „Sterben & Trauern"

„Sterben & Trauern" ist kein Podcast über den Tod. Es ist ein Podcast über das Leben. Lea und Michael Reinhard, Tochter und Vater, beide Journalisten, sprechen mit Menschen, die dem Tod begegnet sind – und fragen, was ihre Erfahrungen uns über das Leben verraten. Ohne Pathos, ohne schnelle Lösungen, ohne Floskeln.

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Unsere Bücher (beide im Herder Verlag)

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43 Minuten
Bevor wir in dieser Staffel unsere Gäste vorstellen, sprechen wir miteinander. Über unsere eigene Geschichte mit dem Tod. Über Erfahrungen, die uns geprägt haben – manche davon tragen wir schon sehr lange mit uns.

Das hat nichts damit zu tun, dass wir unsere Geschichte für wichtiger hielten als eure. Sondern damit, dass dieses Thema vor allem eines ist: sehr persönlich. Und wer andere einlädt, sich damit auseinanderzusetzen, sollte selbst bereit sein hinzusehen.

Was ihr in dieser Folge hört

Mamas Krebsdiagnose – und warum Offenheit das Richtige war Lea war sieben, als ihre Mutter – Michaels Frau – mit 37 Jahren eine schwere Krebsdiagnose bekam. Die Ärzte gaben ihr maximal drei Jahre. Wie redet man als Eltern über so etwas mit seinen Kindern? Michael und seine Frau haben sich für Offenheit entschieden. Lea ist heute, fast drei Jahrzehnte später, dankbar dafür.

Ostern 1993: Das Zugunglück in Berlin-Wannsee Die Familie sitzt im Zug nach Frankfurt. Kurz hinter Wannsee prallt ihr Zug frontal auf einen entgegenkommenden. Drei Menschen sterben, viele werden verletzt, Michael erleidet selbst schwere Kopfverletzungen. Was kaum jemand weiß: Die Familie saß nicht in ihrem reservierten Abteil. Eine spontane, völlig unbedeutend scheinende Entscheidung. Im Nachhinein eine lebensrettende.

Feuerwehr: Der Unterschied zwischen Wissen und Sehen Bis zu seinem 20. Lebensjahr war Michael aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr. Was er dort gesehen hat, hat sich tief eingegraben – besonders ein Einsatz nach einem schweren Verkehrsunfall, bei dem er eine vierköpfige Familie, darunter zwei Kinder, tot bergen musste. Es war sein letzter Einsatz.

Als Leas Herz aufhörte zu schlagen Bei der Geburt ihrer Tochter hörte ihr Herz auf zu schlagen. Das OP-Team reagierte sofort. Was Lea kurz davor getan hatte: Sie hatte aufgeschrieben, was ihre Familie wissen sollte, wenn sie nicht mehr da wäre. Vorsorge – plötzlich kein trockenes Wort mehr, sondern ein Ausdruck der Liebe.

Angst vor dem Tod – und was tröstet Lea und Michael sprechen offen darüber, was ihnen Angst macht und was nicht. Über den Unterschied zwischen Sterben und Tod. Über Glauben, Spiritualität und den „Sozialrebellen-Jesus". Und darüber, was im Alltag wirklich hilft – für Michael zum Beispiel das abendliche Dankgebet für fünf kleine Dinge des Tages.

Über „Sterben & Trauern"

„Sterben & Trauern" ist kein Podcast über den Tod. Es ist ein Podcast über das Leben. Lea und Michael Reinhard, Tochter und Vater, beide Journalisten, sprechen mit Menschen, die dem Tod begegnet sind – und fragen, was ihre Erfahrungen uns über das Leben verraten. Ohne Pathos, ohne schnelle Lösungen, ohne Floskeln.

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„Sterben ungeschminkt"

„Mit der Trauer weiterleben"

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1 minute
In dieser bewegenden Sonderfolge sprechen wir über eine Form des Abschieds, die selten öffentlich Raum bekommt: den Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft. Unser Gast Johannes Markmann erzählt von seinem Sohn Fino, der kurz vor dem errechneten Geburtstermin gestorben ist - und davon, wie sich das erste Jahr als Sternenpapa anfühlt. Johannes beschreibt, wie er die Nachricht erlebte, wie die Geburt und der Abschied im Krankenhaus abliefen und wie er gemeinsam mit seiner Frau Sandi in eine völlig neue Realität zurückfinden musste. Wir sprechen darüber, wie unterschiedlich Trauerprozesse bei Müttern und Vätern sein können, wie Beziehungen sich verändern - und wie das Leben weitergeht, auch wenn die Welt still steht.

Neu im Podcastteam ist Meike Schmid, Journalistin und Mutter von zwei Kindern, die gemeinsam mit Lea durch dieses einfühlsame Gespräch führt. Diese Folge richtet sich an alle, die selbst ein Sternenkind haben, jemanden begleiten, der trauert, oder verstehen möchten, wie Verlust Eltern für immer prägt. Sie bietet Orientierung, Mitgefühl und ehrliche Worte für ein Thema, über das viele erst sprechen, wenn sie selbst betroffen sind.

Über unseren Gast: Johannes Markmann ist freier Redner für Hochzeiten und Trauerfeiern. Seit dem Tod seines Sohnes Fino begleitet er verstärkt auch Eltern von Sternenkindern - mit einer Sprache, die aus eigener Erfahrung kommt.

Mehr über Johannes: trauenundtrauern.de

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Sterben ungeschminkt – unser Generationengespräch über Sterben und Trauern

Wir möchten euch auch unser Buch zur ersten Staffel von Sterben & Trauern ans Herz legen.

Darin führen wir offene und bewegende Gespräche mit dem Palliativpsychologen Prof. Ernst Engelke – über das, was Sterben und Trauern in unserer Gesellschaft eigentlich bedeuten.

Ein Buch voller Einblicke, Empathie und ehrlicher Auseinandersetzung – für alle, die begleiten, verstehen oder einfach genauer hinsehen wollen.

Verlag Herder

1. Auflage 2025

Gebunden

176 Seiten

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27 Minuten
Was gibt uns Halt, wenn die Welt stillsteht? Wo finden wir Hoffnung, wenn der Verlust überwältigt? In dieser EXTRA-Folge von „Sterben & Trauern – Leben mit dem Verlust“ sprechen Lea und Michael über das, was Menschen durch dunkle Zeiten trägt: Spiritualität, Philosophie – und die Kraft der eigenen Gedanken.

Sie erinnern sich an berührende Zitate ihrer Gäste, unter anderem von Michaela May, Wilhelm Schmid, Pater Anselm Grün, Bärbel Schäfer, Lars Amend, Beate Alefeld-Gerges, Anna Funck, Thomas Schaaf und Simone Rockenschaub – und reflektieren, was diese Perspektiven über Hoffnung in der Trauer verraten.

Themen dieser Folge:

·       Wie Spiritualität Trost spenden kann – ohne einfache Antworten zu geben

·       Warum Trauer Ausdruck von Liebe ist

·       Was Philosophie über „traurig sein“ statt „Trauer“ sagen kann

·       Welche kleinen Glücksmomente Hoffnung zurückbringen

·       Und wie jeder Mensch seinen eigenen Zugang zum Weiterleben finden darf

Zitate, die bleiben:

„Trauer ist die Liebe, die keine physische Gestalt mehr findet.“

„Es gibt kein richtig oder falsch in der Trauer – nur das, was für dich gerade stimmt.“

„Seelenfrieden – darum geht es für mich.“

Diese Folge ist eine Einladung zum Nachdenken, Mitfühlen – und vielleicht auch zum leisen Hoffen.

 

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Sterben ungeschminkt – unser Generationengespräch über Sterben und Trauern

Wir möchten euch auch unser Buch zur ersten Staffel von Sterben & Trauern ans Herz legen.

Darin führen wir offene und bewegende Gespräche mit dem Palliativpsychologen Prof. Ernst Engelke – über das, was Sterben und Trauern in unserer Gesellschaft eigentlich bedeuten.

Ein Buch voller Einblicke, Empathie und ehrlicher Auseinandersetzung – für alle, die begleiten, verstehen oder einfach genauer hinsehen wollen.

Verlag Herder

1. Auflage 2025

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Sterben & Trauern

Sterben & Trauern

10 Mutmacher-Impulse für ein bewusstes Leben mit dem Tod