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191 Episoden
31 Minuten
Diesmal haben wir wohl zwischendurch tatsächlich mit offenem Mund dagestanden - denn wir haben beim Synchronschwimmen-Training zugeschaut. Beim Schwimmclub Wedding, einer der renommiertesten Synchronschwimmvereine in Deutschland. Hier werden sehr gute Plätze bei den ganz großen Meisterschaften gemacht. Entsprechend diszipliniert wird auch trainiert. Jede Bewegung muss sitzen und abgestimmt sein mit der Musik. Und, wenn es kein Solo ist, natürlich auch mit den anderen im Team. Das ist Körperspannung pur, was man da zu sehen bekommt - und jahrelange harte Arbeit. Denn Synchronschwimmer:innen brauchen nicht nur Rhythmusgefühl, sondern auch Beweglichkeit, Kondition und Kraft. Möglichst lange tauchen können sollten sie natürlich auch. Und das Ganze dann auch noch mit den anderen koordinieren - puh!!! Unsere Gäste sind diesmal die Trainerin Marie, selber jahrelang Synchronschwimmerin, die Abiturientin Felizitas und der Student Frithjof. Felizitas gehörte mehrere Jahre zum Bundeskader und Frithjof ist auch international ganz vorn. Und das ist eine Besonderheit: Denn Synchronschwimmen ist zwar von Männern erfunden worden, wurde ihnen aber in den 1950er Jahren verboten. Männer hätten nicht die richtige Wasserlage, hieß es, das sei ein rein weiblicher Sport - und eine Athletin verstieg sich sogar zu der Aussage, Synchronschwimmen für Männer sei "widernatürlich". Es ginge schließlich um Schönheit und Grazie und nicht um Stärke. Erst seit 2015 sind Männer vom Dachverband der nationalen Schwimmverbände "World Aquatics" (bis 2022 FINA) wieder zu Wettkämpfen zugelassen, allerdings nur in so genannten Mix Duetts, also zusammen mit Frauen. An einer Weltmeisterschaft dürfen sie erst seit 2023 teilnehmen, an Olympischen Spielen sogar erst 2024. Und so ist Frithjof auch der einzige Synchronschwimmer beim SC Wedding. Das stört aber weder ihn noch seine Mitschwimmerinnen. Immerhin ist er erst seit 2021 dabei und hat bereits zusammen mit seiner Partnerin EM-Silber in Krakau geholt. Egal ob Mann oder Frau - wer Erfolge im Synchronschwimmen will, muss mindestens vier bis sechs Mal die Woche trainieren. Und am Ende hängt alles von der Performance ab. Nicht nur die physiologischen, auch die ästhetischen Anforderungen sind hoch: Lächeln, gut aussehen, perfekt sein - all das fließt in die Bewertung ein. Kein Wunder, dass es hier ähnlich wie im Turnsport auch immer wieder Debatten über das Gewicht der Sportler:innen gibt. Denn im Vordergrund steht die Show: Die Haare werden mit Gelatine festgeklebt, wasserfeste Schminke ist Pflicht und bei der Kür sind Schwimmbrillen verboten. Und noch eins ist wichtig im Team: Streit darf es nicht geben. Denn wer miteinander im Clinch liegt, kann nicht gemeinsam lächeln - und im Einklang schwimmen schon gar nicht! Synchronschwimmen ist harte Arbeit, die ganz leicht aussehen soll. Am Ende geht es eben doch um Stärke, finden wir. In jeder Hinsicht.
25 Minuten
In Berlin gibt es ein Schwimmbad in allerbester sportlicher Lage, was aber längst nicht jedem und jeder zugänglich ist: Mitten im Charlottenburger Olympiasportpark liegt das 50-Meter-Sommerbecken, direkt daneben eine Schwimmhalle für kältere Zeiten. Hier schwimmen und trainieren die Mitglieder der Wasserfreunde Spandau 04. Die einen ab und zu, die anderen regelmäßig mehrmals die Woche. So wie Angela und René. Zuverlässig wie ein Uhrwerk stehen sie dreimal die Woche um 6 Uhr am Startblock, dann wird eine Stunde trainiert: Delphin, Rücken, Brust, Kraul - einen Trainer gibt es nicht, den Trainingsplan machen sie sich selbst. Mindestens 2000 Meter werden da abgeschwommen, meist aber mehr. Manchmal schwimmt der ein oder die andere aus der Truppe auch noch Wettkämpfe, eigentlich soll das Ganze aber vor allem Spaß machen. Angela hat eine klassische Leistungssportkarriere in der DDR hingelegt, René war als Jugendlicher ebenfalls Wettkampfschwimmer. Und das Schwimmen am frühen Morgen reicht ihnen nicht - an den anderen Tagen machen sie per Zoom zusammen Frühsport. Und fahren gemeinsam zu Schwimmfesten. Und zwischendurch gehen sie natürlich auch noch schwimmen - man darf ja nicht aus der Übung kommen! https://spandau04.de/
36 Minuten
Allein schon ihr Name ist zauberhaft - diesmal haben wir zwei Nixen zu Gast. Die "Nixe" ist der älteste und einzige noch existierende Damen-Schwimmverein in Deutschland. Mitmachen kann hier jeder - falsch: jede. Denn das ist die einzige Bedingung - wer hier dabei sein will, muss weiblich sein. "Das ist doch diskriminierend!" tönte gleich ein gemeinsamer Bekannter - nö, finden wir nicht. Männer waren Jahrhunderte unter sich - hier sind es dann mal die Frauen. Diskriminierend war höchstens, was geschah, als der Schwimmverein 1893 von fünf jungen Mädchen (die 1. Vorsitzende Margarete Hoffmeister war gerade 14 Jahre alt) gegündet wurde. Es gab öffentliche Proteste, die Medien liefen Sturm und schimpften über unfassbare Unmoral. Doch die Nixen ließen sich nicht von ihrem Projekt abbringen, sondern setzten sogar durch, dass sie nach wenigen Jahren auch an Wettkämpfen teilnehmen durften. Allerdings wurden die "Damen" damals noch in große Laken oder Handtücher gehüllt zum Startblock gebracht, damit bloß niemand irgendwas sieht, was er (!) nicht sehen soll. Bald feierten die Nixen große Erfolge, nahmen 1936 auch an Olympia teil - eine Zeit, an die die heutige Vorsitzende Anja Lachmann nicht wirklich gern zurückdenkt. Denn die Nazis schmückten sich gern mit den durchtrainierten jungen Frauen und unterstützten sie entsprechend. Nach dem Krieg wurde der Verein 1951 neu gegründet - und auch danach waren die Nixen eine angesagte Adresse im Leistungssport, bis in die 2010er Jahre nahmen sie an Deutschen Meisterschaften und Olympischen Spielen teil. Mittlerweile ist es im Verein etwas ruhiger geworden, der Schwerpunkt liegt im Breitensport. Untergegangen ist der Verein mit seinen rund 300 Mitgliedern deshalb aber nicht. Erst Anfang 2023 verlieh ihm der Berliner Schwimmverband das Zertifikat "Gesund und fit im Wasser und an Land". Für Karin, unseren zweiten Gast und Mitglied seit zehn Jahren, ist der Verein ein regelrechter Jungbrunnen. Mädchen ab 4 Jahren können hier mitmachen, der Monatsbeitrag kostet 11 Euro. Für Kinder bietet der Verein an, das Seepferdchen zu machen. Die Nixen haben auch schon darüber nachgedacht, ob sie nicht auch Kurse für muslimische Frauen anbieten sollen, die nicht im Beisein von Männern schwimmen lernen wollen. Der Bedarf wäre sicher groß. Aber: Der Verein hat kein "Heimatbad", sondern bekommt Wasserzeiten und einzelne Bahnen in verschiedenen Bädern der Stadt. Und da sind dann eben immer auch andere Vereine und Bademeister. Eine Garantie für eine rein weibliche Umgebung gibt es also nicht. In diesem Jahr wird der Verein 130. Groß feiern wollen die Nixen aber nicht. Lieber so oft wie möglich schwimmen, https://schwimmverein-nixe.de/
29 Minuten
Diesmal waren Ute und Martina nicht nur schwimmen - sondern bei einem echten Training dabei! Allerdings haben wir da schon gemerkt, dass wir unsere Komfortzone schon länger nicht mehr verlassen haben, vor allem bei den kleinen Sprints zwischendurch ... Aber um die ging es diesmal auch gar nicht. Sondern um eine ganz spezielle Trainingsmethode, die der Berliner Schwimmclub Regenbogenforellen entwickelt hat: LLL - Leise, Lang und Leicht. Wir waren sehr gespannt, ob man die Regenbogenforellen dann vielleicht gar nicht mehr hört im Wasser, aber ganz so ist es dann doch nicht. Aber: Hier setzt man beim Schwimmen viel stärker als beim herkömmlichen Training auf den Einsatz der gesamten Körperlänge, das Einbeziehen der Rumpfmuskulatur und darauf, den Wasserwiderstand deutlich zu reduzieren. Das, so die Erfahrung der Forellen, schone nicht nur die Gelenke, sondern auch Schultern und Nacken. Wir geben zu - in einer Schwimmstunde haben wir es nicht sofort gerafft. Ist ja eh immer schwierig, von lieb gewonnenen Routinen abzuweichen. Aber die Idee ist uns durchaus klar geworden. Und sie entwickelt sich ständig weiter. Denn bei den Regenbogenforellen gibt es keine festen Trainer. Hier kann jeder und jede mal die Rolle tauschen und selbst am Beckenrand stehen. Das Konzept geht auf, das Training bei den Regenbogenforellen ist so beliebt, dass es eine Warteliste für potentielle Mitglieder gibt. Da heißt es, sich in Geduld zu üben: Leise und leicht und hoffentlich nicht allzu lang! https://www.regenbogenforellen.de/
38 Minuten
Sebastian ist blind und Martin hat Multiple Sklerose. Beide sind seit Jahren beim ersten und einzigen Berliner Inklusionstauchclub aktiv. Seit 2015 tauchen hier Behinderte und Nicht-Behinderte gemeinsam. Die ersten Übungen unter Wasser machen sie im geschützen Schwimmbecken an der Seestraße oder im Stadtbad Wilmersdorf II. Zweimal die Woche können sie hier lernen, was unter Wasser wichtig ist - auch für versierte Taucher:innen eine gute Möglichkeit, sich das ganze Jahr über fit zu halten. Begleitet werden sie von ausgebildeten Tauchlehrer:innen und einer Tauchärztin, die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt haben. Unterstützt werden alle Mitglieder vor allem beim An- und Ausziehen der schweren Ausrüstung. Ungefähr 30 Kilo wiegen Weste und Sauerstoffflasche. Und in so einen Neoprenanzug muss man auch erstmal reinkommen, da kann auch Martina ein Lied von singen. Für Menschen mit Querschnittslähmung oder anderen körperlichen Behinderungen ist es mindestens doppelt so schwer. Für Sebastian und Martin aber ist das keine Last. Wenn sie einmal unter Wasser sind, genießen sie einfach nur das Gefühl der Schwerelosigkeit. Vor allem Martin kann sich so mühelos bewegen, wie es ihm an Land nie möglich wäre. Und Sebastian genießt einfach die Stille, die unter Wasser einzigartig ist. Der Verein finanziert sich hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Die Ausrüstung mit den Atemreglern und Tauchflaschen, die die Mitglieder kostenlos nutzen können, muss regelmäßig gewartet werden. Seit neuestem hat der kleine Verein auch ein Boot im Tegeler See. Barrierefrei, mit Bugklappe zum einfachen Ein- und Ausstieg, getauft auf den Namen "Vielfalt". Finanziert wurde das Boot zu einem Viertel von Aktion Mensch, 30.000 Euro steuerten Vereinsmitglieder bei. Aber getaucht wird nicht nur im Tegeler See - auch andere Brandenburger Seen werden regelmäßig besucht und manchmal klappt sogar eine gemeinsame Reise in fernen Ländern. Für den blinden Sebastian ist das Tauchen Auszeit vom Alltag. Seine Frau und seine beiden Kinder unterstützen ihn dabei. Wie die anderen Vereinsmitglieder wünscht er sich mehr Nachwuchs. Durch Corona hat der Verein rund die Hälfte seiner Mitglieder verloren. Jetzt will man wieder vermehrt werben - Kinder ab 10 Jahren können Mitglied werden. Und Erwachsene sowieso. http://www.tcb-siemensstadt.de/
35 Minuten
Diesmal haben wir uns etwas angeschaut, was bei allen, denen wir davon erzählt haben, die gleiche Reaktion auslöste: Hä? Was???? Wir waren beim Unterwasser-Rugby. Genau - Rugby unter Wasser. Können sich die meisten nicht vorstellen, was kein Wunder ist, denn den Sport gibt es zwar schon seit 50 Jahren, aber bis vor kurzem war es kaum möglich, bei einem Spiel zuzuschauen. Und so ist es kein Wunder, dass Unterwasser-Rugby nicht vielen bekannt ist. Auch wir haben es eher durch Zufall entdeckt.

Dabei ist das ein wirklich faszinierender Sport - und der einzige, der dreidimensional unter Wasser gespielt wird. Darüber reden wir in dieser Folge mit Wolf und Christine, die beide über einen Tauchkurs an der Uni zu diesem Sport gekommen sind und mittlerweile bei Sporttaucher Berlin e.V. Unterwasser-Rugby spielen.

Die Regeln sind ähnlich wie beim Rugby an Land: Berührt werden darf nur der Spieler/die Spielerin, die den Ball hat - und die oder der darf auch andere berühren. Alle anderen Spieler:innen müssen Abstand halten. Ziel jeder Mannschaft, ist es, ein Tor zu machen, was bedeutet, den mit Salzwasser gefüllten Ball in einem Korb abzulegen, der in 3-4 Metern Tiefe auf dem Beckenboden steht, auf jeder Seite einer. Und das Ziel der jeweils anderen Mannschaft ist natürlich, genau das zu verhindern. Aber eben - alles unter Wasser!

Eine Mannschaft besteht aus zwölf Spieler:innen - davon sind immer sechs unter Wasser, die anderen sechs schwimmen an der Wasseroberfläche und schauen zu. Sobald ein Spieler nach ca. 30 bis 45 Sekunden Luft holen muss, wechselt er sich mit seinem Partner-Spieler an der Wasseroberfläche ab.

Allerdings - wer das erste Mal zuschaut, braucht eine Weile, um zu verstehen, was da eigentlich passiert. Denn ähnlich wie beim Rugby an Land sieht man vor allem Menschenknäuel, die miteinander um den Ball rangeln. Während Ute natürlich beherzt mitgemacht hat und tatsächlich auch mal für wenige Sekunden den Ball erobern konnte, hat sich Martina das ganze Gewusel vorwiegend von der Seitenlinie angeschaut. Ganz unbehelligt blieb sie dabei allerdings nicht, denn die Unterwasser-Rugby-Spieler:innen geben alles, um den Ball zu kriegen - und dabei kann einem eine Schwimmflosse auch mal schnell an der falschen Stelle erwischen!

Trotzdem ist das Ganze im wesentlichen ein körperloser Sport,bei dem es wenig Verletzungen gibt. Wolf und Christine genießen bei allem Kampf um den Ball vor allem die Stille unter Wasser, das mit dem Luft anhalten sei mit ein bisschen Übung auch nicht wirklich ein Problem. Und wer denkt, hier spielen nur durchtrainierte Mittzwanziger - weit gefehlt! Egal, wie alt, groß oder schwer - unter Wasser werden alle oft beweglicher als an Land. Und so war die Altersspanne bei diesem Training auch von ca. 17 bis 60 - und alle hatten großen Spaß!

Das Spiel wurde übrigens von Deutschen erfunden - die Besten in der Welt sind zur Zeit jedoch die Kolumbianer und Kolumbianerinnen. Und dadurch, dasss man die Spiele mittlerweile unter Wasser streamen kann, gibt es auch immer mehr Fans.

Allerdings - weil der Sport eben doch noch nicht so bekannt ist, suchen die Berliner Sporttaucher immer nach Nachwuchs - und wollen jetzt auch eine Gruppe für Kinder aufmachen. Und - Lust gekriegt?

https://sporttaucher-berlin.de/unterwasser-rugby/

https://www.youtube.com/watch?v=YjrRZzjg2Qg

https://www.youtube.com/watch?v=nkxqEovOWI4

https://de.wikipedia.org/wiki/Unterwasser-Rugby
31 Minuten
Diesmal hat es endlich geklappt - Elisa ist bei uns im Podcast zu Gast! Elisa ist Auszubildende zur Fachangestellten für Bäderbetriebe im 3. Lehrjahr. Wir haben sie morgens um zwanzig nach 6 im Berliner Sommerbad Humboldthain getroffen. Und während wir zu dieser Stunde kaum die Augen offen halten konnten, war sie so frisch, als wäre sie gerade erst schwimmen gewesen! Das nämlich kann und muss sie als Auszubildende jeden Tag. Und zwar während der Arbeitszeit! Um fit zu bleiben, aber auch, um sich auf ihre Abschlussprüfung vorzubereiten. Denn gute Schwimmzeiten gehören da genauso dazu wie gute Kenntnisse in Mathe, Physik und Chemie oder die Fähigkeit, ohne Höhenangst auf dem Zehner zu stehen und aufgeregte Springer:innen zu beruhigen. Überhaupt ist der Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe wesentlich vielfältiger, als es das Wort "Schwimmmeister" vermuten lässt. Sie beufsichtigen nicht nur die Schwimmerinnen und Schwimmer, sie geben Kurse, nehmen Schwimmabzeichen ab, leisten 1. Hilfe, desinfizieren Becken, Sauna, Duschen, sitzen an der Kasse, warten die Anlage und prüfen die Wasserqualität. Und vor allem tragen sie eine hohe Verantwortung, denn im Zweifel sichern sie das Überleben der Badegäste. Selbst am wuseligsten Sommertag behält Elisa mittlerweile den Überblick, erzählt sie - auch wenn sie sich manchmal sehr wundern muss. Wenn beispielsweise Eltern ihre Kinder vom Einer springen lassen - obwohl die noch gar nicht schwimmen können. Da geht es dann in voller Montur ins Wasser - Zeit zum Ausziehen bleibt da nicht mehr. Kein Wunder, dass Schwimmmeister:innen fit bleiben sollten. Und sich Respekt verschaffen müssen. Vielleicht ein Grund, warum eher Männer als Frauen diesen Beruf ergreifen - was Elisa sehr schade findet. Sie jedenfalls ist von ihrer Berufswahl absolut überzeugt, nach ihrem ersten Job in einer Verwaltung kann sie sich heute nichts Besseres mehr vorstellen. Selbst dass sie arbeitet, während sich alle anderen um sie herum vergnügen, stört sie nicht, erzählt sie. Schließlich hätten die meisten doch gute Laune. Und sie also auch. Vielleicht will sie nach ihrer Ausbildung noch den Meister machen und eines Tages sogar die Leitung eines Schwimmbads übernehmen - das ist noch Zukunftsmusik, aber nach ihrem Abschluss nächstes Jahr alles möglich. Wir drücken ihr die Daumen, dass sie alles schafft, was sie will! P.S. Wer jetzt Lust bekommt auf diesen Beruf: Für das Ausbildungsjahr 2024 kann Frau und Mann sich jetzt im Herbst 2023 schon bewerben! https://www.berlinerbaeder.de/unternehmen/ausbildung/ausbildung-zurzum-fachangestellten-fuer-baederbetriebe/
38 Minuten
Für diese Folge haben wir mal unsere Komfortzone verlassen. Statt in einem der Berliner Bäder sind wir diesmal in - Erwitte. Wo??? Erwitte liegt in Westfalen, so etwa zwischen Paderborn, Soest und Hamm. Und dort gibt es ein Freibad, das Schlossbad. Das allein wäre vermutlich nicht so spektakulär, aber vom 4. bis zum 10. September 2023 kann man sich hier „freischwimmen“ - mit Kunst im Bad.

Und das finden wir so spannend, dass wir diesem Projekt eine ganze Folge widmen möchten. Und zwar nicht nur aus der Ferne, sondern eine von uns ist auch tatsächlich hingefahren. Hat Fotos vom Dreier aus geschossen und es sich mit der Künstlerin Petra Lüning auf dem Ein-Meter-Brett gemütlich gemacht.

Petra Lüning ist die Initiatorin des Projekts „Kunst im Bad“ und sie ist auch Künstlerin. Zusammen mit 9 anderen Künstlerinnen und Künstlern hat sie das Ganze auf die Beine gestellt: Kunstobjekte IM Bad, die alle was mit Schwimmen, Wasser, Bädern, Fliesen zu tun haben: Da wird die Mädchenumkleide zum gelben Salon, ein riesiger Wasserfleck prangt unter dem Sprungturm und Startblöcke kommen am Beckenrand miteinander ins Gespräch.

Und das Ganze bei laufendem Badebetrieb, so dass wirklich alle was davon haben, die Interessierten genauso wie die Aktiven, über und unter Wasser. Möglich war das auch, weil das Schlossbad in Erwitte nicht von der Stadt, sondern von einem Förderverein betrieben wird - da läuft alles etwas geschmeidiger, als wenn man erstmal lauter Genehmigungen von den Behörden einholen muss. Unterstützung der Landrätin Eva Irrgang gibt es trotzdem und auch die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen ist begeistert!

https://kunstimbad.de/

https://lüning.net/

https://www.schlossbad-erwitte.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Erwitte
31 Minuten
Heute ist Frank unser Gast. Schwimmen hilft ihm fit zu bleiben, Wasser ist sein Element. Hier kann er alle Gliedmaßen bewegen und er fühlt sich einfach nur gut. Denn wenn Frank nicht im Wasser ist, sitzt er im Rollstuhl Er hat eine seltene chronische Erkrankung, die dazu führt, dass seine Gelenke versteift sind. Sein Lieblingsbad ist das Sommerbad Pankow in Berlin. Aber nicht, weil es so behindertengerecht ist. Sondern obwohl es das, wie praktisch alle Berliner Sommerbäder, eben nicht ist. Frank nimmt uns mit zu einem typischen Besuch ins Schwimmbad und erzählt, wo überall Barrieren lauern: Das fängt schon mit dem fehlenden Behindertenparkplatz an und hört kurz vorm Beckenrand nicht auf: Mit seinem Rollstuhl kann er nicht durchs Fußbecken fahren. Also muss er an einem Gatter warten, bis einer der Bademeister ihn sieht und ihm aufschließt. Einen Schwenksitz oder Wasserlift gibt es nicht - also muss sich Frank allein irgendwie ins Wasser und auch wieder heraushieven. Was er zum Glück schafft, weil er im Gegensatz zu anderen Rollstuhllfahrer:innen nicht gelähmt ist. Trotzdem ein schwieriges Manöver - immer beäugt von Badegästen, die es überhaupt nicht gewöhnt sind, dass Menschen Im Rollstuhl schwimmen gehen. Wie auch, wenn die Ausstattung so vieler Schwimmbäder überhaupt nicht darauf ausgerichtet ist. Die neu gebaute Rampe an den sanierten Terassen im Sommerbad Pankow führt nicht etwa zu behindertengerechten Duschen und Toiletten - die sind ganz woanders und in keinem guten Zustand, berichtet Frank. Deswegen fühlt er sich in seinem Rollstuhl auch immer wieder wie ein Exot, wenn er schwimmen geht. Er hat nicht alle Berliner Bäder getestet - aber einem Hallenbad kann er wirklich gute Noten geben. Und dem Strandbad Plötzensee - denn hier kommt man mit dem Rollstuhl ungehindert bis ans Wasser.
29 Minuten
"Im Verein ist Sport am schönsten" – alte Werbung aus den 1980ern – könnte aber stimmen. Es kann motivieren, feste Trainingszeiten zu haben, dort Gleichgesinnte zu treffen und zusammen Bahnen zu ziehen. Und es kann inspirieren. In den kommenden Folgen wollen wir über und vor allem mit Schwimmer:innen sprechen, die mit ihrer Leidenschaft fürs Wasser andere begeistern und motivieren können – auch, wenn sie sich dessen manchmal gar nicht bewusst sind. Zum Auftakt gibt es eine Folge mit Schwimmer:innen, für die es im Verein wirklich am schönsten ist. Wir haben die "Montagsgruppe" vom Verein "Seitenwechsel" beim Bahnen ziehen im Kreuzberger Prinzenbad getroffen. "Seitenwechsel" ist als queer- feministischer Sportverein für Frauen/ Lesben, Trans*, Inter* und Mädchen einzigartig. Der Verein hat mehr als 75 Sportgruppen und versteht sich als Raum, der frei ist von jeglicher Form von Diskriminierung. Das Konzept funktioniert, wie uns die Schwimmer:innen nach dem Training begeistert erzählt haben. Hier sind FLINTA* willkommen*. Kein Leitungsdruck und trotzdem Spaß an jedem Fortschritt im Wasser, eine Trainerin, die es schafft, alle zu motivieren und gegenseitiges Unterstützen – wie das funktioniert, darum geht es in dieser Folge "Chlorgesänge". *FLINTA* ist eine Abkürzung und steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans und agender Personen. Der angehängte Asterisk * dient dabei als Platzhalter, um alle nicht-binären Geschlechtsidentitäten einzubeziehen. https://www.seitenwechsel-berlin.de/verein
27 Minuten
Eigentlich wollten wir ja heute über Bademeister reden. Oder genauer gesagt: Über die Ausbildung zum/zur Fachangestellten für Bäderbetriebe. Aber dann sagte unsere Gesprächspartnerin ab und es regnete in Strömen und wir konnten unser angepeiltes Schwimmbad nicht besuchen, weil wir da untergegangen wären, ohne überhaupt im Wasser zu sein. Also haben wir schon mal eine erste Sommerbilanz gezogen. Uns geärgert über das angebliche Gewaltproblem in DEN Berliner Freibädern. Denn am Ende geht es um einzelne Bäder. Und da sollte man dann auch konkret nach Ursachen suchen und was dagegen tun. So aber werden DIE Freibäder in der Öffentlichkeit schlechter gemacht, als sie wirklich sind. Und wenn das dazu führt, dass sich Leute nicht mehr ins Freibad trauen - dann ist das echt daneben! Über unseren Urlaub haben wir auch ein wenig geplaudert. Dass Martina sich dann doch für Freiwasser begeistern kann - wenn es sich um klares Mittelmeer handelt. Und Ute sich wahnsinnig auf die italienischen Flussbäder freut. Und eine Wette gibt es auch - Ute hat sich nämlich endlich einen Ruck gegeben! Über die Ausbildung reden wir noch in einer anderen Folge. Hier schon mal der Link dazu von den Berliner Bäderbetrieben: https://www.berlinerbaeder.de/unternehmen/ausbildung/
35 Minuten
Diemal haben wir jemanden zu Gast, von der schon öfter die Rede war: Die Schwimmtrainerin Laura Linke. Und weil sie dort auch Unterricht gibt, treffen wir uns mit ihr im Lochow, im Berliner Sommerbad Wilmersdorf - wo zum Zeitpunkt unserer Aufzeichnung das 50-Meter-Becken nach der Sanierung zwar immer noch nicht geöffnet ist, aber dort trotzdem ein paar Menschen aus unerfindlichen Gründen ein paar Bahnen ziehen! Laura war 15 Jahre lang Wettkampfschwimmerin, hat dann aber entdeckt, dass das Lehren ihr eigentlich sehr viel mehr Spaß macht. Und so trainiert sie heute nicht nur Thriathleten, sondern auch Menschen, die sich im fortgeschrittenen Alter entschlossen haben, das Schwimmen doch noch zu lernen. Den theoretischen Hintergrund dafür liefert ihr vor allem ihr Studium, Sport auf Lehramt in Potsdam. Aber auch ihr Auslandsjahr in Neuseeland hat ihr ganz neue Perspektiven eröffnet: Während hierzulande als allererstes Brustschwimmen gelehrt und gelernt wird, startet man dort mit Rückenschwimmen - und hat so die Möglichkeit, sich erstmal ans Wasser zu gewöhnen, ohne gleich Schnappatmung zu kriegen. Eins war Laura bei unserem Gespräch besonders wichtig: Der Hinweis an alle Eltern, dass Kinder mit Seepferchen im Wasser noch nicht sicher sind. Und generell für alle: Beim Schwimmen zu stark mit Kraft oder mit dem Kopf zu arbeiten, ist nicht sehr effizient. Laura hat einige Tipps parat, und während Martina ja ohnehin schon eine begeisterte Schülerin von ihr ist, überlegt sich jetzt sogar Ute, ob es sich womöglich lohnt, nochmal ein Stündchen (oder zwei) bei Laura zu nehmen. https://www.linkedin.com/in/laura-linke-425151138/?originalSubdomain=de https://www.instagram.com/p/CtbpPSLN93l/?ref=hqbf7y lauralinke.swimtrim@gmail.com
36 Minuten
Wir haben es getan - wir sind vom Dreier gesprungen! An einem der heißesten Tage des Jahres, in einem der schlagzeilenträchtigsten Bezirke Berlins - in Neukölln! Denn hier gibt es nicht nur das Columbiabad, sondern auch das Kombibad Gropiusstadt. Mitten in der Hochhaussiedlung, voller Menschen in Bikinis und Burkinis, (Groß-)Familien, junge Männer, alte Frauen, mit Bademeistern, die alles im Griff haben und einer Athmosphäre, die entspannter in einem Freibad kaum sein könnte. Und so kam es, dass auch der kleine Sprungturm geöffnet war und alles gesittet und in ordentlicher Schlange seinen Lauf nahm. Die Schlange hatten alle schon am Eingang geübt, eine halbe Stunde Wartezeit mindestens. Und drinnen - voll, aber entspannt. Menschen auf dem Rasen, Menschen im Nichtschwimmer, Menschen auf der Rutsche und im hell leuchtenden Edelstahl-Schwimmerbecken, glasklares Wasser und vollendete A….-Bomben - was will man mehr? Das Kombibad Gropiusstadt mit Halle und Sommerbad ist übrigens das erste seiner Art in Berlin. Eröffnet 1974 entstand es in Folge des „Goldenen Plans“ der Bundesregierung, wonach in allen Gemeinden ausreichend Sportplätze und Schwimmbäder zur Verfügung stehen sollten. 2010 bis 2014 wurde das Bad umfassend saniert. Atemberaubend der Blick vom Beckenrand: Über den Baumwipfeln thronen bis heute die Bauten der Großbausiedlung Gropiusstadt. Das findet auch unser heutiger Gesprächsgast. Sandra ist hat genauso wie wir 2022 alle Berliner Bäder durchschwommen - aber das Kombibad Gropisstadt ist und bleibt eines ihrer Lieblingsbäder. Mit ihr gemeinsam ziehen wir nochmal durch die Bäder dieser Stadt - und haben so manches Aha-Erlebnis. Und mehrfach hat unsere Aufnahme Schaulustige angezogen, die sich auch zu Wort melden wollten!
33 Minuten
Das Strandbad Wannsee kennt jeder. Aber wohl niemand kennt das Bad so gut wie er: Thomas Röske lebt im Strandbad, genauer gesagt im gelb-braunen Verwaltungsgebäude rechts vom Eingang - am Wannseebadweg 25. Doch das ist nicht die ganze Geschichte: Röskes Vater Klaus war von 1966 bis 1996 Leiter des Strandbads, die Familie hatte eine Wohnung in eben diesem Gebäude und so wuchs Röske hier auf: Mit Sand unter den Füßen, einem herrlichen Blick über den Wannsee und vielen Freundinnen und Freunden, die ihn sehr gern besuchen kamen. 1996 ging sein Vater dann in Rente und die Familie musste ausziehen. Doch die Erlebnisse seiner Kindheit, die Geschichte des weit über die Grenzen Berlins bekannten Strandbads haben ihn nie losgelassen. 2016 hörte er dann, dass eine Wohnung im Strandbad-Gebäude zu vermieten ist - da wollte er unbedingt wieder leben. Nach langem Hin und Her hat es dann geklappt - am 1. Dezember 2016 konnte er einziehen. Bis heute engagiert er sich für das geschichtsträchtige Bad im Berliner Südwesten, das bereits 2007 sein hunderjähriges Jubiläum feierte. Auf seinen 1.275 Meter langen und 80 Meter breiten Sandstrand bietet die unter Denkmalschutz stehende Anlage rund 50.000 Gästen Platz und ist bis heute das größte Binnenseebad in Europa. Es gehört dem Land Berlin und wird von den Berliner Bäderbetrieben gepachtet. Röske selbst hat ein Archiv zusammengestellt, mit unzähligen historischen Fotos - aus der Anfangszeit, als der Strand noch viel kürzer war, Wachtmeister mit Pickelhaube bei der Strandkontrolle oder das besetzte Restaurant Lido, als es noch in Betrieb war. Mittlerweile verfällt das Gebäude, in dem das Restaurant einst war, es wurde bei der letzten umfassenden Sanierung zum hundertjährigen Jubiläum nicht mit einbezogen. Röske engagiert sich dafür, das ganze Gelände umfassend zu sanieren, um so einen Ganzjahresbetrieb des berühmten Strandbads möglich zu machen. https://www.strandbad-wannsee-berlin.de
36 Minuten
Das Sommerbad Pankow war einst Teil des „nationalen Aufbauwerks“ der DDR - eine halbe Million Mark haben Bürger und Bürgerinnen der Volksrepublik für den Bau des Bades gespendet, 220.000 freiwillige Arbeitsstunden wurden geleistet, begleitet vom Orchester der Volkspolizei, bis das Sommerbad 1960 eröffnet wurde. Fantastisch, was man auf Bildern von damals sieht: Nicht etwa mehrere getrennte Becken, wie wir das heute gewohnt sind - sondern alle zusammen bildeten eine riesige Wasserfläche, fast wie ein künstlicher See! Bis zu 18.000 Menschen kamen damals am Tag, 1985 waren es sogar mal fast 25.000 - heute ist bei 7000 Besucher:innen Schluss, dann kommt keiner mehr rein. Im Jahr 2000 wurde dann alles saniert - und die Beckenanordnung komplett geändert. Die Folge - das 50-Meter-Becken ist ganz schön schmal - und der 10-Meter-Sprungturm wurde mal eben oben abgesäbelt. Heute sind 7,5 Meter das Höchste der Gefühle - aber immerhin gibt es auch eine sagenhafte Rutsche - wenn sie nicht wieder wegen Randale im Bad geschlossen ist. Uta Maria Bräuer ist diesmal unser Gast - und sie weiß alles über die Geschichte des Bäderbaus in Berlin. Ihr Buch dazu ist 2013 erschienen, sieben Jahre lang hat in in den Berliner Landesarchiven dafür recherchiert, wenn sie nicht selber schwimmen war oder junge Schwimmer:innen trainiert hat. Sie kennt noch genau die Stelle, wo einst das Plantschbecken im Sommerbad Pankow stand - und bedauert genauso wie wir, dass das Hallenbad, was von 1975 bis 2001 ebenfalls auf dem Gelände stand, heute nur noch eine Ruine ist. Doch auch das Sommerbad wird wohl nicht mehr lange Bestand haben - schon lange ist die Rede davon, auf dem Gelände ein Multifunktionsbad zu bauen, mit Freibad, Hallenbad, Turnhalle und einer dreizügigen Grundschule. Wann es losgeht, ist immer noch unklar. Doch wenn es irgendwann fertig ist, wird es die Pankower sicher freuen. Während der Bauzeit allerdings dürften die über 400.000 Pankower Trauer tragen - denn sie müssen sich auf mehrere Jahre ohne Schwimmbad einstellen. Wer die Geschichte des Sommerbads nachlesen will und sich auch für die Architekturgeschichte der anderen Berliner Bäder interessiert, das Buch von Uta Maria Bräuer und Jost Lehne mit zahlreichen historischen Fotos kann man nach wie vor bestellen, es kostet 29,80 Euro: https://www.lukasverlag.com/programm/titel/322-baederbau-in-berlin.html