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Die Börsenminute Archiv

670 Episoden
3 Minuten
Zu meinem individuellen Kerninvestment gehört auch ein Infrastruktur-ETF, der deutlich weniger als meine anderen Investments seit Jahresbeginn nachgegeben hat. Das ist keine Anlageempfehlung. Ich habe keine Ahnung, ob Infrastruktur in Dein Investment passt. Infrastruktur ist nur, so meine persönliche Meinung, eine stabile Beimischung, die auch weiterhin von den US- und europäischen Konjunkturprogrammen gestützt wird und die man auch bequem über Infrastruktur-ETFs in sein Portfolio legen kann. Schau mal auf das Vergleichsportal justetf.com In dem Bereich gibt es aber auch interessante gemanagten Fonds – hier findet man Produkte auf morningstar.de oder auch auf onvista.de. In ihren Long-Term Capital Market Assumptions rechnet die Investmentgesellschaft JP Morgan Asset Management mit Infrastruktur-Renditen von 6,1 Prozent wie schon 2021. Und damit sind nicht in erster Linien die Old Economy, sprich Straßenbau- und Kanalfirmen gemeint, sondern Unternehmen und Investitionen, die wesentlich zu den Klimazielen beitragen, also große Player im Bereich Erneuerbare Energien oder auch Investments, die die Strom- , Telekommunikations- und Wasserversorgung gewährleisten. Noch mehr Rückenwind als Infrastruktur haben globale Transportunternehmen. Hier sehen Experten von JP Morgan nach Renditen von 7,6 Prozent im Vorjahr für 2022 immer noch Renditechancen von 7,4 Prozent. Der Bedarf nach Transportmöglichkeiten für Güter und auch Passagiere – seien es Schiffe, Flugzeuge, Bahnwaggons und Züge oder Energie-Transportsysteme sei langfristig hoch. Wenn Du den Podcast Börsenminute unterstützen möchtest, würde ich Dich bitten ihn auf einer Podcastplattform Deiner Wahl, auf Spotify oder YouTube zu liken oder ihn auch zu abonnieren und weiterzuempfehlen. Besten Dank! Rechtlicher Hinweis: Für Verluste, die aufgrund von getroffenen Aussagen entstehen, übernimmt die Autorin, Julia Kistner keine Haftung. #Infrastruktur #Transport #JPMorganAssetManagement #Investments #Strom #Telekom #Wasservermögen #Vermögen #Kapitalmärkte #Erträge #Aktien #Aktienfonds #Index #ETF #podcast #investieren  #boersenminute #OldEconomy #justetf.com #morningstarv onvista #Vergleichsportal #Klimaziele #Energie #Schiffe #Eisenbahn #Flugzeuge #Güter #Konjunkturprogramm #Biden #EU #Renditen Foto: Pixabay
3 Minuten
Wer in börsennotierte Aktienfonds ohne Fondsmanagement investiert, also in Aktien-ETF´s veranlagt in ein passives Produkt. Fällt in einem nach Marktkapitalisierung gewichteten ETF auf den S&P 500 beispielsweise der Kurs von Tesla, dann reduziert dieser auch das Gewicht von Tesla im ETF. Steigt der Kurs von Tesla, hat die Aktie auch ein stärkeres Gewicht im S&P 500-ETF. Wenn man einen ETF kauft, dann sind das meist genau solche Fonds, die Unternehmen nach deren Börsenwert, sprich Marktkapitalisierung gewichten. So investiert etwa der S&P 500 in die 500, nach ihrem Börsenwert größten Unternehmen in den USA und gewichtet sie auch entsprechend ihrer Marktkapitalisierung und nicht je zu einem Fünfhundertstel. Wer alle 500 S&P-Aktien gleich gewichtet in seinem ETF haben möchte, der muss schon einen ETF auf den S&P 500 Equal Weight Index kaufen. Ob das Sinn macht? Kommt drauf an. Im S&P 500 nach Marktkapitalisierung haben natürlich die zehn größten Flaggschiffe, darunter Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, ein Übergewicht. Die zehn größten Aktien machen schon rund 30 Prozent des S&P 500 aus, was im Bullenmarkt bis 2022 auch nicht verkehrt war. Diese Top-Aktien sind ja nicht ohne Grund so beliebt. Es waren vor allem die Giganten, die den Börseaufschwung getragen haben.


Der Nachteil des Investierens nach Marktkapitalisierung: Die Performance des Index hängt von einer Hand voll Aktien ab, das Produkt ist somit riskanter und schwankt stärker. Und theoretisch kann ich da auch gleich in die fünf großen Einzelaktien statt in den gesamten Index investieren. Alternativ gibt es wie gesagt auch schon jede Menge ETFs auf den S&P Equal Weight Index, wo also jeder der 500 enthaltenen Aktien mit 0,2 Prozent gleich gewichtet ist. Damit wäre man 2022 allerdings eingefahren. Denn am Ende des Vorjahres schwächelten bereits 490 von 500 Aktien des S&P-Index.  Übrigens, ein ähnliches Bild haben wir in der Dotcom-Blase 1999 und 2000 gesehen: Während der Gesamtmarkt bereits zurückblieb, sind die IT- und Telekom-Giganten vor Platzen der Blase munter noch weiter nach oben marschiert.


Jetzt, wo die Bären auf die Börsenstimmung drücken, können Equal Weight-Indizes zur größeren Risikodiversifizierung durchaus einen Blick wert sein. Und erholt sich die Börse und die Börsen-Sprinter setzen sich wieder ab, ja dann kann man ja wieder umdenken.


Hurra! Die 280.te Folge der Börsenminute ist onine gegangen. Wenn Du den Podcast Börsenminute unterstützen möchtest, würde ich Dich bitten ihn auf einer Podcastplattform Deiner Wahl, auf Spotify oder YouTube zu liken oder ihn auch zu abonnieren und weiterzuempfehlen. Besten Dank!


Rechtlicher Hinweis: Für Verluste, die aufgrund von getroffenen Aussagen entstehen, übernimmt die Autorin, Julia Kistner keine Haftung.


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Foto: JK


2 Minuten
Unterhält man sich mit Analysten und Fondsmanagern, fällt dieser Tage oftmals das Wort Crack-Up-Boom, auf deutsch eine Katastrophenhause. Gemeint sind damit starke Kursanstiege an den Aktienmärkten, während sich die Realwirtschaft in einer tiefen Rezession befindet. Ausgelöst dadurch, dass die Staaten und Notenbanken massiv Geld in die Märkte pumpen und bei hohen Teuerungsraten das Geld sofort in die Kapitalmärkte fließt, weil man sein Vermögen ja erhalten möchte. Somit steigen die Börsenwerte der Unternehmen obwohl deren Wirtschaftsausblick alles andere als rosig ist.  Das könnte uns nach turbulenten Sommermonaten blühen, so eine weit verbreitete Annahme in der Finanzbranche.  Das Konzept stammt übrigens von Ludwig von Mises, einem der bekanntesten Vertreter der österreichischen Schule der Nationalökonomie, die Anfang des 20.ten Jahrhunderts die Wirtschaftswissenschaft stark beeinflussten.


Wer also ein starkes Nervenkostüm und obendrein Geld zum Investieren hat, sollte seinen Urlaub dieses Jahr auf den Juni vorverlegen und sich dann Mitte Juli bis Anfang August an den Börsen tummeln, um sich nach Schnäppchen umschauen, so die Meinung vieler Experten. Remember, come back before September this year. Wegen des Crack-Up-Booms könnten auch die großen Investoren dieses Jahr schon einen Monat früher aus dem Urlaub zurückkommen. Aber vergiss auch nicht, dass das perfekte timing für Privatanleger fast unmöglich ist. In so einem Umfeld braucht es jedenfalls Qualität die besteht…


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3 Minuten
Auch wenn Bitcoin, Ethereum und Co sich gerade wieder etwas aufrappeln, sie bleiben spekulativ und den Status einer stabilen Weltwährung werden sie wohl nie bekommen. Das ist nicht nur meine persönliche Meinung, sondern auch die einer meiner regelmäßigen Gesprächspartner, Börsenlegende Jim Rogers. Denn sobald Kryptos den Status eines stabilen, allgemeingültigen Zahlungsmittels erreichen drehen die Staaten den privaten digitalen Assets den Saft ab. Nicht, dass ich ein kompletter Krypto-Verweigerer bin – persönlich bin ich in homöopathischer Dosis in Ethereum und Bitcoin investiert, um den Markt zu verstehen und nicht den technischen Anschluss zu verpassen. Doch bin ich überzeugt, dass die vielen privaten Zahlungssysteme jetzt starke Konkurrenz von digitalen Zentralbankwährungen bekommen. Das Beratungsunternehmen PwC wittert hier auch schon das große Geld, zumal geschätzte 80 Prozent der weltweiten Zentralbanken eine digitale Währung einführen wollen.  Die internationale Consultingschmiede hat sogar einen eigenen Index, den PwC CBCD-Index 2022 erstellt. CBCD steht für Central Bank Digital Currencies. Der Index analysiert die weltweit führenden CBDC-Projekte und zeigt die aktuellen Herausforderungen und Trends auf. Und siehe da, Europa hat hier nicht viel zu bieten. Im Index sind vor allem die Staaten Nigeria, China und die Bahamas ganz oben angeführt. Die Bahamas haben im Oktober 2020, mit dem Sand Dollar ein digitales Zentralbankgeld erschaffen hat, gefolgt von China, die Ende 20202 den digitalen Yuan eingeführt haben. In Nigeria gibt es mit dem eNaira eine CBDC. Und wo steht die EU? Die Europäische Kommission will Anfang 2023 einen Gesetzesentwurf für einen digitalen Euro vorlegen, was Deutschland und Frankreich zu langsam geht. Sie befürchten Wettbewerbsnachteile. Wem PwC trotz des Absturzes der Kryptowährung TerraUSD noch eine große Zukunft gibt sind Stable Coins – also private Kryptowährungen, die durch Vermögenswerte wie Fiat-Währungen oder Gold besichert sind und dennoch schnelle und günstige Transaktionen ermöglichen. Na, schauen wir mal ….


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3 Minuten
Der Fondsgigant Amundi hat Zwischenbilanz an den Kapitalmärkten gezogen und auf das zweite Halbjahr 2022 vorausgeblickt. Vorsicht, heißt weiterhin die Mutter der Porzellankiste angesichts der gestiegenen Marktschwankungen, der höheren Inflation und dem geringeren Wirtschaftswachstum, das sich sehr unterschiedlich zwischen Regionen und Sektoren entwickelt. Etwas, was man als Anleger beachten sollte. Europäische Aktien sind zwar günstiger bewertet, ja. Nur, die Unternehmensgewinne schauen in den USA deutlich besser aus. Im Leitindex S&P 500 gelistete Unternehmen dürften noch Gewinne von fünf bis neun Prozent schreiben. Die europäischen Pendants verbuchen höchsten fünfprozentige Gewinne, teilweise auch Verluste in dieser Größenordnung. In den Emerging Markets rechnet Monica Defend, Leiterin des Amundi-Instituts mit Gewinnen von sieben Prozent. Breit diversifizieren sei das Thema der Stunde, unter anderem auch in Rohstoffe und in Immobilien als Inflationsschutz und in Währungsstrategien.  Bei Aktien sollte man wegen der höheren Inflation auf Qualität, Value und auf Dividenden als Ertragsbringer setzen. China hätte noch fiskalischen Spielraum, um die Wirtschaft zu stützen, die USA vor den Zwischenwahlen im November nicht. Chinesische Aktien könnten positiv überraschen bei der aktuell eingepreisten Konjunktur- und Gewinnabschwächung. Die Gefahr einer weltweiten Stagflation – hohe Inflation und eine stagnierende Wirtschaft – sei jedenfalls groß. Auch weil die Zentralbanken großteils ihre Zinsen anheben. Amundi rechnet in den nächsten zwölf Monaten mit einer Anhebung der Zinsen durch die EZB von minus 0,5 auf plus 0,5 Prozent, durch die US-Fed von ein auf 3,25 Prozent und durch die Bank of England von ein auf 1,5 Prozent. Die People´s Bank of China dürfte demnach die Zinsen noch moderat von 3,7 auf 3,6 Prozent senken, die japanische Notenbank auf minus 0,1 Prozent belassen. In Russland liegen die Leitzinsen bei 11 Prozent. Sie könnten in den kommenden zwölf Monaten auf sieben Prozent sinken. Die Belastung der Schuldner hält sich aber allgemein in Grenzen. Berücksichtigt man die Inflation, sind die Zinsen vielerorts weiterhin negativ …


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Foto: DEM_Amundi
2 Minuten
In den meisten Ländern Europas sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) gegenüber dem Vorjahresniveau deutlich zurückgegangen. Logo, bei fallenden Kursen muss man einen geringeren Zähler, den niedrigeren Aktienkurs, durch den Nenner Gewinn teilen. Die meisten europäischen Börsen liegen mittlerweile sogar unter ihrem 20-Jahres-Median. Es gibt allerdings eine Ausnahme, betont Philippe Uzan, CEO bei iM Global Partner, nämlich die Schweiz.  Dort beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis 18,8, das ist 27 Prozent mehr als der 20-Jahres-Median von 14,8. Dafür gibt es natürlich Gründe: Zum einen machen im Schweizer Index SMI eine Hand voll defensive Flaggschiffe wie Roche, Novartis, Nestlé den Großteil der Marktkapitalisierung des Index aus. 33 Prozent fallen auf Gesundheit, 25 Prozent auf Grundnahrungsmitteln, dazu noch ein paar Großbanken, die von steigenden Zinsen, gleich bessere Margen profitieren sollten. IT-Werte sind im Schweizer Leitindex nur marginal enthalten. Zum anderen trifft die Schweiz auch der Energiepreisschock in Europa nicht ganz so stark, da ihr Strommix einen großen Wasser- und Kernkraftanteil hat und die Industrie, allen voran die Uhrenmacher, nicht so energieintensiv ist. Mit Ausnahme natürlich des Baustoffriesens Holcim Lafarge. Das schlägt sich übrigens auch in der Erzeugerpreisinflation nieder: Im Jahresvergleich stieg diese in der Schweiz um 6,7 Prozent, in Deutschland um 33,5 Prozent. Übrigens: Im Kantönli-Staat ist auch die Nationalbank kein unbedeutender Aktionär der Schweizer Börsenperlen. Noch besser: die Schweizerische Nationalbank ist selbst an der Börse notiert.


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Foto: Pixabay
3 Minuten
Die Unsicherheit und somit auch die Schwankungen an den Kapitalmärkten werden steigen, betont JP Morgan Asset Management in seinen jüngsten Long-Term Capital Market Assumptions. Während sich die Wirtschaft erholt bringt die Unsicherheit, wie die Staaten und Notenbanken mit ihren Interventionen weiter verfahren Unruhe in die Märkte. Insofern würden extreme Kursbewegungen in nächster Zeit zunehmen. Das betreffe vor allem auch den Anleihenmarkt. So lagen die Renditen von US-Staatsanleihen viele Jahre stabil bei 4,5 Prozent. Dann kam es Anfang 2021 zu einem starken Abverkauf von Bonds. Solche Extremsituationen könnte es in nächster Zeit häufiger geben, wird befürchtet. Was das Risikomanagement im persönlichen Portfolio obendrein schwieriger als bisher macht ist das Anleihen keine echte Alternative mehr zu Aktien sind, weil die Renditen beider Anlageklassen sich nicht mehr wie in den letzten 20 Jahren gegenläufig entwickeln sondern positiv korrelieren. Zuletzt sind die Kurse von Anleihen und Aktien gleichermaßen gefallen. Dafür sorgt die unberechenbare, sehr aktive Geldpolitik. Wer also noch klassische 60:40-Fonds im Depot hat, die zu 60 Prozent in Anleihen und zu 40 Prozent in Aktien investiert sind, darf sich davon keine stabilen Renditen mehr versprechen. Solche Investments sollte man vielleicht sogar überdenken.


Ausschließlich mit zehnjährigen US-Staatsanleihen wird man allerdings über die nächsten zehn bis 15 Jahre auch nicht die höheren Inflationsraten schlagen können. JP Morgan Asset Management geht bei den zehnjährigen US-Treasuries nämlich nur noch von jährlichen Renditen von 2,4 Prozent aus.  Die fetten und stabilen Jahre sind offenbar vorbei, allerdings längst auch auf den Sparkonten …


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3 Minuten
Wenn die Zinsen steigen, müssten doch Highyield-Anleihen überproportional steigen, weil ja auch die Ausfallsrisiken von Bonds schlechter Schuldner stärker steigen. Tatsächlich sind die Renditen länger laufender ausfallssicherer Staatsanleihen seit Jahresbeginn deutlich stärker gestiegen als die die von ausfallsgefährdeteren kurzfristigen Hochzinsanleihen oder Junk Bonds. Dies, obwohl doch das Totalverlustrisiko bei Junkbonds zunimmt, je näher die Fälligkeit naht, da brustschwache Unternehmen ihre Anleihen dann womöglich nicht tilgen und refinanzieren können.  Offensichtlich haben die Unternehmen aber noch keine Refinanzierungsprobleme. Wir sind also noch nicht wirklich in einer Krise, könnte man daraus schließen.


Wenn man also wissen möchte, ob man schon an der Rezession schrammt, muss man sich einerseits den Hochzinsanleihenmarkt anschauen, ob hier die Risikoprämien schon in die Höhe schießen. Ein weiterer Indikator ist der Volatilitätsindex VIX, der die Schwankungen an den Börsen misst. Normal sind Schwankungen von 20 bis 30 Prozent auf europäischen und 15 bis 25 Prozent auf US-Börsen. Ab einer Zahl von 50 und drüber, also ein Abweichen von 50 Prozent vom Mittelwert der Kurse kann es dann zu „Wash Outs“ kommen: Institutionelle müssen dann aufgrund Ihrer Anlagekriterien aus den zu riskanten Aktienmärken aussteigen. 


Entscheidend, ob man schon von einer Rezession sprechen kann oder nicht ist auch die Entwicklung der Aktienmärkte, ob sie schon auf breiterer Front um 20 Prozent eingebrochen sind, also die Bären los sind.


Die Zinsen von Anleihen haben natürlich die Notenbanken stark verzehrt. Als sie in der Finanzkrise mit der ultralockeren Geldpolitik begannen, lagen die Renditen von High Yields noch bei 20 Prozent. Derzeit werfen sie nur noch Rendite in einstelligen mittleren Bereich ab. Jetzt kann man entweder folgern, der Markt preist viel zu wenig Risiko ein oder crises? What crises? Tatsächlich liegen die Ausfallsraten der Junk Bonds bei gerade einem Prozent. Gegenüber dem Handelsblatt nannte Ulrich Stephan, Chefstratege der Deutschen Bank noch einen Pluspunkt von High Yield-Anleihen: Sie sind deshalb weniger zinssensibel wie solide Bonds, weil es bei ihnen sehr viel mehr aufs Rating  als auf die Zinslandschaft ankommt. Wenn ihr mich fragt, halte ich selbst bei High Yields das Chancen-Risiko-Verhältnis momentan für zu wenig prickelnd, als dass ich mir Schuldverschreibungen irgendwelcher Art in mein persönliches Portfolio legen würde.


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3 Minuten
Seit langen warnen Analysten davor, dass gerade die Unternehmen im deutschen Leitindex DAX, aber auch andere europäische und US-Konzerne einen hohen Goodwill, sprich Firmenwert bilanzieren, dem nicht immer tatsächlich etwas gegenüberübersteht. Mit dem Goodwill beschäftigt sich auch das Flossbach von Storch Research Institute, die ihren jüngsten Newsletter passend „Goodwill- noch ist der Geist in der Flasche“ titeln. Wie kommen solchen Überhöhten Goodwills in Bilanzen zustande? Häufig bei Übernahmen, wenn das übernommene Unternehmen neu bewertet wird und festgestellt wird, dass mehr bezahlt wurde, als das erworbene Unternehmen an Nettovermögen in seinen Büchern verbucht. Der de facto fundamental ungedeckte Firmenwert ist dann eine Art Übernahmeprämie. Bis 2001 mussten auch die DAX-Unternehmen noch diesen durch Übernahmen entstandenen Goodwill in Etappen gleichmäßig abschreiben und so ihre Bilanzen bereinigen. Das ist seither, weil nach den US-Standards GAAP bilanziert wird, nicht mehr notwendig und wird auch kaum noch getan.  Welches süße Nichts da auf der Soll-Seite in den Bilanzen steht, hat Flossbach von Storch sorgfältig zusammengetragen. Demnach haben allein die S&P-500-Unternehmen inzwischen 3,7 Billionen Dollar an Goodwill bilanziert. Bei allen börsennotierten US-Unternehmen zusammen liegt der Wert noch einmal rund zwei Billionen Dollar darüber. Und im europäischen Stoxx 600 liegt der Goodwill aller Unternehmen bei knapp 2,9 Billionen Euro.


DAX-Konzerne hätten in den Jahren 2000 bis 2004 noch im Schnitt 8,5 Prozent des jeweils zuvor bilanzierten Goodwills abgewertet. In den 17 Geschäftsjahren danach waren es nur noch 1,4 Prozent, sprich einem Sechstel davon. Jetzt, wo bei steigenden Zinsen die Verschuldung wieder stärker zu bewerten ist, ist ein hoher Goodwill in der Bilanz eine gefährliche Drohung, umso mehr als dass das für die US-GAAP-Richtlinien verantwortliche Board angeblich überlegt, wieder Teilabschreibungen des Goodwills über zehn Jahre vorzuschreiben. Niemand hat gesagt, dass die Fundamentalanalyse von Unternehmen einfach sei ...


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2 Minuten
Die erfreuliche Entwicklung des globalen Janus Henderson Dividenden-Index ist Balsam für die geschundene Anlegerseele: Im ersten Quartal 2022 sind demnach die weltweiten Dividenden um 11 Prozent auf 302,5 Milliarden US-Dollar, umgerechnet auf 281,84 Milliarden Euro gestiegen. Bereinigt um den höheren Dollar und einigen technischen Faktoren stiegen die Dividenden sogar um 16 Prozent im ersten Quartal. Damit haben sich die Ausschüttungen seit Einführung dieses Dividenden-Index im Jahr 2009 mehr als verdoppelt. Ja, wer zahlt denn da so viel? Es sind traditionell die Banken, 2022 aufgrund der hohen Rohstoffpreise aber vor allem auch die Bergbauunternehmen. Der Oberhammer ist jedoch die dänische Reederei Moller-Maersk, die 2021 ihren Gewinn verfünffachte, weil aufgrund der Lieferkettenengpässe alles gefragt war, was schwimmt. Die Dividende für 2021 fällt sogar 7,5 mal so hoch aus als noch für das Geschäftsjahr 2020. Die Dividenden-Rendite von Moller-Maersk steigt von 2,64 auf 11,68 Prozent und das wohl verdient.


Anlegerherz, was willst Du mehr? Nun ja, für das ganze Jahr darf man insgesamt aufgrund der gestiegenen geopolitischen Risken und der unsicheren Wirtschaftslage nicht von weiterhin so großzügigen Dividendenanhebungen ausgehen. Trotz allem bringt gerade in einem Bärenmarkt der Dividendenregen Segen als Einkommensquelle und derzeit auch einen gewissen Inflationsschutz.


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3 Minuten
Das ist doch schön, wenn die Woche einmal so optimistisch beginnt:  Fast alle Indizes waren im grünen Bereich. Selbst der Deutsche Geschäftsklima-Index überrascht positiv -  Ukraine-Krieg hin oder her. Während der Analysten-Konsensus der Nachrichtenagentur Bloomberg von einem fallenden Geschäftsklima-Index im Mai ausgegangen war, ist dieser tatsächlich von 91,8 im April auf 93 gestiegen und man ist auch für die nächsten sechs Monate leicht optimistisch. Nachdem die EZB-Präsidentin Christine Lagarde sich auch schon aus dem Fenster gelehnt hat, dass die europäische Zentralbank im Juli die Zinsen anhebt, hat auch der Euro gegenüber dem Dollar nach langem wieder etwas zulegen können. Wie Peter Brezinschek am Sonntag im Podcast GELDMEISTERIN betonte: man sollte weder Europa noch Aktien schon abschreiben. Trotz allem könnte es Sommer nochmals stärkere Korrekturen an den Börsen geben.


Also nicht unbedingt jetzt gleich das ganz Pulver verschießen. Ebenso wie man in Etappen Aktien zukaufen kann, kann man ja auch Aktienpositionen in Etappen verkaufen. Ich persönlich gehe mein Depot - Aktien-Position für Position - durch und schaue, ob ich nicht die Bärenmarkt-Rally nachhaltig nutzen kann, um Teilverkäufe zu realisieren. So habe ich dann schon etwas Pulver wieder auf dem Trockenen für gegebenenfalls neue Einstiege im Juli. Ich finde es derzeit einfach sehr schwierig abzuschätzen, wie lange und in welchem Ausmaß der schreckliche Ukraine-Krieg anhält, wie sich die Pandemie weltweit entwickelt und in welche Richtung die Börsen sich insgesamt bewegen. Ob sich das Konsumentenvertrauen in der Eurozone wieder verbessert, ob die Löhne im Herbst steigen und die Inflation zusätzlich befeuern. Alles ist möglich. Was jedenfalls Stabilität vor allem in den US-Aktienmarkt bringt ist, dass diese Woche in den USA die Bilanzsaison endet. Weitere überraschend schlechte Zahlen wie von den Einzelhandelsketten Target oder Wallmart sind nicht mehr zu erwarten, wenn man von dem Grafikprozessor-Produzenten Nvidia absieht, die noch am Mittwoch veröffentlichen und gestern im Vorfeld leicht einbüßten.


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3 Minuten
Ja, ein Warren Buffett kann das mit seinem großen Vermögen machen, sich in Ölwerte wie Occidental Petroleum einzukaufen. Ich als Privatanleger – abgesehen von nachhaltigen Argumenten – würde nicht auf fossile Brennstoffe bauen, auch wenn sie in den nächsten Jahren noch große Performance-Chancen haben. Wie schnell sich bei Öl, Gas & Co durch politische Einflüsse das Bild ändern kann, zeigt Australien. Noch letzte Woche hat man allerorts den Rohstoff-Bonus der australischen Börse hervorgehoben. Jetzt gab es auf dem Kontinent Wahlen, die einen radikalen Kurswechsel bringen. Der neu gewählte Premierminister Anthony Albanese von der Labor Party will aus Australien eine Supermacht der erneuerbaren Energien machen. Während sein liberaler Vorgänger Scott Morrison ein Förderer der mächtigen australischen Kohleindustrie war. Australien hatte zuletzt mit schlimmen Folgen des Klimawandels stark zu kämpfen: Erst verheerende Brände, dann Überflutungen. Mit Klimaschutz kann man daher gerade in Australien punkten. Bin gespannt was heute, Montag während der Angelobung von Anthony Albanese die australische Börse macht: Von der Kapitalisierung des australischen Marktes machen Rohstoffe 27,4 Prozent aus. Der Kurs des größten Unternehmen Australiens, die Minengesellschaft BHP Group legte seit Jahresbeginn um 11,6 Prozent zu, in den letzten fünf Jahren, also in der Amtszeit von Scott Morrison um insgesamt rund 88 Prozent. Auf die Weltbörsen wird sich der nachhaltige Kurswechsel von Australiens Energiepolitik wohl nicht allzu sehr auswirken. Die australische Börse macht gerade ein Prozent der weltweiten Börsenkapitalisierung aus. Wer übrigens auf Rohstoffe setzen möchte, kann auch in den britischen Leitindex FTSE (Futsi) investieren, der viele Rohstoffunternehmen enthält.


Diese Episode ist übrigens schon die 270.te Folge der Börsenminute, Grund genug, zu feiern und den Podcast vielleicht auch auf einer Podcastplattform Deiner Wahl, auf Spotify oder YouTube zu liken oder ihn auch zu abonnieren und weiterzuempfehlen. Besten Dank!


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2 Minuten
Gestern hatte ich wieder einmal die einmalige Gelegenheit gehabt, mich mit RBI-Chefanalyst Peter Brezinschek auszutauschen. Ich schätze seine Expertise sehr.  Auf meine Frage, ob er noch mit einem Crash an den Börsen rechne, meinte er unaufgeregt: „Den haben wir doch teilweise schon gesehen. Selbst eine Adidas hat sich in den letzten zwölf Monaten fast halbiert, genaugenommen minus 42 Prozent. Eine Amazon-Aktie hat seit Jahresbeginn 37 Prozent verloren, Tesla 41 Prozent.“  Peter Brezinschek betont, man sollte Aktien dennoch nicht abschreiben. Für Anleihen sei es ohnedies noch zu früh. Gold, das weder Dividenden  noch Zinsen abwirft sei solange als geringfügige Beimischung interessant, solange nicht die Realverzinsung wieder positiv sei. Cash findet der Börsenprofi trotz der aktuellen Inflation zum Zwischenparken nicht uninteressant. Er rechnet im Sommer nochmals mit heftigeren Korrekturen an den Börsen, dann könnte es schöne Einstiegschancen an den weltweiten Aktienmärkten geben, sobald die Inflation wieder etwas zurückgeht. Wobei man global anlegen und genauer selektieren müsse. Und wo sieht er die Chancen genau? Tja, da empfehle ich am Sonntag die neue Podcast-Folge der Geldmeisterin mit Peter Brezinschek downzuloaden. Ich hoffe wir hören uns am Wochenende. In jedem Fall – schönes Wochenende!


Wenn ihr den Podcast Börsenminute oder auch den Podcast GELDMEISTERIN unterstützen wollt, dann bewertet ihn doch bei YouTube, Apple Podcast oder Spotify, abonniert ihn und empfiehlt ihn weiter. Vielen herzlichen Dank sagt Julia Kistner


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Ein guter Indikator dafür, wann es für mich wieder Zeit ist in die USA zu fliegen ist, ist die Euro-Schwäche. Damit ich nämlich gar nicht in Versuchung komme, mit Übergepäck wieder nachhause zu fliegen. Tatsächlich fliege ich bald wieder. Tatsächlich könnte man in etwa einem Monat nur noch einen Dollar für einen Euro bekommen, rechnen Ökonomen. Die letzte Dollarparität sahen wir 2002.  Das Vertrauen in den Euro ist damit am Tiefpunkt, den tiefsten gegenüber dem Dollar seit fünf Jahren. Dazu hat natürlich auch die US-Notenbank FED mit ihrer jüngsten Zinserhöhungen um 50 Basispunkte beigetragen. Für die Euro-Schwäche sorgt auch der Ukraine-Krieg und die schlechteren Wirtschaftsprognosen. Der Internationale Währungsfonds revidiert in seinem jüngsten Ausblick das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone von 3,9 auf 2,8 Prozent.  Hinzu kommen die vielen heißen Wetten gegen den Euro. Laut Bloomberg haben Hedgefonds in den letzten Monaten sieben Milliarden US-Dollar auf eine Parität von Dollar gegen Euro gewettet. Was kann ich als US-Urlauber tun? Nicht viel, da man ja nicht mehr Bargeld in großen Mengen mitschleift, dass man bereits jetzt noch günstiger tauschen könnte als im Juni. Als Anleger würde ich mir US-Aktien als Währungs-Hedge ins Portfolio legen. Natürlich hat man sich auch mit einem MSCI-World, der weltweit in 1600 Unternehmen investiert, gut außerhalb der Euro-Zone aufgestellt. Zu 60 Prozent ist dieser Index in US-Aktien investiert.


Rechtlicher Hinweis: Für Verluste, die aufgrund von getroffenen  Aussagen entstehen, übernimmt die Autorin, Julia Kistner keine Haftung.


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Was man seit Jahresbeginn wieder einmal sieht ist, dass Gold als Krisen-Währung nicht ausgedient hat, Krypto-Assets waren es nie – weder eine Währung noch krisenresistent. Der Goldpreis legte im ersten Quartal um sechs Prozent zu, der beste Jahresauftakt seit fünf Jahren, betont die Societé Generale. Gold notierte nach Ostern kurzfristig sogar über 2000 Euro, liegt aktuell aber nur noch bei 1717 Euro. Das zeigt wieder einmal, wie stark der Goldpreis auch schwankt. Trotz jüngster Rückgänge hat das Edelmetall in Euro seit Jahresbeginn rund 8,5 Prozent zugelegt, wofür aber ausschließlich der starke Dollar verantwortlich ist, in dem Gold ja notiert. In Dollar gerechnet steht die Krisenwährung Gold nämlich sogar etwas unter dem Niveau zu Jahresbeginn. Auch noch gut, verglichen mit den zweistelligen Verlusten an den Aktienmärkten, vom kapitalen Sturz der Krypto-Assets ganz zu schweigen. Da sind zum einen die Inflationsängste. Warum Anleger aber vor allem  Gold als sicheren Hafen ansteuern ist natürlich der Ukraine-Krieg. In Gold-ETFS flossen Daten des World Economic Council zufolge im ersten Quartal 173 Tonnen, das ist mehr, als 2021 aus Gold-ETFs noch abgezogen wurde. In den letzten drei Wochen sind Rohstoffexperten der Commerzbank zufolge aber auch wieder 58 Tonnen aus börsennotierten Gold-Fonds abgeflossen. Denn das aktuelle Umfeld, steigende Anleihenrenditen und Zinsen und ein starker Dollar sind bekanntlich Gift für Gold. Wie es weiter geht mit Gold hängt vom Ausmaß und von der Dauer des Ukraine-Kriegs ab. Leistet sich Putin weitere Gräueltaten, vielleicht sogar mit Verkäufen russischer Goldreserven. Wichtig ist aber vor allem auch, wie die Notenbanken auf die Inflation reagieren. Daher sollte man die Aussagen deren Chefitäten und Notenbanktagungen in nächster Zeit genau beobachten. Die US-FED tagt zu Zinsen als Nächstes am 15. Juni und 27. Juli 2022. Die Sitzungen der Europäische Zentralbank mit Zinsentscheidungen finden etwas früher, am 9. Juni und am 21. Juli 2022 statt.


Rechtlicher Hinweis: Für Verluste, die aufgrund von getroffenen  Aussagen entstehen, übernimmt die Autorin, Julia Kistner keine Haftung.


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