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  3. Brille auf, wir müssen reden! Der JoDDiD-Podcast Podcast

Episoden

31 Minuten
Was denken eigentlich angehende Lehrer:innen über das (vermeintliche) Neutralitätsgebot? Wer fordert von Lehrkräften Mäßigung oder gar Neutralität und was bedeutet das für politische und demokratische Bildung?

Darüber sprechen wir mit Steve Kenner und Philipp Bosch von der PH Weingarten. Die beiden forschen zum demokratischen Bildungsauftrag und haben auf der GPJE-Tagung unter dem Titel „Wie der Mythos der Neutralität emanzipatorische Bildung erschwert“ erste Ergebnisse aus zwei Erhebungen vorgestellt.

Im Gespräch geht es darum, welche Vorstellungen angehende Lehrkräfte von ihrem demokratischen Bildungsauftrag haben, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind und warum die Forderung nach vermeintlicher politischer Neutralität dabei eine so zentrale Rolle spielt. Gleichzeitig schauen wir darauf, warum demokratische Bildung eng mit einem emanzipatorischen Bildungsverständnis verbunden ist.

Auch wenn vieles zunächst stark nach Schule klingt, reichen die Fragen weit darüber hinaus: Neutralitätsansprüche, Haltung und demokratische Verantwortung beschäftigen ebenso die außerschulische politische Bildung und politische Bildner:innen in ganz unterschiedlichen Arbeitsfeldern.

Hinweis: Dieses Gespräch war bereits Teil unserer Reportage von der GPJE-Tagung. Weil die darin verhandelten Fragen aktuell eher drängender als weniger relevant werden, möchten wir ihm noch einmal eigenen Raum geben.

Eine Folge über demokratische Bildung, Haltung und professionelle Verantwortung und darüber, was politische Bildung leisten kann und leisten muss.

In dieser Folge spricht Nathalie Bock von der JoDDiD mit Steve Kenner und Philipp Bosch von der PH Weingarten.

 
59 Minuten
Sollten wir extrem rechtes Denken in Bildungsveranstaltungen konkret thematisieren und wenn ja, wie?

Ausgangspunkt dieser Folge ist eine Frage, über die unsere Professorin Anja Besand bei der Planung ihrer Lehrveranstaltungen gestolpert ist: „Gibt es Situationen, in denen es sinnvoll ist, dass wir selbst extrem rechtes Denken sichtbar machen?“

In ihrer Einführungsvorlesung spricht sie mit angehenden Lehrkräften darüber, was wir unter Politik verstehen und welche Vorstellungen von Staat, Gesellschaft und Politik existieren. Mit Blick auf die aktuelle gesellschaftliche Lage stellt sich dabei die Frage, ob nicht auch extrem rechte Deutungen ausdrücklich thematisiert werden sollten. Denn Studierende (ebenso wie Schüler:innen) begegnen solchen Konzepten im Alltag, oft ohne ihre Herkunft oder Bedeutung einordnen zu können.

Aus dieser Überlegung entstand im Team eine kontroverse Diskussion. Gemeinsam mit Tina Hölzel-Chokharash, David Jugel und Stefan Breuer spricht Anja Besand darüber, was dafür und was dagegen spricht, extrem rechtes Denken in Bildungsprozessen sichtbar zu machen. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob wir das tun sollten, sondern auch darum, wie wir es tun können, wenn wir uns dafür entscheiden: Welche Zugänge sind sinnvoll, welche Risiken gilt es zu bedenken und worauf kommt es bei der konkreten Umsetzung an?

Deutsches Denken – Rechte Intellektuelle der Bundesrepublik: https://www.deutschlandfunkkultur.de/deutsches-denken-rechte-intellektuelle-der-bundesrepublik-1-4-100.html

Im Podcast zu hören sind: Anja Besand, David Jugel, Stefan Breuer und Tina Hölzel-Chokharash
1 Stunde 30 Minuten
Wie kann politische Bildung so gestaltet werden, dass sie an unterschiedliche Lebensrealitäten und soziale Räume anschließt? Und wie lässt sich aufsuchende politische Bildung gestalten, ohne Menschen zu belehren, zu stigmatisieren oder ihnen Defizite zuzuschreiben?

In dieser Folge denken Anja Besand, Tina Hölzel-Chokarash und Thomas Gill diese und viele weitere Fragen an, sammeln Ideen und Ansätze und lassen euch dabei mithören.

Warum sollte sich politische Bildung nicht zum Interventionsinstrument machen lassen? Und wie kann sie stattdessen sozialräumlich und communityorientiert gedacht werden? Es geht darum, politische Abwendung und die gesellschaftlichen Prozesse dahinter besser zu verstehen und dabei nicht vorschnell mit Zuschreibungen zu arbeiten.

Im Mittelpunkt steht ein Verständnis von aufsuchender politischer Bildung als gemeinsamem Prozess: Politische Bildung mit Menschen und nicht für sie. Es geht darum, von ihren Erfahrungen und Lebensrealitäten zu lernen, miteinander in Austausch zu treten und gemeinsam Projekte zu entwickeln. Auch die Bedeutung migrantischer Selbstorganisation, Legal Empowerment und soziologischer Erkenntnisse kommen zur Sprache.

Und was passiert, wenn es noch keine organisierten Community-Strukturen gibt? Dann heißt es: genauer hinschauen, Gelegenheiten wahrnehmen und Menschen als mündige politische Subjekte ernst nehmen.

Zum Abschluss geht es um die „Politik der politischen Bildung“ und die Rahmenbedingungen, unter denen politische Bildung heute stattfindet: Warum sollte sie gerade in herausfordernden und konflikthaften Zeiten als Teil sozialer Daseinsfürsorge verstanden werden?

Verlinkungen:

- zum Abendschulstück von Klaus Waldmann: https://tu-dresden.de/gsw/phil/powi/joddid/bildung-beratung/abendschule/kollektion-2/aufsuchende-politische-bildung
17 Minuten
Macht ist kein abstraktes Konzept – sie wird körperlich erlebt.

In der politischen Bildung setzen wir oft auf Fakten und rationale Urteilskraft. Doch Macht- und Klassenverhältnisse wirken tiefer: Sie manifestieren sich im Körper als Scham.

Das Problem: Wenn wir sozioökonomische Benachteiligung rein strukturell erklären, erreichen wir die Menschen oft nicht.

In diesem Interview von der GPJE-Tagung erklärt Nicola Nagy, warum Scham wie eine Blockade für Bildungsprozesse wirkt und warum wir sie nicht übergehen, sondern viel mehr als Ausgangspunkt ernst nehmen sollten.

Nicola Nagy (Universität Wien): https://lehrerinnenbildung.univie.ac.at/arbeitsbereiche/didaktik-der-politischen-bildung/team/nagy-nicola/
2 Stunden 1 Minute
Die Reportage zur ECR- und GPJE-Jahrestagung 2026 in Wien.

Wie in jedem Jahr kam die Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (kurz GPJE) zu ihrer Jahrestagung und der vorgelagerten Early Career Researcher Tagung zusammen. Diesmal traten wir unter dem Tagungsthema "Politische Bildung als Emanzipation" die Reise nach Wien an. 

Selbstverständlich haben wir wieder die Mikrofone einpackt, um euch vielfältige Eindrücke und Gedanken von der Tagung festzuhalten. Wir hoffen, dass wir all denen, die im Feld arbeiten und nicht auf eine Fachtagung fahren können, situativ einen Einblick in die Praxis und Wissenschaft zur politischen Bildung mit ihren aktuellen Fragestellungen und Kontroversen rund um das Thema Emanzipation geben können.

Wir hatten die wunderbare Möglichkeit, mit so vielen Menschen, wenn leider natürlich auch nicht mit allen Teilnehmer*innen, sprechen zu können.

Im Podcast (in chronologischer Reihenfolge) zu hören sind: 

Nicola Nagy (Universität Wien): Emotionen, Klassenverhältnisse und politische Selbst-Bildung als emanzipatorischer Subjektivierungsprozess

Stella Wasenitz (Universität zu Köln): Zwischen Individualisierung und Emanzipation: Finanzbildung in Lehrplänen und die Notwendigkeit einer politisch integrierten Perspektive

May Jehle (JGU Mainz): Verweisungszusammenhänge zwischen Emanzipation und Solidarität angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen politischer Bildung

Ulrich Brand (Universität Wien): Politische Bildung und Emanzipation. Zum Beitrag der Transformativen Politischen Bildung

Florian Köhler & Sören Torrau (Pädagogische Hochschule Karlsruhe): „Der Mechanismus dahinter ist immer der gleiche“: kritisches Denken, hinter die Machart von Medien schauen. Expertenwissen in Politiklehrkräftefortbildungen als emanzipatorische Praxis

Clara Margull (Universität Potsdam): Ostdeutsche Biografien und Narrative in der politischen im Kontext gesellschaftlichen Wandels 

Sarah Göhmann (LzpB Bremen: Landeskoordination "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“) 

Georg Gläser (Universität zu Köln)

In Teil 1 waren zu hören: 

Zoë Rübbert (Demokratiezentrum Wien)

Melanie Göttfried & Maria Pasaricek (Universität Graz): Das Gedächtnis des Klassenzimmers zwischen Erinnerung(en) und Agency. Lebensgeschichtliches Erzählen im Geschichtsunterricht. 

Petra Kolb (Universität Wien): Radikaldemokratische Bildung in Protestcamps. Eine Form gelebter Emanzipation?

Dietlind Stolle (McGill Universität, Kanada und ehemalige Direktorin des Centre of the Study of Democratic Citizenship CSDC): Attitudinal Democratic Backsliding – Threats to Emancipatory Political Education?

Zoey Voigts (Leibniz Universität Hannover): Die Rolle intuitiver Wertwahrnehmungen in ethisch-politischen Urteilsprozessen

Philipp Bosch & Steve Kenner (Pädagogische Hochschule Weingarten): Wie der Mythos ‚Neutralität‘ emanzipatorische Bildung erschwert – Ergebnisse einer qualitativen Studie

cUdo Dannemann (Freie Universität Berlin): Schule im Spannungsfeld antidemokratischer Entwicklungen und gesellschaftlicher Herausforderungen

Die Interviews wurden geführt von: Tina Hölzel-Chokharash und Nathalie Bock 

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ERWÄHNUNGEN:

Programm der Konferenz der Early Career Researcher: https://www.demokratiezentrum.org/wp-content/uploads/2026/04/DZ_Programm_GPJE_ECR_2026.pdf

Programm der GPJE-Jahrestagung: https://www.demokratiezentrum.org/wp-content/uploads/2026/02/DZ_Programm_GPJE_2026.pdf 
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Über diesen Podcast

Die JoDDiD setzt an der Kommunikation zwischen politisch bildnerischer Wissenschaft und Praxis an. Die Mitarbeiter:innen aus dem JoDDiD-Team setzen in diesem Podcastformat die politikdidaktische Brille auf und stellen Fragen an Expert:innen. Wir möchten einen Transfer leisten, der sowohl Wissenschaft als auch Praxis einbezieht. Das heißt, in diesem Format sollen Studien und Konzepte bzw. Theorien vorgestellt werden, aber auch spannende Praxisberichte bzw. Fallbesprechungen können zu Wort kommen. Im JoDDiD-Podcast wird nicht nur präsentiert, sondern vor allem auch gemeinsam diskutiert und (weiter-)gedacht! Es werden Erkenntnisse, Aufträge und Fragen an das Feld der politischen Jugend-und Erwachsenenbildung in Sachsen formuliert. Aber hört selbst. (Dieses Podcastprojekt der Technischen Universität Dresden wird finanziert durch Mittel des sächsischen Staatsministeriums der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung)
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