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313 Episoden
47 Minuten
Kommen wir eigentlich Vorrang im Kampf gegen Hass und Hetze im Unternehmen? Gerald Hensel gehört zu den Mitgründern von HateAid. Die NGO unterstützt Opfer von Hass im Internet und berät die Politik. Gerald sagt: Unser Umgang mit Hass im Netz ähnelt der Situation des Umweltschutzes in den 50er und 60er Jahren. Schön fand die Umweltsauereien damals auch schon keiner, es galt aber als normal. Inzwischen ziehen wir die Grenzen zu Recht anders. Ähnlich im Netz: Als Gerald vor einigen Jahren selbst Opfer eines Shitstorms wurde, bekam er immer wieder den Rat, sich einfach online nicht zu exponieren. Wer keinen kurzen Rock trägt ... Zum Glück hat sich die Diskussion inzwischen weiterentwickelt.

HateAid treibt Prozesse voran, wie den gegen Meta, der die Mutter von Installationen und Facebook verpflichtet, im Grunde gleichen Beleidigungen und Lügen selbst zu finden und zu löschen. Gerald betont: Eigentlich war das immer ein Unding. Ein Gericht verbietet eine Behauptung, die ein User auf einer grünen Kachel bei Instagram teilt. Dann kommt der nächste und teilt dieselbe Beleidigung auf einer roten Kachel - und darf das? Die Politik der vermeintlich kleinen Schritte ist erfolgreich, so Gerald.

Michael und Gerald sprechen über die aktuelle Protestwelle gegen rechts. Haben wir ein aktualisiertes Bild der Rechten? Viel zu oft, so Gerald, tragen wir immer noch das Bild der Skinheads der 90er im Kopf herum. Das reicht nicht, nicht jeder Nazi sieht so aus. Die Rechten haben sich seither entwickelt, unsere Bilder nicht. Das ist ein Problem.

Was wir brauchen, ist mehr als das Engagement der Politik. Die Unternehmen sind mindestens ebenso gefragt. Wann kommt der erste DAX30-Konzern und positioniert sich nicht nur politisch gegen rechts und die AfD, sondern geht ganz praktisch hin und finanziert einer NGO eine marktgerecht bezahlte Juristenstelle? Oder strategisches Marketing? In keiner Bilanz eines DAX-Konzerns würde sich eine Spur davon finden ....

Und was kommt nach der Protestwelle? Michael und Gerald stimmen schnell überein: Demonstrieren gegen rechts ist sinnvoll und richtig. Aber die Welle wird abebben - und dann? Gerald schlägt vor: Wer etwas tun will, soll heute noch eine Spende an eine integrativ wirkende Organisation tätigen. Besser noch einen Dauerauftrag einrichten. Anschließend NICHT darüber bei LinkedIn schreiben. Es einfach tun und dann mal wieder demonstrieren gehen.

Wir sammeln bei LinkedIn und Instagram Organisationen, an die man hier denken könnte. Du weißt noch eine weitere? Schreib sie dazu. Auf jeden Fall im Rennen, neben HateAid: Sozialhelden von Raul Krauthausen und Sanktionsfrei von Helena Steinhaus. Machen wir unsere Welt ein Stück besser und wirken der Spaltung ganz handfest entgegen.

Zu Gast: Gerald Hensel, Co-Gründer und Managing Partner der Marketing Beratung superspring Marketing Consulting, Co-Gründer der Hatespeech-NGO HateAid
51 Minuten
Benjamin Friedrich, Gründer und Herausgeber von KATAPULT, ist wieder zu Gast bei Michael. Die beiden sprechen über den Aufstieg der Rechten im Land und die Rolle der Medien dabei. KATAPULT wird von anderen Medien immer noch und immer wieder dafür kritisiert, eine klare Haltung gegen rechts zu zeigen. Sicher ist: Sollte es eine Brandmauer in den Medien gegeben haben, ist sie nicht mehr vorhanden. Rechte Position werden wie selbstverständlich diskutiert - als seien sie diskutable Positionen. Die großen Medien selbst haben hier ihren Teil aktiv dazu beigetragen. Sprachlich sind die Trennlinien eingebrochen. Auch damit schafft es die AfD, mit der Mitte der Gesellschaft eine Verbindung aufzubauen, ein wesentlicher Teil ihres Erfolgskonzepts.

Benni berichtet von seinem Erschrecken, dass Menschen wie Michel Friedman inzwischen wieder einen stets gepackten Koffer zuhause stehen haben. Die Übernahme politischer Macht durch die AfD wäre für Benni ein triftiger Grund, über eine Ausreise nachzudenken. Von der AfD regiert zu werden, ist keine Option.

Benni gibt ein ausführliches Update zu KATAPULT. War das Brechen von Regeln für den Verlag immer Teil des Erfolgs, gilt das für die beinahe-Insolvenz des vorigen Sommers umso mehr. Benni beschreibt, wie gerade in Krisenzeiten die bedingungslose Transparenz wieder zum Erfolg führte, wie die entwaffnende Offenheit des Verlags und seines Gründers es erst ermöglichte, dass jede Menge Menschen sich entschlossen zu helfen. Ganz offenbar gab es genügend Menschen im Land, die eine Welt mit KATAPULT wollen - und dafür sogar bereit waren, Grashalme im Shop zu bestellen. Bis zur Insolvenz waren sie immer nur von Erfolg zu Erfolg geeilt, wie Benni es ausdrückt: Bis dahin waren sie mit der transparenz immer nur Angeber. Die radikale Transparenz in der Krise führte aus der Insolvenz.

Zu Gast: Benjamin Fredrich, Gründer und Herausgeber von KATAPULT
18 Minuten
All ihr Rechtsextremen mit AfD- oder sonstigem Parteibuch: Verschwindet einfach.

Wir wollen mit euch nichts zu tun haben. Aber auch rein gar nichts. Ihr verstopft unsere Aufmerksamkeit mit eurem menschenverachtenden und widersinnigen Gerede. Wir werden es hier nicht wiedergeben, schon das wäre verschwendete Zeit und würde unterschwellig doch die Botschaft verbreiten, an eurem braunen Geschwafel wäre irgendetwas diskutabel. Das ist es nicht. Ihr stellt euch außerhalb von Grundgesetz und Zivilisation. Fein, eure Entscheidung. Bleibt halt dort und verrottet mit euresgleichen. Staatsanwälte haben gute Gründe, mit euch zu sprechen. Wir nicht.

Dies ist ein freies Land mit einem stabilen demokratischen Fundament. Und wir haben genug zu tun. Wir haben die Klimakatastrophe einzudämmen und uns zugleich vor deren Folgen schützen. Wir haben Wirtschaft und Gesellschaft angesichts von Technologie, Demographie und einer grundlegend veränderten Arbeitswelt zu transformieren. Wir haben Diktatoren in ihre Schranken zu weisen. Es geht uns um eine Zukunft mit Entwicklung, Wohlstand und Frieden. Für den hundertsten Aufguss eurer völkischen und nationalistischen Wahnvorstellungen haben wir nicht auch noch Zeit. Wobei ihr gewiss sein könnt, dass wir uns stets die nötige Zeit nehmen werden, unsere Freiheit gegen euch zu verteidigen. Das nennt sich wehrhafte Demokratie.

Wir wollen euch nicht unter unseren Kunden. Wir wollen euch nichts als Partner. Wir wollen euch nicht in unserem Leben. Verschwindet einfach.

Erwähnungen:

#162 Sebastian Klein – Die wachsende Ungleichheit ist kollektiver Selbstmord

#133 Wolfgang Cramer – Nur globale Gerechtigkeit sichert unser Überleben

#168 Marcel Fratzscher - Wohlstand statt Wachstum

#138 Chris Pyak – Deutschland fehlt der Immigrant Spirit

Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Professor für Theoretische Physik an der Universität Potsdam

Verfassungsblog: AfD-Verbotsverfahren als demokratische Pflicht, Prof. Dr. Andreas Fischer-Lescano
45 Minuten
"Bürgerliche Mitte", so der Name einer zentralen (natürlich!) Gruppe in unserer Gesellschaft. Sagen die Soziologen. Sie sagen auch: Diese Mitte hat lange zwei zentrale Funktionen erfüllt. Sie bot Stabilität und war zugleich auf Entwicklung aus. Keine Revolution, aber Fortschritt war hier immer etwas positives. Inzwischen kippt die Stimmung in dieser Mitte, sagt Silke Borgstedt, Geschäftsführerin des SINUS-Instituts. Ihr Institut untersucht laufend die sogenannten Sinus-Milieus, ihre Vorlieben, ihr Verhalten, ihre Einstellungen.

Eine zentrale Erkenntnis aus dem Gespräch: Das Leben mit Veränderung ist nichts für die Mitte. Entwicklung Schritt für Schritt bei stabilen Rahmenbedingungen, das ja. Aber wenn auf einmal vieles in Frage steht, wechselt das Bild. Wenn die Bürgerliche Mitte nicht mehr genau weiß, was eigentlich "normal" ist - und schon gar nicht mehr selber definieren kann, was "normal" sein soll, quasi die Hoheit über Normalität verliert, dann werden Veränderungstreiber zu Blockierern.

Wenn die Mitte sehen muss, wie andere Gruppen Themen wie Nachhaltigkeit für sich längst normalisiert haben, sich auf einmal wie eine Gruppe fühlt, der man das erst noch erklären muss, dann entsteht ein Gefühl der Bevormundung. Das führt mindestens zu Anstrengung und Erschöpfung und raubt die Motivation.

Wenn wir immer wieder das Gefühl haben, der gesellschaftliche Dialog zerfällt in lauter Einzelteile. Wenn wir erleben, wie sich unterschiedliche Gruppen aus der Distanz anbrüllen, anstatt über gemeinsame Lösungen zu verhandeln, dann kann das auch mit der veränderten Rolle und Stimmung in der Mitte zu tun haben.

Silke bleibt optimistisch. Es geht um Anschlussfähigkeit an die Mitte und die kann auf viele Weisen hergestellt werden. Im Konkreten und Lokalen, wo es eine Selbstverständlichkeit ist, sich einzubringen und zu beteiligen. Dazu alles, was Orientierung und stabile Rahmen verspricht. Von der Roadmap für Entwicklungen bis hin zu Elterngeldrechnern auf der Webseite eines Ministeriums.

Zu Gast: Dr. Silke Borgstedt, Geschäftsführerin des SINUS-Institut
40 Minuten
Wollen wir heute etwas besser werden, etwas relevantes lernen? Wer würde dazu schon nein sagen? Allein: Tun wir das jeden Tag? Stattdessen haben wir mühsame eLearning-Programme und immer noch Seminare zur Weiterbildung. Schon der Begriff „Berufliche Weiterbildung“ hat den Charme eine Drei-Sterne-Tagungshotels in Ostwestfalen. Basti Koch sagt: Das geht besser. Wir können Lernen digital machen und uns auf relevantes konzentrieren. Seine Lösung heißt „sparks“ und verspricht, den ganzen Prozess zu personalisieren. 

Michael und Basti diskutieren intensiv, was wir denn wirklich lernen sollten. Welche sind die „Future Skills“, die wir alle drauf haben sollten. Alle, unabhängig von Aufgabe und Tätigkeit, unabhängig auch von der weiteren technologischen Entwicklung. Basti nennt Dinge wie Kreativität, kritisches Denken, Problemlösung, Resilienz. Diese Themen sind allesamt nicht neu. Basti sagt: Wir sind auf diesen Strecken durchaus vorgekommen. Die Themen sind nur nicht endlich - da geht mehr.

Die wirklich relevanten Fragen von Gegenwart und Zukunft haben eines gemeinsam: Niemand kann sie alleine lösen. Daraus folgt: Future Skills sind vor allem solche Fähigkeiten, die auf eine Zusammenarbeit zwischen Menschen zielen. Das ist der eine große Schlüssel.

Hinderlich sind, wie so oft bei Zukunftsfragen, die Bilder, die wir im Kopf tragen. In diesem Fall: Wir glauben durchgängig, Menschen müssten zunächst ihr Expertenwissen als Bankkaufleute, Tischler, Ingenieure erwerben - und anschließend geben wir noch ein paar Runden Soft Skills hinzu. Sollten wir es nicht umdrehen? Wie sähe unsere Welt aus, wenn wir Menschen zu allererst herausragend in Future Skills ausbilden. Das nötige Expertenwissen kommt schon noch dazu. Das ist ja auch das, was im Zweifel ständig veraltet, zum Teil gar wertlos wird. Man frage hierzu einmal bei Ingenieuren in der Motorenentwicklung nach. Erst dann ist der Gedanke der Future Skills wirklich weit genug gedacht. 

Also dann: Ran ans Lernen! Heute schon etwas dabei?

Zu Gast: Basti Koch, Director Product, sparks by Haufe Akademie
45 Minuten
Die Baubranche ist es. Sie ist die eine mit Abstand größte Quelle für CO2-Ausstoß. 40% des Mülls, der in Deutschland anfällt, stammt aus dem Bau. Lisa Weise-Hoff und ihr Startup Hejmo Homes sind angetreten zu zeigen, dass es auch anders geht. Sie fertigen Häuser aus Modulen. Michael und Lisa sprechen darüber, warum auch darin die Zukunft von Bauen und Gebäuden liegt.

Die Baubranche ist es. Sie ist reif für Transformation. Die Technologie ist da. Die Prozesse sind da, die Materialien auch. Lisa sagt: Der Wandel in der Baubranche ist kein Hexenwerk und kein Flug zum Mond. Es geht ums Tun. Und um den Mut, mit bisherigen Gewohnheiten zu brechen.

Beispiel Material: Gebäude der Zukunft sind rückbaubar, Materialien wieder voneinander zu trennen. Damit wird von ganz alleine Kreislaufwirtschaft möglich. Ja, Beton scheidet damit aus.

Beispiel Prozesse: Für jedes neue Haus eine gesonderte Produktionsstätte aufbauen und hinterher wieder abräumen? In keiner anderen Industrie kämen wir auf diese Idee. Das Bauen der Zukunft setzt auch deshalb auf Module, weil man sie an zentraler Stelle fertigen kann, in der Ausbaustufe sogar automatisiert. Vor Ort werden die Teile nur noch verschraubt. Lisa sagt: Eine Woche nach Baubeginn kann man einziehen.

Lisa berichtet auch von ihrer Erfahrung mit den ach so gesuchten Fachkräften. Wenn die Baustelle nicht jedes Mal woanders und der Arbeitsplatz bei Regen, Sturm und Hitze draußen ist, sondern die Produktion in einer warmen Fabrikhalle stattfindet, ist die Suche nach Fachkräften auf einmal ganz leicht.

Wie werden unsere Städte in Zukunft aussehen? Eines scheint sicher: Das Modell mit den unterschiedlichen Städten zum Wohnen, Arbeiten und Versorgen hat ausgedient. Und damit auch die nächste austauschbare Siedlung mit den ewig gleichen Eigenheimen. Wenn wir tatsächlich klimatisch verantwortlich und sinnvoll bauen wollen, führt an mehr Mehrfamilienhäusern kein Weg vorbei. Und in den Städten damit an Sanierung. Das ist der Elefant im Raum, das eigentlich große Thema, an das die Branche herangehen müsste. Nein, sagt Lisa: Herangehen wird.

Zu Gast: Lisa Weise-Hoff, Co-Founder & GF von Hejmo Homes
42 Minuten
Das ist große Samstagabend-Unterhaltung für die ganze Familie! Leider hat Thomas Gottschalk kurzfristig seine Karriere beendet, weil er angeblich nicht mehr alles Schmierige im Fernsehen sagen darf, was ihm gerade so durch den Kopf geht. Naja, dann eben wieder Suchtpotenzial. Wie jedes Jahr. 

Ariane Müller und Julia Gámez Martin sind die feste Säule dieses Podcasts zum Jahreswechsel. Sind sie Team Raclette oder Team Fondue? Eher Team Roxy. In dem Club in Ulm spielen die beiden an Silvester eine Doppelfolge. Das Festtagsmenü wird wohl aus einer kalten Pizza in der Künstlerinnengarderobe bestehen. 

Was tut Not fürs neue Jahr? Klarheit. Nazis auch mal als Nazis bezeichnen. Dem Onkel, der wie jedes Jahr im Familienkreis seine rassistischen Sprüche klopft, auch mal widersprechen. Ariane hat einen veritablen Shitstorm von rechts erlebt im vergangenen Jahr. Kein heißer Tipp für empfindsame Gemüter. Arianes Antwort ist Punk. Trotz. Ist wahrscheinlich nicht jedem Menschen gegeben, insofern Augen auf bei der Shitstorm-Bestellung. 

Das Buch, das Julia ihrem Vater geschenkt hat, heißt "Exit Racism" und ist von Tupoka Ogette.

Zu Gast: Ariane Müller und Julia Gámez Martin von Suchtpotenzial
47 Minuten
Sprechen wir doch einmal darüber, Gutes zu tun. Passend zur Weihnachtszeit. Wobei: In welcher Jahreszeit genau fänden wir es unpassend, Gutes zu tun? Nun ist aber nun einmal gerade Weihnachten, Michael hat Aileen Puhlmann vom Lemonaid & Charitea e.V. zu Gast und die beiden sprechen über Charity, bzw. natürlich Charitea und was es bedeutet, eine positive Wirkung zu erzeugen. 

Das Prinzip bei Lemonaid ist einfach: Vom Ertrag jeder Flasche geht eine fixe Summe an Aileen, die mit ihrem Team daraus wiederum Projekte in genau den Ländern finanziert, aus denen die Limonadenproduktion ihre Rohstoffe bezieht. 

Aileens These ist ebenso einfach. Sie sagt: Die Pflicht muss ohnehin jedes Unternehmen erfüllen. Also: Nachhaltige Lieferketten aufbauen, für anständige Löhne in den Herkunftsländern sorgen, partnerschaftlich und fair mit Lieferanten und Produzenten umgehen. Hinzu kommt die neue Aufgabe: Jedes Unternehmen, jede Organisation muss sich fragen, wie sie darüber hinaus die Welt ein Stück besser machen kann. Weil sie es kann. 

Mit diesem Anspruch geht in Aileen in Länder wie Madagaskar und finanziert Projekte. Dafür gibt sie Geld und sonst nicht viel, beides mit voller Absicht. Das Geld ermöglicht Dinge, die ohne Lemonaid schlicht nicht möglich wären - und das Geld ist ungleich verteilt. Michael und Aileen sprechen darüber, wie schwierig es ist, daraus nicht gleich abzuleiten, die Menschen in den Förderländern wären weniger professionell, verantwortungsbewusst oder kompetent. 

Aileen wird oft gefragt, wie Lemonaid sicherstellt, dass das Geld auch an der richtigen Stelle ankommt. Meist führt das zu interessanten Diskussionen darüber, warum wir bei Spenden und Unterstützung so peinlich genau wissen wollen, was mit dem Geld geschieht - und unzureichend besteuerte Großvermögen schulterzuckend akzeptieren. Oft trifft Aileen auf die Erwartung, Projekte dürften nur eine Anschubfinanzierung bekommen und müssten sich nach wenigen Jahren selbst tragen. Aber warum muss jedes für die Gesellschaft sinnvolle Projekt immer ein gewinnorientiertes Unternehmen sein? 

Der in der Folge erwähnte Podcast mit Micha Fritz findet sich hier. 

Zu Gast: Aileen Puhlmann, Vorständin von Lemonaid und ChariTea e.V.
41 Minuten
Wahrscheinlich muss man es einfach herunterbrechen: Wir haben nur einen Planeten und mit dem müssen wir auskommen. Mit dem Planeten und dem, was darauf ist. Das kann sogar ein CEO verstehen, wenn er im Geschäft bleiben möchte. Nur je später wir anfangen, desto schwieriger wird es. Also wäre es doch ganz gut, heute anzufangen, sagt Martin Bethke, Autor, Berater und Speaker rund um das Thema Nachhaltigkeit. 

Die Frage der Nachhaltigkeit ist im Grund ganz schlicht: Kann ich das, was ich da draußen tue, eigentlich vor mir selber verantworten? Und wenn nein, warum handele ich dann nicht jetzt schon? Das Problem sind aber oft die Denkmuster dahinter. Was sichert unseren Wohlstand? Was ist Wachstum? Letztlich auch: Was ist wirklich wichtig, was wollen wir erreichen? Unsere üblichen Denkmuster stehen uns schon gehörig im Weg, wenn wir über Nachhaltigkeit reflektieren. Tenor: Kann ja sein, dass die Möglichkeiten begrenzt sind; ich möchte trotzdem viel, sollen die anderen halt weniger nehmen - und übrigens bin ich so ein toller CEO, weil ich genau das kann: Auf Kosten anderer leben.

Was treibt die Nachhaltigkeit? Martin setzt auf einen Dreiklang aus Wissen (Stichwort: Earth Overshoot Day), erwünschter Langlebigkeit (Was wollen wir der nächsten Generation hinterlassen?) und Regulatorik. Letzter wirkt wahrscheinlich am stärksten. Dennoch ist, wer immer sich für Nachhaltigkeit einsetzt, oft ein eher ungewollter Akteur. Letztlich halten wir uns mit der Forderung nach mehr Nachhaltigkeit ja auch den Spiegel vor: Gerade weil wir seit Beginn der Industrialisierung nicht nachhaltig gewirtschaftet und gelebt haben, müssen wir nun umso mehr die Transformation suchen. Es möchte eben nicht jeder daran erinnert werden, dass wir uns die Suppe selbst eingebrockt haben. 

Martin plädiert für einen pragmatischen Optimismus: Wir schaffen das, wir können in der Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft weit genug kommen und auch schnell genug sein. Wir haben das nötige Ambitionsniveau, wir haben die Erkenntnisse. Das Problem ist einzig die Umsetzung. Das aber, sagt Martin, ist auch eine gute Nachricht, denn wir haben es in der Hand. Wir müssen es nur tun. 

Die erwähnte Folge mit Marcel Fratzscher ist Folge 168 dieses Podcasts. 

Zu Gast: Martin Bethke, Autor, Berater und Speaker zur Nachhaltigkeit
44 Minuten
Meine Superkraft? Kenne ich sie? Und kann ich sie ausleben, in meinem Beruf und in meinem Alltag nutzen, sie entwickeln und mich daran freuen? Michael und Fredrik führen ein gar nicht so typisches Gespräch über Bildung, Lernen, Schule - und die Superkraft. Fredrik Harkort ist Gründer und Kopf von Cleverly. Das Startup unterstützt Kinder und Jugendliche beim Lernen, mit Inhalten und mit Persönlichkeitsentwicklung. Das erste ist bekannter, das zweite wichtiger, sagt Fredrik.

Fredriks These: Jedes Kind hat eine Superkraft und da muss Lernen ansetzen. Dieser Gedanke ist, gemessen am heutigen Bildungssystem, geradezu revolutionär. Wir setzen auf Standards, auf feste Lehrpläne und abstrakt definierte Kompetenzen, die möglichst alle erwerben sollen - und zwar möglichst gleich. Das Gegenmodell: Du kannst etwas, lerne es kennen und mache etwas draus. Was fast nach den Schreiereien der üblichen Motivationsredner klingt, meint hier: Unterstütze dein Kind bei dem, was ohnehin als Talent in ihm liegt. Nicht der Dienstwagen, die ungewollte Führungsposition, die Karriere, die die Eltern nie hatten, macht auf Dauer glücklich. Jedenfalls nicht jede:n.

Das wäre dann übrigens auch eine kluge Antwort auf vermeintlich übermächtige Gesellschaftsmodelle wie das chinesische: Massenhaft individuell geförderte Persönlichkeiten.

Übrigens: Alles, was Fredrik und Michael über Schule und Lernen von Kindern und Jugendlichen besprochen haben, gilt uneingeschränkt auch für Erwachsene, zu jeder Phase ihres Lebens. Daher hier die Hausaufgabe für alle, die diesen Podcast hören (und für alle anderen auch, es sei denn, sie haben eine Entschuldigung von den Eltern): Finde deine Superkraft. Lerne, darüber zu sprechen: Ich kann .... besonders gut und es bereitet mir Freude. Bonusaufgabe für die Zusatzpunkte: Passt dein Beruf, dein wesentlicher Lebensinhalt dazu?

Zu Gast: Fredrik Harkort, Gründer von cleverly
35 Minuten
"Unlocking Transformation" - unser Festival im Januar 2024. Am 11. Januar werden wir der Transformation aus verschiedenen Perspektiven auf den Pelz rücken, immer auf der Spur unserer Kernfrage: Wie müssen wir reden, damit wir nicht mehr nur reden? Damit endlich etwas passiert, wir uns nicht vom Elefanten im Raum lähmen lassen, sondern den Wandel um uns herum zu nutzen, um Veränderung zu treiben.

Julia Moritz und Michael haben das Festival erdacht und auf den Weg gebracht. Im Podcast reden sie darüber,

wie Veränderung möglich ist, wenn die alten Rahmenbedingungen nicht mehr hilfreich sind,

was das Festival konkret bringt

... und über Elefanten, darüber reden sie auch.

Unser Festival verspricht Begegnung, Debatte, Interaktion, Theater, Netzwerk - aber ganz sicher keine weitere Standard-Konferenz. Das Festival wird eine Plattform sein, auf der ausgewählte Impulsgeber:innen den Austausch befeuern: Markus Stelzmann von Tele Haase, Nadja Peer vom Olympia-Verlag ("kicker"), Pranjal Kothari von der Sparkasse Bremen, Rainer Sommer von der Provinzial, der Stratege der Klimabewegungen Tadzio Müller - sie und eine ganze Reihe mehr werden ihre Erfahrungen teilen und damit das gemeinsame Nachdenken inspirieren.

Du willst, möchtest, musst bei unserem Festival dabei sein?

Programm und alle Impulsgeber:innen: carls-zukunft.de/festival

Anmeldung: unlocking-transformation.eventbrite.com

Das "blaue Buch", über das Julia und Michael sprechen und in dem das Modell Elefant - Reiter - Pfad beschrieben wird, ist von Chip und Dan Heath und ist sowohl auf deutsch als auch im englischen Original erhältlich.

Partner unseres Festivals sind Sapiens Germany und der Olympia-Verlag.

Diese Woche im Gespräch: Dr. Julia Moritz und Michael Carl, die Initiatoren des Festivals "Unlocking Transformation.
49 Minuten
Du musst einfach noch ein Achtsamkeitsseminar buchen. Und öfter ins Fitness-Studio gehen. Vegan essen. Was auch immer, Hauptsache, du strengst dich mehr an und rettest die Welt! So tönt es aus Instagram und TikTok, in Zeitschriften und das gute alte Fernsehen von früher kann das auch. Die Welt ist aus den Fugen geraten und der einzelne ist Schuld, so die lautstarke Erzählung, der wir uns kaum entziehen können. Kai Michel und Carel van Schaik halten dagegen: Das führt lediglich zu Frust und Krankheit - und vor allem löst es kein einziges Problem.

Der Historiker Kai und der Anthropologe Carel habe gerade das Buch "Mensch Sein" veröffentlicht. Sie erzählen eine ganz andere Geschichte des Menschen. Keine Frage, wir erleben derzeit multiple Krisen, aber: Die Menschheit kann Krise. Der beste Beleg ist: Wir sind noch hier. Nur keiner von uns kann das allein - und das ist die beste Nachricht.

Spannend ist die Wurzel unserer Krisenkompetenz. Warum können wir das? Wir können lernen, wir können uns entwickeln und vor allem: Wir können Kooperation. Der Mensch ist im Unterschied zu vielen anderen in der Lage, in großen Gruppen gemeinsam zu handeln. Das müssen - und können - wir aktivieren. Offen ist allerdings, ob wir schnell genug sein werden, um die Klimakrise rechtzeitig einzudämmen.

Kai und Carel entwerfen ein Bild der Menschheit, die gemeinsam in der Lage ist, sich positiv zu entwickeln. Bislang war die Menschheitsgeschichte ein großer Erfolg für die Art insgesamt, wenn auch nicht für jeden einzelnen. Das zu ändern ist unsere Aufgabe für die Zukunft.

Zu Gast: Kai Michel, Historiker und Literaturwissenschaftler und Carl van Schaik, Verhaltensforscher und Evolutionsbiologe.

Buch: Mensch sein - Von der Evolution für die Zukunft lernen
39 Minuten
Die Bilder haben wir alle vor Augen: Ein schmales Band aus Kunstschnee windet sich den Hügel hinunter. Den grünen Hügel. Ist der Wintersport hier Opfer oder Täter? Jedenfalls steckt er in der Klimakrise. Für Hans Conrad ist ein Punkt erreicht, an dem er sagt: Wir können nicht mehr so weitermachen wie bisher. Hans betreibt in vierter Generation einen Sporthandel in Garmisch und um Garmisch herum. Und er macht nicht mehr so weiter wie bisher. Eine ganz praktische Folge dieses Podcasts über einen, der einfach mal Konsequenzen zieht.

Im Podcast berichtet Hans, wie sich diese Folgerung aus der Klimakrise ganz praktisch auf allen Ebenen auswirkt. Gemeinsam mit der Konkurrenz im Handel sucht er das Gespräch mit der Industrie. Sport Conrad vergibt ein Label, an dem Kunden nachhaltige Produkte erkennen können.

Mehr noch: Braucht der Mensch wirklich ein neues paar Ski oder einen weiteren Wanderschuh? Stand heute wird er in seinen Läden dafür gute Beratung bekommen, da ist sich Hans sicher. In der Zukunft aber auch die Frage: Brauchst du das wirklich? Tut es der alte nicht noch? Bei den ersten Versuchen, in seinen Läden, auf der wertvollen Verkaufsfläche, Second-Hand-Ware zu verkaufen, hat das Team jedenfalls schnell gelernt, welche Bedürfnisse Kunden heute schon haben.

Voriges Jahr noch hat Sport Conrad seinen Katalog bis nach Neuseeland verschickt. Auf Papier. Dieser Katalog alleine war für ein Drittel des CO2-Fußabdrucks verantwortlich. Dieses Jahr gibt es ihn nicht mehr. Er war Markenzeichen, Umsatzbringer, Vorzeigeobjekt - vor der Klimakrise. Jetzt passt er nicht mehr.

Letzten Endes, da lässt Hans keinen Zweifel, wird er zwar hoffentlich noch gute Geschäfte machen, aber er wird aktiv auf Umsatz verzichten. Führt ihn das in eine Krise? Nein, sagt Hans, die Krise ist schon da, nämlich die Klimakrise.

Zu Gast: Hans Conrad, Geschäftsführer von Sport Conrad
42 Minuten
Was hilft, wenn sonst gar nichts mehr hilft? Wenn Konzerne weiter Geschäfte mit Öl machen, keine klimaverträglichen Lösungen entwickelt werden - und sogar Recht und Gesetz nicht ausreichen? Dann muss man eben den Staat verklagen. Einige Jahre Ausdauer später könnte der 24. März 2021 kommen. Der Tag, an dem das Bundesverfassungsgericht seinen Klimabeschluss gefasst hat. Ein Paukenschlag, so nennt es die Anwältin, die den Beschluss erstritten hat: Roda Verheyen aus Hamburg.

Was macht den Beschluss zum "Paukenschlag"? Es sind die "Intertemporalen Freiheitsrechte". Kurz gesagt: Wenn unser heutiges Verhalten die Freiheit künftiger Generationen zu sehr einschränkt, müssen wir es heute anders machen. Und da wir das nicht freiwillig tun, muss der Gesetzgeber eben dafür sorgen. Das Klimaschutzgesetz von 2021 war damit Makulatur und wurde in der Folge auch erheblich nachgebessert. Zahlreiche Prozesse bauen inzwischen auf dieser Logik auf, national wie international.

Und ist jetzt alles gut? Natürlich nicht. Insofern mündet der Paukenschlag auch in eine gewisse Ernüchterung. Die Emissionen steigen, Sektoren wie zum Beispiel der Verkehr reißen alle Ziele und der verantwortliche Minister wird dafür belohnt, indem er künftig gar keine Sektorenziele mehr erfüllen muss. Roda sagt: Aufgeben ist keine Option, das wäre ja noch schöner.

Zu den Prozessen gegen unzureichende Gesetze kommen die Prozesse gegen Konzerne. Aktuell treibt Roda die Klage gegen VW voran. Wäre sie erfolgreich, müsste VW bereits 2030 aufhören, neue Autos mit Verbrennungsmotor zu verkaufen. Weltweit. In den ersten Instanzen ist die Klage gescheitert, dann eben Berufung. Immer weiter machen. Konzerne sind auch deshalb wichtig, weil sie weit jenseits der Gesetze einzelner Länder handeln können. Aber auch hier gilt: Last Exit Klima-Klage. Der Weg über Prozesse ist lang, er ist riskant, aber er ist demokratisch - und etwas besseres haben wir nicht. Also ran an den nächsten Schriftsatz.

Die Aufarbeitung des abenteuerlichen Streits um das Gebäude-Energie-Gesetz, über das Roda und Michael gesprochen haben, findet sich hier beim Volksverpetzer. Bei dieser Gelegenheit: Unterstützt den Volksverpetzer, er leistet Großartiges.

Zu Gast: Dr. Roda Verheyen, Rechtsanwältin und Mitglied des Hamburgischen Verfassungsgerichts.
41 Minuten
Eine Krise legt sich über die nächste. Und noch eine. Wer heute ins erwachsene Leben tritt, weiß: Beschauliche, kuschelige Wohlstandsstabilität, das war einmal. Nicht für uns. Warum also nicht einfach resignieren, eine letzte Party schmeißen und dann abwarten? Oder um es mit den Worten von Amelie Weber zu sagen: Wie wird aus der Generation Krise eine Generation Hoffnung? Amelie ist Journalistin und Autorin und hat gerade dazu ein Buch veröffentlicht. 

Ein Weg zur Hoffnung: Auf gute Beispiele schauen. Amelie erzählt, wie sie Krise für Krise nach positiven Botschaften gesucht hat. Nicht, um die Krise zu relativieren, sondern um zu zeigen: Es ist möglich, etwas zu tun. 

Wichtig ist Amelie: Wir müssen nicht stets den ganz großen Wandel von uns selbst erwarten. Michael und Amelie stellen beide fest, dass sie einfach nicht mutig genug sind, sich für mehr Klimaschutz auf die Straße zu kleben. Nur: Wir können dennoch etwas tun. Amelie beschreibt, wie sie bei den verschiedenen Krisenthemen mal mehr und mal weniger Mühe hatte, hilfreiche Beispiele zu finden. Letztlich finden sie sich aber überall und zeigen, wir sind dem Thema Krise nicht hilflos ausgeliefert. Das macht Hoffnung. 

Zugleich stimmt auch das andere: Die meisten der Krisen, mit denen wir gerade konfrontiert sind, brauchen gerade das große Rad: Kohleausstieg und Tempolimit, einen neuen Generationenvertrag. Die Klimakrise wird uns ohnehin erhalten bleiben, es wird nur darum gehen, sie verträglich zu managen. Insofern braucht die junge Generation ebenso wie mit ihr alle anderen: Hoffnung. Hoffnung, um aktiv zu werden und zu bleiben.

Zu Gast: Amelie Marie Weber, Journalistin und Autorin von "Generation Hoffnung"

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