Konzerteinführung digital Archiv
122 Episoden
13 Minuten
Selten besteht ein Sinfoniekonzert nur aus einem Programmpunkt. Gustav Mahlers Dritte ist jedoch so umfangreich, dass sie glatt einen ganzen Abend allein füllt. Nicht nur, was ihre Länge betrifft. SIe enthält auch quasi alles, was die spätromantische Musik bereithält: einen gewaltigen Aufwand an Instrumenten mit dem entsprechenden großen Klang ebenso wie leise, intime Passagen, das Monumentale ebenso wie das Bescheidene und Flüchtige. Dazu noch die menschliche Stimme - als Solostimme und als Chor, sogar einen Kinderchor verlangt Mahler. Er wusste wohl selbst, was für ein Ausnahmewerk er da geschaffen hatte, denn er meinte: "Meine Symphonie wird etwas sein, was die Welt noch nicht gehört hat! Die ganze Natur bekommt darin eine Stimme und erzählt so tief Geheimes, das man vielleicht im Traume ahnt!"
12 Minuten
Gern wäre er selbst Geigenvirtuose geworden. In sein einziges Solokonzert legte Jean Sibelius denn auch sein ganzes Herzblut - und schuf ein Werk, das dem Solisten einiges abverlangt. Für Augustin Hadelich kein Problem, weiß er doch Ansprüche an Virtuosität ebenso zu erfüllen wie die an eine klare, flexible Klanggebung. Bartóks Suite "Der holzgeschnitzte Prinz" entstand fast zur selben Zeit wir "Herzog Blaubarts Burg" seine einzige Oper, und beide Werke wurden und werden auch gern in einem Konzert aufgeführt. Wie in der Oper auch erreicht Bartók größten Ausdruck, der sich hier in Fröhlichkeit und Spielfreude äußert.
21 Minuten
Als Joseph Haydn in Paris seine 85. Sinfonie präsentierte, könnte Königin Marie-Antoinette im Publikum gesessen haben. Jedenfalls soll ihr diese Sinfonie sehr gefallen haben, deshalb nannte der Verleger sie später "La Reine" (Die Königin). Verwunderlich ist das nicht, erinnert doch schon die Ouvertüre an ein steifes höfisches Zeremoniell. Aber Haydn wäre nicht Haydn, wenn er nicht auch hier mit allen musikalischen Mitteln auf geistreiche Weise spielen würde. Auch Gustav Mahlers Vierte Sinfonie spielt mit unserern Hörerwartungen wird gern als ein Meisterwerk des "Als-Ob von der ersten bis zur letzten Note" bezeichnet. Tatsächlich spielt sie ein doppelbödiges Spiel mit uns. Die im Finale versprochenen himmlischen Freuden erweisen sich als trügerisch.
16 Minuten
Zum Konzert Eigentlich sollte es eine Oper werden. Das Eifersuchtsdrama um Pelléas, Mélisande und Goleau hatte Schönberg schon lange fasziniert, bevor er anfing, es zu vertonen. Eine Oper wurde "Pelleas und Melisande" dann doch nicht, aber auch seine sinfonische Dichtung ist ein Werk voller klanglicher Dichte, das die Handlung eindrucksvoll hörbar macht. Sinfonisch dicht ist auch Beethovens Klavierkonzert Nr. 4, in dem er in der Behandlung des Orchesters neue Wege ging - und auch des Klaviers, denn es fängt das Konzert ganz allein an. "Ich liebe alle fünf Klavierkonzerte von Beethoven, aber mein Favorit ist die Nummer vier," sagt Boris Giltburg und wird sicher beeindruckend nachvollziehbar werden lassen, warum.
15 Minuten
Zum Konzert Typisch Brahms! Stand er zuvor noch im Schatten Beethovens, gelang Brahms mit seiner "Dritten" etwas ganz Eigenes. Schon das Publikum der Uraufführung war begeistert von den eingängigen Melodien dieser Sinfonie und ihrer Emotionalität. Im Mittelpunkt des Konzerts aber steht ein Instrument, das viel zu selten im Konzertsaal zu hören ist. Mit eher leisen Tönen hat die Gitarre von Natur aus nicht gerade viel Durchschlagskraft. Umso bemerkenswerter ist, wie sie sich solistisch in Szene zu setzen weiß, wenn ihr ein Werk sozusagen direkt auf den Leib geschrieben wird. Davon kann man sich hier überzeugen. Eingeladen haben wir ein polnisches Spitzenorchesters, das in seiner Heimatstadt Katowice ebenfalls erst kürzlich einen neuen, hervorragenden Konzertsaal bezogen hat.
18 Minuten
Zum Konzert Aus Liebe zu Herzog Blaubart hat Judith hat ihr vergangenes Leben hinter sich gelassen. Aber in seiner Burg herrschen Dunkelheit und Eiseskälte, und bald ahnt sie, dass er ein Geheimnis hat. Es verbirgt sich hinter sieben verschlossenen Türen. Judith bittet ihn, eine nach der anderen zu öffnen. Voller dunkler Rätsel sind die ersten sechs Räume, aber im siebten und letzten Raum erhält sie schreckliche Gewissheit... "Herzog Blaubarts Burg" ist die erste und einzige Oper von Béla Bartók. Aber mit ihr gelang ihm ein Meisterwerk, das uns bis heute in seinen Bann zieht. Joseph Haydn hat dagegen 104 Sinfonien geschrieben. Nummer 97 gehört also zu seinen späten und - das kann man mit Fug und Recht sagen - zu seinen reifsten. Komponiert für ein musikhungriges Publikum in London, begeistert sie auch heute noch mit Witz, Charme und vielen unerwarteten Wendungen.
13 Minuten
Zum Konzert Jahrmarktsgetümmel in St. Petersburg. Ein Puppenspieler betritt die Szene. Marionetten erwachen zum Leben. Zwischen Petruschka, einer Ballerina, und einem dunkelhäutigen Diener entspinnt sich ein Spiel um Verführung und Eifersucht, das tödlich endet. Das ist sie eigentlich schon, die Handlung des Balletts "Petruschka", zu dem Igor Strawinski eine bezaubernde Musik schuf. Mit russischen Volkstänzen, viel Bewegung und am Ende der Frage: waren es wirklich nur Marionetten, die uns hier von der Tragik des Lebens erzählt haben? Saint-Saëns wiederum entführt uns mit seinem letzten Klavierkonzert in den Orient. Er komponierte es während seines Aufenthalts in Ägypten und meinte selbst, im zweiten Satz könne man Anklänge an ein nubisches Liebeslied hören, das er von Schiffen auf dem Nil vernommen hätte. In diesem Sinne: bon voyage!
12 Minuten
Zum Konzert Vierter und letzter Teil, in der Götterdämmerung kommt der Ring zum Showdown: Wagner lässt Siegfried sterben (zuvor trifft er am Gibichungenhof Menschen, die aus Gier nach Macht und Reichtum vor keinem Mittel zurückschrecken). Und auch Brünnhilde geht in den Tod. Sie allein weiß, dass der verfluchte Ring nur dann keine Macht mehr hat, wenn sie sich opfert und ihn dem Rhein zurückgibt. Aus ihrer Asche erklingt das Erlösungsmotiv, das bis dahin nur einmal in der „Walküre“ zu hören war. Mit ihm wissen wir: der Kampf um den Ring hat nicht nur zu Untergang und Tod geführt, sondern er lässt uns auch Hoffnung. Ein Kreis schließt sich und vielleicht beginnt ein neuer – wie er wohl enden wird?? Musikalisch jedenfalls setzt Wagner noch einmal alles ein, was motivische Verflechtung, Kontrapunkt, stimmliche und instrumentale Schönheit nur hergeben. Und nun kommt auch der MDR-Rundfunkchor zum Einsatz – zum einzigen Mal im gesamten Ring, dafür umso eindrucksvoller…
11 Minuten
Zum Konzert Mit Siegfried hat für Wagner eigentlich alles angefangen. Mit dieser Figur, die Naivität, Kraft, Tatendrang und Natürlichkeit vereint, begann er seine Überlegungen zum Ring. Siegfried wird in diesem Teil Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Er emanzipiert sich von seinem Ziehvater, zieht in die Welt, um seinen Tatendrang auszuleben, raubt dem Drachen Fafner den Ring (ohne zu wissen, was er da in die Hand bekommt) und findet Brünnhilde hinter der Feuerwand. Ein „Weib“, wie er staunend erkennt… Musikalisch geht es mit ihm durch die hämmernden Amboss-Schläge in der Schmiede von Mime über den tosenden Kampf in der Drachenhöhle bis zur berückend klangschönen Entdeckung der Liebe auf Brünnhildes Felsen – wieder so farbenreich, vielschichtig wie an den Abenden zuvor. Und nun den Hörer:innen schon durch die Wiederkehr zahlreicher Leitmotive vertraut…
13 Minuten
Todesahnung, Abschied, Vollendung - über Gustav Mahlers Neunte Sinfonie ist vieles gesagt worden. Fakt ist, dass er mit diesem Werk den Gipfel seines sinfonischen Schaffens erreichte. Wie so oft in seinem Leben haben auch hier tragische Lebensumstände sein Komponieren beeinflusst. Er hatte seine geliebte Tochter verloren, war selbst unheilbar krank, musste sein Amt als Hofoperndirektor in Wien aufgeben, weil man ihn antisemitisch verleumdete. Dennoch und vielleicht gerade deshalb schuf er Musik, die das Ende einer Ära markiert, aber auch in die Zukunft weist. Das unheimlich lange, langsame Verklingen des vierten Satzes prägt sich unauslöschlich ein.
14 Minuten
Nachdem Wotan mit den anderen Göttern am Ende des Rheingolds triumphal in die Burg Walhall eingezogen ist, stehen nun die Zeichen auf Sturm: Machtgier, Misstrauen und Besitzdenken hat die Menschen ergriffen. Die Götter verwalten nur noch ihre alten Gesetze, statt nach ihrem Sinn zu fragen. Und die Geschwister Siegmund und Sieglinde werden dem Tode ausgeliefert, weil für ihre Liebe in diesem System kein Platz ist. Als die Walküre Brünnhilde wagt, ihrem Vater Wotan zuwider zu handeln und das Paar zu beschützen, wird sie hinter eine Feuerwand verbannt. Wieder entfaltet Wagner einen dichtgewebten und klug strukturierten Klangteppich, dessen Vielfarbigkeit und musikalischer Schönheit man sich kaum entziehen kann. Catherine Forster lernen wir als Brünnhilde kennen, Emily Magee und Vincent Wolfsteiner geben das Geschwisterpaar, und Marina Prudenskaya als Fricka versucht, ihrem Gatten Wotan ins Gewissen zu reden…
19 Minuten
Zum Konzert Wagners Ring-Zyklus beginnt mit einem „Vorabend“, an dem sozusagen die Pflöcke der Handlung eingeschlagen werden: Die Rheintöchter müssen Alberich das Rheingold überlassen, der schmiedet einen Ring, dieser wird ihm vom Göttervater Wotan gleich wieder weggenommen – und damit beginnt ein Kampf um Macht, der uns drei weitere Opernabende lang in Atem halten wird. Vorgestellt werden hier auch die ersten Leitmotive – musikalische Zellen, die für Personen, Handlungen oder auch Stimmungen stehen und die wir an den folgenden Abenden immer wieder hören werden. Und natürlich erheben hier die Protagonisten zum ersten Mal ihre gewaltigen Stimmen: allen voran Jochen Schmeckenbecher als Alberich, Christian Elsner als Loge und natürlich Egils Silins, dem wir als Wotan und Wanderer ebenfalls wiederbegegnen werden… Gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus. Die Dresdner Philharmonie als Kultureinrichtung der Landeshauptstadt Dresden (Kulturraum) wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Programm Richard Wagner "Das Rheingold" Vorabend zum Bühnenfestspiel "Der Ring des Nibelungen" Mitwirkende Marek Janowski Dirigent Egils Silins Wotan Markus Eiche Donner Bernhard Berchtold Froh Christian Elsner Loge Jochen Schmeckenbecher Alberich Rúni Brattaberg Fafner Marina Prudenskaya Fricka Regine Hangler Freia Wiebke Lehmkuhl Erda Christina Landshamer Woglinde Roxana Constantinescu Wellgunde Christel Loetzsch Floßhilde Jörg Schneider Mime Tareq Nazmi Fasolt Dresdner Philharmonie Orchester
17 Minuten
Zum Konzert „Die Einleitung der ‚Schöpfung‘ ist eine Abenteurertat, mit der Haydn in der Musikgeschichte weit vorausgegriffen hat.“ Marek Janowski gerät schnell ins Schwärmen, wenn er von Haydn spricht und ganz besonders von diesem Werk. Kein Wunder, wenn man allein an die Schilderung des Chaos zu Beginn denkt, die in der Bibel der Erschaffung des Lichts vorausgeht. Und daran, wie effektvoll es ist, wenn mitten in düsterem, leisen Grollen der Musik zu den Worten „Es werde Licht!“ das Orchester urplötzlich in volle Lautstärke und strahlendes C-Dur ausbricht. Manchmal gehen noch heute genau an dieser Stelle die Lichter im Saal an! An Effekten mangelt es dem Werk nicht, aber es beeindruckt vor allem durch seine musikalische Sprache, mit der Haydn Die Entstehung der Welt erzählt. Da wird keine Minute zu lang… Programm Joseph Haydn „Die Schöpfung“ (1796/98) Oratorium für Soli, Chor und Orchester Mitwirkende Marek Janowski Dirigent Christiane Karg Sopran Benjamin Bruns Tenor Tareq Nazmi Bass Dresdner Philharmonie MDR Rundfunkchor
15 Minuten
Zum Konzert „Absolut einfach, nichts als Mozart“ – das meinte Ravel einmal, als man ihn nach seinen musikalischen Idealen fragte. Ganz so wie Mozart klingen seine Werke natürlich nicht, aber was Melodien, Rhythmus und den raffinierten Einsatz der Instrumente angeht, erinnert er sehr wohl an den Meister der Klassik. Sein Klavierkonzert in G-Dur ist noch aus einem anderen Grund bemerkenswert: Ravel hat darin Elemente des Jazz einfließen lassen, den er auf einer Amerika-Tournee kennen gelernt hatte. Kennen gelernt hat er da auch die Musik George Gershwins, die ihn tief beeindruckte, unter anderem dessen Klavierkonzert in F-Dur, das ebenfalls in unserem Konzert zu hören ist. Amerika war im Jazzfieber, als er es 1925 schrieb und damit seinen Ruhm als Komponist noch vergößerte. Programm Maurice Ravel „Le tombeau de Couperin“ (1914-17) Maurice Ravel Klavierkonzert G-Dur (1929-31) George Gershwin Klavierkonzert F-Dur (1925) Mitwirkende Marek Janowski Dirigent Jean-Yves Thibaudet Klavier | Artist in Residence Dresdner Philharmonie Orchester
15 Minuten
Zum Konzert Als Wunderkind wurde sie durch die Medien gereicht. Sie modelte für Chanel und spielte in zehn Jahren zwölf CDs ein. Dann kam eine Krise, aus der sich Leila Josefowicz mit viel Energie herausarbeitete und aus der sie als reife Künstlerin mit einer absolut eigenen musikalischen Sprache hervorgegangen ist. In unserem Konzertsaal beweist sie das mit Strawinskis Violinkonzert. Strawinski selbst soll gesagt haben, es sei ein Stück, „das nach Geige stinken soll“. Damit meinte er, es habe viele Effekte, die der Solist übertreiben müsse, damit das Werk seine Doppelbödigkeit zeige. Schwer ist es jedenfalls und fordert dem Interpreten alles ab. Die Dritte Sinfonie von Sibelius dagegen hat keinen doppelten Boden, sondern gehört zu den klassischsten Werken des finnischen Nationalkomponisten. Programm Jean Sibelius Sinfonie Nr. 3 C-Dur (1905-07) Igor Strawinski Violinkonzert in D-Dur (1931) Maurice Ravel Boléro (1928) Mitwirkende Leila Josefowicz Violine Dresdner Philharmonie Orchester