Konzerteinführung digital Archiv
122 Episoden
13 Minuten
Die Werke des Ungarn György Ligeti haben nicht nur die Klassikwelt revolutioniert, sondern waren auch äußerst attraktiv für Filmregisseure. Kein Geringerer als Stanley Kubrick verwendete Musik aus "Atmosphères" in seinem Film "2001 - Odyssee im Weltraum". Als Ligeti den Film sah, soll er fasziniert gewesen sein von der Wirkung seiner Komposition. Weniger fasziniert war er davon, wie wenig man ihm dafür zahlen wollte. Als Beethoven seine Siebente schrieb, wetterleuchtete es gewaltig am politischen Himmel: Napoleon zog in den Krieg gegen Rußland und unterlag. "Vaterlandsliebe" bewog den Komponisten, den anti-napoleonischen Kämpfern ein Denkmal zu setzen. Dennoch ist die Siebente keine Fortsetzung der Eroica. Sie bezieht sich vielmehr auf die Fünfte. Dort stand Beethovens Schicksal im Mittelpunkt, hier nun ist es der Mensch an sich.
16 Minuten
Seine eigene Sinfonie als "Das Unauslöschliche" zu bezeichnen, ist zweifellos gewagt, schließlich kann man das auch als Eigenlob missverstehen. So meinte Nielsen das aber nicht. Seine Vierte ist vor allem ein Werk, in dem es um die Unauslöschbarkeit der Hoffnung und des Lebens geht. Er schrieb sie mitten im Ersten Weltkrieg, und dass er sich darin mit Gewalt auseinandersetzt, hört man nicht zuletzt im Finale, wo sich die zwei getrennt voneinander aufgestellten Paukengruppen ein regelrechtes Duell liefern. Schostakowitschs Cellokonzert ist dagegen eher introvertiert, er komponierte es für seinen Freund, den großen Cellisten Mstislaw Rostropowitsch. Bei uns spielt es Alisa Weilerstein, die Rostropowitsch sogar noch persönlich getroffen hat, um das Werk Schostakowitschs noch besser zu verstehen.
13 Minuten
Marek Janowski gilt als Strauss-Kenner, und wer ihn über den Komponisten sprechen hört, weiß auch, dass er sein Werk sehr mag. Zu erleben ist das in diesem Konzert zum einen mit der hochdramatischen Tondichtung „Macbeth“. Sozusagen das Gegenteil, nämlich prallen Humor und Lebensfreude, hat Strauss dagegen seiner „Burleske“ einkomponiert. "Con umore" steht in den Noten, nicht weniger als vier Pauken und großes Orchester kommen zum Einsatz, das Klavier darf brillieren, und dieser Aufwand lohnt sich. Der Witz kommt an. Und entlockt dem Pianisten nicht selten ein Lächeln. Einen ganz anderen Geist atmet Robert Schumanns Erste Sinfonie. In einer Art „Frühlingsdrang“ habe er sie komponiert, meinte er selbst. Voller Poesie und Lebensfreude erinnert sie an die schönste Zeit des Jahres und ist für viele seine gelungenste Sinfonie.
13 Minuten
Stanley Kubrick und zeitgenössische Musik? Ja, schon 1980 entdeckte Kubrick für "The Shining" die Qualitäten von Ligetis "Lontano", bei dessen schwirrenden Klängen die Spannung ins fast Unerträgliche gesteigert wird. Und auch Martin Scorsese setzte auf Ligeti: In seinem Film "Shutter Island" (2010) irrt Leonardo DiCaprio zu den Klängen von Lontano durch Block C der psychatrischen Anstalt. Spannungsreich ist auch die Ballettmusik, die Strawinski 1910 für den Tanzstar Djaghilew schrieb und mit der er schlagartig berühmt wurde. Als Vorlage nutzte er ein russisches Märchen, in dem eben jener Feuervogel gefangen wird und in die Dienste des Thronfolgers Zarewitsch treten soll...
12 Minuten
as Programmheft kann entfallen. Das meinte jedenfalls Hector Berlioz, der seine Symphonie fantastique für selbsterklärend hielt. Und tatsächlich tauchen wir auch ohne Anleitung in innere Bilder ein, wenn seine Musik anhebt zur Erzählung einer dramatischen Liebesgeschichte. Dabei spaltete das Werk bei seiner Uraufführung das Publikum. Die einen meinten, der Komponist sei wahnsinnig geworden, die anderen waren hellauf begeistert. Neu waren vor allem die Klangmischungen und -farben, die Berlioz erfand und die bis heute ihre Magie nicht verloren haben. Farbenreich ist auch Rachmaninows Rhapsodie, die er auf eine der abenteuerlich virtuosen Capricen von Pagagini schrieb. Sie ist sein letztes Werk für Klavier solo, das der im Schweizer Exil lebende russische Komponist schrieb, und noch einmal bot er alle Kunst auf und beglückte Pianisten und Publikum mit Brillanz, technischer Rafinesse und vor allem ungeheuer schöner Musik!
11 Minuten
Tschaikowskis Klavierkonzert ist ein echter Ohrwurm, jedenfalls Teile daraus wie der fulminante Beginn, und bis heute ist es ein echter Klassik-"Hit". Auch Rachmaninows "Sinfonische Tänze" haben das Zeug zum Klassiker, in seinem letzten Werk hat der russische Großmeister eine musikalische Rückschau auf sein Leben gehalten und nimmt uns mit in eine farbenprächtige Welt der Romantik. Den "Grabgesang" hat Strawinski kurz nach dem Tod seines verehrten Lehrers Rimski-Korsakow geschrieben, aber kurz nach der Uraufführung 1909 verschwand die Partitur. Die Suche nach ihr war ein echter Krimi der Musikgeschichte. Erst 2016 wurde die Partitur durch Zufall wiederentdeckt. Manchmal gibt es eben auch in der Musik zwei Uraufführungen…
15 Minuten
Da hat die Musikwelt Glück gehabt: Wenn das große musikalische Talent von Claude Debussy nicht rechtzeitig erkannt worden wäre, wäre aus ihm ein Seemann geworden und nicht einer der bedeutendsten französischen Komponisten. Zum Meer ist er dennoch immer wieder zurückgekehrt - am eindrucksvollsten ist seine Liebe zur See in "La Mer" zu hören. Auch Britten liebte das Wasser und schuf seiner Heimat Suffolk in Nordengland in der Oper "Peter Grimes" ein Denkmal. Wenn man so will, hat auch Robert Schumann mit seinem Klavierkonzert ein musikalisches Denkmal gesetzt, und zwar der Liebe zu seiner Frau Clara. Die wohl berühmteste Klaviervirtuosin des 19. Jahrhunderts machte das Werk populär - in unserem Konzert spielt es Alexander Melnikov, der neben anderen renommierten Wettbewerben auch den Internationalen Robert Schumann Wettbewerb in Zwickau gewann.
10 Minuten
Auf Wunsch der Solistin wurde das Programm kurzfristig geändert. Statt des Violinkonzerts von Camille Saint-Saëns erklingt das Violinkonzert Nr. 2 cis-Moll von Dmitri Schostakowitsch. Wir bitten um Verständnis. Schostakowitsch war bereits sehr krank, als er sein zweites Violinkonzert schrieb. Gewidmet war es David Oistrach, einem der größten Geiger des 20. Jahrhunderts. Dieser sollte es zu seinem 60. Geburtstag bekommen. Schostakowitsch irrte sich aber, denn 1967 wurde Oistrach erst 59 Jahre alt, aber er schloss es sofort in sein Herz, liebte und spielte es mit Vergnügen, wie er selbst sagte. Kein Wunder, ist es doch mit seiner Reduzierung auf das Wesentliche ein durch und durch wahrhaftiges und bewegendes Spätwerk des sowjetischen Komponisten. Emotional ergreifend ist auch Prokofjews Sechste Sinfonie, mit der er bei Stalin in Ungnade fiel und die erst nach dessen Tod aufgeführt werden durfte (was Prokofjew nicht mehr erleben durfte, er starb am selben Tag wie der Diktator). In ihr verarbeitet er die Gräuel des Krieges – ein Thema, das leider wieder sehr aktuell ist.
18 Minuten
Dass Mozart ein Schnell-Komponierer war, war schon zu seinen Lebzeiten bekannt. So bekannt, dass auch das Gerücht entstand, die Ouvertüre zur Oper "Don Giovanni" sei in der Nacht vor der Uraufführung entstanden. Ob das stimmt, wird man nicht mehr herausfinden, aber ein Meisterwerk ist sie dennoch. Sie steht am Anfang dieses reinen Mozart-Abends und wird gefolgt von seinem Klavierkonzert KV 466, einem seiner seltenen Werke in Moll. Selten sind auch die scharfen Kontraste, die dieses Konzert so eindrücklich machen und die bereits das Uraufführungs-Publikum begeisterten. Den krönenden Abschluss bildet seine letzte Sinfonie, die schon Mozarts Zeitgenossen für "den höchsten Triumph der Instrumentalkomposition" hielten. Ihr Beiname "Jupiter" stammt übrigens nicht von Mozart selbst, sondern vom Londoner Konzertunternehmer Salomon, der damit Publikum anziehen wollte. Das hat das Werk aber gar nicht nötig, es wirkt ganz durch sich allein.
10 Minuten
Michael Sanderling gehört zweifellos zu den prägenden Chefdirigenten der Dresdner Philharmonie. Von 2012 bis 2019 leitete er das Orchester und kommt nun als Gast zurück - mit Gustav Mahlers Zweiter Sinfonie, die laut Komponist nichts Geringeres sein sollte als eine mit den Mitteln der Musik gebaute "ganze Welt". Das gelingt Mahler nicht nur, in dem er Schreckensvisionen neben zarte Idylle und dämonische Groteske setzt. Das gelingt auch, weil er zum großen Orchester die menschliche Stimme einsetzt. Eingeladen hat Sanderling sich dafür den renommierten Rundfunkchor Berlin und mit Katharina Konradi und Gerhild Romberger zwei ausgewiesene Mahler-Kennerinnen.
12 Minuten
Ein skupelloser Wassermann, eine verzweifelt liebende Seejungfrau und musikalische Bilder vom Meer - dieses Programm dreht sich musikalisch ganz um das Wasser! In Hans Christian Andersens Märchen von der "Kleinen Meerjungfrau" verliebt sich bekanntlich eine Seejungfrau in einen menschlichen Prinzen und bemüht sich mit allen erdenklichen Mitteln, sein Herz zu erobern. Trotz härtester Entbehrungen erfüllt sich ihr Traum nicht, und sie beschließt zu sterben, um ihn zu retten. Zemlinsky hat aus dieser Vorlage eine bezaubernde musikalische Fantasie werden lassen, die noch heute die Publikumsherzen anrührt. Auch Antonín Dvorák vertonte ein Märchen - der Wassermann, der junge Mädchen in sein Reich entführt, ist in der böhmischen Folklore sehr populär und hat immer wieder Komponisten inspiriert. Edward Elgar schließlich nutzt für seine "Sea Pictures" eine Altstimme, um seine Vertonungen von fünf um das Meer kreisenden Gedichten Ausdruck zu geben.
8 Minuten
Das Gedenkkonzert der Dresdner Philharmonie zum 13. Februar zu leiten, ist Chefdirigent Marek Janowski ein wichtiges Anliegen. In diesem Jahr hat er dafür ein Werk ausgewählt, das in enger Beziehung zu Anna Seghers' Roman "Das siebte Kreuz" steht. In sieben Episoden empfindet Hans Werner Henze in seiner expressiven und in ihrer Dramatik erschütternden Sinfonie musikalisch die Geschichte der Flucht von sieben Häftlingen aus einem Konzentrationslager der Nazis nach. Mit dem MDR Rundfunkchor hat Janowski einen exzellenten Partner für die den höchst anspruchsvollen Part des Chores gewinnen können.
15 Minuten
Gerade mal 18 Jahre alt war Dmitri Schostakowitsch, als er sich mit seiner 1. Sinfonie einem größeren Publikum vorstellte. Und das fühlte sich zurecht sowohl an Strawinski und dessen "Petruschka"-Ballettmusik erinnert wie auch an Prokofjew. Aber viel mehr noch hat Schostakowitsch wohl an Charlie Chaplin gedacht, dessen großer Fan er war. Denn in großen Teilen könnte diese Sinfonie auch Musik zu seinen Filmen sein. Aram Chatschaturjan dagegen dachte an das gleichnamige Eifersuchtsdrama des Dichters Lermonotow, das er gerade im Theater erlebt hatte, als er seine "Maskerade" komponierte. Entstanden ist Musik voller Leidenschaft und Abgründe. Und für einen der berühmtesten Geiger des 20. Jahrhunderts überhaupt, für David Oistrach, komponierte er sein Violinkonzert. In unserem Konzert spielt es ein Namensvetter des Komponisten, was allerdings reiner Zufall ist.
12 Minuten
Edward Elgar war selbst sicher am weitesten entfernt davon zu glauben, dass seine "Enigma"-Variationen schon bald als das erste englische sinfonische Meisterwerk gelten würden. Hatte er sich doch einfach bei jeder Variation vorgestellt, wie dieser oder jener Freund sie komponiert hätte und damit eher kleine witzige Charakterstudien geschaffen. Sie sollten übrigens erst "Variationen über ein Orgelthema" heißen und sind damit der passende Höhepunkt dieses der Orgel gewidmeten Programms. Davor erklingt mit Coplands Sinfonie für Orgel und Orchester ein Werk, das die damaligen Hörer eher verschreckte. Wir dagegen hören darin bereits Vorboten der Minimal Music. Und zu Beginn stellt Palastorganist Thierry Escaich ein neues eigenes Werk vor, in dem er aus der Tradition schöpft und, so sagt er selbst, die Zukunft ohne bornierte Avantgarde-Attitüde neu zu erfinden" versucht.
13 Minuten
Märchen und Mythen haben Komponisten zu jeder Zeit inspiriert - in diesem Konzert ist gleich dreimal Gelegenheit, in Musik gefasste Handlungen zu erleben. Prokofjews "Liebe zu den drei Orangen" gehört mit ihrem anarchischen Witz und der hinreißend spielerischen Musik zu den unterhaltsamsten Opernkompositionen des letzten Jahrhunderts. Unterhaltsam im besten Sinne ist auch Faurés Musik zum Drama um Pelléas und Mélisande, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts geradezu en vogue in der Musikwelt war. Fauré hat dafür eine ganz eigene Stimme gefunden - seine Suite ist ein sinfonisches Meisterwerk, das die schillernd-mystische Abgründigkeit des Dramas intensiv deutet. Der orchestrale Höhepunkt des Programms schließlich ist mit "Bacchus et Ariane" erreicht, worin Roussel sich als Meister der großen Form erweist und uns nachdrücklich ins Bewusstsein bringt, dass er zu den hierzulande viel zu wenig bekannten Komponisten des vergangenen Jahrhunderts gehört.