Stadt, Land, Krise Archiv
98 Episoden
34 Minuten
Gerade war die Autorin und Journalistin Teresa Bücker mit ihrem Buch "Alle_Zeit" für eine Lesung bei den Frauenstudien. Warum fehlt uns so oft Zeit? Wieso sind Stress und Hetze ein typisches Merkmal unseres Alltags? Und woran liegt es, dass Frauen selten selbstbestimmt über ihre eigene Zeit verfügen? Laura Freisberg und Barbara Streidl sprechen über die Impulse, die Teresa Bücker auf der Lesung gegeben hat und appellieren an ein neues Mindset: Lasst uns Zeit nicht immer nur nutzen - sondern auch einfach nur verstreichen.
26 Minuten
Gewalt gegen Frauen passiert, täglich, hier in Deutschland - und es ist keine Frage von Herkunft oder sozialer Klasse. Die Regisseurin Christiane Mudra untersucht in ihrem "Holy Bitch Project", welche Formen diese Gewalt hat. Von häuslicher Gewalt, sexuellem Missbrauch über Stalking, Prostitution, Online-Hetze bis zu Morden von sogenannten Incels. Ich war sehr erstaunt bei der Recherche, als mir eine Frau in einer Beratungsstelle gesagt hat, dass die allermeisten Gewaltbeziehungen unglaublich romantisch beginnen und so ein Märchen-Prinz-Narrativ bedienen. Es ist nicht so, wie viele glauben, dass ein Mann und eine Frau sich kennenlernen und ab Tag zwei wird geschlagen. Christiane Mudra Barbara Streidl und Laura Freisberg sprechen mit Christiane Mudra über ihr "Holy Bitch Project", das als Theaterstück begann und zu einem Film weiterentwickelt wurde. Die Regisseurin orientiert sich bei ihrer Inszenierung an dem Film "Matrix". Die Zuschauenden schlucken die rote Pille und schauen hinter den Schleier der Scheinwirklichkeit. Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem (Ex-) Partner ermordet, doch statt von "Femiziden" wird meist noch von einer "Beziehungstat" gesprochen. Nach einer Vergewaltigung kommt es nur bei einem von hundert Fällen tatsächlich zu einer Verurteilung des Täters. Gleichzeitig gibt es eine große Angst vor falschen Beschuldigungen. Der Antifeminismus ist der kleinste gemeinsame Nenner zwischen Incels und Rechtsextremen, statt von Einzeltätern zu sprechen, gilt es die Verbindungen deutlich zu machen. Für den Film, aber auch für diesen Podcast, möchten wir eine Trigger-Warnung aussprechen.Den Film "Holy Bitch Project" gibt es anlässlich des Weltfrauentags am 8. und am 10. März in München zu sehen, mit anschließender Diskussion mit der Regisseurin. Am 8.März 2023 im Kino "Neues Maxim" Und am 10.März im Kunstforum Arabellapark Links und Hintergründe zu dieser Folge: Homepage von Christiane Mudra und dem investigativetheater Trailer zu Holy Bitch Project auf youtube: Rezension von Egbert Tholl in der SZ
32 Minuten
Es sind maximal zwei Stunden, die Laura Freisberg seit der Geburt ihres zweiten Kindes am Stück schläft. Seit über acht Monaten leidet sie an Schlafentzug, findet nur in den frühen Morgenstunden ein wenig Ruhe. Der Schlafmangel hat Folgen: Die Konzentration leidet, die Kraft schwindet - und die Sorge wächst, dass das noch ewig so weitergeht. Schlafmangel ist etwas, das viele Mütter und Eltern kennen: Doch wie geht unsere Gesellschaft damit um? Wie viel Verständnis erfährt eine Mutter, die das alles doch schon mit ihrem ersten Kind gemacht hat? Wie gehen wir überhaupt mit chronischen Schwierigkeiten oder Erkrankungen wie Schlafmangel um? Außerdem in dieser Episode: Die Journalistin Nina Berendonk stellt Anna-Lisa Dieters Buch über Susan Sontag vor, zu dem es am 4. März 2023 in München einen Frauenstudien-Büchersalon gibt in der Buchhandlung Literatur Moths.
31 Minuten
Kristina Weber, Host des erfolgreichen Bayern 2-Podcasts “Eltern ohne Filter”, hat drei Kinder und gerade ihren 41. Geburtstag hinter sich. Die Journalistin, die sich auch berufsmäßig mit Elternsein auseinandersetzt, könnte sich eine Revolution all derjeniger, die sich kümmern, die aus “Liebe” Care-Arbeit übernehmen, vorstellen: Denn unser Hier & Jetzt fordert von Menschen mit Kindern schon sehr viel. Warum Wachstum nicht nur in kapitalistischer Hinsicht gesehen werden sollte, sondern auch hinsichtlich der Einteilung von Zeit, darüber geht es in diesem sehr offenen Gespräch “ohne Filter”. “Dass Zeit immer nützlich sein muss, das nervt mich extrem im Moment.” Kristina Weber Kristina Weber hat übrigens auch schon mit Teresa Bücker gesprochen, deren Lesung zu “Alle_Zeit” wird sie am 9. März in der Seidlvilla in München für Frauenstudien übernehmen. Eine kleine Anekdote zum Thema “Zeitkonfetti” erzählt sie hier. “Es sind Riesen-Spielräume im System, um weniger Zeit erwerbszuarbeiten. Man müsste es nur mal “verordnen”.” Kristina Weber
23 Minuten
Es ist das berühmteste feministische Buch des 20. Jahrhunderts. „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir, erschienen 1949, zwei Jahre später als erstes in Deutsche übersetzt. Das Literaturhaus München widmet der Autorin und ihrem feministischen Klassiker eine ganze Ausstellung. Mit Fotos, einem Dokumentarfilm, einer Auswahl an Übersetzungen – aber vor allem auch mit heutigen Stimmen von Autorinnen und Wissenschaftlerinnen zu “Das andere Geschlecht”. Es geht um de Beauvoirs Analyse “der Frau”, die innerhalb der patriarchalen Ordnung als “das Andere” und immer nur in Bezug auf “den Mann” gesehen wird. Wir entdecken ihre Gedanken zu “Natur und Mythos” und den weiblichen Körper. Es geht um die Beschwerlichkeiten, die Simone de Beauvoir im Frau-Sein entdeckt. Und natürlich geht es um den berühmten, viel zitierten und unterschiedlich interpretierten Satz: “Man kommt nicht zur Frau zur Welt, man wird es.” Barbara Streidl und Laura Freisberg nehmen euch mit auf einen schnellen Rundgang durch die Ausstellung, die durchaus ein paar lustige Überraschungen bereithält.
34 Minuten
Wie viele Damentoiletten gibt es im öffentlichen Raum? An manchen Orten gibt es gar keine. “Die Geschichte des Patriarchats ist auch die Geschichte unserer Kanalisation”, sagt die Journalistin Rebekka Endler. In ihrem Buch erklärt sie, dass die Anzahl der öffentlichen Toiletten, die Frauen nutzen können, mit der ungerechten Aufteilung unserer Welt zu tun hat: Es gibt zu wenige Klos. Frauen verkneifen es sich. Sollen halt auch nicht so lange draußen sein. Und Wildpinkeln – ha! – gibt’s ja nur unter Männern. Welche Auswirkung ein patriarchales Design und der männerbezogene Fokus auf alltägliche Gegenständen, Krankheits-Diagnosen und unsere Sprache auf ein faires Miteinander aller Geschlechter hat, darum geht es in dieser Episode.
28 Minuten
Ja - wenn sie von Judith und Christian Vogt geschrieben wird. Ihr Roman "Schildmaid - Das Lied der Skaldin" (erschienen 2022) ist genau das: eine feministische Fantasy-Geschichte, die in der Welt der nordischen Sagen spielt. Im Gespräch erzählen die Beiden davon, wie queer inzwischen die Welt der Pen&Paper-Rollenspiele ist (oder eben nicht), welche Gedanken sie sich beim Schreiben ihres Romans hinsichtlich aktueller Debatten wie etwa Trans*feindlichkeit gemacht haben und wie wahrscheinlich es ist, dass eine Frau auf einem isländischen Schiff unter Endometriose gelitten hat.
35 Sekunden
Lern unseren Podcast kennen: In Stadt, Land, Krise sprechen Laura Freisberg und Barbara Streidl über die unterschiedlichsten Themen, von gekränkten Männern über das Patriarchat bis hin zur Menopause. Oft sind Gäste dabei, Freundinnen, Fachfrauen oder Hörer*innen. Wichtig dabei: Es gibt immer einen feministischen Blick auf die Dinge.
20 Minuten
"Es ist die Zeit, die wir ertragen müssen." So verlief die Recherche zum Thema "Weihnachten in der Familie" - und um die Zeit erträglicher zu machen, machen Laura Freisberg und Barbara Streidl ein Ratespiel. Zu erraten ist eine Person - und bei jedem "Nein", das auf eine Frage geantwortet wird, fließen 10 EUR in die Spendenkasse für das Frauenhaus der Frauenhilfe München. Zum Schluss kommt ein nettes Sümmchen zustande, das gespendet wird. Damit an Weihnachten möglichst alle einen Ort finden, an dem sie Zuflucht finden.
30 Minuten
So hat sich Audre Lorde selbst bezeichnet. Audre Lorde, geboren 1934 in New York, gestorben am 17. November 1992, war eine afroamerikanische Dichterin, Essayistin, Aktivistin - deren Texte unbedingt zum feministischen Kanon gehören. “Sister Outsider” heißt die Sammlung ihrer Reden, die inzwischen auch auf Deutsch verfügbar ist. Im Gespräch geht es um den Wut, der für Audre Lorde auf jeden Fall ein Antrieb war, um die unbedingte Bedeutung von Intersektionalität, also Mehrfachdiskriminierung, in eigentlich jeder politischen Debatte - und um die Kraft und Schönheit von Audre Lordes Texten.
30 Minuten
Shahrzad Osterer ist Exil-Iranerin, seit rund 15 Jahren hat die Journalistin ihre Heimat nicht mehr gesehen. Wie hält sie Kontakt zu ihrer Familie - die letzten Jahre und vor allem jetzt, wo seit der Ermordnung der jungen iranischen Kurdin Jina Amini durch die Sittenpolizei vor allem die jungen Menschen, die Generation Z, aufbegehrt? Im Gespräch geht es um Erinnerungen an Osterers Eltern, über den Mut der Generation Z und die Dringlichkeit eines "guten" Endes dieser Revolte für die iranische Bevölkerung. Shahrzad Osterer ist voller Hoffnung und Engagement und spricht von einem "Point of no return": In ihren Augen sind die Tage der Islamischen Republik nun endlich gezählt.
28 Minuten
Wie geht es Frauen, die keine Kinder haben - und auch keine Kinder haben wollen? Laura Freisberg und Barbara Streidl haben Frauen befragt, die Nicht-Mütter sind, deren Leben deswegen aber nicht automatisch komplett "kinderfrei" sein müssen. Sie erzählen von ungefragten Kommentaren, von neuen Beziehungsmodellen und alten Glücksvorstellungen. Außerdem im Gespräch: die Autorin Nadine Pungs, deren Buch "Nichtmuttersein" dieses Jahr erschienen ist.
31 Minuten
Wir müssen mehr über Abtreibung sprechen! Denn Abtreibungen hat es immer gegeben und wird es immer geben. Was wir aber beeinflussen können, sind die Umstände, mit denen Frauen* konfrontiert werden, die eine Schwangerschaft beenden möchten. Zu Gast heute bei Barbara Streidl und Laura Freisberg ist die Aktivistin und Journalistin Lina Dahm, die seit Jahren die Pro-Choice-Bewegung bundesweit unterstützt. Am Ende der Episode gibt es noch ein kleines Interview mit der Journalistin Nina Berendonk, die für Frauenstudien eine neue Veranstaltungsreihe über "Frauenbücher" startet.
39 Minuten
Zum 2. Geburtstag des Podcasts "Stadt, Land, Krise" haben Laura Freisberg und Barbara Streidl ein Frauengrüppchen eingeladen, über gerechte Sprache zu diskutieren. "Schutzsuchende" ist ein sehr viel besserer Begriff, sagt etwa Jasmin Matzakow, vor allem auch deshalb, weil er sie emotional erreicht. Ist "Abtreibung" der treffendere Begriff oder "Schwangerschaftsabbruch", fragt Julia Fritzsche. Sie denkt viel über Utopien nach und findet sich weder im Wort "kinderlose" noch bei "kinderfreie" Frau wieder. Etwas, was Männer, egal ob mit Kindern oder nicht, nicht erleben würden, fügt Birgit Frank aus dem Publikum hinzu. Gemeinsam mit dem Publikum wird über Framing diskutiert, also darüber, dass wir zwar "Anti-Rassistinnen" sein wollen, dabei aber trotzdem an "Rassismus" denken. Der Podcast ist eine gekürzte Version der Veranstaltung, die am 25. September 2022 im EineWeltHaus in München stattgefunden hat.
31 Minuten
Wenn die Eizellen aufgebraucht sind, wird der weibliche Körper in der Regel (!) in einem mehrjährigen Zeitraum "umgebaut". Ein Wunder, findet Barbara Streidl, die selbst in diesem Wechsel steht mit fast 50 Jahren. Und zugleich auch eine echte Plage - dieser Tsunami, der durch sie rauscht mit Hitzen, starken Blutungen und Stimmungsschwankungen. Laura Freisberg beschwört die drei "Engel für Charlie", Östrogen, Progesteron und Testosteron und ist nicht sicher, ob sie sich auf das freuen soll, was in den nächsten zehn Jahren auf sie zukommt.