Stadt, Land, Krise Archiv
98 Episoden
36 Minuten
Die Journalistin Shila Behjat hat ein Buch veröffentlich unter dem Titel "Söhne großziehen als Feministin - Ein Streitgespräch mit mir selbst". Darin spricht sie unter anderem von einem moral load, den sie verspürt - nämlich bloß keine Arschlöcher zu erziehen. "Überhaupt nicht nachvollziehbar" findet Barbara Streidl. "Ich versteh schon, was sie meint", antwortet Laura Freisberg - und damit sind wir schon im Streitgespräch unseres Podcasts zu der Frage: wie können wir Söhne, wie können wir Kinder im Patriarchat großziehen? Außerdem erweitern wir mit Shila Behjat das Repertoire der Mütter-Bezeichnungen (Glucke, Rabenmutter) um die Schweinemutter. Wie immer mit dabei: unser feministischer Buchtip!
36 Minuten
Wer putzt, wer bleibt zuhause, wenn die Kinder krank sind, wer bringt der Oma die Einkäufe vorbei? Und was hat das mit dem Job zu tun? Die Aufteilung der Care-Arbeit ist ein Thema, das nach wie vor aktuell ist. Denn selbst wenn eine Familie, die Menschen in einer Partnerschaft, fest entschlossen sind, diese Arbeit so gerecht wie möglich aufzuteilen - gibt es noch immer eine Menge äußerer Faktoren, die unser Zusammenleben beeinflussen. Zum Beispiel: wie care-gerecht ist eigentlich die Arbeitswelt?Barbara Streidl und Laura Freisberg sprechen in diesem Podcast über Überstunden aller Art, die “second shift” nach Feierabend, über den Wiedereinstieg nach der Elternzeit und gelegentliche Selbstzweifel. Und sie fragen sich, ob wir es Simone de Beauvoir zu verdanken haben, dass "Brei-vom-Hochstuhl-kratzen" auch beim besten feministischen Willen nicht so erfüllend ist, wie einen Podcast aufzunehmen. Außerdem kommt Meike Böttger zu Wort - sie arbeitet bei “power_m”, einem Verbund aus sechs Münchner Einrichtungen, der Menschen beim Comeback ins Berufsleben unterstützt, wenn sie aufgrund von Care-Arbeit eine Pause vom Beruf machen müssen.
37 Minuten
Wenn das Lebensgefühl schwankt zwischen Zombie-Apokalypse und totaler Begeisterung, weil sich am Straßenrand die ersten Weidenkätzchen in die Winterluft strecken, dann hat jede ihr eigenes Rezept: Tee trinken, basteln, demonstrieren gehen, kalt duschen oder singen. Barbara Streidl und Laura Freisberg melden sich aus der Winterpause zurück. Mit Kaffee, Büchern und jeder Menge Weisheiten von (älteren) Feministinnen. Denn auch wenn es um Neuanfänge geht, ziehen wir unsere Kraft doch aus dem, was ist und war. Was Depressionen und die Zombie-Apokalypse miteinander zu tun haben, warum Frauen im Patriarchat "Vagabundinnen" sind, wie Göttinnen eine durchs Jahr begleiten können und wieso Barbara lieber Spuren findet, als Spuren zu machen, darüber reden die beiden. Apropos Neuanfänge: ab sofort gibt es in jeder Episode einen feministischen Buchtipp!
33 Minuten
Der Wirtschaftswissenschaftler und Gewaltberater Boris von Heesen fordert in seinem Buch "Was Männer kosten" zu einer Debatte auf über den hohen Preis des Patriarchats: Gefängnisaufenthalte, Krankenkosten, Folgen von schlechter Ernährung, Verkehrsunfälle und Süchte, das macht rund 63,5 Milliarden Euro. Von Heesen hat Details, Daten, Statistiken und Fakten zusammengetragen, seine Argumente sind absolut wasserdicht. Also, Leute, was tun wir? Denn das was getan werden muss, spüren auch andere. Podcast-Hörer Mario, oder die, die den Sommer und die Diskussion über den Machtmissbrauch im Umfeld der Band Rammstein auch als Beispiel für patriarchales Verhalten kritisiert haben. In von Heesens Heimat Hessen ist zeitgleich mit Bayern gewählt worden; die Ergebnisse sind ähnlich in Sachen Rechtsruck. Von Heesen bietet einen Drei-Forderungs-Plan über die Bereitstellung von Infos bis hin zur detaillierten Veränderung von Role Models, Werten und Geschlechtervorstellungen in unserer Gesellschaft an. Wege aus dem Patriarchat gibt es also. Geht ihr mit?
28 Minuten
Von den schätzungsweise 30 bis 40 Prozent aller Frauen bzw aller Menschen mit Uterus, die mit PMS zu tun haben, leiden 3 bis 4 Prozent an PMDS, an der prämenstruellen dysphorischen Störung, die eine ernstzunehmende Erkrankung ist. Laura Freisberg und Barbara Streidl sprechen dazu mit einer Frau, die davon selbst betroffen ist und gleichzeitig anderen hilft, mit PMDS umzugehen. Dani Wolf nennt sich selbst PMDS-Mentorin, sie hat eine Selbsthilfegruppe gegründet, ein Buch geschrieben und sie bietet individuelle Beratung an. Als sie damals, vor zehn Jahren, anfing, zu ihrer Erkrankung zu recherchieren, hat sie sich von der Ärzteschaft ziemlich alleingelassen gefühlt. Und auch heute weiß nicht jede Frauenärzt*in, wie diese Krankheit zu behandeln ist. Ein Fazit von Laura: selbst wenn “nur” die PMS mit den Jahren etwas krasser geworden ist, lohnt es sich, zu wissen, wie die Hormone auf unsere Psyche wirken. Ein Zyklus-Tagebuch, wie es auch für Menschen mit PMDS empfohlen wird, kann helfen, besser durch die blöden Tage vor der Tagen zu kommen.
27 Minuten
Was beschäftigt Frauen gerade? Laura hetzt von der Kindergarteneingewöhnung in die Erwerbstätigkeit. Barbara lebt im Mehr-Generationen-Haus und denkt über ihre Fähigkeit zur Resilienz nach. Die letzten Tage der einstigen “Zukunftskoalition” in Bayern ziehen vorüber, im Oktober wird ein neuer Landtag gewählt. Welche Zukunft erwarten Familien in Bayern - und was gilt überhaupt noch als Familie? Mitten hinein ins Gespräch kommt dann der Anruf vom Kindergarten - es ist doch viel los gerade. Im Leben von Frauen. Die gerne zu den Guten gehören möchten - aber werden sie diesem Wunsch gerecht? Mehr Raum und Zeit für dieses Thema gibt es am 17. November in München in der Luise: Frauenstudien München lädt zum Generationen-Talk ein mit drei Frauen aus drei Generationen. Infos und Anmeldung hier.
1 Stunde 1 Minute
Bist du noch der Mensch, der du vor deinem Coming-Out warst? Gibt es eigentlich auch für Menschen, die non-binär sind, sowas wie Beauty-Standards? (Spoiler: ja, die gibt es). Das hier ist die zweite und ausführliche Gesprächsrunde mit Zara Jakob Pfeiffer - weil Jakob, Barbara und Laura nach der letzten Podcast-Folge noch so viele Fragen hatten. Zum Beispiel: für wen sind feministische Frauen*räume da? Was ändert sich, wenn auch Menschen, die trans oder non-binär sind, sich in diesen Räume sicher fühlen sollen? Wir reden darüber, wann und wo wir Geschlecht performen und warum die ganze Diskussion ums Queer-Sein mehr Leichtigkeit vertragen kann. Es geht um Barthaare, Brüste und Männerhemden.
33 Minuten
Welches Pronomen passt für dich? Und nervt dich die Nachfrage? Das haben Laura Freisberg und Barbara Streidl Jakob Pfeiffer gefragt. Jakob Pfeiffer ist eine non-binäre Trans*Person und kennt die Frage und natürlich auch eine Antwort darauf: Nein, das nervt nicht. Was nervt, und schmerzt und wütend macht, ist die Aberkennung meiner Selbstbestimmung. Denn Selbstbestimmung ist für trans*, inter* und nicht-binäre Menschen vielleicht die wichtigste Grundlage für ein gutes Leben: Haben doch viele erlebt, wie über sie entschieden wurde, wie sie nicht gefragt worden sind hinsichtlich ihrer geschlechtlichen Identität und gegen Wunsch und Empfinden in eine binäre Ordnung einsortiert wurden. Nun stellt die Bundesregierung ein neues Gesetz vor: Das “Selbstbestimmungsgesetz” soll es etwa trans- und intergeschlechtlichen sowie nichtbinären Personen erleichtern, ihren Geschlechtseintrag ändern zu lassen und das von vielen kritisierte und an vielen Stellen nicht mehr zeitgemäße “Transsexuellengesetz” nach über 40 Jahren Gültigkeit ablösen. Dennoch haben wir hinsichtlich des neuen Selbstbestimmungsgesetzes konstruktive Kritik von Aktivist*innen und Verbänden gehört. Über die wichtigsten Forderungen sprechen Laura Freisberg und Barbara Streidl mit Jakob Pfeiffer (engagiert etwa im Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern e.V.). Eine Forderung lautet: “Geschlechtliche Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht!”
31 Minuten
Julia Korbik hat kurz vorm Abi ihre Leidenschaft für Simone de Beauvoir entdeckt und die hält nun schon seit vielen Jahren an. "Feminismus bedeutet: individuell zu leben ..." Es waren auch die Biografie und die Texte von de Beauvoir, die Julia Korbik darin ermutigt haben, selbst ein Leben als Autorin zu führen - unter anderem mit Büchern über Simone de Beauvoir! Nach ihrem Buch “Oh, Simone!” - ein Bestseller nicht nur in feministischen Kreisen - hat sie jetzt gemeinsam mit der Zeichnerin Julia Bernhard eine Graphic Novel namens “Ich möchte vom Leben alles” über Simone de Beauvoir gemacht. Sie katapultiere das Denken der französischen Autorin und Philosophin ins Hier und Jetzt, schreibt die Journalistin Sonja Eismann lobend über den Comic. Im Gespräch mit Laura Freisberg und Barbara Streidl plaudert Julia Korbik aus ihrem Simone-de-Beauvoir-Nähkästchen. "... und zu kollektiv kämpfen." So war Simone de Beauvoir wohl eher öffentlichkeitsscheu, trotzdem unterstützte sie mit ihrer Bekanntheit Jahrzehnte nach dem Erscheinen von "Das andere Geschlecht" jüngere Feministinnen bei ihren politischen Kämpfen. Wenn ihr euch fragt, ob ihr noch mal ein Buch von de Beauvoir zur Hand nehmen solltet, bekommt ihr in diesem Podcast viele gute Anregungen.
27 Minuten
Es gibt jede Menge Schieflagen in der Verteilung der Care-Arbeit. Manche würden sich durch politisches Eingreifen ausgleichen lassen, bei anderen brauchen wir auch ein Umdenken in der Gesellschaft. Anlässlich der Veranstaltung zu diesen "Schieflagen", die die Petra-Kelly-Stiftung gemeinsam mit den Frauenstudien am 28. Juni 2023 in München ausrichtet, berichtet Bildungsreferentin Carmen Romano von Problemzonen in der Fürsorge-Arbeit. Die anstrengend, zeitaufwändig - und in der Regel unsichtbar ist.
27 Minuten
Wenn die Müdigkeit so groß ist, dass im Gehirn ein ständiger Nebel herrscht, kann das ziemlich auf die Stimmung schlagen. Diese Podcast-Folge hätte es fast nicht gegeben. Weil Laura Freisberg als Mutter von einem Baby einfach zu müde war, um noch irgendwas zu planen, außer, wie jeweils der nächste Tag überstanden wird. Und die nächste Nacht, die auch wieder nicht genug Schlaf bringen wird. Barbara Streidl hat aber ein paar Studien zur Hand, die belegen, dass diese Müdigkeit von Müttern und Eltern leider gar nicht so selten ist.
34 Minuten
Wir Frauen* wurden lange genug vom Patriarchat ausgemergelt, schreibt Nadia Shehadeh in ihrem Buch “Anti-Girlboss”. Und setzt auf ihr Recht auf Faulheit. Kinder und Karriere - nein danke. Lieber Zeit zum Chillen! Das kommt überraschend, natürlich ganz schön polemisch und daneben auch recht unterhaltsam daher. Nadia Shehadeh legt den Finger auf einen wichtigen Punkt: Warum gehen wir immer noch davon aus, dass Erfolg die Menschen freier und die Gesellschaft besser macht? Und warum legen sich viele Frauen* immer noch mehr ins Zeug, um in diesem Rennen, in dem sie qua Geschlecht benachteiligt sind, mitzuhalten? Im Gespräch mit Laura Freisberg und Barbara Streidl spricht Nadia Shehadeh von “Heute nicht mit mir”-Tagen und ihrem Alltag als Soziologin in der Erwachsenen- und Jugendarbeit.
25 Minuten
Die Walpurgisnacht findet in der Nacht zum ersten Mai statt. Und bis heute wird dabei an "Hexen" gedacht: Wilde Frauen, die auf Besen oder Schweinen auf den Blocksberg reiten und so richtig die Sau rauslassen. So steht es auf jeden Fall in Goethes "Faust" - aber das ist ja eine ganz alte Geschichte. Dass Frauen* sich die Nacht zum ersten Mai zurückerobern, ist ein Anliegen von Nina Reggi, Soziologin und in der Geschäftsführung der Münchner Frauenakademie (FAM) und Sängerin im Chor "Witches of Westend" bzw. beim "Mystic Choir Kollektiv". Gemeinsam mit ihren Chorsängerinnen und Chorleiterin Pola Dobler hat sie ein tolles Programm für die Walpurgisnacht zusammengestellt, das nicht nur gut klingt, sondern auch politisch ist: Frauen folgend, die in den Sechzigern durch die Nacht zogen und sangen, um sich diesen Raum zurückzuholen, geht es auch in dieser Nacht um Freiheit. „Tremate, tremate, le streghe son tornate“ - „Zittert, zittert, die Hexen sind zurück“
27 Minuten
„Soll ein Sexkaufverbot gesetzlich verankert werden - ja oder nein“?. Darüber wird seit langem nicht nur in feministischen Kreisen heftig diskutiert, es gibt dazu verschiedene, zum Teil recht kontroverse Meinungen und Haltungen, sowohl aus der Politik als auch von Aktivistinnen. In dieser Episode stellen Laura Freisberg und Barbara Streidl noch einmal objektiv Argumente für und gegen eine mögliche Freierbestrafung nach dem "Nordischen Modell" vor. Sie rufen auch zur eigenen Meinungsbildung auf: Frauenstudien München gehört zum Bayerischen Landesfrauenrat, der in seiner nächsten Hauptversammlung Ende April ein Stimmungsbild eben zur Frage “Verbot - ja oder nein?” einholen möchte. Was meinst du: Ja oder nein?
26 Minuten
Kennt ihr den blöden Spruch: "Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr"? Vera Weidenbach stellt in ihrem Buch "Die unerzählte Geschichte - Wie Frauen die moderne Welt erschufen und warum wir sie nicht kennen" Biografien von Frauen vor, die als Künstlerinnen, Autorinnen, Wissenschaftlerinnen und Politikerinnen die Moderne maßgeblich geprägt haben, deren Namen aber noch recht unbekannt sind. Auf diese Frauen gemünzt müsste der Spruch lauten: "Wer solche Kollegen, Chefs, Ehemänner oder Liebhaber hat, braucht keine Feinde mehr", denn es waren oft Männer die diesen Pionierinnen nahestanden, die verhindert haben, dass wir heute um ihre Leistungen wissen. Barbara Streidl und Laura Freisberg sprechen mit Vera Weidenbach darüber, wie "normal" die Ausbeutung der Kreativität und Arbeitskraft von Frauen zu jener Zeit war - und warum diese Ausbeutung trotzdem auf ein größeres System verweist. Es geht um Camille Claudel, Margarete Steffin, Lise Meitner und viele mehr.