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Erleuchtung garantiert - Wissenschaftliche Spotlights auf Religion und Spiritualität Archiv

93 Episoden
32 Minuten
Nicht nur in Russland, im Iran und in den USA hängen Politik und Religion eng zusammen, auch in Deutschland und in der Schweiz sind politische Entscheidungen oft mit religiösen Überzeugungen verbunden. Aber wirkt sich tatsächlich der Glaube und die religiöse Zugehörigkeit von Parlamentarier:innen auf ihre politische Arbeit aus? Vanessa Kopplin hat das untersucht und ist zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Im Gespräch erzählt sie, weshalb man sich in der Schweiz nicht als «Fischli» outen darf, wieso SVP-Politiker:innen die Kirche zwar kritisieren, aber nicht aus ihr austreten und von einer Parlamentarierin, die bei wichtigen Entscheidungen im Bundestag ihre tote Grossmutter um Rat bittet. Dies ist die letzte Folge der 3. Staffel von «Erleuchtung garantiert». Neue Episoden gibt es ab Ende Februar – alle zwei Wochen am Freitag!
30 Minuten
Die Geburtsgeschichte von Jesus war für Christ:innen lange Zeit kaum von Bedeutung. Und Weihnachten als Fest «der Liebe», der Familie und der Geschenke ist eine ziemlich neue Tradition. Jörg Frey, Professor für Neutestamentliche Wissenschaft und Antikes Judentum, erzählt wie Ochs und Esel in die Krippe kamen und weshalb Martin Luther das Christkind erfunden hat. Was ist der philosophische Kerngedanke der Weihnachtsgeschichte, was ist die Idee der «Fleischwerdung»? Frey jedenfalls spricht sich dafür aus, Welt und Leiblichkeit ernst zu nehmen!
28 Minuten
Lange Zeit konnte die Historikerin Nadezhda Beliakova in Moskau ungestört zu religiösem Widerstand in der späten Sowjetunion und zu den Beziehungen von Staat und religiösen Gemeinschaften in der Ukraine, in Belarus und im Baltikum forschen. Spätestens nachdem sie und ihr Mann sich allerdings an Protestbriefen und ihre Tochter an Strassenaktionen gegen den Krieg in der Ukraine beteiligten, gab es staatliche Konsequenzen und das Ehepaar entschied sich im Juni 2022 für das Exil. Im Podcastgespräch erzählt die Wissenschaftlerin von ihrer eigenen Situation und von einer politischen Elite, die Historiker:innen nicht als Expert:innen akzeptiert, sich selbst aber auf die (angebliche) Geschichte Russlands beruft. Zudem berichtet sie von Netzwerken religiöser Aktivist:innen zur Zeit des «Eisernen Vorhangs» und von einem Gärtner aus der DDR, der wider Willen zum Bibelschmuggler wurde.
28 Minuten
Die römisch-katholische Kirche muss sich verändern. Das ist nicht nur ein dringendes Anliegen vieler Kirchenangehöriger, sondern gemäss Papst Franziskus auch der Wille Gottes. Entscheidungen sollen dereinst nicht mehr vom Papst und den Bischöfen alleine getroffen werden, sondern unter Einbezug der Gemeinden. Die römisch-katholische Theologin und Aktivistin Dorothea Sattler setzt sich mit Nachdruck dafür ein, dass in diesem Zusammenhang auch Frauen angemessen beteiligt werden müssen und die volle Teilhabe an allen Diensten und Ämtern erhalten sollten. Sie ist überzeugt, dass ein umfassender Reformprozess mit Machtverzicht, Partizipation und Transparenz für die Zukunft der katholischen Kirche unverzichtbar ist – als Alternativen blieben nur die Gründung einer neuen Kirche oder der stille Rückzug. Dorothea Sattler wurde 2022 von der Theologischen Fakultät der Universität Zürich für ihr ausserordentliches Engagement mit der Ehrenpromotion gewürdigt. Am Schluss dieser Podcast-Folge findet sich ein aktueller Hinweis auf die Pop-Up Konferenz «Research on Religion and Spirituality by Scholars at Risk», die vom 1.–3.12.2022 an der Theologischen Fakultät in Zürich stattfinden wird. Die Konferenz ermöglicht den Austausch unter geflüchteten und im Exil-lebenden Wissenschaftler:innen aus Ländern wie der Ukraine, Iran, Afghanistan und China und bietet Einblicke in die vielfältige Forschung dieser «Scholars at Risk». Interessierte sind herzlich eingeladen, vor Ort in Zürich oder online teilzunehmen. Weitere Informationen unter: www.theologie.uzh.ch/de/scholars_at_risk.html
34 Minuten
Was hilft es den kriegsversehrten Menschen in der Ukraine, wenn jemand für sie betet? Meinen gläubige Menschen tatsächlich, Gott durch Gebete beeinflussen zu können? Der Theologe und Religionsphilosoph Markus Höfner hält die Annahme für unplausibel, Gebete hätten eine kausale, «magische» Wirkung auf Gott und damit unmittelbaren Einfluss auf das Geschehen in der Welt. Er argumentiert dennoch dafür, dass Beten mehr als ein innerpsychisches Wellness-Programm ist und Gott mehr als eine nützliche Fiktion. Ausserdem spricht er über das Beten als Empowerment, über Gebetsräume, das Minarettverbot in der Schweiz und Entweihungsgottesdienste.
66 Sekunden
Erleuchtung garantiert – alle zwei Wochen am Freitag. Stimmen aus Religionswissenschaft und Theologie, aus Kultur und Gesellschaft. Zum Hören und natürlich auch zum Abonnieren unter www.erleuchtung-garantiert.ch und überall wo es Podcasts gibt.
31 Minuten
Gehen die grusligen Halloweenmasken tatsächlich auf einen keltischen Totenkult zurück? Oder hat Halloween mit den kirchlichen Totenfeiertagen Allerheiligen und Allerseelen am 1. und 2. November zu tun? Der Religionswissenschaftler und Keltenspezialist Bernhard Maier spricht über politisch und religiös motivierte (Fehl-)Interpretationen alter Bräuche, die Vielfalt christlicher Traditionen und das vermeintliche Verschwinden der Kelten. Ausserdem geht es um Prunkgräber, den «germanischen Lichterbaum» und um die Paddington-Teddies für die Queen.
27 Minuten
Bei den gegenwärtigen Protesten im Iran geht es nicht um das Kopftuch an sich, sondern um die Freiheit es zu tragen – oder auch nicht. Saida Mir Sadri, Gastprofessorin für Islamische Theologie und Bildung, hat in Ghom, der vielleicht konservativsten Stadt des Irans, sehr erfolgreich unter lauter Männern studiert und setzt sich in ihren wissenschaftlichen Arbeiten u.a. mit der Verantwortung des Menschen für die Welt auseinander. Als muslimische Philosophin ist sie überzeugt, dass es im Islam neue Antworten auf zeitgenössische Fragen braucht – ob beim Thema Ökologie oder Frauenrechten – und damit auch Gott neu gedacht werden muss. Als Dozentin an der Universität Zürich wundert sie sich darüber, dass Schweizer Männer Frauenrechte offenbar als Frauensache wahrnehmen – ganz im Gegensatz zu den meisten jungen Iranern.
29 Minuten
Indien entwickelt unter dem Einfluss der hindu-nationalistischen Partei BJP immer stärker faschistische Strukturen. Ausgehend von der Idee des Hindu als biologisch-rassische Kategorie werden Minderheiten systematisch ausgegrenzt und die Rolle von Tätern und Opfern verdreht. Die Politikwissenschaftlerin und Anthropologin Britta Ohm zeigt auf, wo diese Entwicklung ihre Ursprünge hat, wie sie konkret funktioniert und wohin sie führt. Ausserdem erzählt sie von einem Imbissverkäufer, der verhaftet wurde, weil er sein Essen ins falsche Zeitungspapier gewickelt hat, und erklärt, weshalb in den Vorgärten indischer TV-Familien stets ein Tulsi-Baum steht.
29 Minuten
UZH-Rektor Michael Schaepman berichtet von seiner Kindheit und Jugend zwischen Calvinismus, Katholizismus, Luthertum und Zwinglianismus und hinterfragt seine von den Eltern geprägte Arbeitsmoral. Er erzählt von seinen Iranreisen als Geograph, den faszinierenden Klimabedingungen dort und davon, dass der Iran anders ist als erwartet. Er traut dem theologischen Denken und dem religionswissenschaftlichen Wissen über Religionen einiges zu und plädiert dafür azyklisch zu investieren, sich den Fragen der Ethik und den Wertediskussionen zu stellen – denn die Existenz Künstlicher Intelligenz zieht seiner Meinung nach «eine riesige Ethikdiskussion, eine Wertediskussion hinter sich her» die Frage ist «wer übernimmt die Verantwortung? … das machen nicht die Naturwissenschaftler…»
35 Minuten
War am Anfang der Urknall, göttliches Handwerk oder doch ein Kampf gegen riesige Meeresungeheuer? Je nachdem sind mit diesen Erzählungen grundlegend unterschiedliche Perspektiven auf Welt und Wirklichkeit verbunden. Thomas Krüger erzählt in der letzten Podcastfolge dieser Staffel von Anfängen und Potenzialen, von kooperativen und direktiven Schöpfungsstilen, von Traditionen und der Aktualität uralter Texte. Er erklärt, was das Spezifische der biblischen Schöpfungsmythen ist und inwiefern das Leben mehr als die faktische Wirklichkeit umfasst. Ausserdem denkt er darüber nach, wie man sich Gott vorstellen kann, wenn man Evolution ernst nimmt, und ob es ein Problem ist, wenn man niemanden hat, bei dem man sich über die Welt beschweren oder für ihre Schönheit bedanken kann.
26 Minuten
Armut, Gehorsam und keusche Ehelosigkeit usque ad mortem, bis zum Tod: Der damit verbundene Verzicht eröffnet die Freiheit, sich anderen Menschen mit grösserer Aufmerksamkeit zuzuwenden, davon ist Pater Laurentius überzeugt. Im Gespräch erklärt der Novizenmeister, warum Kuscheltiere in der Mönchszelle nicht zu einem reifen Ordensleben beitragen und weshalb der Nachwuchs der Dominikaner heute eher aus Vietnam und als aus Polen kommt. Ausserdem spricht er darüber, wie wichtig der Blick auf die Wahrheit der Anderen ist, um die Welt gemeinsam im Sinn eines guten Humanismus gestalten zu können und was die "Auffahrt" vor Pfingsten bedeutet.
28 Minuten
Männer sind erfolgreich - Frauen tragen Schmuck? Anhand von bis zu 4000 Jahre alten Siegeln wird im Gespräch mit hartnäckigen Vorurteilen aufgeräumt. Ausserdem geht es darum, dass Daumennagel-kleine Darstellungen von Sex einst Dämonen abwehren sollten und dass der Verlust eines winzigen Siegels seine Besitzer:innen teuer zu stehen kommen konnte. Bruno Biermann ist Mitglied eines Forschungsprojektes, das sich antiken Stempelsiegeln aus dem Gebiet des heutigen Israel, Palästina und Jordanien befasst. Er erklärt wie Perspektiven von Wissenschaftler:innen den Blick auf ihren Forschungsgegenstand prägen und inwiefern eine digitale Datenbank zu neuen Forschungsergebnissen führen kann.
30 Minuten
Die Vorstellung, dass Staat und Kirche, Politik und Religion eng zusammengehören, ist nicht neu, sondern ein Narrativ mit alten Wurzeln im oströmischen Reich. Die «Sakralisierung russischer Politik», die im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine immer wieder thematisiert wird, ist eine Konsequenz dieses alten Narrativs, wie der Religions- und Politikwissenschaftler Sebastian Rimestad erläutert. Im Gespräch mit Dorothea Lüddeckens geht er zudem den Fragen nach, was es heisst, «orthodox» zu sein, wie es um die politische Loyalität der Kirchen in Russland und in der Ukraine steht und wieso Statistiken zu Religionszugehörigkeit mit Vorsicht zu geniessen sind.
27 Minuten
Kritischer Blick auf die eigene Disziplin: Sabrina Müller, selbst Praktische Theologin und Geschäftsleiterin des Universitären Forschungsschwerpunktes «Digital Religion(s)», macht auf den «bias», auf Verzerrungen aufmerksam, unter anderem bei «deutschsprachigen, weissen, männlichen Praktischen Theologen». Sie selbst fordert auch weibliche, Trans- und nicht-europäische Perspektiven ein, erzählt vom Potential religiös gedeuteter Erfahrungen und will «Theologie von unten», die empowert – mit und ohne Dämonen.