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100 Episoden
44 Minuten
Die Schriftstellerin Bernardine Evaristo hat mit dem Roman „Mädchen, Frau etc.“ einen Welterfolg geschrieben, u. a. gewann sie damit als erste Schwarze Frau den Booker Preis. In „Manifesto“ erzählt sie in sieben Kapiteln von ihrem Werdegang. Geboren wurde sie 1959 als Tochter einer englischen Mutter und eines nigerianischen Vaters und wuchs im südlichen London auf. Schon als Kind war sie mit Rassismus und Diskriminierung konfrontiert, doch resignieren war für sie keine Option, sie ging zum Theater, lebte auch mit Frauen zusammen und begann zu schreiben. Thorsten Dönges und Anne Dore Krohn sprechen mit Bernardine Evaristo über ihr Leben gegen Widerstände, über Mut und Hartnäckigkeit und den Entschluss, niemals aufzugeben.
39 Minuten
Echte Versöhnung braucht Zeit – und die langen Jahre der Apartheid haben in Südafrika tiefe Gräben hinterlassen. Davon handelt Damon Galguts Roman „Das Versprechen“, mit dem der 1963 geborene Südafrikaner gerade den wichtigsten britischen Literaturpreis gewonnen hat, den Man Booker Preis. Der Roman beginnt im Jahr 1986 und erzählt über vier Jahrzehnte und aus wechselnden Perspektiven von einer weißen Farmerfamilie, die bei Pretoria lebt. Im Zentrum steht ein nicht eingelöstes Versprechen: Eine schwarze Hausangestellte sollte ursprünglich ein Haus erben, doch keines der von Habsucht und Doppelmoral geprägten Familienmitglieder setzt das Versprechen in die Tat um. Im Gespräch mit Anne-Dore Krohn erzählt Damon Galgut vom Erbe der Apartheid, dem Erbe eines zerrissenen Landes und der Umsetzung dieser Themen in Literatur.
42 Minuten
Nachts rufen besonders viele Ratsuchende an - in der Berliner Telefonseelsorge, die im Zentrum von Judith Kuckarts neuem Roman "Café der Unsichtbaren" steht. Sieben Menschen arbeiten dort, sie sind sehr unterschiedlich, was ihre Herkunft, ihr Alter und ihre Erfahrungen angeht – aber sie eint, dass sie alle die Anrufe von Verzweifelten entgegennehmen und ihnen ihre Zeit, ihre Stimme, ihr Zuhören schenken. Im Gespräch mit Anne-Dore Krohn und Thorsten Dönges erzählt Judith Kuckart von ihren eigenen Erfahrungen in einer Telefonseelsorge, über das Erschaffen von Figuren, die Verknüpfung von Romanen und Theater, ihr Interesse für Theologie und die Kraft des Schweigens.
47 Minuten
Judith Zanders dritter Gedichtband "im ländchen sommer im winter zur see" ist ein großes Lesevergnügen: randvoll mit Neologismen, wilden Zeilensprüngen und Zitaten von Hölderlin bis zu Sprichwörtern. Da gibt es eine "baumwollbläue" und eine "septembergelbe", eine Beziehungskiste und Liedzeilen von Veronika Fischer und Gianna Nannini. Im Gespräch mit Anne-Dore Krohn und Thomas Geiger erzählt die Autorin, 1980 in Anklam geboren, von inneren und äußeren Landschaften, von Wortspielen und Wortfeldern, der Bandbreite von Tonlagen und ihren Inspirationsquellen.
45 Minuten
"Zukunftsmusik" erklingt in Katerina Poladjans Roman zuerst als Trauermarsch. Chopin schallt aus den Küchenradios "Tausende Werst oder Meilen oder Kilometer" östlich von Moskau und kündigt den Tod des wichtigsten Mannes der Sowjetunion an: des Generalsekretärs des Zentralkomittees der KPdSU, Tschernenko. Auf ihn folgt Michail Gorbatschow, folgen Perestroika und der Fall des Eisernen Vorhangs. Aber das wissen die Menschen in Katerina Poladjans Roman alles noch nicht. Für sie gilt es, ihren Alltag zu meistern in der Kommunalka irgendwo im fernen Sibirien. Der Roman spielt an einem einzigen Tag, dem 11. März 1985. Drei Frauen und ein Mädchen aus vier Generationen stehen im Mittelpunkt. Sie komponieren ihre eigene Zukunftsmusik und suchen ihr Glück zwischen Liebe, Improvisation, Stillstand und Hoffnung, zwischen Gemeinschaftsbad und Küchenkonzert in der Kommunalka. Die Ahnung von Umbruch durchweht dieses Buch mit einer bestechenden Leichtigkeit. Zugleich scheint "Zukunftsmusik" plötzlich das Buch der Stunde zu sein. Die Epoche, die mit dem Zerfall der Sowjetunion einsetzte, scheint nun mit dem Angriff Russlands auf dei Ukraine endgültig vorbei. Wie schwierig es gerade ist als in Russland geborene Autorin immerzu auf seine Herkunft angesprochen zu werden und wie sehr die eigenen Gedanken immerzu beim Krieg und den Menschen in Russland und der Ukraine sind, darüber spricht Katerina Poladjan mit Nadine Kreuzahler und Thomas Geiger. "Zukunftsmusik" war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Katerina Poladjan liest auch aus ihrem Roman.
57 Minuten
Mit dem Roman "Blaue Frau" hat Antje Ravic Strubel den Deutschen Buchpreis gewonnen - für die „existenzielle Wucht und poetische Präzision“, mit der sie die Geschichte einer jungen Tschechin erzählt, die in Finnland Zuflucht sucht. Miit der Potsdamer Autorin sprechen Anne-Dore Krohn und Thorsten Dönges über Macht und Ohnmacht, über Selbstermächtigung und über Erinnerungskulturen in Ost und West - und über die unfreiwillige Aktualität, die das Buch in diesen Tagen hat.
50 Minuten
Da ist ein verlassenes Haus in der Nachbarschaft eines kleinen Ortes am Nord-Ostsee-Kanal - hier kreuzen sich die Geschichten von Julia, einer Enddreißigerin, die einen Keramikladen betreibt und sich sehnsüchtig ein Kind wünscht; und die von Astrid, einer sechzigjährigen Ärztin, die sich um ihre Tante sorgt und einer verlorenen Freundschaft hinterhertrauert. Ein leiser, kluger Roman über Sehnsüchte und Zerbrechlichkeit, Freundschaften, Zugehörigkeit und Vertrautheit. Mit der 1974 in Hamburg geborenen Autorin Kristine Bilkau sprechen Anne-Dore Krohn und Thorsten Dönges.
50 Minuten
Eine Frau steht eines Tages nach einer Lesung am Signiertisch von Julia Schoch und sagt: "Wir haben übrigens den selben Vater". Ein Moment, der zur Zäsur wird: Alte Gewissheiten stürzen zusammen, eine Zeit des Grübelns und Hinterfragens beginnt - Fragen nach Mutterschaft, Herkunft, Erinnerung und die Konstruktion eines Lebens tauchen auf. Julia Schoch, geboren 1974 in Bad Saarow, geht in "Das Vorkommnis" der Frage nach, wieso man Dinge verdrängt, die man schon mal wußte, und was passiert, wenn sie dann doch in die Welt treten. Eine kluge Selbstbefragung und der Auftakt einer Trilogie über die "Biographie einer Frau". Am Mikrofon: Anne-Dore Krohn und Thomas Geiger
53 Minuten
„Rot (Hunger)“ von Senthuran Varatharajah bringt zusammen was auf den ersten Blick nicht zusammen gehört: Kannibalismus und Liebe.Dabei deutet unsere Sprache schon darauf hin: wir sagen "Ich hab dich zum Fressen gern" oder "Du siehst zum Anbeißen aus".Diese Redensarten werden in „Rot“ zur kannibalischen Tatsache – Senthuran Varatarajah nimmt sich den Fall des „Kannibalen von Rothenburg“ vor – der Kriminalfall schockte die Republik vor 21 Jahren – der Computertechniker Armin Meiwes tötete einen Mann, zerteilte ihn und verspeiste danach Teile von ihm – und das alles auf Verlangen dieses Mannes. Ausgehend von dieser schockierenden Tat stellt Senthuran Varatarajah Fragen nach dem Wesen der Liebe, nach Sprache und wie sie unser Verhältnis zu anderen und zum Körper bestimmt und warum das Grausame und das Schöne oft so nah beieinander liegen. Er erzählt gleichzeitig die Geschichte einer Trennung nach einer großen Liebe und die Geschichte des Schreibens an diesem Buch. Der Autor verzichtet auf Spektakel, Sensation und jeglichen Voyeurismus. Stattdessen seziert er unsere Sprache und experimentiert mit der Form.
53 Minuten
MIt 59 Jahren erfüllt sich Hüseyin Yilmaz seinen Traum: Nach jahrzehntelangem Schuften als "Gastarbeiter" kauft er sich eine Wohnung in Istanbul. Doch dann stirbt er an einem Herzinfarkt. Seine Frau und die vier Kinder reisen aus Deutschland an, um ihn zu beerdigen - jeder mit seinen eigenen Erinnerungen im Gepäck. So beginnt Fatma Aydemirs zweiter Roman: "Dschinns" sind im islamischen Glauben unsichtbare Geister, die sich unter die Menschen mischen. Aydemir, 1986 in Karlsruhe geboren, hat sie zum Titel ihres Romans ernannt, weil sie dafür stehen, dass wir alle etwas Verborgenes mit uns herumtragen. Im Gespräch mit Anne-Dore Krohn erzählt die Autorin von der Sprachlosigkeit zwischen den Generationen, das Schreiben eines multiperspektivischen Romans und ihre Fragen an ihre eigenen Großväter.
46 Minuten
Eine Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist: Davon erzählt Philipp Winkler in seinem zweiten Roman. Da ist Fanny, die einem Büro für Überwachungstechnik arbeitet und sich heilich über Kameras in das Leben einer anderen Familie schaltet. Und da ist Junya, der in Japan lebt und sein Kinderzimmer nur verläßt, wenn es dunkel ist. Dann streift er durch Tokio und filmt das, was er dabei tut – Gewaltexzesse, die er in Darknetforen teilt. Ein Roman über Grenzüberschreitungen, über die Suche nach Zugehörigkeit und die gefährliche Vermischung von digitalem und analogem Leben. Am Mikrofon: Nadine Kreuzahler
44 Minuten
2019 gewann sie mit ihrem Roman "Mädchen, Frau etc." den Booker-Preis - als erste Schwarze Frau. In ihrem neuen Buch "Manifesto. Waum ich niemals aufgebe" erzählt sie jetzt aus ihrem Leben vor dem Ruhm. Wie es war, als einzige Schwarze im Süden von London aufzuwachsen, wie sie sich gegen Rassismus und Klassismus zur Wehr setzte und immer an ihrem großen Traum festhielt: mit ihren Büchern berühmt zu werden. Mit Anne-Dore Krohn spricht sie über ihren Werdegang als Frau, Schwarze und zeitweilige Lesbe, über ihre Auffassung von Resilienz undv über ihr "Manifest": wild und ungehorsam zu sein.
53 Minuten
Fridolin Schley im Gespräch mit Natascha Freundel und Thomas Geiger -- Der neue Roman des Münchner Autors Fridolin Schley beleuchtet den längsten und umfangreichsten der zwölf Nürnberger Nachkriegsprozesse: "The United States of America vs. Ernst von Weizsäcker et. al" - so hieß der heute so genannte "Wilhelmstraßenprozess" offiziell. Von November 1947 bis April 1948 standen Funktionäre des Auswärtigen Amts wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht: Ex-Staatssekretär und SS-Führungsmitglied Ernst von Weizsäcker war der prominenteste Angeklagte, Assistent der Verteidigung war sein Sohn Richard von Weizsäcker. In einer atemberaubenden Komposition aus Dokument, Essay und Fiktion fängt Fridolin Schley ein, wie der Sohn den Vater im Prozessverlauf kennengelernt haben könnte. Der Roman ist zugleich ein Lehrstück über die die deutsche Nachkriegsgeschichte und ihre Folgen bis heute. Auch die berühmte Rede des Bundespräsident Richard von Weizsäcker vom 8. Mai 1945 erscheint nach diesem Buch in neuem Licht. -- Fridolin Schley: "Die Verteidigung". Hanser Berlin 2021, 272 S., 24 Euro.
31 Minuten
Die Kolumnistin und Autorin Ronya Othmann, geboren 1993 in München, hat nach ihrem Romandebut „Die Sommer“ (2020) nun ihren ersten Lyrikband vorgelegt: In „die verbrechen“ schreitet sie Landschaften im Nahen Osten ab, die in der jüngeren Geschichte vieles erlitten haben. Die Gedichte aus diesem Band, der den Leser:innen mit großer sprachlicher Pracht und präziser Komposition karge Gegenden und existenzielle Gefühle vor Augen bringt, stehen im Zentrum unserer heutigen Folge von "weiter lesen". Am Mikrofon: Anne-Dore Krohn und Thorsten Dönges.
43 Minuten
Kira Jarmysch im Gespräch mit Natascha Freundel --- "Arrest ist in Russland zu einem Ort geworden, in den jede und jeder kommen kann", sagt die Autorin und politische Aktivistin Kira Jarmysch. Jarmysch, geboren 1989, ist seit 2014 Pressesprecherin von Russlands prominentestem Oppositionspolitiker Alexej Nawalny, der seit seiner Rückkehr aus Deutschland nach Russland vor einem Jahr in Lagerhaft sitzt. - Jarmysch selbst wurde mehrfach festgenommen, saß sieben Monate in Hausarrest und hat ihr Land verlassen, nachdem sie in Russland zu einer anderthalbjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Ihr Debütroman, der 2020 in Russland erschien, basiert auf ihren eigenen Erfahrungen im Spezialarrest und erzählt von neun Tagen hinter Gittern - mit scharf gezeichneten Figuren und tragikomischen Volten. Russische Frauen unter sich: ein Kammerspiel völlig verschiedener Charaktere, wobei die Hauptfigur Anja Romanowa die einzige "Politische" ist. Jarmysch schildert aber auch das zumeist männliche Wachpersonal, darunter ein junger Polizist, der von einem starken Führer à la Stalin träumt... --- Kira Jarmysch: "DAFUQ", übersetzt von Olaf Kühl. Rowohlt Berlin, 416 S., 22 Euro --- "weiter lesen" ist eine Koproduktion von rbbKultur und dem Literarischen Colloquium Berlin, LCB. Alle Folgen finden Sie unter www.rbbkultur.de/weiterlesen
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Am 22.04 startet der neue Bücherpodcast vom rbb "Orte und Worte". Hier https://www.ardaudiothek.de/sendung/orte-und-worte/12605283/ geht es ab sofort weiter … "Orte und Worte" geht raus: Wir sprechen...