Wiener Börse Podcast Archiv
699 Episoden
10 Minuten
Der Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern Agrana hat für das Halbjahr 2022/23 ein deutlich gesteigertes Ergebnis vorgelegt: 86,5 Mio. Euro operatives Ergebnis sind mehr als eine Verdoppelung zu den 41 Mio. aus dem Vorjahr. Es gab aber aufgrund des Ukrainekriegs auch hohe Abschreibungen von über 91 Mio. Euro. Die Energiekosten schlagen sich deutlich nieder, bisher können die gestiegenen Energiekosten aber kompensiert werden durch striktes Kostenmanagement und Preiserhöhungen. CEO Markus Mühleisen: "Das Thema Inflation ist ein ganz großes Thema. Wir hören schon von Kunden von Kaufzurückhaltung. Was uns hilft, ist unsere internationale Aufstellung und unser diversifiziertes Produktportfolio. So gelingt es uns einigermaßen gut, durch diese Zeiten durchzusteuern." Die Prognose wurde bestätigt: Ein sehr deutlicher Anstieg beim EBIT und ein deutlicher Anstieg beim Umsatz sind geplant.
10 Minuten
Der russische Krieg in der Ukraine scheint eine neue Stufe der Eskalation zu erreichen, mit Vergeltungsschlägen, Sabotageakten, Terror. Aber spielt das noch eine Rolle für die Börsen? Fondsmanager Wolfgang Matejka: "Es hat Auswirkungen auf Emotionen. Das ist ein wachsender Spalt zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren." Sollte man also die gefallenen Aktien kaufen, also vermeintliche Schnäppchenjagd? "Wir bekommen ein Umfeld serviert, das mehr und mehr zu einer ökonomischen Unsicherheit führt. Bedeutet, dass man sich mehr und mehr um das Umfeld der Investments kümmern muss". Was erwartet Wolfgang Matejka für die Berichtssaison, die weitere Entwicklung und wovon würde er die Finger lassen?
11 Minuten
Viele Unwägbarkeiten belasten den Markt: Inflation, Geopolitik, Rezession, Energiekrise, vielleicht demnächst wieder Corona und viele mehr. Wir können in diesem Rahmen nicht alles aufzählen und schon gar nicht alles besprechen. Wie aber kann man das in die Strategie einfließen lassen? Und wie viel davon ist bereits eingepreist? Marktanalyst Friedrich Mostböck, Head of Research der Erste Bank: "Es hat selten so niedrige KGVs am Wiener Markt gegeben wie in der aktuellen Situation." Dieses liegt für 2022 etwa bei 6. Bedeutet das denn auch Kaufkurse?
10 Minuten
Aventa ist ein Immobilienentwickler aus Graz. Seit November 2020 ist Aventa im Segment Direct Market Plus der Wiener Börse. Die Zahlen nach sechs Monaten zeigen: Aventa bleibt im schwierigen Umfeld auf Wachstumskurs. Head of Markets Kamil Kowalewski: "Die Preise steigen und die Margen sind stabil." Steigende Zinsen wirken zwar aus auf die Zahl der Projekte, nicht aber auf die Preise. Um dem steigenden Projektgeschäft gerecht zu werden, hat Aventa die Zahl der Mitarbeiter verdoppelt von 10 auf 20, die Personalaufwendungen steigen somit. Die massive Verteuerung von Baumaterialien dagegen wird sich nach Ansicht von Kowalewski wieder entspannen. "Wir rechnen mit sinkenden Preisen."
17 Minuten
Softwareanbieter VOQUZ Labs konnte im Halbjahr 2022 30 % Umsatzwachstum erzielen auf 1,8 Mio. Euro. CEO Martin Kögel: "Das ist genau das, was wir erwartet haben." VOQUZ hilft Unternehmen dabei, die SAP-Lizenzen optimal einzusetzen. Das bringt Einsparpotenzial. Ist das in solchen Zeiten mehr gefragt? Preisanhebungen wurden durchgesetzt, da die Mitarbeiterkosten steigen. Für das zweite Halbjahr wird weiterhin Wachstum erwartet. "Wir sind schon sehr stark Q4-lastig."
19 Minuten
Die Berichtssaison könnte spannend werden, denn die Aussichten der Unternehmen könnten darauf hinwiesen, ob und wie deutlich es zur Rezession kommt. Gregor Rosinger: "Ich bin seit 1985 als professioneller Investor tätig und ich habe schon sehr viel erlebt. Es ist immer so, dass die Rezessionsgefahr am Anfang unterschätzt wird. Dann gibt es die Thematik, dass es sich nur um eine technische Rezession handelt und irgendwann heißt es, es ist eine wirkliche Rezession. In all den Jahren ist es immer nach demselben Muster abgelaufen. Und somit rechne ich damit, dass es auch dieses Mal so sein wird, dass nach und nach Gewinnrevisionen bei Unternehmen veröffentlicht werden. Aber es wird nicht alle betreffen, es gibt immer Unternehmen, die einen Windfall-Profit machen". Man muss also selektiv vorgehen.
14 Minuten
Die Faktoren, die auf den Markt drücken, sind vielfältig: Energiekrise, steigende Zinsen, Rezessionsausblick, Krieg in der Ukraine. Die Märkte sind gefallen und laut Investmentberater Dr. Wolfgang Habermayer von MERITO müsste es das auch nicht gewesen sein: "Sowohl auf der Aktienseite als auch auf der Anleiheseite haben wir massive Korrekturen. Wenn Sie eine Referenz in die Marktentwicklungen der letzten Jahrzehnte nehmen, dann ist diese Korrektur noch nicht abgeschlossen. Wir stehen in einem derart schwierigen Marktumfeld, dass wir auf der Aktienseite sehr wohl nochmals 10-15 % Korrektur erwarten müssen". Auf der anderen Seite ist ja auch schon viel Korrektur in den Kursen, kann man da nicht bereits Schnäppchen einsammeln? "Ich würde raten, sich nicht verleiten zu lassen, auf vermeintliche Schnäppchenjagd zu gehen." Welche Faktoren sind jetzt besonders wichtig?
13 Minuten
Mit steigenden Zinsen werden Anleihen wieder zur Alternative. Fondsmanager Alois Wögerbauer: "Für Neuinvestments sehen wir das schon als attraktiv an. Denn wenn ich mir heute ein Renditeniveau von 4 % für fünf bis sechs Jahre sichern kann, dann hatten wir dieses Niveau zuletzt 2011/2012. Insofern glauben wir schon, dass die Assetklasse wieder zurückfindet. Der Schmerz von heute sind die Erträge von morgen, so ticken halt Anleihen." Das ist der wesentliche Unterschied zum Crash 2020: "Damals haben die Notenbanken Geld in Märkte gepumpt, jetzt ziehen Sie Geld ab. Jetzt geht es Richtung Normalität. Das ist schmerzvoll, aber alternativlos". Eine Rezession scheint nicht mehr ausweichlich. "Eine Rezession ist derzeit sehr wahrscheinlich. Aber wir müssen dem Wort den Schrecken nehmen."
18 Minuten
Die Wolftank Group ist Spezialist für Betankungsanlagen für LNG-Fahrzeuge und Wasserstoff-Tanken. Diese Themen sind inzwischen Topthemen in den Headlines, allerdings als Zukunftsthema. Noch ist entsprechende Infrastruktur wenig vorhanden und auch die entsprechenden Fahrzeuge nur wenig. Die Nachfrage ist dafür riesengroß. Und noch bringt auch das Segment mit umweltfreundlicher Reinigung von Anlagen der Petrochemischen Industrie ein gutes Geschäft ein. Wolftank CEO Dr. Peter Werth über das "Henne-Ei-Problem", die Halbjahreszahlen 2022 und seinen Ausblick für die nächsten Monate.
13 Minuten
Das Immobiliengeschäft ist ein Geschäft, das man früher als eher gut planbar und vielleicht sogar langweilig bezeichnet hätte. Das hat sich jetzt plötzlich geändert: zeitgleich treffen eine wahrscheinliche Rezession, Inflation, Energiekrise und Zinsanhebungen aufeinander. Man hört hier und da schon vom Ende des Immobilienbooms. Wie sehr hat sich Ihre Welt und das Geschäft als Immobilienunternehmen verändert im Jahr 2022? Athos CEO Manfred Pammer: "Es ist ein dramatischer Umbruch feststellbar." Die Athos Immobilien AG hat aber einen Wandel vorgenommen und setzt inzwischen fast nur noch auf den Bereich Wohnen, vor allem "leistbares Wohnen". "Wir haben einen guten Stock an ertragsstarken Immobilien und wir sind in einem Segment unterwegs, wo für den Mieter nicht mehr viel Platz ist nach unten." Die hohen Gewinne der letzten Jahre durch entsprechende Verkäufe wird es demnach so schnell nicht geben, gute Aussichten hat Pammer dennoch, immerhin kommen bald 100 neue Wohneinheiten hinzu.
6 Minuten
Heizen oder Kühlen von Immobilien ist ein Kostenfaktor, der derzeit auf dem Prüfstand steht, angesichts explodierender Preise für Strom und Gas. CA Immo beschreitet hier einen Sonderweg, und steuert den Energiebedarf intelligent. CEO Silvia Schmitten-Walgenbach: "Im Tower One in Frankfurt z.B. gibt es Sensoren, die messen, wie viele Menschen sich gerade dort aufhalten und die dann Heizen und Kühlen bedarfsgerecht steuern." Das Thema Energieeffizienz ist darüber hinaus seit Jahren fester Bestandteil im Konzept der CA Immo. "Wir sind eines der Gründungsmitglieder 2007 der Gesellschaft für nachhaltiges Bauen." Die Nachfrage nach Premium Büros ist sehr hoch, trotz oder gerade wegen des Trends zum "work from anywhere". "Die Unternehmen wollen ihren Mitarbeitern etwas Gutes tun. Aktuell hat ein Mieter seine Fläche sogar verdoppelt!"
8 Minuten
Die Porr AG hat im ersten Halbjahr 2022 ihre Produktionsleistung gesteigert um fast 11 % auf 2,7 Mrd. Euro. Die Baukosten sind seit 2020 um 25 % angewachsen, könnten aber an die öffentlichen und privaten Auftraggeber weitergegeben werden, so CFO Klemens Eiter. In der Baubranche gibt es genug zu tun: "Wir stecken in einer Energietransformation." Den steigenden Energiekosten begegnet das Unternehmen mit einer Umstellung der Anlagen auf den Kombibetrieb aus Öl und Diesel. "Das ist wirtschaftlich konkurrenzfähig und es gibt einen positiven Sustainability-Ausblick durch Einsatz von Bio-Diesel." Eiter sieht mehr Absatz im steigenden Zinsumfeld: "Wenn die Zinsen steigen und eine Abkühlung kommt, bringt das auch für uns eine Entspannung." Derzeit wird die Münchener Ludwigsbrücke saniert. "Und wir bauen in Hamburg das höchste Holz-Hybrid-Hochhaus Deutschlands."
12 Minuten
Eine alte Immobilienweisheit lautet: Die besten Käufe werden in der schwierigsten Zeit getätigt. Die UBM Development geht also mit gutem Beispiel voran, verhält sich antizyklisch und erwirbt deshalb am 13. September ein Grundstück im schicken Düsseldorfer Medienhafen. Doch CEO Thomas Winkler gibt auch zu, dass der "Höhepunkt des perfekten Sturms" noch nicht erreicht ist. Den steigenden Energiekosten möchte das Unternehmen mit grüner und smarter Bauweise vorbeugen. "Die Holzpreise haben sich in diesem Jahr halbiert. Wir leiden natürlich auch unter Baustoffen mit einer hohen Energiekapazität wie Stahl oder Zement." Ein weiterer Bauaspekt verbirgt sich hinter dem Schlagwort "more", auf deutsch: der Mehrwert eines Hotels oder Hochhauses mit Holz-Hybrid-Bauweise. Die Timber Factory (München), der Timber Peak (Mainz) und der Timber Pioneer (Frankfurt) haben einen eigenen Charakter und erzählen den Besuchern eine besondere Geschichte. So soll der Pioneer nach Fertigstellung in den Innenräumen nach Harz und Waldboden duften. Noch nicht entschieden ist, ob ein Specht oder Kuckuck akustisch die Gäste im Aufzug begleitet.
1 Stunde 2 Minuten
Dr. Gerd Kommer, Vermögensverwalter & Autor, und Wiener Börse-Chef Dr. Christoph Boschan sind sich einig: es ist Zeit zu handeln. Bürgerinnen und Bürger und den Staaten Deutschland und Österreich droht sonst Wohlstandsverlust. Hören Sie in diese Edition des Zukunftsforums hinein und gehen Sie mit den beiden Börsen-Profis der Frage nach, wie mehr Menschen von den hohen Aktienrenditen profitieren können und warum der deutschsprachige Raum in Punkto Investmentkultur Aufholbedarf hat. Die Geschichte, die gesellschaftliche Sicht auf das Unternehmertum aber auch das umlagefinanzierte Vorsorgesystem sorgen für niedrige Aktienquoten und Marktkapitalisierung im weltweiten Vergleich. Dabei sind die Zahlen eindeutig. Eine Übersicht inflationsbereinigter Renditen zeigt: Mit der Anlageklasse Aktien lukrieren Anleger langfristig die höchste Rendite. Denn, dank YouTube-Revolution und ETF-Sparplänen sind die Zugangsbarrieren heute so gering wie nie zuvor.
10 Minuten
Derivate Händler Sascha Flach, ICF Bank: "Die Wien Energie versorgt 2 Millionen Kunden mit Strom und Wärme. Die Wärme und den Strom generiert Sie durch das Verbrennen von Gas. Jetzt im Winter, wenn es ein schöner Tag ist, wird weniger Strom benötigt. Da Wien Energie aber die Wärme produziert, können sie den überschüssigen Strom an der Terminbörsen verkaufen. … Somit haben sie eine Jahreslieferung Strom für in 2 Jahren verkauft. An den Futures Märkten ist es ja so: ich bin nicht 1:1, sondern ich bin gehebelt. D. h. Ich hinterlege eine Marge und die Marge dient dann als Sicherheit und diese Sicherheit muss gewährleisten, dass dieser Kontrakt auch erfüllt werden kann. Jetzt sind aber die Kosten für den Strompreis extrem gestiegen. Deswegen mussten Sie Liquidität nachschießen. Aber das Geld ist ja nicht weg, wenn die in 2 Jahren die Energie liefern, dann hat sich das erledigt!"