Die Kulturfritzen Archiv
117 Episoden
55 Minuten
Es gibt wenig, was Roman Shamov nicht gemacht hat. Er arbeitete als Beleuchter am Maxim-Gorki-Theater, spielte das Glücksschwein vom MDR, war Barkeeper im Berghain und rief zahlreiche Musikprojekte ins Leben, darunter Rummelsnuff und Meystersinger. Zur Zeit spielt er die Hetero-Macker in Adels Zabels Trash-Comedy-Produktionen, mimt den Schurken in einer neuen Netflix-Serie, produziert ein neues Album und schreibt nebenher seine Biografie, die den Arbeitstitel "Krawall in mir" trägt. Mit Marc Lippuner spricht Roman Shamov über eine leise Kindheit, die ihn zum Lautsein zwang, über Fäuste in Puppen und Gurkensalat im Berghain, über die Liebe zu elektronischer Musik und die Seelenverwandtschaft mit Luci van Org, über Atemtherapie und Bühnenängste sowie über Selbstbekenntnisse am Mikrofon.
45 Minuten
Wie entwickelte sich die Berliner Kultur nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten? Welche Signalwirkung hatte die Bücherverbrennung weltweit? Wie reaktionär war das Kunstverständnis der Nazis? Hatte die sog. "Entartete Kunst" nach 1933 noch einen Wert? Welchen Schaden fügte der Nationalsozialismus der Kulturmetropole Berlin zu? Und welche Rolle spielte die verhasste "neue Frau" im NS-Staat? Diese und weitere Fragen beantwortet der Historiker Kai-Uwe Merz in seinem Buch "Monster Berlin". Marc Lippuner spricht mit dem Autor über die Eignung Gustaf Gründgens' als Coverboy des monströsen Berlins, über Lion Feuchtwanger, der ins Exil ging, über Erich Kästner und Hans Fallada, die da blieben, über Hitlers Stararchitekten Albert Speer und ihr ideologisches Projekt der Welthauptstadt Germania und vieles mehr.
44 Minuten
Zwischen Gleimviertel und Zionskirchplatz singt die Stadt Berlin in Klaus Ungerers Novelle "Das Fehlen" ihr großes Lied, ein Lied, das von Einsamkeit handelt. Ihr Protagonist geistert durch den Prenzlauer Berg, erfasst die Topografie des Jahn-Sportparks, der Cantianstraße, der Kastanienallee en detail und er verliert sich in Erinnerungen an vergangene Träume und verschwundene Menschen. Marc Lippuner spricht mit dem Journalisten und Autor Klaus Ungerer über die High Society von Prenzlauer Berg, über die Geburtstunde von Hertha BSC, über die Schwierigkeit von 100-seitigen Texten auf dem deutschen Buchmarkt und die Chancen eines Berliner Verlags, der sich der Novelle annimmt, sich von Goethe aber nichts vorschreiben lässt.
34 Minuten
Ursprünglich wollte Marc Rudolf Zauberer werden, nun verwandelt sich der gelernte Schauspieler seit zwanzig Jahren immer wieder in das glamouröse Showgirl Megy B. und präsentiert seinem Publikum musikalische Programme mit magischen Momenten. Mit Marc Lippuner spricht er über einen wegweisenden Ratschlag der Magier Siegfried und Roy, über die hohe Kunst der Travestie, über die Vorliebe für Georg Kreisler, über die Notwendigkeit sozialen Engagements und über die Entdeckung des Radios in Zeiten von Corona.
58 Minuten
Claire Waldoff war von 1907 bis 1935 der Star auf den Brettern der großen Kabaretts und Varietés - weit über Berlin hinaus. Ihre Lieder waren Gassenhauer, sie sang von den Sorgen, Nöten und Freuden der kleinen Leute. Bereits in der Kaiserzeit prägte sie das Bild der "neuen Frau", in den "Goldenen Zwanzigern" wurde sie zum Mittelpunkt des lesbischen Berlins. Nach 1933 knickte ihre Karriere ein, eine erfolgreiche Alterskarriere war ihr nicht vergönnt. Marc Lippuner spricht mit der Claire-Waldoff-Interpretin Sigrid Grajek über den großen Kabarettstar, der am 22. Januar 1957 im Alter von 72 Jahren starb.
32 Minuten
Die Liebermann-Villa am Wannsee ist das ehemalige Sommerhaus des Malers Max Liebermann (1847-1935) und seiner Frau Martha (1857-1943). Ein besonderer Ort, der mit dem heutigen Kunstmuseum und dem historischen Garten an die Geschichte der Familie Liebermann erinnert. Seit Februar 2020 leitet Dr. Lucy Wasensteiner die Geschicke des Hauses, das von der Max-Liebermann-Gesellschaft getragen wird. Marc Lippuner unterhält sich mit der promovierten Kunsthistorikerin über die wechselvolle Geschichte der Villa, über die Rolle des jüdischen Ehepaars Liebermann in der Berliner Gesellschaft und die Bedeutung Max Liebermanns für die Moderne, über die Herausforderung, ein Museum ohne institutionelle Förderung, dafür mit viel ehrenamtlichem Engagement zu leiten, über Strategien, Besucher:innen an den Stadtrand zu locken sowie über die geplante Vernetzung mit den Kultureinrichtungen der Nachbarschaft.
50 Minuten
Rainer Bielfeldt begann seine musikalische Karriere in den 1980er-Jahren als Alleinunterhalter auf Tanztees. Vor 30 Jahren erschien sein erstes Album. Er arbeitete viele Jahre mit Gayle Tufts und Tim Fischer, produzierte zahlreiche Kinder-Hörspiele, schrieb ein Chanson-Musical zu Irmgard Keuns Roman "Das kunstseidene Mädchen" und lehrt regelmäßig Liedinterpretation und Songwriting. Im letzten Jahr kehrte er Berlin den Rücken und baut nun im Wendland sein virtuelles Musikzimmer aus. Marc Lippuner spricht mit dem Musiker über frühe Karrierepläne und alte Bühnenängste, über schwulen Chanson-Pop und geschlechtsneutrale Liebeslieder, über die Vorteile des Unabhängig-Seins und die Schwierigkeiten des Selbstvermarktens, über die Lust auf deutsche Texte und den Überdruss am Großstadtleben.
46 Minuten
Die Theaterstücke des Berliner Autors Tobias Schwartz werden seit 15 Jahren an verschiedenen deutschen Bühnen aufgeführt, sein Debütroman "Film B" erschien 2007, sein aktueller Roman, eine 650 Seiten starke Familiengeschichte, heißt "Morpho Peleides". Darüber hinaus machte er sich in den letzten Jahren als Übersetzer der in Deutschland kaum bekannten britischen Autorinnen Shelagh Delaney (1938 - 2011) und Aphra Behn (1640 - 1689) einen Namen. Marc Lippuner spricht mit dem Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer über Schenkelklopfer von Virginia Woolf, über die erste Frau Englands, die vom Schreiben leben konnte, über die einzige Frau unter den Angry Young Men, über gut gemeinte Ratschläge von Günter Grass, über fehlende Kritik(en) und über blaue Schmetterlinge.
37 Minuten
Das 1986 eingeweihte Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße ist geliebtes und zugleich unliebsames Zeugnis der späten DDR-Geschichte. Im Rahmen des Denkmalschutzes verpflichtete sich der Bezirk Pankow zu einer künstlerische Kommentierung des Bronze-Monuments. Nach einem bundesweiten Wettbewerb wurde die Videokünstlerin Betina Kuntzsch mit der Realisierung ihres Entwurfs "Vom Sockel denken" beauftragt, einer künstlerischen Intervention aus fünf korallenroten Betonelementen und zehn dokumentarischen Film-Essays, die am 18. November 2021 der Öffentlichkeit übergeben wurde. Marc Lippuner spricht mit der Künstlerin über Videokunst in der DDR, über die Geschichte des Ortes, auf dem Anfang der 1980er-Jahre der Ernst-Thälmann-Park angelegt wurde, über die bereinigte Biografie des Namensgebers, über das seit seiner Entstehungszeit künstlerisch umstrittene Denkmal des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel, über die Notwendigkeit einer künstlerischen Kommentierung und die Entscheidung eines persönlich-historischen Zugangs sowie über die Hoffnung produktiver Auseinandersetzungen und einer freudvollen Inbesitznahme ihrer Installation.
46 Minuten
Wie entwickelte sich die Berliner Kultur in den ersten Jahren nach dem Krieg? Gab es eine Stunde Null? Wann wurde das erste Theater wiedereröffnet? Unterschied man zwischen Künstler:innen, die in Nazideutschland geblieben waren, und jenen, die aus dem Exil zurückkehrten? Welche Rolle spielten Funk, Film und Fernsehen im sowjetischen Sektor und auf dem Gebiet der Westalliierten? Und wie ideologisch entwickelte sich der Städtebau? Diese und weitere Fragen beantwortet der Historiker Kai-Uwe Merz in seinem Buch "Wüste Berlin". Marc Lippuner spricht mit dem Autor über die junge Hildegard Knef und den alten Gustaf Gründgens, über Bertolt Brecht, der nach Berlin zurückwollte, aber nicht unbedingt in den sowjetischen Sektor, über Johannes R. Becher, der Hans Fallada ermöglichte, seinen letzten Roman zu schreiben, und über Bauten des Stararchitekten Hans Scharoun, die sich zwischen den neoklassizistischen Zuckerbäckerbauten der Karl-Marx-Allee verstecken.
37 Minuten
BerlinBühnen ist das gemeinsame Online-Portal von mehr als 90 Berliner Opern, Theatern und Konzerthäusern, das zum einen die digitale und analoge Infrastruktur der Berliner Veranstaltungskalender sichert, zum anderen aber auch mit Spielplänen, Spielstättenportraits, einem Magazin und umfassenden Serviceseiten Kulturinteressierten einen guten Überblick über das bietet, was die Hauptstadt an Theater, Tanz, Musik und Show zu bieten hat. Marc Lippuner spricht mit der Chefredakteurin von [www.berlin-buehnen.de](http://www.berlin-buehnen.de) über die Entwicklung des Online-Portals von einer Datendrehscheibe zu einem Online-Kulturmagazin, über die Berliner Kulturprojekte GmbH, bei der das Portal zu Hause ist, über die Herausforderung einer digitalen Plattform, die aufs Analoge spezialisiert ist, digitale Angebote zu bündeln, sowie über die Sehnsucht nach der Wucht von Live-Bühnen-Events in pandemischen Zeiten.
1 Stunde 1 Minute
Der Schauspieler Hans-Jürgen Schatz engagiert sich seit vielen Jahren für den Erhalt historisch-bedeutsamer Berliner Grabstätten, indem er Benefizveranstaltungen organisiert, um denkmalgerechte Restaurationen zu finanzieren. Darüber hinaus hat er für eine Friedhofs-App mehr als 1.200 fundierte Texte zu interessanten Grabmälern eingesprochen, die aus einem Friedhofsbesuch einen Bildungs- und Kulturausflug machen können. Zum Totensonntag spricht Marc Lippuner mit seinem Gast über die Bedeutung dieses herbstlichen Trauertags, über die Faszination von Friedhöfen, die Herausforderung bei der Instandsetzung von Grabstätten und die Entwicklung der App "Wo sie ruhen".
36 Minuten
Isobel Markus erzählt Geschichten über Berlin und seine Menschen, die so vielfältig sind wie die Stadt selbst. Egal ob herzlich oder derb, schräg oder ganz gerade heraus: Sämtliche ihrer Protagonist:innen schleichen sich ausnahmslos direkt in Herz. Mit Marc Lippuner spricht Isobel Markus über die Lust am Beobachten und literarische Kurzformen, über Pontons unter Trauerweiden und Leuchtbuchstaben im Museum, über Vorlesevergnügen und das Wiederauflebenlassen künstlerischer Salons à la Rahel Varnhagen.
27 Minuten
Mit "Tote foltern nicht" hat Roland Gramling nach einer Reihe von Frankfurt-Geschichten seinen ersten Berlin-Roman vorgelegt, einen komplexen Krimi, in dem der Privatdetektiv Sören Petersen auf ein Netz aus Intrigen und undurchsichtigen Verstrickungen stößt, die von der schwulen Szene um den Nollendorfplatz bis ins Berliner Regierungsviertel reichen. Marc Lippuner spricht mit dem Autor über die Krimitauglichkeit Berlins, über Berliner Schauplätze, die literarisch noch zu unterbelichtet sind, über das Wesen einer detektivischen Romanhandlung und die Lust auf Fortsetzungsgeschichten.
55 Minuten
Im August 1944 setzten Adolf Hitler und Josef Goebbels ausgewählte Künstlerinnen und Künstler auf eine „Liste der Gottbegnadeten“, so dass diese fortan als unabkömmlich galten und von Front- und Arbeitseinsätzen verschont blieben. Viele dieser renommierten Akteure des nationalsozialistischen Kunstbetriebs setzten ihre künstlerische Arbeit nach 1945 nahtlos fort. Unter welchen Umständen dies möglich war, bespricht Marc Lippuner mit dem Kunsthistoriker Wolfgang Brauneis, der als Kurator der Ausstellung "Die Liste der 'Gottbegnadeten'. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik", die bis 5. Dezember 2021 im Deutschen Historischen Museum zu sehen ist, die Nachkriegskarrieren von zwölf Malern und Bildhauern, darunter Arno Breker, Richard Scheibe und Georg Kolbe, in den Blick genommen hat.