Ich lese was, was du auch liest! Archiv
50 Episoden
56 Minuten
Es geht mal wieder rund in unserem Podcast! Der Roman "Ein Königreich für eine Schnecke" von Maria Reva ist ein wahres Feuerwerk der Erzählkunst. Es geht um eine Schneckenforscherin, den Heiratsvermittlungsmarkt in der Ukraine, Feminismus und die Frage, wie es sich im Angesicht von Krieg erzählen lässt. Dieser Roman verlangt uns alles ab: Fabienne singt, Martina fasst bravourös zusammen, es gibt Inspo für ein Podcast-Wandtattoo und am Ende gibt es zum ersten Mal in der Geschichte des Podcasts eine außergewöhnlich einhellige Bewertung! Hört rein in diese Spoiler-reiche Folge.
58 Minuten
Die Sommerpause ist vorbei und wir sind zurück mit einem richtigen summer read: Im Malaysia der 90er-Jahre lernen sich der 17-jährige Jay und der 19-jährige Chuan kennen und lieben. Was mit einer steamy Sexszene beginnt, entpuppt sich als auf vier Bände angelegte Familien-Saga, die mit diesem ersten Band viele Handlungsstränge aufmacht und mit einem Cliffhanger endet. Ob wir finden, dass dieser Roman Drama, Spannung, nichts oder beides davon vorzuweisen hat, und ob wir auch die nächsten Bände dieses Quartetts lesen werden, erfahrt ihr in dieser Folge.
54 Minuten
Miku Sophie Kühmels Roman "Hannah" erzählt zehn Jahre im Leben der bildenden Künstlerin Hannah Höch, und zwar die Jahre zwischen 1926 und 1926, in denen sie mit der niederländischen Schriftstellerin Til Brugman zusammen war. Ein Leben das geprägt ist von der Kunst, von Reisen und von Freundschaften; aber auch vom Aufkommenden Faschismus und Deutschland. Wir tauchen ein in den Roman, der das Leben der beiden Künstlerinnen durch die Montage unterschiedlicher Versatzstücke erzählt: Originaldokumente, Szenen, Dialoge, Listen, und vieles mehr. In der aktuellen Folge besprechen wir, warum uns das auf dem Papier überzeugt hat, warum wir uns mehr "show" gewünscht hätten - vielleicht zum ersten Mal überhaupt -, ob das nicht etwa Fanfiction ist, die wir da lesen und ob Annie Erneaux ihre Blurbs selbst schreibt.
56 Minuten
Heldin Modesta wird am 1. Januar 1900 geboren und ist damit ein Aushängeschild des zwanzigsten Jahrhunderts. Ihre Geschichte ist jedoch alles andere als gewöhnlich: Erst bettelarmes Waisenkind in Sizilien, dann Novizin in einem strengen Kloster, wird sie zunächst Fürstin, dann Kommunistin und Widerstandskämpferin gegen den aufkommenden Faschismus. Ein Vorbild? Nur bedingt. Denn Modestas sozialer Aufstieg ist stets auf ihren eigenen Vorteil bedacht und erfordert eine ganze Reihe Bauernopfer. In dieser Folge haben wir uns gefragt, wofür eine Heldin wie Modesta denn nun eigentlich steht, ob die "Freude" im Titel wohl die Freude am Kampf bedeutet und ob die Aneignung eines männlich konnotierten Aufstiegsopportunismus wirklich so feministisch ist, wie man auf den ersten Blick meinen könnte.
34 Minuten
Januar ist bei uns traditionell Anlass zum Feiern, Anlass zur Rückschau und Anlass für Fabienne, wieder einmal eine Gesangseinlage zum Besten zu geben. Zu Beginn unseres verflixten siebten Jahres lassen wir das vergangene Jahr Revue passieren, sprechen über Lieblingsbücher 2025 und Bücherfails, fragen uns, was ihr, liebe Hörer*innen, wohl so für Musik hört, wenn ihr nicht gerade unseren Podcast hört, und vieles mehr. Danke für sechs tolle Jahre!
1 Stunde 2 Minuten
Die namenlose Schriftstellerin in Dorothee Elmigers Roman „Die Holländerinnen“ steckt in einer Schaffenskrise, und das zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Sie soll nämlich eine Poetikvorlesung abhalten. Kurzerhand berichtet sie deshalb darüber, was ihr Schreiben und ihr Dasein derart erschüttert hat: vor einiger Zeit hat sie einen Theatermacher bei einem seiner Projekte in den Dschungel Panamas begleitet. Dort waren wiederum ein paar Jahre zuvor zwei Holländerinnen verschwunden, und auf den Spuren dieser Holländerinnen bewegt sich das ganze Theaterprojekt. Was sich anhört wie der Anfang eines Horrortrips in den Dschungel ist genau das: ein Horrortrip in den Dschungel. Noch gruseliger wird es dadurch, dass alle Beteiligten abwechselnd seltsame oder unheimliche Anekdoten zum Besten geben. Warum Elmiger in dem Roman nahezu durchgehend die indirekte Rede verwendet? Was wir von den Vergleichen mit Conrads „Herz der Finsternis“ halten? Ob wir uns gegruselt haben? Die Antworten auf all diese Fragen, und noch vieles mehr, hört ihr in unserer aktuellen Folge.
1 Stunde 2 Minuten
Well, well, well, if it isn't the consequences of my own actions... Dieses Meme könnte von der Protagonistin aus Françoise Sagans Klassiker "Bonjour Tristesse" stammen. Die 17-jährige Cecile verbringt einen unbeschwerten Sommer mit ihrem Vater (Typus: Lebemann) am Mittelmeer, Sommerflirt mit einem jungen Studenten inklusive. Doch plötzlich macht ihr Anne einen Strich durch die Rechnung: Ausgerechnet diese verantwortungsbewusste, ernste Businessfrau will ihr Vater heiraten? Anhand einer ausgekügelten Intrige versucht Cecile, die Beziehung der beiden zu zerstören. Im Podcast besprechen wir, inwiefern der Roman, der bereits 1954 erschienen ist, unmoralisches Verhalten zeigt, wie seine Frauenfiguren zu bewerten sind und was Verantwortungsbewusstsein und das Erwachsenwerden damit zu tun haben.
59 Minuten
Die namenlose Ich-Erzählerin in Natasha Browns Roman "Assembly" hat eine 1A-Aufstiegsgeschichte hingelegt: als Kind jamaikanischer Eltern hat sie erfolgreich Schule und Universität besucht, sie ist im Finanz-Sektor in der Londoner City extrem erfolgreich, hat eine Eigentumswohnung gekauft und einen Boyfriend aus der britischen Upper Class. Häufig wird sie in Schulen eingeladen, um in Vorträgen ihre Geschichte zu erzählen, die als Vorzeigebeispiel für eine mustergültige Aufstiegserzählung herhalten soll. Doch obwohl sie äußerlich alles erreicht zu haben scheint, treibt die Protagonistin eine große Anspannung um und an. Die täglichen Erfahrungen von rassistischer und sexistischer Diskriminierung; das Gefühl, in ihrer Arbeit und in ihrer Beziehung zum Objekt gemacht zu werden; als Vorzeigemodell der britischen Gesellschaft herhalten zu müssen, die vermeintlich das historische Erbe des Kolonialismus überwunden hat - all das treibt die Ich-Erzählerin um, während sie äußerlich perfekt funktioniert. Doch sie verweigert sich all diesen Anforderungen zunehmend, und zwar auf eine radikale und überraschende Weise. In der aktuellen Folge sprechen wir darüber, wie Natasha Brown in "Assembly" das Aufsteigernarrativ auseinandernimmt, um es anders (oder vielleicht auch gar nicht) zusammenzufügen.
1 Stunde
Es ist mal wieder Zeit für einen Klassiker! In unserer aktuellen Folge sprechen wir über Virginia Woolfs Roman „DieWellen“ bzw. „The Waves“. Ein Buch, das laut Aussage seiner Autorin keine Figuren hat. Ein Buch, in dem sechs Stimmen zu Wort kommen. Ein Buch, in dem es – möglicherweise – um Themen wie Freundschaft, Identität, Zeit, Leben, Kunst und vieles mehr geht. Wir waren gleichermaßen angetan und überfordert.
57 Minuten
Was machen vier queere Personen, die auf dem Dach eines Hochhauses gefangen sind? Sie arbeiten harmonisch zusammen und lösen gemenisam das Problem, oder? Natürlich nicht, denn so schreibt sich keine Geschichte. Auf Hengameh Yaghoobifarahs Hochhausdach wird ordentlich gestritten, schließlich haben drei der Insassen offene Rechnungen mit Ava, die alle gleichzeitig poly datet, aber das mit der Kommunikation nicht so recht drauf hat. Ob uns die queeren Struggles und Geschichten der vier Protagonist*innen überzeugt haben und warum Fabienne das Ende "unlauter" fand, erfahrt ihr in dieser Folge.
58 Minuten
In unserer neue Folge reisen wir - trotz Erkältung, im Falle Martinas - nach Vietnam. "Der Gesang der Berge" der vietnamesischen Autorin Nguyen Phan Que Mai ist nichts weniger als ein epischer Rundumschlag: Der Roman erzählt die Geschichte der Familie Tram aus der Perspektive von Großmutter Dieu Lan und ihrer Enkelin Huong, von den 1920 Jahren bis in das Jahr 2017. Auch die wechsel- und oft gewaltvolle Geschichte Vietnams spielt in diesem Roman eine Hauptrolle. Von französischer Kolonialzeit über Landreform bis zum Vietnamkrieg prägt die "große", nationale Geschichte die "kleine" intime Geschichte der Familie. Ein ganz schön großer Rundumschlag, den sich Nguyen Phan Que Mai mit ihrem auf Englisch geschriebenen Buch da vorgenommen hat. Ob dieser Rundumschlag auf allen Ebenen gelungen ist, erfahrt ihr in dieser Folge!
50 Minuten
Die Ich-Erzählerin von "Die Wunde" rückt gleich zu Beginn mit der Sprache heraus: Ihre Mutter ist in Folge einer Krebserkrankung verstorben und Oxana möchte ihre Asche zurück in deren Heimatort bringen. Daraufhin folgt aber kein arthouse-mäßiger Roadmovie mit sentimentalen Rückblenden, sondern eine nichtlineare Auseinandersetzung mit Trauer und Trauma, mit einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung und der Frage, wie und ob man über die eigene Mutter schreiben kann. Ein komplexer Roman, über den sich Fabienne und Martina nicht ganz einig waren.
43 Minuten
Es ist wieder soweit: Zum fünften Mal schon jährt sich der Geburtstag unseres Buchpodcasts - ein Grund zu Feiern! Wie schön, dass ihr uns begleitet, wenn Fabienne wieder ihre musikalischen Talente zum Besten gibt, während Martina eruiert, welches Jubiläum 5 Jahre sind (Schere? Stein? Papier?). Wir sprechen über unsere schlimmsten und unsere schönsten Leseerfahrungen, welche Bücher wir niemals lesen werden und warum, und natürlich darf auch unser Jahr in Büchern nicht fehlen.
42 Minuten
Neues Jahr, neuer Buchpreis: Dieses Jahr ging der Preis an Martina Hefters Roman "Hey Guten Morgen, wie geht es dir?" Wir sprechen darüber, was zur Hölle "choreografische" Literatur sein soll, warum hier alle wie Götter heißen und ob der Roman oder seine Heldin als Midcult klassifiziert werden können. Unsere Meinungen gehen wieder einmal ziemlich auseinander.
56 Minuten
Es herrscht Zwietracht im Hause "Ich lese was, was du auch liest"! Denn wir sind uns sehr uneinig über Jenny Erpenbecks Roman Kairos, der von einem ungleichen Liebespaar, der 19-jährigen Katharina und dem 34 Jahre älteren Hans handelt, die sich im Ostberlin kurz vor der Wende ineinander verlieben. Schon bald wird Hans Katharina gegenüber emotional wie physisch missbräuchlich. So weit, so problematisch. Obwohl der Roman gespickt ist mit "boomermaßigen" bzw. "bourgeoisen" (die eine sagt so, die andere so) Anspielungen konnte er dennoch eine von uns überzeugen, die andere nicht.