Auf den Tag genau Archiv
2057 Episoden
6 Minuten
Was man im Herbst noch hinzunehmen geneigt ist, wird im Frühjahr jedes Jahr auf’s Neue zur bösen Überraschung: die Zeitumstellung. Dabei gibt es die Diskussion über die Sommerzeit seit ihrer Einführung im Kriegsjahr 1916. Als sie drei Jahre später direkt wieder abgeschafft wurde, blieben die Debatten hitzig. Nicht zuletzt aus volkswirtschaftlicher Perspektive sei die bestmögliche Nutzung natürlichen Tageslichts absolut notwendig. Am 2.3. 1920 druckt so auch die Berliner Morgenpost ein starkes Plädoyer für die schnellstmögliche Verabschiedung eines Sommerzeitgesetzes durch die Nationalversammlung. Es liest Paula Leu.
5 Minuten
Das Staatliche Bauhaus Weimar unter der Leitung von Walter Gropius hatte von Anfang an viele Kritiker oder gar Feinde. Die Angriffe auf das Bauhaus waren nicht selten Angriffe auf die Kunstfreiheit, wie auch der Polizeieinsatz im Atelier des Malers und Graphikers Prof. Walther Klemm, über den die Vossische Zeitung am 1. März 1920 berichtet. Gelesen von Frank Riede
9 Minuten
1918 war der erste Band von Oswald Spenglers ‚Der Untergang des Abendlands’ bei C.H. Beck erschienen und schnell zu einem der wichtigsten und polarisierendsten Bücher der Nachkriegsjahre geworden. Am 29. Februar 1920 druckt auch das Berliner Tageblatt eine enthusiastische Rezension, welche das Werk weniger als Morphologie, wie es Spengler selbst genannt hatte, sondern als eine wahre ‘Kosmologie der Weltgeschichte’ verstanden wissen will. Es liest Frank Riede.
7 Minuten
Zeitungen, auch die der jungen Weimarer Republik, lebten und leben von wiederkehrenden Rubriken. Eine solche war im Berliner Tageblatt der Nachkriegsjahre die Rubrik ‚Was das Leben anderswo kostet‘. Am 28. Februar 1920 wird hier ein Blick über den Kanal geworfen und die rapide Teuerung der Lebenshaltungskosten im England dieser Zeit detailliert analysiert. Gelesen von Paula Leu.
6 Minuten
Am 27. Februar 1920 hatte ein Meilenstein der Filmgeschichte in Berlin Premiere: im Filmtheater „Marmorhaus“ wurde „Das Cabinett des Dr. Caligari“ uraufgeführt. Die durch grotesk verzerrte Kulissen, harte Kontraste und das Spiel mit – teilweise gemaltem – Schatten neuartige Ästhetik rief ablehnende und begeisterte Reaktionen hervor. Die BZ am Mittag ist voll des Lobes. Es liest Paula Leu.
7 Minuten
Die Pariserin ist seit jeh her ein Klischee von enormer Strahlkraft. Am 26.2.1920 überprüft für die BZ am Mittag Gusti Haas das Bild der Pariserinnen unter den Bedingungen der Nachkriegsjahre. Ob es sich um einen Autor oder eine Autorin handelt, konnten wir nicht herausfinden. Was denken Sie? Hat den Text eine Frau oder ein Mann verfasst? Schreiben Sie einen Kommentar oder eine Mail an aufdentaggenau@posteo.de. Es liest Frank Riede.
8 Minuten
Schon in den 1920er Jahren war Berlin international für sein reges, vielfältiges Musikleben berühmt. Weit stärker als heute fand dieses seinerzeit seinen Niederschlag auch in den Tageszeitungen, die in ausführlichen Umschauen regelmäßig aus den Konzertsälen der Stadt berichteten. Im Mittelpunkt der Kritik der Vossischen Zeitung vom 25.2.1920 standen dabei zwei Veranstaltungen, die mit einigen auch heute noch klangvollen Namen aufwarten konnten: mit dem von Richard Strauss, der an besagtem Wochenende nicht nur mit eigenen Werken, sondern mit der Staatskapelle zudem als Beethoven-Dirigent zu erleben war. Und mit dem des Neue-Musik-Spezialisten Hermann Scherchen, welcher im Rahmen der Volksbühnenkonzerte mehrere Werke Arnold Schönbergs in Berlin zur Diskussion stellte. Es liest Paula Leu.
6 Minuten
Die Reformpädagogik der italienischen Ärztin Maria Montessori fand in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts weltweit Anhänger. Ihre Montessori-Methode wandte sich gegen eine autoritär geprägte Erziehung und suchte die Entwicklung des Kindes aus seinen eigenen Impulsen und Wünschen heraus zu fördern. Von den ersten Schritten dieser reformpädagogischen Bewegung in Deutschland berichtet ein Beitrag im Vorwärts vom 24. Februar 1920. Gelesen von Frank Riede.
5 Minuten
Das berühmte Bonmot, wonach es für Zeitungen nie gut sei, wenn sie in der Zeitung stünden, galt auch schon 1920. Dass die Tägliche Rundschau am 23.2.1920 in eigener Sache berichten musste, war der blanken ökonomischen Not geschuldet: Die allgemeine Explosion der Material- und Lohnkosten hatten mittlerweile auch den Zeitungsmarkt erreicht und die deutschen Zeitungsverleger zu einer Krisensitzung in Weimar versammelt. In deren Ergebnis wendet sich die Rundschau mit einem Notschrei an ihre Leser. Gelesen von Paula Leu.
9 Minuten
Für den viel erhobenen Vorwurf, dass die Gerichte der Weimarer Republik auf dem rechten Auge blind gewesen seien, ist die juristische Aufarbeitung des ersten Attentats auf den Reichsfinanzminister Erzberger vom 28. Januar 1920 ein überaus anschauliches Beispiel. Der Täter, Oltwig von Hirschfeld, wurde zu einer nur geringen Haftstrafe verurteilt, wobei ihm etliche grotesk anmutende strafmildernde Umstände zugebilligt wurden. Von den Plädoyers und dem Inhalt des Urteilsspruchs berichtet in ihrer Ausgabe vom 22.2.1920, weitgehend ungerührt, die Berliner Morgenpost. Gelesen von Frank Riede.
6 Minuten
Die Sorge, dass eine zu sprunghafte Anhebung der Tabaksteuer ihr Ziel verfehlen und ein ‘Ausweichverhalten der Raucher‘ provozieren würde, hegte nicht erst die für dieses Wort vielkritisierte einstige bundesdeutsche Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Ein ähnliches Argument findet sich auch schon in der Berliner Morgenpost vom 21.2.1920, die nicht glaubt, dass irgendjemand wegen der drastischen neuen ‘Banderolenabgabe‘ auf Tabakwaren, die die Reichsregierung unter dem Druck der galoppierenden Kriegsfolgekosten beschlossen hatte, von der Zigarette ließe. Die Raucher würden vielmehr fortan zu ausländischen Produkten greifen und damit das Ende der deutschen Zigarette und mit ihr Tausender Arbeitsplätze einläuten. Es liest Paula Leu.
9 Minuten
Heute fast schon in Vergessenheit geraten: Bis sage und schreibe 1951 galt in Deutschland ein sogenannter Lehrerinnenzölibat, d.h. Pädagoginnen, die eine Ehe eingingen, hatten ihren Dienst an der Schule umgehend zu quittieren und verloren damit über Nacht mit ihrem Beamtinnenstatus alle damit verbundenen Ansprüche. Einen ersten, nur kurzfristig erfolgreichen Versuch der Abschaffung dieser Regelung versuchte mit Hinweis auf die seit 1919 verfassungsmäßig festgeschriebene Gleichberechtigung der Geschlechter die junge Weimarer Republik. An dem hieraufhin stürmisch aufbrausenden Pro&Contra beteiligte sich am 20.2.1920 auch das Berliner Tageblatt. Der Gastbeitrag des Geheimen Justizrates Hugo Freudenthal betrachtet die Causa dabei von einer sehr nüchtern-rechtskundlichen Seite. Es liest Frank Riede.
9 Minuten
In der Büchse der Pandora, die der Erste Weltkrieg geöffnet hatte, befanden sich neben reichlich anderen Übeln auch einige bislang, wenn nicht unbekannte, so doch noch wenig verbreitete Rausch- und Nervengifte, mit denen man zunächst die Beschwerden der Soldaten im Feld zu lindern, ihrer Leistungsfähigkeit zu steigern versucht hatte. Unter den Überlebenden kehrten entsprechend viele als Kokainisten aus den Schützengräben ins zivile Leben zurück und ließen durch ihre Nachfrage binnen kurzem überall in den Großstädten die entsprechenden Schwarzmärkte aus dem Boden sprießen. Der sozialdemokratische Vorwärts vom 19.2.1920 nimmt sich dieser Thematik an. Es liest Frank Riede.
8 Minuten
Beim Begriff ‘Urban Gardening‘ denkt man heute an ein Lifestyle-Phänomen großstädtischer Hipster. Die Idee, auch auf städtischen Brachflächen Ackerbau zu betreiben, ist jedoch wesentlich älter. Nachdem die Not des Ersten Weltkriegs die darbenden Stadtbewohner regelrecht dazu zwang, mit ein paar selbst gezogenen Kartoffeln den Hunger zu bekämpfen, gab es in den auch weiterhin entbehrungsreichen Nachkriegsjahren politische Pläne, diese landwirtschaftlichen Ansätze in der Stadt systematisch auszubauen. Der Vorwärts vom 18.2.1920 berichtet über entsprechende Überlegungen, indem er den Stadtbaurat von Berlin-Schöneberg zu Wort kommen lässt. Es liest Paula Leu.
9 Minuten
Die Frage der Auslieferung einer Reihe als solcher benannter Kriegsverbrecher an die Alliierten wurde in der jungen Weimarer Republik heftig diskutiert. Nicht nur auf der äußersten Rechten befürchtete man einen Schauprozess, der die Souveränität des neuen Staatsgebildes massiv untergraben könne. Entsprechend positiv wurde das vorläufige Zugeständnis der Alliierten, auf die Auslieferung zu verzichten und das Urteil über die Angeklagten dem Reichsgericht in Berlin zu überlassen, auch in der Vossischen Zeitug vom 17. Februar aufgenommen. Gelesen von Frank Riede.