Auf den Tag genau Archiv
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7 Minuten
Geheiratet wird immer. Dass es allerdings auch unter den materiell erschwerten Bedingungen der unmittelbaren Nachkriegszeit einen wahren Ansturm auf die Standesämter gab, wundert den Kommentator der BZ am Mittag vom 16. Februar. Schaue man sich an, was eine Brautausstattung im Jahre 1920 kostet und wie schwer sie überhaupt zu beschaffen sei, so müsse man wohl ein rechter Hasardeur sein, um gegen alle diese Widerstände das Abenteuer Ehe doch zu suchen. Es liest: Paula Leu.
4 Minuten
Der Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war gekennzeichnet von einer Revolution des Verkehrswesens. Hatten zunächst immer umfangreichere Fernzugverbindungen die Enden der Welt näher aneinander gerückt, so sollten insbesondere die 1920er den Flugverkehr ins Zentrum des Interesses rücken. Am 15.2.1920 berichtet die Vossische Zeitung nicht zufällig von einem durch das englische Kriegsamt finanzierten Pionierflug von London über Kairo bis nach Kapstadt. Gelesen von Frank Riede.
9 Minuten
So groß die materielle Not der Nachkriegszeit in der Kapitale Berlin war – noch viel dramatischer stellte sich die Situation in manch anderen, abgelegenen Regionen des Landes dar. Zu den diesbezüglich ganz besonders gebeutelten Gegenden zählten, in Sachsen, das westliche Erzgebirge und das obere Vogtland, wo fatale Missernten die Versorgungsmisere mit Nahrungsmitteln potenziert hatten. In der sozialdemokratischen Tageszeitung Vorwärts findet sich am 14.2.1920 ein eindringlicher Bericht über das Leid speziell der Erzgebirgler-Kinder, der mit einem beschwörenden Hilfsappell an die Öffentlichkeit schließt. Es liest Paula Leu.
6 Minuten
Die jüdisch-österreichische Sängerin und Schauspielerin Fritzi Massary gehörte zu den großen Stars im Berlin des frühen 20. Jahrhunderts. Am 12. Februar 1920 bekleidete sie die Hauptrolle in der Uraufführung der Operette Der letzte Walzer von Oscar Straus und feierte in dieser nicht nur einen rauschenden Erfolg beim breiten Premierenpublikum. Sichtlich hingerissen von ihr zeigt sich auch der renommierte Musikpublizist Oscar Bie am folgenden Tag in seiner Premierenkritik im Berliner Börsen-Courier. Es liest Paula Leu.
5 Minuten
Bei aller wirtschaftlichen und sozialen Misere der Nachkriegsjahre: Im Berlin des Frühjahrs 1920 gab es gleichzeitig durchaus auch einige Anzeichen für eine baldige Rückkehr zum mondänen Alltag einer europäischen Metropole. So fand im Februar etwa wieder eine Modewoche statt, an der sich zahlreiche Berliner Einzelhändler beteiligten – und über die das Flaggschiff des mächtigen Ullstein-Verlags, die Berliner Morgenpost, in ihrer Ausgabe vom 12.2.1920 nicht frei von Lokalpatriotismus berichtet. Gelesen von Frank Riede.
7 Minuten
Die herausgehobene Stellung, die die Weimarer Verfassung der Position des Reichspräsidenten einräumte, wurde nicht erst von nachgeborenen Historikern problematisiert. Ihre Gefahren wurden schon früh auch von einigen Zeitgenossen erkannt. Im Berliner Börsen-Courier vom 11.2. 1920 findet sich ganz in diesem Sinne eine leidenschaftliche Warnung davor, den Präsidenten direkt vom (in puncto Demokratie noch allzu unerfahrenen) Souverän bestimmen zu lassen. Eine solche Volkswahl würde autoritären, mutmaßlich adligen Republikfeinden von rechts beste Chancen geben, die junge deutsche Demokratie zu kapern – und im schlimmsten Fall selbst einen Reichspräsidenten Hindenburg möglich erscheinen lassen. Es liest Frank Riede.
9 Minuten
Der Sozialismus war das Ziel aller sozialistischen Parteien nach dem 1. Weltkrieg. Über den Weg dorthin aber gab es durchaus unterschiedliche Meinungen. Am 10.2.1920 distanziert sich der SPD-nahe „Vorwärts“ vom sowjetischen Weg zum Sozialismus und formuliert eine ‚Kritik am Bolschewismus‘. Statt durch gewaltsames Vorgehen auch in Deutschland einen Bürgerkrieg zu provozieren, gelte es, für die eigenen Ideale mit den legalen Mitteln der Politik zu kämpfen. Nur so lasse sich ein neuer, durch Nationalismen befeuerter Flächenbrand vermeiden und eine stabile Friedensordnung finden. Gelesen von Frank Riede.
5 Minuten
Die Berliner Wohnungsnot hatte zu Beginn des Jahres 1920 auch das Hotelgewerbe in Schwierigkeiten gebracht: Die Zahl der Zimmer war der Nachfrage nicht mehr gewachsen. Mit der Eröffnung des ersten Schlafwagen-Hotels wollte man der Misere auf besonders findige Weise begegnen. Auf den Abstellgleisen des Anhalter Bahnhofs konnten Unterkunft Suchende die Nacht in Schlafwagen verbringen – Eisenbahnromantik inklusive. In der Vossischen Zeitung vom 9.2.1920 findet sich ein begeisterter Bericht. Gelesen von Paula Leu.
8 Minuten
Mit einigem Recht kann Haarausfall als eine Geißel der Menschheit bezeichnet werden. 1920 aber sah man sich einem Ende der Glatze nah: Basierend auf Versuchen des großen Tierphysiologen und Pioniers der Luftfahrtforschung, Nathan Zuntz, der sich während des Krieges Fragen der Volksernährung zugewandt hatte, war man auf einen Zusammenhang des Wollwachswachstums von Schafen mit der Zusammensetzung ihres Futters gestoßen. Keine geheimnisvollen Tinkturen, sondern proteinreiche Nahrung ließ die Haare der Tiere sprießen. Gleiches, so das Argument Professor Dr. Carl Oppenheimers im Berliner Tageblatt vom 8.2.1920, lässt sich auch für den Menschen vermuten. Der Kahlkopf könnte somit schon bald der Vergangenheit angehören. Gelesen von Paula Leu.
7 Minuten
Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrags war Ostpreußen durch den polnischen Korridor vom Reich abgetrennt und der Verkehr materieller wie ideeller Güter deutlich erschwert worden. Wie genau sich die so entstandene ‚Insel‘ entwickeln würde, war zu Beginn des Jahres 1920 aber noch nicht sicher. Würde die Provinz mit ihrem Zentrum Königsberg verarmen und alle Bedeutung verlieren? Würde sie sich in die neue Friedensordnung einfügen oder zum Hort des reaktionären Widerstands werden? In einem am 7.2.1920 von der Vossischen Zeitung abgedruckten Kommentar ihres Sonderberichterstatters Julius Elbau wird deutlich, wie sehr die politische Sprengkraft der sich im Ostpreußen dieser Zeit formierenden rechten Strukturen auch von ausgewiesenen Kennern der Situation unterschätzt wurde. Es liest Frank Riede.
8 Minuten
Der Unmut mit den Inhalten des Versailler Friedens beschränkte sich im Deutschland der Nachkriegsjahre keineswegs auf erznationalistische Kreise, sondern zog sich quer durch quasi alle politischen Lager (und hatte etwa auch den ersten demokratisch gewählten Reichskanzler Scheidemann zum Rücktritt veranlasst). Auf besonders erbitterten Widerstand stieß u.a. die von den Alliierten dort vertraglich fixierte Auslieferung von 895 prominenten deutschen Politikern und Militärs. Gegen diese Forderung bzw. deren Erfüllung wandte sich am 6.2.1920 auch ein Kommentar des Berliner Tageblattes. Es liest Frank Riede.
5 Minuten
Das Kulturleben der 1920er Jahre war, zumal in Berlin, reich an sogenannten Theaterskandalen. Die von der Weimarer Verfassung vollzogene Abschaffung der Zensur öffnete auch der Bühnenkunst völlig neue Wege, die nicht selten selbsternannte Hüter der Moral auf den Plan riefen. In ihrem Ansinnen, vermeintlich unverhandelbare ästhetische und gesellschaftliche Normen gegen revolutionäre Künstler zu verteidigen, überschritten jene dabei zugleich nicht selten ihrerseits jäh jegliche Normen des Zuschauerverhaltens. Zu diesem Thema liest aus dem Berliner Tageblatt vom 5.2. 1920: Paula Leu.
8 Minuten
Die Wirren der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg bildeten, neben vielem anderen, einen fruchtbaren Nährboden auch für die verschiedensten Variationen von Esoterik und Parawissenschaft. Unter dem Titel ‘Die Prophezeiungen des Nostradamus‘ widmet sich die B.Z. am Mittag vom 4.2. 1920 weniger konkret den Weissagungen des gleichnamigen frühneuzeitlichen französischen Gelehrten, als sie diese zum Anlass nimmt, über Okkultisten und Okkultismen der Zeit zu spotten. Gelesen von Paula Leu.
8 Minuten
Anfang 1920 erschien im Ernst Rowohlt Verlag die bis heute wohl wichtigste Anthologie expressionistischer Lyrik: Kurt Pinthus‘ Menschheitsdämmerung. Der Berliner Börsen-Courier widmet dieser am 3.2. eine ausführliche Rezension, für die Dichterkollege Hans Benzmann verantwortlich zeichnet. Benzmann ist voller Lob für Pinthus‘ Zusammenstellung des Buches. Zugleich distanziert er sich persönlich von der revolutionären Kunst des deutschen Expressionismus und verleiht seiner Hoffnung Ausdruck, die Poesie möge zukünftig wieder zu volkstümlicheren Formen zurückfinden. Gelesen von Frank Riede.
4 Minuten
Sogenannte Leibesübungen nahmen in den Berliner Tageszeitungen Anfang der 1920er Jahre noch keinen großen Raum ein. Zu den wenigen Blättern, die sich überhaupt eine eigene Sport-Seite leisteten, zählte die B.Z. am Mittag. Auf dieser berichtete sie am 2.2. 1920 u.a. von den Berliner Fußballspielen des zurückliegenden Wochenendes und wagte am Ende des Artikels sogar einen Blick über den Tellerrand der lokalen Verbandsliga hinaus auf das Derby zwischen den beiden stärsten süddeutschen Clubs, der Spielvereinigung Fürth und dem 1. FC Nürnberg. Es liest Paula Leu.