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Auf den Tag genau Archiv

2057 Episoden
10 Minuten
Der Monte Olivia war im Oktober 1924 bei Blohm&Voss vom Stapel gelaufen und für die großen Südamerika-Fahrten bestimmt. Eine erste kleine Spritztour für Hamburger Honoratioren und neugierige Journalisten führte indes nur die Elbe abwärts, wo sich ein Vertreter des Hamburger Anzeigers vor allem von den kulinarischen Möglichkeiten an Bord schwer beeindrucken ließ, um in der Ausgabe vom 7. April 1925 ausführlich davon zu berichten. Eine richtige Erfolgsgeschichte, wissen wir heute, wurde der Monte Olivia dennoch nur zum Teil. Da das Südamerika-Geschäft schwächelte, setzte man ihn bald vermehrt auf Kreuzfahrten in nördlichen Gefilden ein, ab 1934 vermehrt auch für Kraft-durch-Freude-Fahrten. Ab 1940 diente er schließlich als Wohnschiff für die Kriegsmarine sowie als Lazarettschiff und kenterte nach einem Bombentreffer der Royal Air Force am 3. April 1945 in Kiel. Verschiedene Preziosen, darunter das Tafelsilber des Monte Olivia, wurde erst 2022 durch Taucher gehoben und sollen demnächst im Internationalen Maritimen Museum in Hamburg ausgestellt werden. Wie es sich mit jenem früher speiste, weiß Rosa Leu.
8 Minuten
Wie sah London aus der Luft betrachtet aus? Wie kann der Staat eine regionale Käsesorte vor Nachahmung schützen? Woher stammt die Bezeichnung „Gründonnerstag“. Und: Wie reinigen die Vögel ihre Nester? Die Übersicht der Themen der heutigen Folge lässt bereits erahnen, dass wir uns in den kleineren vermischten Meldungen des Feuilletons tummeln. Wir tun dies mit den Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 6. April 1925, die damals bereits seit über 80 Jahren gedruckt wurde. In den Jahren nach 1912 erlebte sie einen enormen Auflagenzuwachs und in der Folgezeit ihre größte Reichweite und Bedeutung. Traurige Berühmtheit erlangte diese sechs Mal die Woche erscheinende Tageszeitung nach der Jahrtausendwende, als sie die deutsche Tageszeitung mit den größten Auflageverlusten wurde und folgerichtig im Jahre 2013 eingestellt wurde. Es liest Frank Riede.
7 Minuten
Keine Ahnung, wann das angefangen hat mit den Eltern, die ihre Ambitionen und ihren Ehrgeiz auf ihre Kinder projizieren. Das ist ein Dauerthema, ob es um Aufnahmeprüfungen an Gymnasien geht, oder das frühchinesisch in Kindertagesstätten. Dass das nicht zwangsweise spurlos an den Kindern vorübergeht, war schon vor 100 Jahren klar. Das Hamburger Echo veröffentlicht in der Ausgabe vom 5. April 1925 einen mahnenden Appell, der eine Verbindung des Ehrgeizes der Eltern und der Selbstmordrate der Schüler*innen gemacht wird. Rosa Leu mahnt uns.
8 Minuten
Demokratische Wahlen sind eine ernste Angelegenheit. Dennoch haben sie bisweilen auch ihre heiteren Seiten. Das Pinneberger Tageblatt hat erst vor wenigen Tagen mit einem Besuch beim Reichswahlleiter hier im Podcast debütiert. Neben den dort zur Sprache gebrachten wichtigen Informationen über Organisation und Ablauf der Reichspräsidentenwahl des Jahres 25 konnte die Redaktion bei diesem Lokaltermin offensichtlich auch einige Kuriosa in Erfahrung bringen, die jenen Urnengang begleiteten, und verfrühstückte sie journalistisch mit einigen weiteren Anekdoten aus anderen Quellen. Was für dabei Artikel dabei am 4. April 1925 herausgekommen ist, weiß Frank Riede.
8 Minuten
Zu den Dienstleistungen der Tageszeitungen vor 100 Jahren gehörte es, der Bevölkerung in der Stadt oder Region, in der sie erschienen, Ausflugstipps und insbesondere Wanderrouten zu empfehlen. Diese wurden oft mit Kilometer- und Zeitangaben und genauen Wegbeschreibungen präsentiert. Am 3. April 1925 schickte der Hamburger Anzeiger seiner Leser*innen auf die Wanderroute von Blankenese über Schulau und Wedel nach Rissen. Blankenese war damals schon lange nicht mehr das Hangdorf, in dem Lotsen und Kapitäne ihren Ruhestand verlebten, aber sicherlich noch nicht so sehr bürgerliches Villenviertel. Wie viele dicht befahrene Straßen man heute auf dem beschriebenen Spaziergang überqueren muss und wie malerisch die Naturlandschaft ist, können wir nicht beurteilen, empfehlen aber unseren Hörer*innen aus der Gegend dies zu überprüfen. Wo es genau lang geht, sagt uns Rosa Leu.
6 Minuten
Giacomo Casanova, entnehmen wir seinem Wikipedia-Eintrag, war „promovierter Jurist, Schriftsteller und Bibliothekar, Dichter, Philosoph und Übersetzer, Chemiker, Alchemist, und Mathematiker, Historiker und Diplomat, Glücksspieler und Geheimagent, Freimaurer und Abenteurer“; auch sein Wirken als Violinist und Kleriker beschreibt der Artikel im Weiteren noch. An all das denken wir in der Regel freilich nicht, wenn sein Name genannt wird. Heute, im Jahr seines 300. Geburtstages, ist sein Name genau wie vor zweihundert Jahren, als man ihm zum 200. gratulierte, vielmehr Synonym für erotische Ausschweifungen und deren literarische Verarbeitung. All das verleugnete die Würdigung des sozialdemokratischen Hamburger Echo vom 2. April 1925 nicht; immerhin benennt der Artikel aber auch noch ein historisch-materialistisches Argument, weshalb man sich mit Casanova befassen dürfe. Welches, weiß Frank Riede.
6 Minuten
Bei der Zentrumspartei handelt es sich bekanntlich um eine Vorgängerpartei der CDU und damit nach gängigen Kriterien um eine politisch eher konservative Vereinigung, wenn auch mit ausgeprägter sozialstaatlicher Neigung. Wenn deren prominenter Vertreter Wilhelm Marx im Zusammenhang des zweiten Wahlgangs für die Reichspräsidentenwahl 1925 nun zum „Kandidat der Linken“ erklärt wird, so dokumentiert dies anschaulich die Rechtverschiebung der politischen Koordinaten in der Weimarer Republik wie konkret auch der politischen Optik der Harburger Anzeigen und Nachrichten, die am 1. April 1925 mit dieser Schlagzeile aufmachten. Zum wahren Kern dieser Meldung gehörte, dass außer der linksliberalen DDP in der Tat auch die SPD zugunsten vom Marx auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichtet hatte, um den Durchmarsch der Rechtsparteien in dieses höchste Staatsamt zu verhindern – gemäß Weimarer Verfassung reichte hier im zweiten Wahlgang bekanntlich die einfache Mehrheit. Was der Artikel nicht verrät: Eine Gegenleistung seitens des Zentrums an die Sozialdemokraten gab es dann doch; Otto Braun, der Zweitplatzierte der ersten Präsidentschaftsrunde, sollte mit dessen Stimmen ins Amt des preußischen Ministerpräsidenten zurückkehren. Es liest Rosa Leu.
8 Minuten
Nein, wir haben uns nicht im Datum geirrt, und, nein, der 1. April fiel auch 1925 nicht auf den 31. März, nicht einmal in Pinneberg. Vielmehr wollte das dort ansässige Tageblatt seine geneigte Leserschaft seinerzeit offenbar sehr rechtzeitig in Stimmung und auf lustige Gedanken bringen, wie man seine Nächsten am Folgetag in den April schicken könnte. Wie wir aus dem Artikel vom, ja, 31.3. erfahren, reichte dieses Brauchtum weit über Südholstein hinaus, hatte global jedoch je eigene landestypische Traditionen ausgeprägt. Und seinem Ursprung nach erstreckten sich die Foppereien dereinst wohl auf die gesamte letzte Märzwoche. Ob das vielleicht ein Aprilscherz ist – kann uns Frank Riede auch nicht sagen.
7 Minuten
Der erste Wahlgang für die Nachfolge von Friedrich Ebert als Reichspräsident war geschlagen. Auf die drei Kandidaten der sogenannten Weimarer Koalition – den Sozialdemokraten Otto Braun, Wilhelm Marx vom Zentrum sowie Willy Hellpach von der DDP – entfielen zusammen zwar annähernd 50 Prozent der Stimmen. Durch die Zersplitterung der Kandidaturen lag jedoch ein anderer Bewerber an der Spitze des Feldes: Kurt Jarres, den DVP, DNVP und noch einige andere Parteien aus dem rechten Spektrum ins Rennen geschickt hatten, konnte mit 38,8 Prozent fast zehn Punkte mehr als der zweitplatzierte Braun auf sich vereinen und auf einen Sieg auch im zweiten Wahlgang vier Wochen später, bei dem die einfache Mehrheit genügte, hoffen. Mit ihm tat dies auch die konservative Bergedorfer Zeitung, die nicht nur die reichsweiten Zahlen mit denen der letzten Reichstagswahlen verglich, sondern auch das kommunale Ergebnis kannte. Es liest Rosa Leu.
12 Minuten
Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich auch in Deutschland die Überzeugung durch, dass es neben den primär von der Wissenschaft genutzten Büchersammlungen auch öffentlicher Bibliotheken bedarf, die sich an die ganze Bevölkerung richten. So wurde 1899 in der Hamburger Neustadt die erste Bücherhalle eröffnet. Innerhalb von 25 Jahren wuchsen diese Hamburger Volksbibliotheken enorm an und waren reichsweit führend, was die Anzahl der verliehenen Medien anging. Obgleich am 29. März 1925 die erste Runde der Reichspräsidentenwahl lief, gehen wir, bevor es morgen die Ergebnisse gibt, in die Bibliothek und gratulieren zusammen mit den Hamburger Nachrichten des Tages den Bücherhallen zu ihrem ersten Vierteljahrhundert. Während die öffentlichen Bibliotheken aktuell wieder an Bedeutung gewinnen und eine Transformation zu Orten der Begegnung, von Workshops, Kursen, Veranstaltungen durchmachen, gibt uns Frank Riede einen Einblick in die frühe Geschichte und Ausleihe-Statistiken der Hamburger Bücherhallen.
11 Minuten
Literat, Avantgardist, Irredentist, Proto-Faschist – Gabriele D’Annunzio zählt zu den schillerndsten Figuren des frühen 20. Jahrhunderts und war entsprechend regelmäßig in den vergangenen Jahren bereits auch hier im Podcast „zu Gast“. Nachdem sein Versuch gescheitert war, mit Freischärlern die Stadt Fiume alias Rijeka dauerhaft in seine Gewalt zu bringen, vollzog er einen Rückzug ins Private – allerdings nicht ohne sich dabei von der Regierung Mussolini großzügig alimentieren zu lassen. Rückzugsort war eine großzügige, später unter dem Namen Vittoriale degli Italiani bekannt gewordene Villa am Gardasee, die eigentlich jemand anderem gehörte, nämlich dem deutschen Kunsthistoriker Henry Thode, die nach dem Eintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg allerdings beschlagnahmt worden war. Eigentlich hätte das Anwesen Thode bzw. nach seinem Tod 1920 seiner Witwe Hertha restituiert werden müssen, aber im Italien des seine Herrschaft absichernden Faschismus kam es, wie wir dem Hamburger Anzeiger vom 28. März 1925 entnehmen können, anders. Wie, weiß Rosa Leu.
8 Minuten
Dass demokratische deutschlandweite Wahlen nicht nur ein politisches Großereignis darstellen, sondern zu ihrer Durchführung auch erhebliche logistische Herausforderungen zu meistern sind, weiß man nicht erst seit den Berliner Pannen bei der Bundestagswahl 2021. Zwar kannte man vor einhundert Jahren in Deutschland noch keine Briefwahl – und auch Marathonläufe, die den Zugang zu Wahllokalen behinderten, konnten einem seinerzeit am Wahltag eher nicht in die Quere kommen. Sehr gut vorbereitet wollte ein Urnengang aber auch damals werden, erst recht wenn er so kurzfristig anberaumt war wie die Reichspräsidentenwahl nach dem plötzlichen Tod Friedrich Eberts 1925. Grund genug, für das Pinneberger Tageblatt, einmal beim Reichswahlleiter vorbeizuschauen und seinem Publikum zu erläutern, was es bei den Wahlvorbereitungen so alles zu bedenken galt. Alle wichtigen Informationen für uns hat Frank Riede.
6 Minuten
Bei einigen Namen, über die wir bei unserem Quellenstudium so stoßen, schaut man unweigerlich genauer hin. Konrad Adenauer war während der Weimarer Jahre, als Oberbürgermeister von Köln, streng genommen eher ein Kommunalpolitiker, meldete sich jedoch in dieser Eigenschaft sowie in seiner Nebenfunktion als Präsident des preußischen Staatsrats auch immer wieder zu reichsweiten politischen Themen zu Wort und wurde immer wieder sogar als potentieller Reichskanzlerkandidat gehandelt. Auch im Wahlkampf um die Reichspräsidentschaft 1925 mischte er mit, wobei seine Fehde mit dem Rechts-Kandidaten Karl Jarres sich an der Frage entzündete, wie sich beide hinter verschlossenen Türen zur Zukunft des französisch besetzten Rheinlandes geäußert hätten. Die Schiffbeker Zeitung versuchte am 26. März Licht ins Dunkel dieser Angelegenheit zu bringen bzw. gab jedenfalls den widersprüchlichen Versionen beider Politiker Raum. Es liest Rosa Leu.
4 Minuten
Langjährige Hörerinnen und Hörer werden sich vielleicht erinnern, dass vor allem in der Anfangszeit gelegentlich auch lyrische Töne bei Auf den Tag genau erklangen. Die Neigung der Zeitungen zum Gedicht, so unser Eindruck, hat im Laufe der 1920er Jahre eher etwas abgenommen; von Zeit zu Zeit stoßen wir aber immer noch auf Gereimtes, und das sogar manchmal aus ganz tagespolitischem Anlass. Bestimmendes Thema war in den letzten Märztagen 1925 die bevorstehende Reichspräsidentenwahl. Der Wahlkampf wurde teilweise mit schrillen Tönen und harten Bandagen geführt, und so wundert es auch nicht, dass die Verse, die das sozialdemokratische Hamburger Echo vom 25.3. auf den Kandidaten der Rechten, Dr. Karl Jarres, dichtete, nicht allzu feinsinnig-poetisch ausfielen. Es skandiert Frank Riede.
8 Minuten
Der amerikanische Komiker Harold Lloyd sorgte in seinem Film „Safety Last“ aus dem Jahre 1923 für Bilder, die sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben. Der von Lloyd gespielte Protagonist klettert einen Wolkenkratzer an der Fassade hoch und hängt schließlich in schwindelerregender Höhe an dem Zeiger einer großen Uhr. Diese Aufnahmen erreichten damals in Kombination mit echten Stunts eine neue Dimension der Tricktechnik. Und das ganze spielte sich am Sinnbild des amerikanischen Fortschritts ab: dem Hochhaus. Dieser Film ist eines der Beispiele, die Walter Steinhauser in der populärwissenschaftlichen Zeitschrift „Technik für Alle“ zur aktuellen Tricktechnik des Films Mitte der 20er Jahre anführt und erläutert. Die Harburger Anzeigen und Nachrichten fassen seine Ausführungen in ihrer Ausgabe vom 24. März 1925 zusammen. Rosa Leu klärt uns über den damaligen Stand von Doppelbelichtungen, Modellbau und Kameratricks auf.
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Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren