Gen X hat die beste Ausgangslage für den Umgang mit KI – und
nutzt sie am wenigsten. Stephan Goldmann und Karsten Lohmeyer
über die Generation, die zwischen Akustikkoppler und Large
Language Models groß geworden ist.
Es beginnt mit einem Versprechen aus dem Jahr 1987: Das
Textadventure "The Guild of Thieves" warb damit, ganze Sätze zu
verstehen. Eingelöst wurde das erst 35 Jahre später. Wer das
damals am Atari erlebt hat, sitzt heute nicht zum ersten Mal vor
einem leeren Eingabefeld und überlegt, wie er es formulieren
muss.
Daraus wird eine unbequeme These: Das Problem ist kein
Kompetenzproblem, sondern ein Zuordnungsproblem. Boomer
entscheiden über KI-Budgets, nutzen die Tools aber selten selbst.
Berufseinsteiger*innen nutzen sie täglich, können das Ergebnis
aber noch nicht beurteilen und entscheiden nichts. Dazwischen
sitzt Gen X – könnte beides, macht es oft nicht. Der Grund heißt
Sunk Cost: Wer 25 Jahre in ein Handwerk investiert hat, wehrt
sich gegen das, was es entwertet.
Wir halten auch gegen uns selbst: In der gemessenen KI-Kompetenz
liegt Gen X nur auf Platz zwei. Was sie tatsächlich auszeichnet,
ist etwas anderes – die kleinste Lücke zwischen Können und
Selbsteinschätzung. Und weil ein falscher KI-Satz genauso
souverän klingt wie ein richtiger, ist genau das die Fähigkeit,
auf die es ankommt. Tool-Routine lernt man in Wochen.
Realistische Selbsteinschätzung nicht.
Außerdem: Browserkriege, Master- und Slave-Laufwerke, der 386er,
Second Life, Nokia, das Metaverse – und die Frage, warum wir
damals Google umarmt haben und jetzt zögern.
――― KAPITEL ―――
00:00 "Ich traue keiner Generation, die noch nie einen Jumper
gesetzt hat"
00:14 Aufgewachsen vor dem Internet
01:14 1987: Das Versprechen von "The Guild of Thieves"
02:43 Karstens Star Trek und das lange Warten auf Alexa
03:45 Kein Blackbox-Denken: aufschrauben, testen, an die Grenze
fahren
04:31 Kein Generationenlob: Was die anderen besser können
05:22 Lust am Experimentieren – und Skepsis als Werkzeug
07:46 Die Zahlen: Wer entscheidet, wer nutzt, wer beurteilt
08:36 Die Sunk-Cost-Falle: 25 Jahre Handwerk, und jetzt das
09:40 Wir haben schon mal was umarmt: Google und die
Verlage
10:29 Lebenslanges Lernen – vom toten Papier ins Digitale
12:21 Wer redet noch übers Metaverse? Die Zynismus-Falle
14:32 KI als Tsunami – und die kindliche Freude am Neuen
15:09 Fazit: Warum Firmen Gen X brauchen
15:38 Der Schlusssatz
――― QUELLEN ―――
AARP Research (Perron 2026): 46 % der Arbeitgeber geben an, dass
strategische KI-Entscheidungen von Beschäftigten ab 40 getroffen
werden, während nur 23 % der über 50-Jährigen KI in größerem
Umfang nutzen.
RMIT Online & Deloitte Access Economics (2026), "Beyond
Prompting: Measuring the Generational AI Gap":
Selbstüberschätzung der eigenen KI-Kompetenz – Gen Z 21 %,
Millennials 17 %, Gen X 10 %, Boomer 8 %. Gemessene Kompetenz:
3,7 / 3,7 / 3,2 / 2,9 von 5.
Gillespie et al. (2025), "Trust, Attitudes and Use of Artificial
Intelligence: A Global Study", University of Melbourne &
KPMG, 48.340 Befragte in 47 Ländern: 56 % haben bereits
KI-bedingte Fehler gemacht.
Alle drei Studien arbeiten mit Selbstauskunft, die AARP-Daten
sind US-amerikanisch, die RMIT-Daten australisch. Ein Hinweis,
kein Beweis. Die vollständigen Links stehen in der
YouTube-Beschreibung.
――― ÜBER UNS ―――
The Critical Marketeer – der Podcast über digitales Marketing,
der nachfragt, statt nachzusprechen. Mit Stephan Goldmann und
Karsten Lohmeyer, sayang GmbH.
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