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Episoden

15 Minuten
Karsten war über zehn Jahre Textchef. Und er sagt: Ein KI-Text ist heute besser als das, was 95 Prozent der Redakteur*Innen in seiner ganzen Karriere hätten produzieren können. Stephan zieht die Konsequenz sofort – wir brauchen keine Textchefs mehr, Karsten, du kannst gehen. Damit wäre die Folge nach 40 Sekunden zu Ende. Dann kommt der Defibrillator.

Denn die Frage ist nicht, wer den Text tippt, sondern was der Job von Content Marketing überhaupt ist: nicht formulieren, sondern verstehen. Herausfinden, was die Menschen auf der anderen Seite des Geräts brauchen, und dieses Wissen verfügbar machen. Im B2B liegt dieses Wissen oft bei den Erfahrenen – bei Ingenieuren, bei Verkäufern – und steht noch nirgends im Internet. Der eigentliche Skill ist deshalb Interviewen und Recherchieren. Genau das kann eine KI nicht: Sie arbeitet mit ihren Trainingsdaten und mit Grounding Queries, salopp gesagt, sie googelt auch. Sie findet nur, was schon da ist.

Daraus folgt der kontraintuitive Teil der Folge. Gerade weil eine KI beliebig viel Text produzieren kann, funktioniert die Strategie Keywordliste rein, Content raus, Internet zufluten schlechter als vorher. Wer nur verarbeitet, was ohnehin online steht, landet beim Bild des Ouroboros – der Schlange, die sich selbst verschlingt. Dazu die Lage von Ende August: Wasserzeichen in KI-Texten, was die EU dabei verlangt, welche Tools KI-Inhalte schon heute mit hoher Wahrscheinlichkeit erkennen, und welches Risiko darin liegt, falls Suchmaschinen menschlichen Inhalt irgendwann bevorzugen.

Am Ende steht kein Abgesang, sondern eine Einordnung. Als Recherchehilfe und als Kritiker ist ein Sprachmodell stark. Als Autor, dem man ungeprüft glaubt, ist es gefährlich – Zitate und Schlussfolgerungen gehören gegen die Quelle geprüft, Satz für Satz. Oder in Stephans Wahlspruch: Sei ein Mensch. Der Rest ist KI.

KAPITEL

00:00 Kaltstart: Brauche ich überhaupt noch Autoren?

00:19 Die Frage der Folge: Ist Content Marketing tot?

00:34 Der kürzeste Podcast der Welt – und der Defibrillator

01:15 Offengelegt: Das behauptet hier eine Content-Marketing-Agentur

01:34 Karsten als Textchef: besser als 95 Prozent der Redaktionen

02:22 Der eigentliche Job: nicht formulieren, sondern verstehen

03:19 Warum wir dem Internet etwas Neues hinzufügen müssen

03:38 Das Neue liegt beim Alten: Ingenieure, Verkäufer, Erfahrung

04:17 Der Skill heißt Interviewen und Recherchieren

04:38 Google kauft Antiquariate leer – wofür?

05:05 Grounding Queries erklärt: Die KI googelt auch

05:44 Praxisbeobachtung: eigene Beiträge in Copilot und Bing

06:33 Der kontraintuitive Teil: Mehr Content bringt weniger

06:57 Schwer verkäuflich: Interviews und echte Recherche

07:17 Das Gegenmodell: Keywordliste rein, KI arbeitet ab

08:01 Stand Ende August: Wasserzeichen in KI-Texten und die EU

08:57 Auch ohne Wasserzeichen: Tools erkennen KI-Texte

09:25 Das Risiko: Wenn Google menschlichen Inhalt bevorzugt

09:52 Der Ouroboros: die Schlange, die sich selbst verschlingt

10:40 Für unbekannte Marken: nicht mitfluten

11:09 Zwischenfazit: einzigartige Inhalte wichtiger denn je

11:27 Wo KI stark ist: Landingpages, Kritik, Vorrecherchen

12:02 Quellenprüfung als Pflicht – Zitat für Zitat

12:47 Selbstvergiftung: Wenn das Web mit Unverifizierbarem volläuft

13:48 Wann handgemachter Content wieder zählt

14:04 Human in the Loop, Human in Control, Human Interface

14:41 Sei ein Mensch. Der Rest ist KI.

BEGRIFFE AUS DER FOLGE

Grounding Queries – die Suchanfragen, mit denen ein Sprachmodell seine Antwort auf Quellen stützt.

Ouroboros – das Bild der Schlange, die sich selbst verschlingt. Hier: KI, die KI-Inhalte als Grundlage nimmt.

Wasserzeichen – maschinenlesbare Markierung, die KI-erzeugte Inhalte kennzeichnet.

Human in the Loop – der Mensch bestätigt jeden Schritt vor der Veröffentlichung.

ERWÄHNTE TOOLS

Claude: https://claude.ai

ChatGPT: https://chatgpt.com

Microsoft Copilot: https://copilot.microsoft.com

Bing Webmaster Tools: https://www.bing.com/webmasters

ÜBER DEN PODCAST

Karsten Lohmeyer und Stephan Goldmann arbeiten seit rund 20 Jahren zusammen – zuerst als Journalisten, dann als Blogger bei Lousy Pennies, heute im digitalen Marketing. The Critical Marketeer ist ihr Podcast über Marketing-Weisheiten, die eine zweite Prüfung verdienen.

Produziert von sayang GmbH: https://sayang.gmbh
20 Minuten
Kritisch heißt nicht böswillig – es heißt hinschauen, ausprobieren und dann sagen, was wirklich funktioniert. In der ersten Folge von The Critical Marketeer nehmen sich Karsten Lohmeyer und Stephan Goldmann vor, was gerade jeder behauptet: dass KI im Marketing „jetzt alles macht".

Stephan hat zwei Wochen im Selbstversuch verbracht – nach eigener Aussage mehr mit Claude gesprochen als mit seiner Frau – und getestet, wie weit KI im Publishing tatsächlich kommt: eine komplette Website mit dem CMS Kirby, Blogbeiträge und Landingpages über den WordPress-MCP-Server, Design und Inhalte direkt aus dem Sprachmodell. Das Ergebnis ist überraschend unsexy. Bei einfachen Beiträgen ist ein Mensch mit Copy & Paste oft genauso schnell, und je komplexer das Layout-System wird, desto langsamer die Automatisierung. Interessant wird es erst, wo alte Contentbestände auf Daten treffen: etwa wenn Sistrix-Zahlen zeigen, dass sich eine französische Übersetzung mehr lohnt als eine englische.

Außerdem: warum Structured Data kein KI-Faktor ist und trotzdem wichtig bleibt, was das PROVE-Framework der Nielsen Norman Group untersucht, wie KI-Bücher bei Amazon ein Nischengeschäft zerlegen – und warum eine KI eine Bierbrauerei auf der schottischen Insel Barra erfunden hat, die es dort nie gab.

Am Ende steht die These, um die es in diesem Podcast immer gehen wird: KI produziert auf den ersten Blick Fantastisches und auf den zweiten Einheitsbrei. Was fehlt, ist der Mensch mit Erfahrung, Perspektive und Haltung.

KAPITEL

00:00 Kaltstart: „Es ist ein Einheitsbrei"

00:14 Wer hier spricht – und was der Podcast vorhat

00:37 Warum kritisch? Marketing-Weisheiten gehören hinterfragt

01:28 Journalistisches Handwerk gegen Guru-Weisheiten

02:01 Kritik ist keine Häme – und der „Dickbrettbohrer"

02:58 Das dicke Brett: LLMs, generative KI und der Selbstversuch

04:17 PROVE-Framework der Nielsen Norman Group

04:49 Wo der Mensch schneller bleibt: Copy & Paste

05:01 Publishing-Test 1: Kirby-Website komplett von Claude gebaut

05:35 Publishing-Test 2: WordPress über den MCP-Server

06:10 Wo es kippt: Gutenberg, Elementor, Avada und riesige Layout-Codes

07:51 Wenn der Connector aufgibt: Agent Mode wird langsam

08:20 „Ab sofort füllt Claude meinen Blog" – die Kundenfrage

08:47 Abrechnung der Zukunft: menschliche Arbeitszeit in Tokens?

09:20 Wann sich WordPress plus Claude wirklich lohnt

10:43 Der eigentliche Hebel: alte Contentbestände neu verwerten

11:16 Praxisfall: Übersetzung, Sistrix und Content-Cluster

12:05 Warum Frankreich statt England – Daten statt Bauchgefühl

13:16 Amazon voller KI-Bücher: Ist das nicht ein Widerspruch?

13:54 Einschub: Structured Data ist kein KI-Faktor

14:41 Die Bierbrauerei auf Barra, die es nicht gibt

16:24 Was nur Menschen liefern: Erfahrung, Perspektive, Haltung

18:03 Einheitsbrei: Warum KI-Websites alle gleich aussehen

18:49 Claude Design und der Mensch, der eingreift

19:34 Fazit

ERWÄHNTE QUELLEN UND TOOLS

PROVE-Framework der Nielsen Norman Group: https://www.nngroup.com/articles/prove-framework/

Kirby CMS: https://getkirby.com

Claude: https://claude.ai

Sistrix: https://www.sistrix.de

DeepL: https://www.deepl.com

Polylang: https://polylang.pro

Außerdem erwähnt: WordPress, Gutenberg, Elementor, Avada – und die Isle of Barra. Die Insel gibt es, die Brauerei nicht.

ÜBER DEN PODCAST

Karsten Lohmeyer und Stephan Goldmann arbeiten seit rund 20 Jahren zusammen – zuerst als Journalisten, dann als Blogger bei Lousy Pennies, heute im digitalen Marketing. The Critical Marketeer ist ihr Podcast über Marketing-Weisheiten, die eine zweite Prüfung verdienen.

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Über diesen Podcast

Karsten und Stephan werfen ein kritisches Auge auf die Trends und Hypes im digitalen Marketing.
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„The Critical Marketeer“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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