„Israel kann man nicht kritisieren – man muss es kritisieren.“
Historiker Martin Haidinger über die Grenze zwischen Kritik und
Judenhass.
Warum die Juden? Warum seit der Antike, warum in fast jeder
Kultur, warum von rechts, von links und aus islamistischen
Milieus? Martin Engelberg spricht mit Martin Haidinger –
Historiker, ORF-Journalist und Autor des neuen Buchs „Judenhass.
Ein Virus, das die Welt umspannt“.
Haidinger beschreibt den Judenhass als „Cantus firmus“: einen
Dauerton, der mal leiser, mal lauter ist, aber nie verstummt. Er
verfolgt ihn von der Antike über das Christentum und den
rassischen Antisemitismus des 19. Jahrhunderts bis zu den
Demonstrationen nach dem 7. Oktober 2023.
Die Konfliktlinien dieser Folge:
Israelkritik oder Judenhass? Für Haidinger ist Kritik an Israel
Pflicht – antisemitisch wird es, wenn das Ziel die Zerstörung
Israels ist. Als aktuelles Beispiel nennt er den Beschluss der
britischen Grünen.
Kapitalisten und Kommunisten, schwach und übermächtig: Warum
Juden für völlig gegensätzliche Zuschreibungen herhalten mussten.
1967 als Kipppunkt: Wie aus dem israelischen David für Teile der
europäischen Linken ein Goliath wurde.
Der Mufti von Jerusalem – für Haidinger das Bindeglied zwischen
nationalsozialistischem und linkem Judenhass.
Die „besondere Verantwortung“ Deutschlands und Österreichs – und
warum sie laut Haidinger einen doppelten Boden hat.
Antiamerikanismus und Antisemitismus: für Engelberg und Haidinger
Zwillinge.
Wien als Fallbeispiel: nicht die antisemitischste Stadt ihrer
Zeit, aber ein Labor für alles, was folgte.
Warum dieses Gespräch jetzt?
Drei Jahre nach dem 7. Oktober 2023 sind sich Engelberg und
Haidinger einig: Judenhass bricht in einer Form hervor, wie man
es seit der NS-Zeit nicht erlebt hat – auch wenn es, so
Haidinger, noch nicht so schlimm ist wie damals. Wer verstehen
will, warum ausgerechnet nach einem Massaker an Israelis der Hass
auf Israel explodiert, bekommt hier keine Parolen, sondern
Herleitung.
Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen Israelkritik und
Judenhass? Schreiben Sie es in die Kommentare – und abonnieren
Sie den Kanal, damit Sie keine Folge von „Engelberg & …“
verpassen.
Kapitel:
00:00 – Vorschau
02:13 – Begrüßung
03:26 – Warum „Judenhass“ statt „Antisemitismus“?
05:27 – Das Buch und der „Cantus firmus“
06:51 – Warum die Juden? Die Antike und das Opfer
10:19 – Das Christentum und das Blutgerücht
13:04 – Angst, Neid, Projektion
16:52 – Kapitalisten und Kommunisten zugleich
21:46 – Judenhass von rechts und von links
26:41 – 1967: Die Linke kippt
29:45 – Stalin und die Sowjetunion
30:44 – Der Mufti von Jerusalem
33:11 – Israelkritik, Antizionismus, Antisemitismus
37:02 – Der Beschluss der britischen Grünen
40:48 – Der 3D-Test
41:58 – „Besondere Verantwortung“ und ihr doppelter Boden
43:35 – Nach dem 7. Oktober
46:07 – Geld aus Katar und die Universitäten
47:55 – Antiamerikanismus und Antisemitismus
52:52 – Trump und Netanjahu als Hassobjekte
55:03 – Fallbeispiel Wien
59:12 – Was den Autor überrascht hat
01:01:27 – Eine Welt ohne Judenhass?
Über den Gast:
Martin Haidinger ist Historiker, Wissenschaftsredakteur beim ORF
und Autor zahlreicher Sachbücher. Sein neues Buch „Judenhass. Ein
Virus, das die Welt umspannt“ ordnet die Geschichte und die
aktuellen Formen des Judenhasses ein.
Über Martin Engelberg:
Martin Engelberg ist Psychoanalytiker und ehemaliger
ÖVP-Nationalratsabgeordneter.
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