Alexander Heusingfeld ist wieder zu Gast, diesmal ohne Jens. Es
geht um die Frage, die beide seit Wochen in Sprachnachrichten hin
und her schieben: Wie baut man sich einen Wissensraum, mit dem ein
KI-System wirklich arbeiten kann? Der Ausgangspunkt ist schlicht.
Was ein Agent leistet, hängt nicht nur am Modell und am Harness,
sondern am Kontext, den man ihm mitgibt. Mit gutem Kontext reicht
ein beiläufig gesprochener Prompt, ohne ihn hilft auch ein langer
wenig. Bevor es um Werkzeuge geht, geht es um Daten. Alex hat die
neuen Agentenangebote von OpenAI und Metas Assistenten Muse vor
Augen und fragt, ob den Leuten klar ist, was mit ihrem kompletten
Leben samt Gesundheitsdaten passiert. Beispiele für die Macht
verknüpfter Daten gibt es genug, etwa Bewegungsmuster aus
Standortdaten, aus denen sich ablesen lässt, wo jemand arbeitet und
schläft. Mark sieht das größte Risiko in Firmen in einer neuen
Schatten-IT: Sätze und Dokumente landen in KI-Systemen, deren
Auftragsdatenverarbeitung niemand geregelt hat. Dazu eine
Geschichte aus dem Privaten. Wer den Vertrag der
Tierkrankenversicherung zum Auslesen hochlädt, bekommt im
ungünstigen Fall eine Fundstelle aus dem Zahnversicherungsvertrag
eines fremden Menschen gezeigt, mit Name und Vertragsnummer. Die
Alternative zu den eingebauten Memory-Funktionen der großen Apps
beginnt bei Mark mit Chaos. Ein Ordner namens Inbox, darin Mails,
Chatnachrichten, PowerPoints, Transkripte. Ein Skill überführt das
in Markdown, baut daraus ein Wiki mit Knowledge Graph und eine
Datei, die festlegt, wie das System antworten soll: mit Quelle oder
ohne, mit Internet oder ohne. So ist SkillSafe entstanden. Das
Wissen steckt am Ende in einem Verzeichnis, läuft offline und
überall, wo ein Agent Skills lesen kann. Alex hebt hervor, was
viele RAG-Systeme nicht können: Beziehungen zwischen Knoten
qualifizieren. Ob jemand Partner, Kind oder Kollege ist, kennen wir
aus dem Alltag, im Wissensgraphen muss man es erst ausdrücken. Dann
wird es praktisch. Mark hat zwei Sachverhalte mit zusammen 28 GB
Nutzdaten in je einen SkillSafe gepackt und das System die
Unterschiede suchen lassen. Er hat die Vorträge von Apples
Entwicklerkonferenz in einen Skill überführt und einen Agenten
damit über die eigenen Projekte in Azure DevOps geschickt. Heraus
kam eine Liste, was veraltet ist und wo sich neue Funktionen
anbieten. Alex bringt die Ebenen ins Spiel: Organisation, Bereich,
Team, Person. Und die Versionierung, die im Alltag vertraut ist,
ohne dass man sie so nennt. Die Oma kommt nicht am Donnerstag,
sondern am Mittwoch, und alle sollen den aktuellen Stand haben.
Zwei weitere Bausteine kommen dazu. ContextMe ermittelt nicht
Wissen, sondern Relevanz: einmal am Tag über Mails,
Teams-Nachrichten und Projekte, was Mark gerade beruflich und
privat beschäftigt. Das nutzt eine App, die Mark gerade baut und
die im Review liegt. Sie sammelt Screenshots, zerlegt sie mit einem
lokalen Modell in Texte, Termine, Links und QR-Codes und meldet
sich nur bei dem, was zählt. Das Reitturnier der Tochter braucht
keine Push-Nachricht, ein spannendes Git-Repo vielleicht schon. Der
letzte große Block gilt der Zusammenarbeit. Die SkillSafe-Werkstatt
hält Wissen lebendig statt eingefroren und muss deshalb Fragen
beantworten, die ein einzelner Skill nicht hat: Gilt nur die neue
Information oder auch die alte? Wer prüft, ob alles noch konsistent
ist? Was passiert, wenn zwei Agenten gleichzeitig schreiben? Alex
nutzt sie mit Kollegen über einen gemeinsamen OneDrive-Ordner. Die
Werkstatt hat aus importierten Meeting-Transkripten
widersprüchliche Entscheidungen herausgefunden, Abstimmungen
verlangt, eine Vorlage für Decision Records angelegt und Aufgaben
aus Jira herübergeholt. Vieles davon war gar nicht eingebaut. Zum
Schluss geht es um das Anfangen. Mark beschreibt, wie er nach einem
Wochenende eine brauchbare Lösung hatte, während andere monatelang
an Konzepten saßen. Alex, nach eigener Aussage ein Overthinker,
wirbt für einen geschützten Rahmen, in dem schlimmstenfalls wenig
passiert, und für kleine Experimente. Dazu sein Tipp: Die
Kommandozeilen von Claude und Codex sehen inzwischen die anderen
Sessions. Wer feststeckt, öffnet ein neues Fenster und lässt sich
dort helfen. — Think Different. Think AI. mit Mark Zimmermann und
Jens Scharnetzki. Hören: Apple, Spotify, YouTube, RSS
https://think-ai.podigee.io Neue Folge zuerst im WhatsApp-Kanal
https://whatsapp.com/channel/0029VbDJ4ZlGufIrpquad004 Wenn euch die
Folge was gebracht hat: einmal bei Apple bewerten. Das entscheidet,
ob jemand Neues uns findet.
https://podcasts.apple.com/de/podcast/think-different-think-ai/id1828021699
Feedback und Gäste: über die Show-Seite.
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