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Diesmal sitzen Mark und Jens nicht über Riverside zusammen, sondern
in Karlsruhe am selben Tisch, draußen, mit Burger und Radler. Der
Anlass ist eine verlorene Wette. In der vorigen Folge hatte Mark
über Metas kleines Gerät für den Schlüsselbund gelacht und
versprochen, Jens zum Essen einzuladen, falls darüber bis
Weihnachten noch jemand redet. Es hat keine zwei Wochen gedauert.
Jens erklärt, was Metas Assistent Muse heute schon kann, auch wenn
er bisher nur in den USA und in Kanada verfügbar ist. Muse bekommt
eine eigene E-Mail-Adresse und ist auch über WhatsApp erreichbar.
Man schickt ihm also Dinge so, wie man sie Freunden schickt, über
die normale Teilen-Funktion. Er läuft in der Cloud weiter, wenn der
Rechner aus ist, und bringt zum Start rund 1.500 Integrationen mit,
Expedia etwa, sodass er auch eine Reise buchen kann. Jens hält es
für einen geschickten Zug, die KI aus der Welt der Modellnummern zu
holen. Während man bei anderen Anbietern ständig über Versionen
redet, bleibt Muse einfach Muse, und die Modelle dahinter dürfen
wechseln. Mark rudert an einer Stelle zurück. Den spielerischen
Teil findet er weiter albern, die Personifizierung aber nicht. Ein
System, das auf Sprache ausgelegt ist statt auf ein Textfeld,
verhält sich anders. Das kennt er aus dem eigenen Harness in der
Firma: Wer per Sprache arbeitet, bekommt keine Tabellen vorgelesen.
Dazu kommt der Fingerabdrucksensor am Gerät, der Käufe bestätigen
kann und die Aufnahme erst startet, wenn man ihn berührt. Jens
findet das geschickter gelöst als bei Geräten, die versehentlich
mithören. Dann wird es verspielt. Füttern heißt beim Tamagotchi von
heute vermutlich Abo, und ein Begleiter, der um Aufmerksamkeit
kämpft, wird jammern, wenn man ihn liegen lässt. Was passiert, wenn
zwei dieser Figuren mit eigener Persönlichkeit nebeneinander
liegen? Mark sieht schon die Szene wie aus Toy Story: der
Piraten-Muse, der den Feen-Muse über ein Lineal auf die Planke
schickt. Jens beobachtet in seinen Feeds, wie viele Leute gerade
eigene kleine Geräte mit Avataren bauen. Für ihn ist die Wette
damit dreifach gewonnen. Der zweite Teil gilt OpenAIs Dots, kleinen
Figuren, die auf dem Rechner leben und für einzelne Aufgaben
entstehen, für eine Fehlermeldung, eine Mail, eine Excel-Datei.
Mark erzählt von einer Vorführung am selben Morgen, bei der ein
kleiner Avatar während einer Präsentation auf die Folie zeigte,
über die gerade gesprochen wurde. Viele kleine Agenten auf dem
Bildschirm hält er weiter für einen Fehler, ein orchestrierender
Agent sei besser. Die zeigende, unterstützende Funktion aber sei
echte Hilfe und keine Spielerei. Jens ordnet das historisch ein.
Der Personal Computer war schon der persönliche Zugang zu den
großen Rechnern, und die Science-Fiction hatte ihre Assistenten
längst: Bit aus Tron, der nur Ja und Nein sagen konnte, Professor
Simon bei Captain Future, die Sprachsteuerung bei Star Trek, Data.
Und Karl Klammer. Die Idee dahinter sei gut gewesen, nur die
Umsetzung nicht. Marks Frage dazu: Wenn auf das komplizierte Word
früher Karl Klammer die Antwort war, sind es heute Muse und Dots?
Gutes Design lässt die Technik verschwinden, sagt Jens. Ob Text,
Sprache oder eine Darstellung gerade passt, soll die KI
entscheiden, und der Avatar hat die Chance, zum Hüter dieser
Schicht zu werden, egal ob am Telefon, am Rechner oder vor einem
großen Display. Mark hält dagegen, dass all das Tokens verbrennt,
und fragt, ob Tokens am Ende eine Grundversorgung werden wie Strom,
Gas und Wasser. Jens glaubt, dass Avatare erst einmal mehr
Verbrauch bringen, weil sie mehr Menschen einen bequemeren Zugang
zur KI geben, und dass Kosten und Verbrauch danach über lokale und
schnellere Modelle sinken. Am Ende steht sein Bild vom virtuellen
Freund, der recherchiert, bestellt, Entscheidungen vorbereitet und
die Post vom Anwalt liest. Mark ergänzt die dunklere Fassung gleich
mit. Zum Schluss stellt Mark fest, dass sie sich am selben Tisch
weniger ins Wort gefallen sind als sonst. Er schiebt es auf Jens'
Statur. — Think Different. Think AI. mit Mark Zimmermann und Jens
Scharnetzki. Hören: Apple, Spotify, YouTube, RSS
https://think-ai.podigee.io Neue Folge zuerst im WhatsApp-Kanal
https://whatsapp.com/channel/0029VbDJ4ZlGufIrpquad004 Wenn euch die
Folge was gebracht hat: einmal bei Apple bewerten. Das entscheidet,
ob jemand Neues uns findet.
https://podcasts.apple.com/de/podcast/think-different-think-ai/id1828021699
Feedback und Gäste: über die Show-Seite.

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„Virtuelle Freunde“

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