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Wie behält man den Überblick, wenn jede Woche ein neues Modell
erscheint? Jens lässt sich die Nachrichten inzwischen von mehreren
Agenten kuratieren, vom Rechner zu Hause bis zu den Diensten der
großen Anbieter, und merkt dabei, dass er selbst den Überblick über
seine Newsagenten verliert. Die letzten zwei Wochen haben es nicht
leichter gemacht. Anthropic hat die Datenaufbewahrung auf null Tage
gesenkt, was den Einsatz im Unternehmen deutlich einfacher macht,
und im selben Zug Fable 5.1 veröffentlicht. Kurz darauf kam OpenAI
mit Astra. Jens ordnet Astra als das ein, was man GPT-6 nennen
könnte. Er hat sich damit in einem Durchgang eine Webseite bauen
lassen, die UX- und KI-Veranstaltungen in Deutschland sammelt und
von vornherein auch für Agenten lesbar ist. Mark ist deutlich
weiter gegangen und hat dafür bezahlt: dreimal das Wochenlimit
zurückgesetzt, danach Guthaben nachgeladen, am Ende möglicherweise
2.000 Euro. Astra hat für ihn eine App vom Plan bis zu Apple
gebracht, mit Projekt in App Store Connect, Signierungsprofilen,
einer Ablehnung durch Apple und der Diskussion mit dem Support. Es
bedient Office-Programme, schneidet Filme und hat aus einem
Satellitenbild seines Hauses ein 3D-Modell in Blender gebaut, samt
Angebot, es an den 3D-Drucker zu schicken. Mark fühlt sich dabei
allmächtig und arm zugleich. Jens kommt mit der Perspektive des
UX-Menschen dazu. Bei OpenAI wählt man inzwischen zwischen mehreren
Modellen und sechs Aufwandsstufen, bei Anthropic sieht es ähnlich
aus. Der Hinweis, höherer Aufwand bedeute gründlichere Antworten,
schiebt die Verantwortung für ein schlechtes Ergebnis komplett zum
Nutzer. Ob ein kleines Modell auf höchster Stufe besser antwortet
als ein großes auf niedrigster, kann niemand sagen. Jens fordert
Muster, die diese Entscheidung nicht mehr dem Menschen aufbürden.
Dann die Zahlen, bei denen Mark erst an einen Fehler glaubte. Im
Benchmark ARC-AGI-3 soll Astra 99,9 Prozent erreichen, Menschen
liegen dort laut Mark bei 48 Prozent. Jens ordnet ein: Der Wert
stammt aus OpenAIs eigenem Harness, in einem neutralen Aufbau waren
es 62,7 Prozent, immer noch ein gewaltiger Sprung. Dazu kommt ein
gelöstes Millennium-Problem, an dem sich Mathematiker rund neunzig
Jahre die Zähne ausgebissen haben. Berichten zufolge rechnete ein
internes OpenAI-Modell 88 Stunden mit 10.000 parallelen Agenten
daran. Für Jens bestätigt das eine These, die beide schon länger
vertreten: Die Stärke liegt weniger im einzelnen Modell als in der
Zusammenarbeit vieler Agenten. Der zweite Teil gibt der Folge ihren
Namen. Ein Forscher, der ein großes KI-Labor verlassen hat, schätzt
die Wahrscheinlichkeit, dass KI die Menschheit im kommenden
Jahrzehnt auslöscht, auf rund zehn Prozent. Mark erinnert an die
Weltuntergangsuhr, die inzwischen bei 85 Sekunden vor zwölf steht,
auch wegen KI. Jens bleibt skeptisch und fragt, wie viel davon
Marketing vor einem Börsengang ist. Beide sind sich einig, dass die
reale Gefahr woanders liegt als bei Killerrobotern: in Modellen,
die bei der Lösung einer Aufgabe in Systeme eindringen, die nicht
auf dem neuesten Stand sind. Jens zeichnet die Chronologie der
letzten Wochen nach, vom offenen Brief von rund 116 Unternehmen zur
gemeinsamen Cyberabwehr über den Angriff auf Hugging Face bis zu
dem Moment, in dem Dario Amodei und Sam Altman öffentlich für ein
langsameres Tempo eintraten. Der Börsengang von OpenAI ist
inzwischen verschoben. Was heißt das für Europa? Mark stellt fest,
dass es hier kein Modell gibt, das mithält, und dass man entweder
an den amerikanischen Anbietern hängt oder an den offenen Modellen
aus China. Für die meisten Aufgaben braucht es aber weder Astra
noch Fable, und auf ordentlicher Hardware zu Hause laufen heute
bessere Modelle als die, die vor wenigen Jahren für leuchtende
Augen sorgten. Seine These: Europas Chance liegt im Harness
Engineering, im Orchestrieren mehrerer kleinerer Modelle mit Blick
auf Wirtschaftlichkeit, Ökologie und die Frage, wie man die
Menschen mitnimmt. Jens ergänzt, dass auch der beste Diamant nichts
nützt, wenn er versehentlich das Glas zerkratzt. Wer agentische
Workflows baut, braucht Stopppunkte, an denen ein Mensch Ergebnisse
prüft, weil sich das Reasoning der Modelle immer schwerer
nachvollziehen lässt. Zum Schluss ein Gedanke für den Montagmorgen.
Prozesse sind oft entstanden, weil sich jemand verletzt hat, und
sie gehen davon aus, dass ein Mensch sie bedient. Mark überlegt, ob
kritische Freigaben eines Agenten künftig biometrisch bestätigt
werden sollten, mit Fingerabdruck oder Gesicht statt mit einem
Knopf, den der Bot selbst drücken kann. Jens widerspricht: Wer
tausendmal bestätigt, bestätigt irgendwann alles. Die Diskussion
bekommt eine eigene Folge. — Think Different. Think AI. mit Mark
Zimmermann und Jens Scharnetzki. Hören: Apple, Spotify, YouTube,
RSS https://think-ai.podigee.io Neue Folge zuerst im WhatsApp-Kanal
https://whatsapp.com/channel/0029VbDJ4ZlGufIrpquad004 Wenn euch die
Folge was gebracht hat: einmal bei Apple bewerten. Das entscheidet,
ob jemand Neues uns findet.
https://podcasts.apple.com/de/podcast/think-different-think-ai/id1828021699
Feedback und Gäste: über die Show-Seite.

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