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  4. Der Rücktritt von Bärbel Bas und die fehlende Menschlichkeit im Räderwerk der Politik
Manchmal fallen persönliche Empfindungen und die harte politische
Realität auf eine Art zusammen, die nachdenklich stimmt. Der
Rücktritt von Bärbel Bas von ihren Ämtern als Arbeitsministerin
und SPD-Co-Vorsitzende ist so ein Moment.

Ich gebe es ehrlich zu: Als Bundestagspräsidentin fand ich Bärbel
Bas richtig gut. Sie hat das zweithöchste Amt im Staat mit Würde,
Klarheit, Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern und der nötigen
Unabhängigkeit ausgeübt. Als sie dann das Arbeitsressort
übernahm, war meine Erwartungshaltung entsprechend hoch.

Doch in der Rolle der Ministerin blieb sie für mich irgendwie
merkwürdig blass. Es wirkte oft so, als hätte sie ihren
Platz im Kabinett nie ganz gefunden. Zwischen den Zwängen der
Koalitionsdisziplin und der harten politischen Debatte fehlte mir
die gewohnte Präsenz, die sie im Parlament so ausgezeichnet
hatte.

Die Beweggründe, die sie nun zu ihrem Rücktritt veranlasst haben,
sind zutiefst traurig. Nach dem Tod ihrer Stieftochter
braucht sie Zeit zur Trauer und Aufarbeitung. Dass sie in
einer so belastenden Phase zusätzlich noch öffentlichen Angriffen
und politischem Druck ausgesetzt war, hinterlässt einen bitteren
Nachgeschmack. In solchen Momenten zeigt die Politik oft ihre
unbarmherzigste Seite.

Was mich bei all dem jedoch maßgeblich stört, ist die Mechanik
der Verkündung: Kaum war der Rücktritt öffentlich, stand mit
Alexander Schweitzer bereits der Nachfolger fest. Natürlich ist
mir völlig klar, wie Politik und Parteien funktionieren. Solche
Entscheidungen werden intern nicht erst am Morgen der Bekanntgabe
getroffen, und eine handlungsfähige Regierung braucht schnelle
Klarheit. Doch muss man das der Öffentlichkeit punktgenau so
servieren?

Hätte man sich mit der Verkündung der Nachfolge nicht vielleicht
zwei oder drei Tage Zeit nehmen können? Einfach, um innezuhalten.
Um Respekt vor der persönlichen Situation einer Kollegin zu
zeigen und ein Signal zu senden: Hier arbeiten immer noch
Menschen.

Durch diese unmittelbare Stafettenübergabe wird einmal mehr das
typische Credo der modernen Arbeits- und Wirtschaftswelt
befeuert: Jeder ist sofort ersetzbar. Die Rädchen
greifen nahtlos ineinander, der Betrieb läuft ohne eine Sekunde
Verzögerung weiter. Einem politischen Berlin, das ohnehin oft mit
dem Vorwurf der Entfremdung und Gefühlskälte zu kämpfen hat,
hätte ein kurzes Moment des Durchatmens guttun können.

Bärbel Bas verdient Respekt für ihren Schritt, Konsequenzen aus
einer extrem schweren Lebensphase zu ziehen. Dem
Politikbetrieb hätte etwas mehr Anstand gut zu Gesicht gestanden.

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