Mit 26 Jahren steht Coach Çesim körperlich vermeintlich auf seinem
Höhepunkt. Im Fitnessstudio bewegt er 200 Kilo bei der Kniebeuge.
Keine 24 Stunden später kommt er vor Schmerzen kaum noch aus dem
Bett. Wenige Tage danach folgt die Diagnose: Leberkrebs. Die
Prognose der Ärzte: möglicherweise nur noch sechs Monate zu leben.
In „Dein erstes Mal“ erzählt Çesim, was in diesem Moment in ihm
passiert. Von weichen Knien, Wut und der Frage, warum ausgerechnet
jetzt, als sein Leben endlich zu laufen scheint, der nächste
Schicksalsschlag kommt. Doch die Diagnose verändert nicht nur
seinen Körper. Sie zwingt ihn auch, sich mit seinem bisherigen
Leben auseinanderzusetzen. Çesim spricht offen über eine schwierige
Kindheit, Alkohol und Drogen in jungen Jahren, seinen früheren
Anabolika-Konsum und darüber, wie er jahrelang versucht hat, ein
inneres Loch mit immer mehr Leistung und Muskeln zu füllen. Es
folgen Operationen, Chemotherapie, massive Gewichtsverluste und
immer wieder Rückschläge. Çesim erzählt aber auch von dem Moment,
in dem er beschließt, wieder Verantwortung für die Dinge zu
übernehmen, die er selbst beeinflussen kann. Er verändert seinen
Alltag und seine Ernährung, beginnt wieder zu trainieren und
arbeitet vor allem an seiner Einstellung zu sich selbst und seinem
Leben. Heute blickt er auf diese Zeit mit einer überraschenden
Aussage zurück: Der Krebs habe ihm, so sagt er, letztlich das Leben
gerettet. Nicht, weil er die Krankheit verklärt – sondern weil sie
ihn gezwungen habe, sich ehrlich mit sich selbst
auseinanderzusetzen und sein Leben grundlegend zu verändern. Heute
nutzt Coach Çesim seine Geschichte, um anderen Menschen Mut zu
machen. 2025 wurde er dafür beim European Fitness Award als Role
Model ausgezeichnet. Besonders Menschen mit einer Krebsdiagnose
möchte er zeigen, dass Angst, Rückschläge und Verzweiflung
dazugehören können – und dass es trotzdem Gründe geben kann,
weiterzumachen. Ein sehr persönliches Gespräch über Todesangst und
Dankbarkeit, Selbstverantwortung und zweite Chancen – und darüber,
warum Çesim heute jeden Morgen als Erstes dafür dankbar ist,
überhaupt noch da zu sein.
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