Im zweiten Teil ihres Specials Nachfolge mit
Zukunft stellt Silvia Ziolkowski eine
Frage, die tiefer geht, als sie zunächst klingt: Erntest Du schon
oder säst Du noch immer?
Ausgangspunkt ist eine Geburtstagsfeier, auf der ein Freund zu
Silvia sagte, er ernte jetzt nur noch. Für einen Moment wurde sie
still, denn sie merkte: Sie sät schon auch immer noch. Der Satz
brachte sie zum Nachdenken. Was darf bleiben, was darf gehen? Und
was heißt Ernten eigentlich für jede und jeden von uns?
Silvia macht deutlich: Ernten heißt nicht automatisch aufhören.
Es heißt Dinge weglassen, im unternehmerischen Kontext
Verantwortung abgeben, weniger operativ arbeiten und Raum für
Neues schaffen. Vielleicht liegen ja noch 15 oder 20 Jahre vor
Dir, in denen ein neues Projekt, eine neue Rolle oder ganz neue
Möglichkeiten warten.
Dann wird sie konkret. Sie interessieren die Zahlen aus dem
Mittelstand, und die sind deutlich. 57 Prozent der
mittelständischen Unternehmen werden von Menschen geführt, die 55
und älter sind, das sagt die KfW, mehr als zwei Millionen
Menschen. Bis Ende 2026 streben Menschen die Nachfolge an, die im
Schnitt 66,5 Jahre alt sind, ein Viertel davon ist dann schon
über 70. Der DIHK ergänzt: 38 Prozent der Altinhaberinnen und
Altinhaber beschäftigen sich zu spät mit ihrer Nachfolge. Silvia
kann das aus ihrer Praxis bestätigen. Sehr häufig ist es eher
fünf vor zwölf, als dass noch richtig viel Zeit bliebe.
Warum das riskant ist, zeigt sie an einer Begegnung aus dem
Familienkreis. Ein Unternehmer, 65 Jahre alt, der Sohn arbeitet
längst mit im Betrieb und soll übernehmen. Doch auf Nachfrage
stellt sich heraus: Der Sohn darf nichts allein entscheiden und
hat nicht einmal Prokura. Für Silvia ist das schlicht fahrlässig.
Denn wer als Nachfolger keine Entscheidungsbefugnis hat, verliert
irgendwann die Lust, in der besten unternehmerischen Zeit seines
Lebens.
Warum Silvia zur Eile mahnt, macht sie sehr persönlich: Zwei
Jahre sind nichts, wenn es um Rechtliches, um die Wahl des
Nachfolgers und um mögliche Rückzieher geht. Und niemand weiß,
wie viel Zeit ihm bleibt. Ein Kollege ist kürzlich mit 54 an
einem Herzinfarkt gestorben, plötzlich nicht mehr da.
Ihre klare Botschaft: 55 ist das richtige Alter, um anzufangen,
nicht um aufzuhören. Eine Nachfolge beginnt nicht beim
Notartermin, sondern mit Verantwortung abgeben. Das heißt nicht,
ich bin weg. Es heißt, der andere darf wachsen, und ich lerne
loslassen.
Zum Abschluss gibt Silvia einen Gedanken mit auf den Weg:
Vielleicht ist mit 55 nicht die wichtigste Frage, wann ich
aufhöre, sondern was ich heute anfangen muss, damit ich später
gut aufhören kann.
In der nächsten Folge geht es ums Loslassen und darum, was die
Metapher eines Skilehrers und verschiedener Pisten mit
Nachfolgeplanung zu tun hat.
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