Warum die höchste Auszeichnung für einen Designer nicht
das Zeichenbrett ist und wie ein Dreier auf dem Bauernhof alles
auslöste.
Oliver Heilmer ist seit Dezember 2024 in einer neuen Rolle bei
BMW und gestaltet die Designzukunft der Marke mit. Für ihn war es
ein Homecoming, nach acht Jahren als Chefdesigner von Mini, davor
Designworks in Los Angeles und sechzehn Jahren BMW. Design ist
für ihn Berufung, und Fahrzeuge faszinieren ihn, seit er denken
kann.
Am Anfang steht ein Bild, das sich bei ihm eingebrannt hat. Der
Bauernhof seiner Großeltern in der Nähe von München, in dessen
Hof irgendwann der Dreier seines Onkels stand. Er war vielleicht
acht. Stundenlang saß er in diesem Auto, das er nicht fahren
durfte, drückte jeden Knopf, bewegte die Scheibenwischer. Fahren
durfte er dagegen die Landmaschinen, die er wie Monster fand, und
schon damals achtete er auf die Details, auf das von der Erde
polierte Metall, auf den Übergang zum alten Lack. Aus dieser
Faszination fürs Bewegen und Beobachten wurde die Faszination
fürs Zeichnen. Erst Landmaschinen, dann Dragster, irgendwann sein
eigenes Auto mit Logo, Silhouette und Package.
Der Weg zu BMW begann mit einem Professor in Pforzheim, Gerd
Friedrich, und seinen verdammt coolen Autos. Über ein Praktikum
kam Heilmer hinein und fühlte sich schnell zu Hause, schon als
Praktikant durfte er an Serienprojekten mitarbeiten. Seine
Diplomarbeit widmete sich sogar Booten, weil BMW früher einmal
Boote baute. Was ihn bis heute hält, ist die Vielfalt, die Design
innerhalb einer einzigen Marke haben kann, von der Serie bis zu
Themen, die erst in sieben Jahren auf die Straße kommen.
Ehrlich spricht er über Timing und Bauchgefühl. Bei allen drei
großen Wechseln, zu Designworks, zu Mini und zurück zu BMW, hat
er keine Sekunde überlegt. Er ist ein Kopfmensch, der die meiste
Zeit in der Zukunft denkt, aber am Ende immer aus dem Bauch
entscheidet. Sein Leitgedanke, man muss wagen, denn der größere
Fehler ist, etwas nicht gewagt zu haben.
Das vielleicht überraschendste Geständnis der Folge, Heilmer
zeichnet kein einziges Auto mehr, seit rund zehn Jahren nicht
mehr richtig. Er vergleicht es mit dem Spitzensport, irgendwann
trifft man mit den eigenen Werkzeugen nicht mehr den Zeitgeist,
und die jungen Talente im Team faszinieren ihn. Seine Rolle heute
ist für ihn nicht Politik, sondern Sinnstiftung, oft über bewusst
naive Fragen. Und die höchste Auszeichnung ist für ihn ohnehin
nicht das inszenierte Zeichenbrett, sondern ein fertiges Auto,
das sich in der realen Welt bewegt.
Dann geht es um gutes Design, über eine simple
Reisekaffeemaschine, über Uhren mit Handaufzug und das Ritual
dahinter, über Knöpfe gegen Touchscreen und über künstliche
Intelligenz, Präzision und die Frage, wem eigentlich die Daten
gehören. Sein bester Rat kam einst von einem Designer, der im
Praktikum hinter ihm saß, just do what you feel. Und sein Antrieb
ist so stark, dass er für dieses Gespräch sogar direkt aus dem
Krankenhaus kam. Das, sagt er, ist sein Motor.
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