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  4. Der Mythos von der KI-Wunderwaffe | Von Rainer Rupp
Künstlich Intelligenz, Drohnen und der Krieg in der
Ukraine - Gewaltige Datenmacht, aber keine Wende auf dem
Schlachtfeld

Ein Kommentar von Rainer Rupp.

Palantir und Brave1 Dataroom gelten als Symbole einer
neuen, KI-gestützten Form der Kriegsführung, deren Möglichkeiten
sich exemplarisch in der Ukraine zeigen. Eine nüchterne
Betrachtung macht jedoch deutlich: Diese neue Technologie kann
Abläufe beschleunigen und Systeme verbessern, doch sie ist keine
Wunderwaffe, die den Krieg zugunsten der Ukraine entscheiden
könnte.

Kaum ein Bereich der modernen Kriegsführung ist derzeit so eng
mit dem Versprechen technologischer Überlegenheit verbunden wie
der Einsatz künstlicher Intelligenz, datenbasierter Analysen und
autonomer Drohnensysteme. Palantir und die ukrainische Plattform
Brave1 Dataroom stehen im öffentlichen Fokus dieser Entwicklung –
auch bei der deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit im
Rüstungsbereich.

Der westliche KI-Hype übersieht die Begrenzungen

Teile der unkritischen, technik-fixierten westlichen
Berichterstattung vermitteln den Eindruck, moderne Software könne
den Charakter des Krieges grundlegend verändern und der Ukraine
einen entscheidenden militärischen Vorteil gegenüber Russland
verschaffen.

Eine nüchterne Auswertung der verfügbaren Informationen zeichnet
jedoch ein wesentlich differenzierteres Bild. Palantir und
Systeme wie Dataroom können dafür sorgen, dass vorhandene
ukrainische Systeme schneller, präziser und effizienter
reagieren. Doch sie sind weder ein „Terminator-System“ noch ein
Ersatz für schwere Waffen, Soldaten oder rüstungsindustrielle
Produktionskapazitäten.

Ihr wesentlicher Nutzen besteht darin, die bereits vorhandenen
militärischen Fähigkeiten durch einen digitalen
Wirkungsverstärker effizienter und schneller zu machen. Im
allgemeinen KI-Hype wird jedoch die wichtigste Komponente für die
ukrainischen Erfolge in der Regel übersehen – entweder
absichtlich oder aus Unkenntnis. Ohne diese Kern-Komponente
würden Palantir und Dataroom und andere KI-Drohnen-Software in
der Ukraine einen großen Teil ihrer wirkungsverstärkenden
Funktion verlieren.

Mit den Kern-Komponenten sind die Aufklärungsergebnisse von
US-Satelliten und anderen hochentwickelten militärischen Systemen
der Fernmelde- und elektronischen Aufklärung gemeint, die vor
allem US- aber auch andere westliche Geheimdienste in Echtzeit in
Palantir und Dataroom einspeisen. Ohne dies gäbe es die
gegenwärtige Faszination für diese vermeintliche neue Wunderwaffe
wahrscheinlich nicht.

All diese Systeme, die hier unter dem Begriff Kern-Elemente
zusammengefasst sind, waren und sind extrem teuer. Weder die
Ukraine noch der Iran verfügen über die finanziellen Mittel oder
die technologischen Kapazitäten, um ein vergleichbares Umfeld
einer rundum Aufklärung zu schaffen. Die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion beziehungsweise Russland benötigten Jahrzehnte
und haben enorme materielle und wissenschaftlich-technische
Ressourcen verbraucht, um eine solche Infrastruktur aufzubauen,
zu erhalten und ständig zu verbessern.

...https://apolut.net/der-mythos-von-der-ki-wunderwaffe-von-rainer-rupp/
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