Eines der gefährlichsten religiösen Wörter ist »Sünde«.
Gefährlich, weil dieses Wort eine toxische Spiritualität
hervorbringen kann – eine, die Schuldgefühle und Angst verstärkt.
Viele haben genau das in ihrer religiösen Erziehung erlebt.
Die Ursache dafür steckt in einer sehr verbreiteten Vorstellung:
Wer sündigt, hat gegen eine Regel verstoßen. So reden wir ja auch
im Alltag – vom Verkehrssünder, vom Klimasünder. Gemeint ist
immer dasselbe: Da hat jemand etwas falsch gemacht. Da hat jemand
den Regeln nicht gehorcht.
Aber genau diese Vorstellung kann zum Gift werden, sobald sie
absolut gesetzt wird. Denn »einer Regel gehorchen« kann ganz
schnell selbst zu falschem Handeln führen.
Die Tragweite dessen dürfte niemand besser verstehen als wir in
Deutschland. Nach dem Ende der Naziherrschaft haben Menschen, die
als Aufseher in einem KZ grausame Dinge getan haben, ihr Handeln
genau so gerechtfertigt: Sie seien doch nur gehorsam gewesen.
Ein Gehorsam ohne Gewissen läuft selbst Gefahr, zur Sünde zu
werden. Und das bedeutet: Sünde muss etwas anderes sein als bloß
ein Regelverstoß. Es geht um das Gewissen und um unseren
innersten Kern, um unsere tiefste Wahrheit.
Damit ist die Beschäftigung mit »Sünde« längst keine religiöse
Spezialfrage mehr, sondern eine menschliche Notwendigkeit – ganz
gleich, ob wir uns für religiös halten oder nicht.
In dieser Folge geht es darum, was dieses Wort wirklich meint.
Und warum dieser Blick das landläufige Sündenverständnis fast
komplett vom Kopf auf die Füße stellt – bis zu dem Punkt, an dem
man sogar stolz darauf sein kann, ein Sünder zu sein.
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