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Keine Gäste, dafür zwei Hosts mit reichlich Redebedarf. Der Anlass
ist ein Interview, das Sam Altman am Aufnahmetag gegeben hat. Darin
räumt der OpenAI-Chef ein, dass seine Prognosen aus der Zeit nach
GPT-4 zu schnell waren. Der Umbau der Arbeitswelt kommt später als
angekündigt. Bemerkenswert ist die Begründung: Schuld sind demnach
nicht die Labore, sondern Gesellschaft und Wirtschaft, die sich zu
langsam bewegen und zu statisch sind. Im selben Atemzug findet
Altman die Verzögerung auch gut, weil Regierungen so mehr Zeit für
Regulierung und Fragen wie das bedingungslose Grundeinkommen
bekommen. Jens liest das anders. Wenn die Welt die vorhandenen
Modelle ohnehin nicht schnell genug in Arbeitsweisen übersetzt,
bringt es kein Geld, weitere hinterherzuschieben. Der Rückzieher
wäre dann weniger Einsicht als Erwartungsmanagement Richtung
Investoren, verpackt als Verantwortungsbewusstsein. Mark steuert
eine Beobachtung aus der Smartphone-Welt bei: Beeindruckende
Funktionen erscheinen, und drei, vier Jahre später laufen dieselben
Menschen mit denselben Geräten herum. Aufmerksamkeit erzeugen neue
Emojis. Genau deshalb sind Hersteller dazu übergegangen, wichtige
Sicherheitsupdates gemeinsam mit Emoji-Erweiterungen auszuliefern.
Aus dieser Beobachtung wird die größere Frage der Folge. Jens hat
einen Text gelesen, der nicht fragt, ob der Einzelne mit dem Wandel
mitkommt, sondern wofür ein Staat seine Bürger überhaupt noch
braucht, wenn Verwaltung, Wirtschaft und Exekutive weitgehend
automatisiert laufen. Die Antwort führt in Gebiete, die nach
Science-Fiction klingen und es nicht mehr sind. Bewaffnete Robotik
ist im Ukraine-Krieg auf beiden Seiten im Einsatz, Polizeidrohnen
sind aus China dokumentiert, und die Bewertung des
Roboterherstellers Unitree hat gerade neue Höhen erreicht. Mark
warnt davor, dabei nur an humanoide Formen zu denken: Die Evolution
hat für unterschiedliche Aufgaben unterschiedliche Körper
hervorgebracht, und die Fabrik wird auch künftig den Roboterarm
behalten statt eines Humanoiden mit Schweißgerät. Dazu kommen
Fragen, die sich schlecht wegdelegieren lassen. Das bekannte
Gedankenspiel zum autonomen Fahren bekommt eine neue Schärfe, wenn
ein System die Social-Media-Profile der Beteiligten in die Abwägung
ziehen könnte. In chinesischen Kinderzimmern stehen nach den Zahlen
der Folge rund 20 Millionen Gadgets mit KI, und Kinder bauen
Beziehungen zu sprechenden Kuscheltieren auf, deren Stecker
irgendwann jemand zieht. Für Mark ist der Einschnitt insgesamt
größer als der Buchdruck, mit derselben Doppelnatur:
Herausforderung und Chance auf wissenschaftliche Ergebnisse, mit
denen zu Lebzeiten niemand gerechnet hätte. Im zweiten Teil wird es
konkret. Dass die Entwicklung sich verlangsamt, hält Mark für
unwahrscheinlich, und der Grund heißt China. Auf ein Modell, das
über ein Terabyte Videospeicher verlangt, folgte kurz darauf ein
offenes Modell, das auf gut ausgestatteter Endanwender-Hardware
läuft und in Teilen an das Niveau der großen Anbieter heranreicht.
Wer so etwas lokal betreiben kann, braucht die teuren Abos nicht
mehr zwingend. Aus dieser Lage folgt eine Komplexität, die
IT-Abteilungen für Jahre beschäftigen wird: lokale und entfernte
Modelle, Router, Agenten, die Frage, wann ein kleiner Workflow, der
einen Tag laufen darf, besser ist als eine Antwort in Echtzeit.
Zwei Beobachtungen aus der eigenen Praxis zeigen, wohin das führt.
Mark saß am Wochenende an einem Projekt, als die Lüfter des
Rechners hochdrehten. Codex hatte von sich aus das lokal
installierte Ollama gestartet, ein fremdes Modell um eine zweite
Meinung gebeten und darüber den Fehler gefunden. Ähnlich in seinem
eigenen Aufbau: Nicht er hat entschieden, mehrere kleinere Modelle
nebeneinander zu laden statt eines großen, sondern das System
selbst, mit der Begründung, unterschiedlich trainierte Modelle
liefen nicht in dieselben Fallen. Bei Anthropic lassen sich
inzwischen Terminal-Fenster verschränken, sodass ein Fenster als
Orchestrator die anderen steuert. Jens hält dagegen, dass daran
nichts unheimlich sei, unheimlich sei eher, dass diese Anwendungen
so lange nicht miteinander geredet haben. Sein eigentlicher Einwand
gilt den Oberflächen: Modellauswahlen, die zwischen schnell,
schneller und noch schneller unterscheiden oder zwischen
intelligent und intelligenter, helfen niemandem bei der
Entscheidung. Der unangenehmste Teil kommt zum Schluss. Von einem
offenen Modell mit 27 Milliarden Parametern kursiert eine Fassung,
der die Sicherheitsschranken abtrainiert wurden. In
Sicherheitstests, in denen übliche Modelle 98 bis 99 Prozent der
kritischen Anfragen abweisen, verweigert diese Fassung 2,7 Prozent.
Veröffentlicht mit dem Hinweis, sie sei ausschließlich für
Forschung gedacht, und mit der Feststellung, sie eigne sich
hervorragend für Missbrauch. Dazu ein Videogenerator, der ohne
Rücksicht auf Urheberrechte erzeugt und auf gewöhnlicher Hardware
läuft. Marks Punkt ist nicht die Existenz solcher Modelle, sondern
die Leichtigkeit des Zugriffs: Zwei Programmnamen und eine Suche
genügen, und was vor einem halben Jahr Behörden und Konzerne
beschäftigt hat, liegt auf dem eigenen Rechner. Jens widerspricht
Sam Altman an genau dieser Stelle. Ausbremsen hilft nicht, weil der
Wettlauf sich nicht bremsen lässt: nicht durch Exportbeschränkungen
für Chips, nicht durch Absprachen, und schon gar nicht durch
Einsicht. Die Gesellschaft müsse im Gegenteil Tempo aufnehmen und
ihre Systeme widerstandsfähig machen, und auch das werde nur mit KI
gehen. Zum Abschluss noch eine offene Frage: Bei OpenRouter ist ein
Modell ohne bekannten Hersteller aufgetaucht, das Aufgaben löst, an
denen die großen scheitern, mit einer Million Token Kontext und
auffällig günstigen Preisen. Bezahlt wird mit den eigenen Eingaben,
das steht in den Bedingungen. Wer dahintersteckt, weiß zum
Zeitpunkt der Aufnahme niemand. — Think Different. Think AI. mit
Mark Zimmermann und Jens Scharnetzki. Hören: Apple, Spotify,
YouTube, RSS https://think-ai.podigee.io Neue Folge zuerst im
WhatsApp-Kanal
https://whatsapp.com/channel/0029VbDJ4ZlGufIrpquad004 Wenn euch die
Folge was gebracht hat: einmal bei Apple bewerten. Das entscheidet,
ob jemand Neues uns findet.
https://podcasts.apple.com/de/podcast/think-different-think-ai/id1828021699
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„AI SlowDown“

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