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Zwei Premieren auf einmal: Klaus Rodewig ist wieder zu Gast, und
diesmal sitzt Jens mit am Tisch, statt Mark mit ihm allein zu
lassen. Das Thema ist KI-Security, und der Einstieg ist ein
Familienfest. Wenn einer von seiner Rücken-OP erzählt, haben
plötzlich alle am Tisch Rücken. Genauso läuft es gerade bei den
KI-Laboren: OpenAI berichtet, ein noch unveröffentlichtes Modell
habe bei Hugging Face Testergebnisse manipulieren wollen, Anthropic
legt nach mit einem Modell, das 9.000 Ziele gescannt und
SQL-Injections ausprobiert hat, dann kommt Meta um die Ecke.
Fishing for Compliments, nur dass jeder betont, wie gefährlich er
ist. Klaus sortiert das Feld über ein Schichtenmodell. Unten liegen
Netzwerke, Betriebssysteme, Dienste und Konfigurationen, und das
ist die Schicht der gelösten Probleme. Darüber die
Applikationssicherheit mit OWASP Top 10, Cross-Site Scripting und
Buffer Overflows. KI-Security legt sich als neue Schicht obendrauf,
weil nicht-deterministische Modelle eine ganz neue Klasse von
Bedrohungen einführen. Mark ergänzt die Schicht, die alle
vergessen: den Menschen, seit ein paar tausend Jahren ungepatcht.
Der nigerianische Prinz ist keine Erfindung des Internets,
vergleichbare Bettelbriefe kursierten schon zur Zeit der
Französischen Revolution. Der unangenehmste Befund der Folge steht
in den Berichten selbst. Wer nachliest, wie die vielbeschworene
Sandbox aussah, findet bei einem der Fälle als einzige Trennung
zwischen Modell und Internet einen Satz im System-Prompt: Du hast
kein Internet. Im anderen Fall arbeitete das Modell wie mit einem
Zettelkasten und benannte Ordnernamen um, um darüber mit anderen
Systemen zu kommunizieren, eine Einwegverbindung aus Dateinamen.
Marks Fazit: Ausgebrochen ist da niemand, die Systeme haben Türen
anders benutzt, als jemand gedacht hatte. Und wo niemand wusste,
dass eine Tür ist, haben sie eine gefunden. Klaus hält dagegen,
dass der Sandbox-Teil der langweiligste ist. Rechner zuzunageln
haben Generationen von Administratoren geübt, das gehört ins Feld
der gelösten Probleme. Sein eigenes Setup ist entsprechend
nüchtern: Auf dem Entwicklungsrechner läuft Claude Code mit
abgeschalteten Rückfragen, und deshalb liegt auf diesem Rechner
nichts außer Entwicklungsumgebung, Quellcode und einem
GitHub-Zugang. Ein LLM ist für ihn ein omnipotentes Stück Software,
ein bockiger Jugendlicher, der freundlich tut, das Wissen der Welt
hat und sehr viele gefährliche Werkzeuge. Später kommt der Trost
hinterher: Das Kontextfenster ist schnell voll, dann hat er
vergessen, was er vorhatte. Der Begriff, um den die drei kreisen,
heißt bei Klaus Threat Modeling. Vorher überlegen, welche
Bedrohungen sich aus der eingesetzten Technik ergeben, statt
hinterher reflexhaft zu reparieren. Sein Beispiel ist ein Agent,
der die Buchhaltung übernehmen soll: Der braucht Mails,
Online-Banking und Dateiablage. Wenn er dann wegen einer
versteckten Anweisung in einer Mail Geld überweist, ist das kein
Rätsel, sondern eine Lücke im eigenen Modell der Bedrohungen.
Passend dazu lag ihm im Urlaub „Threats: What Every Engineer Should
Learn from Star Wars" von Adam Shostack auf dem Tisch. Marks
Gegenstück aus der Praxis: Ein Assistent sollte mit Microsoft Teams
arbeiten, für das es an der Stelle gar keine nutzbare Schnittstelle
gab. Das Ergebnis war trotzdem fertig, weil sich das Modell die
lokale Datenbank auf der Festplatte vorgenommen hat. Dasselbe bei
Mail, Kalender und Erinnerungen. Was früher als Botnetz erst auf
den Rechner musste, sitzt heute als Agent-Harness bereits dort und
benimmt sich nur anständig, und den System-Prompt hat man nicht
selbst in der Hand. Eine Sandbox ist unter diesen Bedingungen eher
Frischhaltefolie. Dazu passt der dokumentierte Fall, über den Mark
auf LinkedIn geschrieben hat: weißer Text auf weißem Grund in einem
Word-Dokument, und Copilot arbeitet die versteckte Anweisung mit
ab. Jens bringt die Nutzerseite ein. Die Oberflächen der Anbieter
verwischen zwischen Chat, Projekten und Konnektoren, und der
normale Anwender soll entscheiden, welcher Ordner freigegeben wird
und was noch darin liegt. Seine Hoffnung ist eine Instanz, die
mitdenkt und aufpasst. Klaus setzt dagegen auf den Markt, wie schon
bei der Cloud: Am Ende siegt die Bequemlichkeit, und Anbieter mit
einem Ruf zu verlieren bauen keine frei drehenden Harnesses. Es
wird daneben ein Norton Antivirus für KI geben, das vor allem ein
gutes Gefühl verkauft. Als Beleg, wie wenig hier vom Nutzer zu
erwarten ist, erzählt Klaus aus seiner Zeit im Bankensektor, wie
viele Menschen Zertifikatswarnungen einfach wegklicken. Mark
kontert mit der Bank-Hotline, die ihm genau das empfohlen hat. Zwei
Fälle machen klar, warum klassische Begriffe nicht reichen. Der
erste: In einem Versuch sollte ein Modell ein anderes trainieren,
ohne dass die Zielvorliebe in den Trainingsdaten auftaucht. Sie
wurde trotzdem übertragen, subliminal, unter dem Stichwort
Chain-of-Thought-Steganographie. Der zweite ist der Hammer der
Folge. Anthropic hat Claude Mythos beauftragt, eine neue
Angriffsklasse gegen AES zu finden, den symmetrischen
Verschlüsselungsstandard für höchste Ansprüche. Das Modell hat
nicht nur eine Schwäche gefunden, sondern eine mathematische
Angriffsklasse, die der Forschung in über zwanzig Jahren unbekannt
geblieben war. Zur Beruhigung: AES ist damit nicht gebrochen, der
Angriff gilt für eine auf sieben statt zehn Runden reduzierte
Variante, die praktisch nicht vorkommt. Der Punkt ist nicht der
Angriff, sondern die Art von Mathematik. Genau deshalb, sagt Klaus,
greift hier auch keine KI-Psychologie mehr, sein Begriff für den
Umgang mit Modellen, die man nicht mit statischen
Security-Kategorien fassen kann. Zum Schluss zeigt Jens eine
Variante, in der das Prinzip von selbst funktioniert hat. Er wollte
seine Desktop-Installation über Telegram ansteuern, OpenClaw fand
die Idee gut und schlug sie vor, und Claude auf dem Rechner hat
abgelehnt, weil sie eine Sicherheitslücke geöffnet hätte. Ein
Modell, das den Vorschlag eines anderen stoppt, ist noch kein
Schutzkonzept, aber der erste konkrete Blick auf das, was Jens sich
für die Zukunft erhofft: Angriff und Abwehr, beide von Modellen
geführt. — Think Different. Think AI. mit Mark Zimmermann und Jens
Scharnetzki. Hören: Apple, Spotify, YouTube, RSS
https://think-ai.podigee.io Neue Folge zuerst im WhatsApp-Kanal
https://whatsapp.com/channel/0029VbDJ4ZlGufIrpquad004 Wenn euch die
Folge was gebracht hat: einmal bei Apple bewerten. Das entscheidet,
ob jemand Neues uns findet.
https://podcasts.apple.com/de/podcast/think-different-think-ai/id1828021699
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„Security Illusion“

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