Im Rahmen unseres Betriebsausflugs durften wir dorthin schauen,
wo Zuschauer sonst selten hinkommen: Hinter die Kulissen des
Schauspielhauses Dresden. Was ich dort über Geschichte und
Bühnentechnik gelernt habe, ist beeindruckend. Und damit herzlich
willkommen bei BehindBlueEyes.de. Unterwegs auf den Brettern die
die Welt bedeuten.
Die Geschichte des Hauses ist an sich schon ein echtes Statement
und zeigt wunderbar den stolzen Dresdner Bürgersinn. Anfang des
20. Jahrhunderts erlebte Dresden durch die Industrialisierung
einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Das städtische
Bürgertum wurde immer reicher, einflussreicher und
selbstbewusster. Natürlich wollte man auch am kulturellen Leben
teilhaben. Doch da gab es ein Problem: Der Adel beanspruchte die
gehobene Kulturwelt weitgehend für sich. Das Albert-Theater in
der Neustadt war dem Adel vorbehalten, und die normalen Bürger
waren dort nicht sonderlich erwünscht.
Aber anstatt sich fügsam zurückzuziehen, dachten sich die
Dresdner Bürger schlicht: Wenn ihr uns nicht wollt, bauen wir uns
eben unser eigenes Theater. Gesagt, getan. Die reich gewordene
städtische Bevölkerung setzte sich gegen die Privilegien des
Adels durch und finanzierte mit beeindruckendem
Durchhaltevermögen ein neues, modernes Theaterhaus. Das
Königliche Schauspielhaus, das heutige Staatsschauspiel Dresden,
wurde schließlich 1913 eröffnet. Es war ein echter Triumph des
Bürgertums, der bis heute im Stadtbild verankert ist und als
Kulturstätte allen offensteht.
Richtig faszinierend wurde es bei der Führung, als wir tief in
die Eingeweide des Gebäudes eingetaucht sind. Das Dresdner
Schauspielhaus war schon bei seiner Erbauung ein absoluter
Vorreiter in Sachen Ingenieurskunst. Um das Platzproblem auf dem
Grundstück zu lösen, da für eine klassische Hinterbühne zum
Lagern der Kulissen schlichtweg der Raum fehlte, entwickelte der
damalige Technische Direktor Adolf Linnebach eine bahnbrechende
Lösung. Er schuf die sogenannte Versenk-Schiebe-Bühne. In einer
rund elf Meter tiefen Wanne unter der Hauptbühne arbeiten seitdem
gewaltige Hydraulikzylinder, die tonnenschwere Bühnenelemente mit
reinem Wasserdruck heben, senken und verschieben können. Das ist
ein Meisterwerk der Technik, das bis heute beeindruckt.
Besonders spannend war der Moment, als wir schließlich selbst
mitten auf der Bühne standen. Vor uns erstreckte sich bereits ein
Teil der aufgebauten Kulisse für die nächste Vorstellung von „Der
talentierte Mr. Ripley“. Von dort aus geht der Blick nach oben in
den riesigen Schnürboden und über die Beleuchtungsemporen oder
nach unten in die Unterbühne. Es ist schlicht überwältigend, was
für ein gewaltiger Maschinenraum sich hinter den Kulissen
verbirgt. Die versenkbaren Bühnenpodien der
Versenk-Schiebe-Bühne, die Beleuchtungsemporen und unzählige
Seilzüge sorgen dafür, dass tonnenschwere Bühnenbilder innerhalb
von Sekunden wie von Zauberhand verschwinden oder neu aufgebaut
werden. Zu sehen, mit welcher Präzision und welchem technischen
Aufwand hier gearbeitet wird, lässt einen die Theaterarbeit noch
einmal mit völlig anderen Augen sehen.
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