Was ist, wenn der eigene Mann irgendwann nur noch nervt – und man
gleichzeitig ahnt, dass das eigentliche Problem viel tiefer liegt?
Gerade in Unternehmerfamilien sind Ehe und Partnerschaft häufig
weit mehr als eine private Beziehung. Da sind das Unternehmen,
Verantwortung, Familie, Außenwirkung, Erwartungen und über Jahre
gewachsene Rollen. Man ist Liebespaar und gleichzeitig Team,
Mitverantwortliche, Repräsentantin, Organisatorin, Vermittlerin und
nicht selten diejenige, die dafür sorgt, dass das gesamte System
emotional funktioniert. Viele Frauen können das ausgesprochen gut.
Sie spüren, was andere brauchen, gleichen aus, halten Konflikte
klein, übernehmen Verantwortung und passen sich an. Und manchmal
merken sie erst Jahre später, welchen Preis sie dafür bezahlt
haben: Sie haben sich selbst irgendwo auf diesem Weg verloren. In
dieser Folge der Sinnplauderei geht es deshalb um einen Satz, der
zunächst etwas provokant klingt: „Rette deine Ehe, indem du dich
selbst wiederfindest. Wenn du sie dann noch retten willst.“ Das ist
weder eine Aufforderung zur Trennung noch ein Plädoyer fürs
Durchhalten. Es geht um etwas anderes: darum, aus der eigenen
Petitesse-Falle herauszukommen und wieder Kontakt zu den eigenen
Bedürfnissen, Grenzen und Wünschen aufzunehmen. Denn das Gefühl „Er
sieht mich nicht mehr“ kann sehr real sein. Aber manchmal gehört
zur Wahrheit auch die Frage: Sehe ich mich eigentlich selbst noch?
Wir schauen auf den klassischen Denkfehler vieler Beziehungskrisen:
„Wenn er sich endlich ändern würde, könnte ich wieder glücklich
sein.“ Damit geben wir allerdings einen entscheidenden Teil unserer
eigenen Wirkkraft ab. Unser Wohlbefinden hängt plötzlich davon ab,
ob der andere sich bewegt. Mit Gedanken aus dem Voice Dialogue gehe
ich deshalb einen anderen Weg: Welche inneren Anteile halten an der
Beziehung fest? Welche wollen einfach nur noch weg? Wo spricht die
Angepasste, die Verantwortliche oder die Friedensbewahrerin – und
was sagt eigentlich das eigene Bauchgefühl? Es geht um
Selbstkontakt statt Selbstkontrolle. Um Grenzen ohne Kampf. Um die
passive Aggressivität, die entstehen kann, wenn Bedürfnisse
jahrelang nicht ausgesprochen werden. Und um den Mut, sich selbst
wieder wichtig zu nehmen, ohne den anderen deshalb zum Täter und
sich selbst zum Opfer zu machen. Das Ergebnis dieses Weges ist
offen. Vielleicht entsteht eine neue Form von Beziehung, weil zwei
Menschen sich endlich wieder ehrlich begegnen können. Vielleicht
verändert sich die Ehe grundlegend. Und manchmal wird auch
deutlich, dass das bisherige Miteinander nur funktioniert hat, weil
eine Person zu viel von sich selbst aufgegeben hat. Eine Folge über
Unternehmer-Ehen, weibliche Selbstführung, Beziehung und die Frage,
wie wir Frauen wieder glücklich werden können – nicht indem wir den
anderen verändern, sondern indem wir aufhören, uns selbst zu
verlassen.
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