Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen
Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns
umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden
ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen
Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.
Steffen Mau ist Soziologe, Professor für Makrosoziologie an der
Humboldt-Universität zu Berlin und seit Oktober 2025 Direktor der
Abteilung Ungleichheit, Transformation und Konflikt am
Max-Planck-Institut für Politik- und Sozialwissenschaft. 2021
erhielt er den Leibniz-Preis, die höchstdotierte
Forschungsauszeichnung Deutschlands. Kaum jemand hat die Frage,
wie sich unsere Werte und Konflikte verändern, so gründlich
vermessen wie er. Einer seiner Bestseller, »Triggerpunkte«
(2023), wertet repräsentative Befragungen aus 30 Jahren aus, mit
dem überraschenden Ergebnis: Das Bild der Polarisierung ist
falsch und die vermeintlich gespaltene Gesellschaft nur ein
Mythos. Er berät die Bundesregierung, und der von ihm mitgeprägte
Begriff »Veränderungserschöpfung« ist in den Sprachgebrauch der
Politik und in Regierungsklausuren übergegangen. In seinem Buch
»Sortiermaschinen« (2021) beschreibt er, wie sich die Welt
abschottet und sich eine Veränderung manifestiert hat. Aktuell
forscht er erneut an dem Thema.
Im Gespräch mit Jochen Wegner in der neuen Folge von »Nur eine
Frage« beantwortet Mau die Frage »Wird die Welt konservativer?«
global betrachtet und angesichts der Stärke autoritärer Regime
mit einem »Ja«. Auf der Ebene von Werten und politischen
Einstellungen sehe es anders aus. Inwiefern dort weiterhin ein
Liberalisierungstrend auszumachen sei, auch wenn er ins Stocken
geraten ist, erklärt Mau im Podcast.
Mau betont, die Gesellschaften seien liberaler, als der
öffentliche Diskurs es vermuten lässt. Er spricht darüber, warum
das verbreitete Bild der Polarisierung »vom Kopf auf die Füße«
gestellt werden müsse, weil Polarisierung politisch erzeugt und
dadurch der Eindruck einer stark gespaltenen Gesellschaft
verstärkt werde.
Im Gespräch geht es um »eine politische und soziokulturelle
Erschöpfung des liberalen Modells«, das schwindende Vertrauen in
staatliche Institutionen, um soziale Unsicherheit, die
»eingequetschte Mittelschicht« und die Reproduktion bestehender
Klassenstrukturen durch das dreigliedrige Bildungssystem. Mau
spricht über den Einfluss von sozialen Medien und rechten
Influencern auf die politische Sozialisation von Jugendlichen und
vor allem jungen Männern und zeigt, wie sich dadurch eine
kulturelle Liberalisierung verlangsamt.
Mit Blick in die Zukunft erwartet Mau eine multipolare Welt, in
der die Dominanz des Westens abnimmt. Er sagt: »Die Vorstellung,
dass sich die Welt westernisiert oder die Demokratie
globalisiert, wird sich so schnell nicht realisieren
lassen.«
Die Folge wurde am 24. August 2026 aufgenommen. Das heißt, kurz
vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
Moderation: Jochen Wegner Redaktion: Sophie Hübner
Visuelle Produktion: Michael Pfister
Videoproduktion: Lucie Liu, Nele Vogel, Iona Young Kamera,
Schnitt und Ton: ifbbw Visual Director: Malin Schulz Photo
Director: Tina Ahrens Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
Animation: Axel Rudolph Musik: Konrad Peschmann Logo: Lea
Dohle
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