Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama erklärt, warum die
liberale Demokratie unter Druck steht – und warum er trotzdem
nicht die Hoffnung aufgibt.
Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen
Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns
umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden
ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen
Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. Dies ist
die KI-Übersetzung des englischen Originalgesprächs.
Francis Fukuyama ist einer der bedeutendsten politischen
Theoretiker unserer Zeit. Im Sommer 1989, wenige Monate vor dem
Fall der Berliner Mauer, veröffentlichte er den Essay The End of
History? und wurde schlagartig berühmt. Darin argumentierte er,
dass der Niedergang des Kommunismus das Ende des großen
ideologischen Kampfes der Menschheit markiere und sich die
westliche liberale Demokratie als endgültige Regierungsform
durchsetzen werde. Das darauffolgende Buch wurde in mehr als 20
Sprachen übersetzt. Seitdem hat Fukuyama zahlreiche Bücher und
Analysen geschrieben, über Geschichte und die Ursprünge
politischer Ordnung, Vertrauen und Identität, Biotechnologie und
die Krise des Liberalismus. Er hat amerikanische Regierungen
beraten, den Johan-Skytte-Preis erhalten und lehrt an der
Stanford University. Sein neues Buch Der letzte Mensch erschien
im Juni 2026 in Deutschland.
Doch wie steht es um die liberale Demokratie – als ein Kind der
Aufklärung – heute? Wie viel ist von den Ideen und Idealen der
Aufklärung noch übrig? In der neuen Folge von Nur eine Frage
wollen wir von Francis Fukuyama wissen: Ist das Zeitalter der
Aufklärung vorbei?
Fukuyamas Antwort lautet: »Nein. Das Zeitalter der Aufklärung ist
keineswegs vorbei. Es steht unter Druck, aber es ist definitiv
nicht vorbei.«
Im Podcast beschreibt er zunächst die historischen Hintergründe
des Zeitalters der Aufklärung, wie die wissenschaftliche Methode
religiöses Dogma ablöste und die liberale Demokratie als eines
der Ergebnisse der Aufklärung hervorging.
Seit 2008 sei ein weltweiter Rücklauf der Demokratie zu
beobachten, erklärt Fukuyama. Besonders beunruhigend finde er den
Aufstieg illiberaler Parteien innerhalb etablierter Demokratien.
Vor allem die Entwicklung in den USA seit 2016 unter Donald Trump
sei dabei die bedeutendste Veränderung.
Eine Erklärung für diese gegenwärtigen Entwicklungen liefere für
Fukuyama Friedrich Nietzsches Konzept des »letzten Menschen« –
eine Figur, die in Wohlstand und Sicherheit lebt, aber kein
höheres Streben mehr kennt. Er erklärt, warum er sich diesem
Konzept bereits in seinem ersten Buch Das Ende der Geschichte
(1992) widmete und es in seinem neuen Buch Der letzte Mensch
(2026) wieder aufgreift.
Im Gespräch legt Fukuyama außerdem dar, wie die Coronapandemie
seiner Ansicht nach das Vertrauen in Gesundheitsbehörden und
Wissenschaft erschüttert hat und warum er glaubt, dass China mit
seinem politischen Modell keine überlegene Alternative zur
liberalen Demokratie entwickelt habe. Er beschreibt seine Sorge
in Bezug auf agentische KI und die Versuchung, Maschinen immer
mehr Entscheidungsbefugnis zu übertragen und beantwortet die
Frage, ob Deutschland mit der sozialen Marktwirtschaft ein
Vorbild für andere Länder sein könnte.
Trotz allem bleibt Fukuyama optimistisch. Das Zeitalter der
Aufklärung sei nicht vorbei, und wir müssten hart daran arbeiten,
dass dieses Licht nicht erlischt, so Fukuyama. Er plädiert dafür,
die Hoffnung nicht aufzugeben und die harte Arbeit demokratischer
Politik zu leisten, denn nur durch demokratisches Engagement
ließen sich illiberale Trends umkehren.
Moderation: Jochen Wegner Redaktion: Sophie Hübner
Visuelle Produktion: Michael Pfister Produktion:
ifbbw, Pool Artists Videoproduktion: Nele Vogel, Iona Young
Visual Director: Malin Schulz Photo Director: Tina Ahrens Design:
Adele Ogiermann, Jan Lichte Animation: Axel Rudolph Musik: Konrad
Peschmann Logo: Lea Dohle
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