In dieser 88. Folge berichten wir von einem Tag voller
unerwarteter Begegnungen, schöner Spaziergänge, einem
Schreckmoment am Abend und der Weiterreise am nächsten Morgen.
Unser Morgen begann etwas außerhalb von Goring. Wir wurden
bereits gegen 5:39 Uhr vom vorbeifahrenden Zug- und Güterverkehr
geweckt. Nach dem Aufstehen schnappten wir uns unseren Sohn
Valentin sowie Hund Mila und machten einen Spaziergang entlang
der Themse. Auf den alten Kuhweiden entdeckten wir zwar Fladen,
aber keine Kühe – dafür gab es schöne Häuser und vorbeituckernde
Bötchen zu beobachten. Da das Wetter auf dem offenen Feld schnell
warm wurde und Valentin die Hälfte der Strecke getragen werden
wollte, zog sich der Rückweg etwas in die Länge.
Zurück am Wohnmobil trafen wir noch einmal den Mann mit dem
Pferdetransporter (Horse Trailer), den wir bereits am Vortag
kennengelernt hatten. Obwohl er schon seit Jahren in England und
Wales unterwegs ist, konnte er uns für Kent und Canterbury leider
keine konkreten Tipps geben, da er sich meist weiter im Westen
aufhält.
Gerade als wir alles für die Weiterfahrt bereit gemacht hatten
und eigentlich nur zum Einkaufen aufbrechen wollten, sprang ein
Mann auf einem Fahrrad um unser Wohnmobil herum. Zunächst
befürchteten wir, es handle sich um einen Park Ranger, der uns
wegen des Stehens verweisen wollte. Doch es stellte sich heraus:
Er sprach Deutsch! Es war Felix, der Groundskeeper (Verwalter)
eines beeindruckenden, historischen Anwesens aus der
viktorianischen Zeit direkt um die Ecke. Nach einem kurzen
Gespräch lud er uns spontan ein, nach unserem Einkauf auf das
Gelände zurückzukehren und dort kostenlos zu übernachten.
Wir fuhren anschließend zum Einkaufen – unter anderem zum
Sainsbury's für einen warmen Kaffee sowie weiter zu Aldi nach
Didcot. Bei Aldi besorgte Valentin sogar ein kleines
Cordeichhörnchen als Geschenk für Mila. Nach der Rückkehr nach
Goring zeigte uns Felix das weitläufige Anwesen, das bis hinunter
zur Themse reicht – inklusive Bootshaus, einem eigenen Brunnen
und einem beheizten Poolgebäude, in dem regelmäßig
Schwimmunterricht für die lokale Gemeinde stattfindet.
Später machten wir noch einen Ausflug zum nahegelegenen
Naturschutzgebiet "Hartslock". Auf dem Rückweg begegneten wir
Eseln sowie Pferden und Valentin meisterte einen Großteil des
Weges selbst.
Am Abend wurden wir schließlich von Felix zum Essen auf dem
Gelände eingeladen. Er hatte den Tisch draußen bereits liebevoll
hergerichtet – mit selbstgemachtem Apfelsaft von eigenen Bäumen,
Rotwein und einem wärmenden Außenofen. Wir holten Essen vom
örtlichen Thai-Lotos-Takeaway. Mila durfte sich auch zu Felix'
Hund Willow gesellen, was draußen am Tisch überraschend gut
funktionierte.
Leider nahm der gemütliche Abend eine abrupte Wende: Valentin,
der den ganzen Tag über vor Energie wie ein "Duracell-Hase"
herumgeflitzt war, stützte sich beim Herumlaufen versehentlich
seitlich an dem über 200 Grad heißen Außenofen ab. Das Gebrüll
war riesig. Wir kühlten die verbrannte Hand sofort mit Wasser aus
der Karaffe, liefen nach drinnen an das Spülbecken und nutzten
schließlich ein Eispack von Felix.
Da Valentin sich durch die Kombination aus Müdigkeit, Schmerzen
und Überreizung gar nicht mehr beruhigen ließ und in eine echte
"Frenzy" geriet, brachten wir ihn ins Bett und gaben ihm
schließlich Paracetamol-Saft zur Schmerzlinderung.
Am darauffolgenden Folgetag starteten wir nach den Ereignissen
des Vorabends mit einer ausgiebigen Dusche am Morgen in den Tag.
Nach einer herzlichen Verabschiedung von Felix ging es für uns
zur nächsten Etappe: Wir traten die Fahrt zum Parkplatz in
Westerham an. Trotz des schrecklichen Endes am Ofen bleiben wir
extrem dankbar für die unglaubliche Gastfreundschaft, die wir in
Goring erleben durften.
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