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Eine KI-Richtlinie, die im Intranet liegt und niemanden erreicht,
ist kein Schutz. Sie ist eine Requisite.

Am 30. Oktober 1935 stürzte auf einem Flugfeld in Ohio das
modernste Flugzeug der Welt ab. Am Steuer zwei der erfahrensten
Testpiloten des Landes. Die Ursache war ein vergessener
Handgriff. Die Antwort darauf war keine bessere Ausbildung,
sondern eine Karte, die in die Handfläche passt.

Genau darum geht es bei der KI-Richtlinie.

KI wird längst benutzt, auch dort, wo die Geschäftsführung
glaubt, man sei noch in der Prüfphase. Nicht aus böser Absicht:
Da sitzt jemand am Freitagnachmittag vor einem Angebot, das
montags raus muss.

Verbote helfen dagegen nicht. Wer verbietet, ohne eine
Alternative anzubieten, bekommt keine Abschaffung, sondern
heimliche Nutzung. Und die ist teurer, weil sie unsichtbar ist.

Drei Gründe, warum Richtlinien wirkungslos bleiben, und keiner
ist juristisch: zu lang, für den falschen Adressaten geschrieben,
ohne Antwort auf die eine Frage, die die Leute wirklich haben.

Was Sie mitnehmen

Die eine Seite mit sechs Punkten: welche Werkzeuge erlaubt sind,
welche Daten hineindürfen, wer für das Ergebnis geradesteht, wo
gekennzeichnet werden muss, wen man bei einem Zwischenfall ruft,
wann überprüft wird.

Die Ampel für Daten. Grün ist, was ohnehin öffentlich ist. Gelb
gehört nur in geprüfte Systeme. Rot geht gar nicht.

Was nicht auf die Seite gehört: keine Erklärung der
KI-Verordnung, keine Technikkunde, kein Generalverbot.

Der unterschätzte Hebel sind Ihre Geschäftsgeheimnisse. Geschützt
ist eine Information nur, wenn sie durch angemessene
Geheimhaltungsmaßnahmen gesichert ist. Der bloße
Geheimhaltungswille genügt nicht mehr. Fehlt jede Regel dazu, was
in ein Sprachmodell darf, steht im Streitfall die Frage im Raum,
ob diese Maßnahmen angemessen waren.

Dazu der Betriebsrat: Die Rechtsprechung lässt die objektive
Eignung zur Überwachung genügen, eine Absicht braucht es nicht.
Viele KI-Werkzeuge protokollieren von Haus aus, wer wann was
gefragt hat.

Richtlinie und Betriebsvereinbarung sind zweierlei: Die eine
ändern Sie jederzeit, aus der anderen kommen Sie nicht einseitig
heraus.

Der Stolperstein der Folge: der Abschreiber. Achtzehn Seiten aus
dem Netz, Firmenname getauscht. Juristisch nicht falsch. Es
beschreibt nur ein Unternehmen, das es nicht gibt.

Ihr nächster Schritt

Die Muster-KI-Richtlinie liegt auf ai-governance.pro. Eine Seite
Kern, kurzer Anhang, kostenlos, in einer halben Stunde
ausgefüllt.

Was sie nicht kann: Ihr Unternehmen kennen. Sie ersetzt keine
Prüfung im Einzelfall. Die Inhalte dieser Folge sind keine
Rechtsberatung.

Links und Quellen

Artikel 4 EU AI Act: KI-Kompetenz – gilt seit dem 2. Februar
2025. Der Digital Omnibus hat den Wortlaut abgeschwächt, aber
nicht gestrichen.

Artikel 50 EU AI Act: Transparenzpflichten – die
Kennzeichnungspflichten aus Folge 1.

Geschäftsgeheimnisgesetz – § 2 Nr. 1 Buchstabe b, das
Geschäftsgeheimnis über angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen.

§ 87 Betriebsverfassungsgesetz – Absatz 1 Nummer 6 zur
Mitbestimmung bei Überwachungstechnik.

Der Absturz der Boeing Model 299 – National Air and Space Museum.

Wie die Pilotencheckliste entstand – Air and Space Forces
Magazine.

Für Sie relevant, wenn Sie …

… Geschäftsführung, CIO, IT- oder Compliance-Verantwortliche in
einem Mittelständler sind. Und wenn Sie ahnen, dass in Ihrem Haus
mehr KI läuft als offiziell bekannt.

Nächste Folge

Die Frage vor der Richtlinie: Welche KI läuft in Ihrem Haus
überhaupt?

Bleiben Sie handlungsfähig.

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„KI-Richtlinie“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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