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Brandmelder: Wie bekommen wir faktengetreue Medienberichte in der Klimakatastrophe?

Brandmelder: Wie bekommen wir faktengetreue Medienberichte in der Klimakatastrophe?

she drives mobility vor 1 Monat
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Kein Faktencheck, sondern Medienkritik. Aline hat das an einem
Beispiel festgemacht: die Kampagne gegen das Gebäudeenergiegesetz,
den sogenannten „Heizhammer”, die maßgeblich vom
Axel-Springer-Konzern vorangetrieben, aber von erschreckend vielen
anderen Medien einfach übernommen wurde. Markus Söder behauptete
damals, eine Wärmepumpe koste Hausbesitzer*innen 300.000 Euro -
eine vollkommen aus der Luft gegriffene Zahl. Ein Faktencheck
widerlegt so etwas. Die Aufgabe von Brandmelder beginnt danach: zu
analysieren, warum so viele Redaktionen eine derart offensichtliche
Fantasiezahl trotzdem unkommentiert weitergereicht haben. Das hat
mich sofort an meine eigene Arbeit erinnert. Wenn in
Polizeimeldungen „Auto übersah Radfahrerin” statt „Autofahrer*in
achtete an einer Kreuzung nicht auf die dann angefahrene
Radfahrer*in” steht, ist das exakt dasselbe Prinzip: Sprache, die
etwas unsichtbar macht, obwohl die Fakten längst bekannt sind.
Werbung in eigener Sache: Dieser Podcast und vieles andere von mir
ist kostenfrei nutzbar. Das ist mir wichtig, damit alle informiert
werden, auch Jene mit wenig Geld. Solltest du sieben Euro im Monat
übrig haben, dann freue ich mich über ein Abo meines wöchentlichen
Newsletters. Er finanziert meine Arbeit, die als einzige
Mobilitätsexpertin mit radikal intersektionalem Fokus in Zeiten des
fossilen und patriarchalen Backlashs grad nicht einfacher wird.
Danke für jeden finanziellen Support! Framings, die uns täglich in
die Irre führen. Einige Beispiele aus dem Gespräch sind mir
besonders im Gedächtnis geblieben: Das saarländische
Umweltministerium veröffentlichte eine Rote Liste gefährdeter Arten
mit der Überschrift „Ein Drittel der Arten im Saarland ist
gefährdet”. Die dpa machte daraus: „Zwei Drittel sind nicht
gefährdet.” Aline sagt, das sei für sie bis heute das schlimmste
Framing-Beispiel, das ihr je untergekommen ist. Ein weiteres
Beispiel ist der Wetterbericht: 30 Grad im Mai als „schönes Wetter”
zu bezeichnen oder zweistellige Temperaturen im Winter, bei denen
die Bäume schon austreiben, als Grund zur Freude zu verkaufen. Der
Witz dabei, sagt Aline, sei, dass „schönes Wetter” selbst schon ein
Framing sei, was jedoch nie hinterfragt werde, da der Wetterbericht
ja angeblich neutral sei. Oder die Weltklimakonferenz: Wird dort
eine klimaschädliche Entscheidung getroffen, heißt es oft
„Misserfolg für Klimaschützer*innen“ - als würden diese das Klima
nur für sich selbst schützen und nicht für uns alle. Warum Klima
kein Sonderthema sein darf. Warum wird das Thema Klima in
Redaktionen immer noch als Nischenthema behandelt, obwohl es doch
ein Querschnittsthema für praktisch jede Berichterstattung ist?
Aline nennt mehrere Gründe: Jahrzehntelange Desinformation hat vor
allem ältere Kolleg*innen geprägt, ohne dass ihnen das bewusst ist.
Zum anderen sind es klassische Nachrichtenfaktoren, die auf
plötzliche Ereignisse ausgelegt sind und mit einer seit Jahrzehnten
schleichend eskalierenden Krise nicht gut zurechtkommen. Und eine
Art vorauseilende Selbstzensur, gerade im öffentlich-rechtlichen
Rundfunk: Bloß nicht „Klima” sagen, weil die Leute angeblich
genervt sind – was vor allem daran liegt, dass die Gegenseite in
den sozialen Medien lauter ist als die Befürworter:innen. Und
schließlich ist da noch das leidige Neutralitätsargument. Aline
bringt es auf den Punkt: Journalismus kann gar nicht neutral sein,
da jede Journalistin und jeder Journalist durch die eigene
Biografie geprägt ist. Was möglich ist, ist Objektivität – aber
Neutralität einzufordern, wenn ein Faktum wie der Klimawandel zur
Debatte steht, führt direkt in die „False Balance“: 1 999
Klimawissenschaftler:innen sagen, die Erderhitzung sei real, eine
Person sagt das Gegenteil – und beide als „ausgewogen“ gleich zu
behandeln, ist keine Neutralität, sondern Verzerrung.
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Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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