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  4. Berlin im Blindflug | Von Michael Hollister
- warum nicht der Hack das Problem ist, sondern die
sieben Tage danach

Sieben Tage lang flossen Daten aus dem Berliner
Landesnetz, bevor der Angriff überhaupt erkannt wurde. Danach
folgte eine Entwarnung, die der Senat wenig später wieder
relativieren musste - während bis heute offen ist, was
tatsächlich gestohlen wurde und wie die Angreifer eindringen
konnten. Der Fall Rhysida wirft deshalb eine größere Frage auf
als die nach 5,79 Terabyte möglicher Beute: Wer überwacht
eigentlich das digitale Nervensystem der deutschen Hauptstadt -
und wie belastbar sind politische Entwarnungen, wenn selbst die
eigene IT noch im Dunkeln tappt?

Ein Kommentar von Michael Hollister.

Tagelang zogen Angreifer Daten aus dem Netz der deutschen
Hauptstadt ab, bevor überhaupt jemand es bemerkte - und Wochen
später kann die Verwaltung noch immer nicht sagen, was genau
abhanden kam. Dazwischen liegt eine Entwarnung, die sie kurz
darauf zurücknehmen musste. Das ist der eigentliche Vorgang, über
den zu reden lohnt. Nicht der Einbruch selbst: Dass jemand in ein
Behördennetz gelangt, kann trotz guter Absicherung geschehen, und
es geschieht überall. Entscheidend ist, wie schnell ein Angriff
erkannt, eingegrenzt und verstanden wird. Und genau hier beginnen
im Fall Berlin die Fragen. Der Datenabfluss lief nach Angaben des
Senats zwischen dem 07. und 12. August 2026 - bemerkt wurde er
erst am 14. August. Sieben Tage, in denen Daten das Landesnetz
verließen, ohne dass ein Alarm belastbar anschlug. Die Frage, die
dieser Text verfolgt, lautet deshalb nicht, ob Berlin Opfer
wurde. Sie lautet: Wer überwacht eigentlich das Landesnetz der
Hauptstadt - und was sagt dieser Fall über die Lücke zwischen dem
Anspruch des Staates und seinem eigenen Betrieb?

Der aktuelle Anlass

Am 28. August 2026 bestätigten der Regierende Bürgermeister Kai
Wegner und Innensenatorin Iris Spranger, dass das Land Berlin
erpresst wird. Ihre Antwort fiel knapp aus:

Landeskriminalamt, Staatsanwaltschaft und
Bundessicherheitsbehörden ermittelten mit Hochdruck, die
Untersuchung von Inhalt und Umfang der abgeflossenen Daten laufe.
Fragen ließen Wegner und Spranger nach ihrem wenige Minuten
langen Auftritt nicht zu; zur Höhe der Forderung und zur
Identität der Täter äußerten sie sich nicht.

Hinter dem Angriff steht nach Darstellung mehrerer Fachmedien und
der Tätergruppe selbst die Ransomware-Bande Rhysida. Auf ihrer
Leak-Seite reklamiert sie 5,79 Terabyte erbeutete Daten, rund
1,44 Millionen Dateien, darunter 46.500 Verträge, E-Mails,
Telefonnummern, Passwörter und als vertraulich bezeichnete
Informationen; genannt werden zudem personenbezogene Angaben zu
12.076 Menschen. Als Mindestgebot für eine Versteigerung nennt
die Gruppe 30 Bitcoin, umgerechnet etwa 2 Millionen Euro, und
setzt eine Frist von rund einer Woche. All diese Zahlen stammen
bislang ausschließlich von den Angreifern - Berlin hat weder die
Datenmenge noch die Detailangaben bestätigt. Das gilt auch für
die brisanteste Behauptung, es befinde sich eine Analyse zur
Berliner Wasserversorgung im Bestand: Ob es sich dabei um eine
konkrete Schwachstellenanalyse oder um eine allgemeinere
Resilienzbetrachtung handelt, ist offen - und solange das offen
ist, verbietet sich jede Dramatisierung.

Rhysida ist keine Unbekannte. Die Gruppe arbeitet nach dem Modell
der doppelten Erpressung - erst Datendiebstahl, dann die Drohung
mit Veröffentlichung - und wird auf dem Monitoring-Dienst
Ransomware.live mit rund 280 Opfern geführt, darunter die
Stadtverwaltung Stuttgart im Mai 2026. Ob die IT verschlüsselt
wurde, ist für dieses Geschäftsmodell zweitrangig: Selbst wer aus
Sicherungskopien wiederherstellen kann, bleibt der Drohung mit
Veröffentlichung ausgesetzt. Dass die Bande tatsächlich über
Material verfügt, legte sie im Darknet selbst nahe:

...https://apolut.net/berlin-im-blindflug-von-michael-hollister/
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„Berlin im Blindflug | Von Michael Hollister“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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