Ich hatte die große Freude als Internist und Kardiologe im 2.
Wiener Bezirk auch viele Juden betreuen zu dürfen. Von Ihnen
stammt so manche hübsche Geschichte!
Jiddische Märchen und jüdische Volkserzählungen verbinden
osteuropäischen Humor, Weisheit und religiöse Überlieferungen.
Sie handeln oft von armen, gottesfürchtigen Menschen, klugen
Rabbinern, Engeln, Dämonen oder sprechenden Tieren und spiegeln
die Lebenswelt der aschkenasischen Juden wider.
Viele Geschichten vermitteln ethische Lehren aus der jüdischen
Tradition (Tora, Talmud und Chassidismus). Sie nutzen oft feinen
Witz und Selbstironie, um Armut und schwere Zeiten zu
ertragen.
Der Schlimazel (vom hebräischen masel für Glück und schlim für
schlecht) ist ein chronischer Pechvogel, während der Schlemiel
der ungeschickte Tollpatsch ist. Berühmte literarische Beispiele
verbinden dieses Pech oft mit tiefem jüdischem Humor und
Lebensweisheit.
In der jiddischen Folklore ist Cholm das fiktive Dorf der Toren
und Schlemiels. Die Weisheit dieser Geschichten liegt darin, dass
die Dorfbewohner ihre Probleme mit absurder Logik lösen (z. B.
versuchen, das Sonnenlicht in Säcken einzufangen, um das Rathaus
zu erhellen)..
Der Schlemiel (Der ungeschickte Akteur) ist ein
gutmütiger, aber extrem ungeschickter Tollpatsch. Er
stolpert über seine eigenen Füße, lässt Dinge fallen oder trifft
falsche Entscheidungen. Er ist aktiv für das Chaos
verantwortlich.
Beispiel: Der Schlemiel ist der Kellner, der im
Restaurant stolpert und eine heiße Suppe verschüttet.
Herkunft von Schlemiel- ist historisch nicht
absolut eindeutig geklärt, aber es gibt zwei sehr starke,
anerkannte Theorien:
a) Die biblische Theorie: Iin der Tora wird
ein Stammesfürst namens Schlumiel ben
Zurischaddai erwähnt. Laut jüdischer Midrasch
(Überlieferung) war er der Einzige, der bei einer Schlacht
beinahe ohne Grund oder durch unglückliche Umstände das Leben
verlor, während alle anderen gerettet wurden.
b) Die hebräische
Wortspiel-Theorie): manche Sprachwissenschaftler
führen das Wort auf die hebräische Phrase sche-lo-mo'il
zurück. Das bedeutet übersetzt „der, der zu nichts nütze ist“,
daraus entwickelte sich im Jiddischen der sympathische, aber
unfähige Tollpatsch.
Das reale Chełm liegt im Osten Polens und war jahrhundertelang
ein bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens und osteuropäischer
Gelehrsamkeit.
Da die Stadt für ihre Talmud-Gelehrten und tiefgründigen Logiker
bekannt war, entstand im 19. Jahrhundert der humorvolle
Mythos.
Die Geschichten parodieren liebevoll die typisch talmudische
Haarspaltung, bei der logische Argumente soweit auf die Spitze
getrieben werden, bis sie jeglichen gesunden Menschenverstand
verlieren.
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