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  4. Mythos Wirtschaftswunder Teil 2
Wenn die angebliche "Stunde Null" und die Währungsreform 1948 als
Erklärung für den robusten Aufschwung der deutschen Wirtschaft nach
dem Zweiten Weltkrieg nicht ausreichen - was war es dann? Die zwei
verbleibenden Erklärungsversuche heißen: Marshallplan und Soziale
Marktwirtschaft. Das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft wurde
mehr vom Aufschwung getragen, als dass es dessen Ursache war. Das
Wachstum machte Ludwig Erhards Konzept populär, nicht umgekehrt.
Und der Marshallplan? Der war eine Kehrtwende der US-Politik.
Eigentlich sollte, nach dem so genannten Morgenthau-Plan,
Deutschland deindustriealisiert und zu einem Agrarland gemacht
werden. Deutschland sollte die Fähigkeit verlieren, andere Staaten
und deren Bevölkerung zu bedrohen. Aber 1947 erkannte man in
Washington, dass Frankreich und Großbritannien wirtschaftlich zu
schwach waren, um Treiber des europäischen Wiederaufbaus zu sein.
Was die USA aber schon seit 1945 wussten: Der Bombenkrieg hatte
zwar viele Städte in Schutt und Asche gelegt, aber die Industrie
war noch weitgehend in Takt. Deutschland hatte nach 1945 mehr
Industriekapital als vor dem Krieg. Und die Bevölkerung wuchs durch
Vertriebene und Flüchtlinge aus dem Osten. Es gab also genug
Arbeitskräfte. Der Marshallplan hatte zwei Effekte: Er half
psychologisch, es kam Unterstützung von außen. In Tat und Wahrheit
bestanden die Lieferungen aus den USA im Wesentlichen aus
Rohbaumwolle und Tabak, nicht aus Maschinen und moderner Technik.
In der deutschen Bevölkerung entstand trotzdem der Eindruck, der
Aufschwung sei dem Marshallplan zu verdanken. Und der zweite
Effekt: Wer Hilfe aus diesem Programm in Anspruch nahm, durfte in
Deutschland Reparationen aus der laufenden deutschen Produktion
entnehmen. Dadurch wurde die deutsche Wirtschaft von ihren Fesseln
befreit. Deutschland war nach dem Krieg also arm, aber nicht
unterentwickelt. Die Mythen um die vier Säulen des deutschen
Wirtschaftswunders haben eine Eigendynamik entwickelt. Der
eigentliche Treiber aber war die so genannte zweite wirtschaftliche
Revolution, also die Zusammenführung von Wirtschaft, Wissenschaft
und Technik. Deutschland produzierte komplexe Industrieanlagen,
veredelte Produkte und hochwertige Fahrzeuge. Das ist bis heute die
Basis für Deutschlands Ruf auf dem Weltmarkt.
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„Mythos Wirtschaftswunder Teil 2“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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