Der ikonische Wikingerhelm mit Hörnern ist ein Mythos, der
maßgeblich auf den Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“
zurückgeht. Der Bühnenbildner Carl Emil Doepler hat die Hörner auf
den Helmen erfunden, für die Walküren, für die Germanen, für die
große Geste. Es entspricht dem Klischee des wilden Wikingers, der
mit dem Hörnerhelm auf dem Kopf in die Schlacht zog. Dieses Motiv
findet sich überall wieder: vom dicklichen Comic-Helden „Hägar der
Schreckliche“ über den Zeichentrick-Helden „Wickie“ bis zu
zahllosen Kino- und Fernsehbildern. Der gehörnte Helm ist sozusagen
das Markenzeichen der Wikinger geworden. Dik Browne hat in den
70ern die Figur des Hägar geschaffen und seine Sprechblase spricht
Bände: „Hägar der Schreckliche … das bin ich! Der Schrecken des
Nordens! So einen Ruf muss man sich hart erarbeiten!!! Rauben und
Brandschatzen … Tag und Nacht … da kannst du jeden Wikinger
fragen!!!“ Das Faszinierende daran ist: Diese Bilder sind stärker
als jedes Geschichtsbuch. Sie setzen sich fest, sie überleben jede
Korrektur. Die Wahrheit kommt leise daher, der Hörnerhelm dagegen
mit Pauken und Trompeten. Der Hörnerhelm der Wikinger ist eine der
erfolgreichsten historischen Täuschungen überhaupt, ein Fake, der
so gut ist, dass selbst Historiker irgendwann denken: „Na gut,
vielleicht ein kleines Horn…“ Und wenn man sich dieses Bild einmal
wirklich ernsthaft vorstellt, dann bekommt es etwas fast Komisches.
Denn im Kampf wären diese Hörner eher ein Hindernis gewesen. Zwei
Krieger, die sich ineinander verhaken, wie Hirsche im Wald, das
wäre keine besonders effektive Kriegsführung gewesen.
Wissenschaftlich ist die Sache eindeutig. Es gibt keinen einzigen
archäologischen Fund, der belegt, dass Wikinger jemals Hörnerhelme
getragen haben. Nicht einen. Der berühmteste Fund, der
Gjermundbu-Helm aus Norwegen, zeigt uns etwas ganz anderes. Einen
schlichten Eisenhelm, mit Nasenschutz, funktional, robust, gebaut
für den Kampf, nicht für die Show.
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