Herzlich Willkommen zu unserer 5. Staffel M&M. Unser
Leitthema ist: Führung - was ist es und wie geht
das?
Wir starten dabei mit folgender Beobachtung aus der Praxis: In
vielen Organisationen scheitert Führung gerade nicht am Konflikt,
sondern daran, dass niemand verbindlich priorisiert und damit
auch verbindlich „Nein“ sagt.
Wir erleben in Beratungen immer häufiger eine merkwürdige
Gleichzeitigkeit: Die Organisation will schneller werden und baut
immer mehr Erwartungen ein. Neue Initiativen, neue Kennzahlen,
neue Standards, neue Projekte. Es ist dann kein Wunder, wenn alle
beschäftigt sind und trotzdem das Gefühl bleibt: Es kommt zu
wenig voran.
Typische Signale: Prioritäten wechseln, aber „alles ist wichtig“.
Entscheidungen werden vertagt oder in Meetings verlagert.
Führungskräfte rutschen in operative Feuerwehrarbeit, weil
Verantwortlichkeiten und Eskalationswege nicht klar genug sind.
Teams entwickeln eine feine Antenne dafür, welche Erwartungen
offiziell gelten und welche in der Praxis "drüber" sind.
Systemtheoretisch betrachtet ist das kein individuelles
Motivations- oder Kompetenzthema. Führung hat hier vor allem eine
Entlastungsfunktion zu erfüllen: Sie reduziert Ungewissheit und
macht Handeln wahrscheinlicher, indem sie Erwartungen sortiert
und Entscheidungen ermöglicht. Wo diese Entlastung nicht gelingt,
entsteht eine Organisation, die vieles gleichzeitig will, aber
wenig zuverlässig zu Ende bringt.
An der Stelle lohnt eine kleine Unterscheidung:
️ Management gestaltet die Entscheidungs-Architektur: Programme,
Ziele, Regeln, Kennzahlen, Rollen und Besetzungen. Es erzeugt
damit Erwartungen, die im Alltag wirksam werden
(Entscheidungsprämissen).
Führung passiert dann dort, wo diese Architektur auf Wirklichkeit
trifft: in konkreter Kommunikation, in Konflikten, in
Prioritäten, in Zumutungen und in der Frage „Wie handeln wir
jetzt?“
️ Das Spannende (und manchmal Schmerzhafte): Management hat
oftmals mehr Strukturen und Erwartungen produziert als
Entlastung. Führung muss dann nachziehen: erklären, moderieren,
reparieren, mitnehmen. Nicht, weil da "jemand schuld" wäre,
sondern weil das System zu viel gleichzeitig will.
Man kann diese Lage nicht „weg"-führen. Wer versucht,
strukturelle Überfrachtung allein über mehr Information,
Motivationsarbeit oder mehr Meetings zu kompensieren, macht
Führung zur Dauer-Feuerwehr. Entlastung entsteht dort, wo
Erwartungen begrenzt werden: durch Stop-Entscheidungen, klare
Prioritäten (und Prioritäten heißt vor allem: Was lassen wir in
den nächsten Wochen/Monaten bewusst liegen?), sinnvolle
Qualitätsmaßstäbe („gut genug“), Delegationsregeln und eine
Eskalationslogik, die nicht zufällig ist.
Genau deshalb machen wir in dieser Staffel bei M & M Führung
zum Schwerpunkt: nicht als Held*innengeschichte oder
Methodenkoffer, sondern systemtheoretisch: Führung als Funktion
in Organisationen, die mit widersprüchlichen Erwartungen umgehen
müssen, um so die Organisation in die Lage zu bringen sich selbst
zu organisieren.
Wie das Gelingen kann, entfalten wir in den kommenden neun Folgen
dieser Staffel. Wie immer mit dem Ziel, mehr Theoriefundament für
Eure Praxisarbeit zu gewinnen!
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