## Zusammenfassung
Christus erlöst uns durch sein Blut aus der Sklaverei der Sünde,
aus überströmendem Gnadenreichtum, und Gott offenbart sein
Geheimnis: alles im Himmel und auf Erden wieder unter Christus zu
vereinen.
## Details
### Einordnung in Epheser 1
Die Verse 3–14 bilden einen einzigen Lobpreis des Paulus über die
Erlösung. Dabei behandeln die Verse 3–6 das Werk Gottes des
Vaters (Erwählung vor Grundlegung der Welt, Vorherbestimmung zur
Sohnschaft), die Verse 7–12 das Werk des Sohnes und die Verse
13–14 das Werk des Heiligen Geistes. Die Predigt konzentriert
sich auf Verse 7–10 mit drei Aspekten: wie Gott uns erlöste, was
Gott dazu bewegte, und die Reichweite der Erlösung.
### Erstens: Wie Gott uns erlöste (Vers 7a)
Bevor Gott Sünder in seine Familie aufnehmen kann, muss er das
Problem der Sünde lösen. Kein Mensch kommt neutral zur Welt:
Jeder wird mit verdorbenem Herzen geboren, ist von Natur aus
ungehorsam und ein Kind des Zorns (Kap. 2,2–3), im Verstand
verfinstert und Gefangener sündiger Begierden (Kap. 4,18–19). Aus
diesem Zustand kann sich niemand selbst befreien — es braucht
Hilfe von außen.
Das Wort "Erlösung" meinte damals das Loskaufen von Sklaven oder
Entführten durch ein Lösegeld. Erlösen heißt dabei nie bloß
Freilassung, sondern Loskauf in den Besitz des Erlösers hinein.
Das Vorbild dafür ist der Auszug aus Ägypten: Gott kaufte Israel
los (2. Mose 6,6), um es zu seinem Eigentumsvolk zu machen (V. 7)
— und zwar durch Blut, das Blut des Passahlammes an den
Türpfosten. So auch im Neuen Bund: Ohne Blutvergießung gibt es
keine Vergebung (Hebräer 9,22). Der bezahlte Preis war das Blut
des Geliebten, des ewigen Sohnes Gottes.
Das Kreuz ist der stärkste Beweis für die Verdorbenheit des
Menschen und für Gottes Umgang mit Sünde: Er muss sie richten,
kann sie nicht dulden, und hasste sie so sehr, dass er seinen
eigenen Sohn dahingab.
"Die Vergebung der Vergehungen" bedeutet Befreiung von der
tyrannischen, todbringenden Herrschaft der Sünde. Christen sind
keine Sklaven der Sünde mehr, auch wenn sie noch von ihr geplagt
werden. Entscheidend ist das kleine Wort "haben": Erlösung ist
gegenwärtige Realität, nicht zukünftige Hoffnung. Jede Sünde der
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist bezahlt — "so weit der
Osten vom Westen" (Psalm 103,12), "ihrer Sünde nicht mehr
gedenken" (Jeremia 31,34).
### Zweitens: Was Gott bewegte, uns zu erlösen (Verse 7b–8)
Der Grund liegt allein im Reichtum seiner Gnade. Als Sünder haben
wir uns selbst bewusst von Gott abgewandt und reizen ihn täglich
zum Zorn — niemand hat die Erlösung verdient, gerecht wäre allein
das Gericht. Doch Gott ist nicht nur gerecht, sondern seinem
Wesen nach reich an Gnade.
"Reichtum" bedeutet Fülle und Überfluss (vgl. Psalm 103,11). Gott
gibt seine Gnade nicht tropfenweise und füllt den Becher nicht
nur bis zum Rand — er lässt ihn überfließen. Er hätte uns bloß
vor dem Gericht bewahren können; stattdessen macht er uns zu
Söhnen und Töchtern und Miterben seines Sohnes, versiegelt mit
dem Heiligen Geist als Unterpfand.
Dieses Ausgießen geschah "in aller Weisheit und Einsicht" — nicht
willkürlich, sondern wohlüberlegt, sorgfältig und zielgerichtet
geplant, damit Gott durch die Gemeinde den Fürstentümern und
Gewalten in den Himmeln seine mannigfaltige Weisheit kundtut
(Kap. 3,10). Dieselben beiden Begriffe beschreiben in Sprüche
3,19–20 die Erschaffung der Erde.
### Drittens: Die Reichweite der Erlösung (Verse 9–10)
Gott hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan. "Geheimnis"
meint nicht Mystik oder Okkultismus, sondern den verborgenen
Ratschluss Gottes, der nur denen zugänglich ist, denen er ihn
offenbart (Kap. 3,5; Matthäus 13,11; 1. Korinther 2,12.14). Den
Propheten des Alten Bundes war er verborgen; nun ist er den
Aposteln und durch sie der Gemeinde offenbart.
Dies tat Gott "nach seinem Wohlgefallen" — mit Freude, wie ein
Vater, der lange einen Plan für das Erbe seiner Kinder entwirft
und dann voller Freude enthüllt, wie sehr er sie liebt.
"Verwaltung der Fülle der Zeiten" bezeichnet Gottes Heilsplan in
der letzten Epoche, die mit der Geburt Jesu begann (Galater 4,4;
Hebräer 1,1–2) und mit seiner Wiederkunft endet.
Das Geheimnis selbst: alles unter ein Haupt in Christus
zusammenzubringen — das griechische Wort trägt den Gedanken des
Sammelns und der Wiederherstellung eines ursprünglichen Zustands.
Vor dem Sündenfall war Christus das Haupt über Himmel und Erde in
vollkommener Harmonie (Kolosser 1,16; 2,10). Dann rebellierte
Luzifer im Himmel, wurde auf die Erde geworfen, verführte den
Menschen — Rebellion in beiden Bereichen. Gott sandte seinen Sohn
nicht nur, um einzelne Menschen zu erlösen, sondern um alles zu
versöhnen durch das Blut seines Kreuzes (Kolosser 1,20).
Ausdrücklich abgegrenzt: Dies ist keine Allversöhnung — gefallene
Engel, Satan und unbußfertige Menschen werden nicht erlöst.
Gemeint ist die Wiederherstellung der zerstörten Harmonie unter
der ewigen Herrschaft Christi. Auch die Schöpfung seufzt in
Geburtswehen und wartet auf diese Befreiung (Römer 8). Martyn
Lloyd-Jones: Wenn all dies geschehen ist, wird es nie wieder
rückgängig gemacht.
### Drei Ermutigungen
**Gott herrscht über die Zeit.** Er offenbarte sein Geheimnis
weder früher noch später, sondern genau zur "Fülle der Zeit".
Unerfüllte Wünsche — Kinder, Ehepartner, Arbeitsstelle — ebenso
wie Regierungen, Kriege und Katastrophen stehen unter seiner
Kontrolle und seinem Zeitplan.
**Gott stellt wieder her.** Wer Himmel und Universum durch sein
Wort wiederherstellen kann, kann auch zerbrochene Beziehungen,
Sünden im eigenen Leben und scheinbar hoffnungslos verlorene
Menschen wiederherstellen.
**Christus wird gemeinsam mit seinen Erlösten regieren.** Wer in
Christus ist, wird Erbe seines Reiches, sitzt mit ihm auf Thronen
und herrscht über die neue Schöpfung (Offenbarung 5).
### Zwei Ermahnungen
**Nimm Gottes Gnade jetzt in Anspruch.** An den noch unversöhnten
Sünder gerichtet: Verschiebe es nicht auf morgen. Christus steht
mit offenen Armen bereit, die Ketten fallen zu lassen und von der
Befleckung zu reinigen.
**Sei bestrebt, bei der Sammlung dabei zu sein.** Wenn Jesus
wiederkommt, wird er Schafe und Böcke scheiden — den einen gilt
"tretet ein in die Freude eures Herrn", den anderen "weicht von
mir". Vergewissere dich, dass du zu den Schafen gehörst, die ewig
bei ihm sein werden.
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.